Dax ist das größte Kurbad Frankreichs. Foto: Hilke Maunder

Kurbad Dax: Auftanken am Adour  

Offiziell heißt die Stadt: Dax. Richtig schön hart ausgesprochen wie der Deutsche Aktien-Index. Doch in den Straßen höre ich hier und da auch ganz sanft, fast zärtlich: Daaasch.

So weich wie der Heilschlamm des Adour, der seit der Antike so manches Leiden gelindert hat. Schön weich sind auch die Madeleines der Stadt. Nichts für Weicheier indes ist die Feria von Dax im Sommer.

Die antike Quelle. Foto: Hilke Maunder
Die antike Quelle. Foto: Hilke Maunder

Heilbad der Römer

Wie ein Heiligtum hütet Dax seine Quelle. Eingefasst in eine Art Tempel ohne Dach, sprudelt die source de la Néhé im Herzen der Stadt mit drei Fontänen in einem säulengeschmückten, rechteckigen Becken und schießt 64 Grad Celsius heiß, als fontaine chaude aus neun Löwenmäulern.

Aus 2.000 Meter Tiefe entspringt es und sprudelt empor: 2.400.000 Liter Wasser täglich! Mit diesem Heilwasser soll Julia, die Tochter des römischen Kaisers Augustus, vor 2000 Jahren in Dax ihr Rheuma kuriert haben.

Ihre Thermalstadt schützten die Römer mit einer 1.465 Meter langen Stadtmauer, die im 19. Jahrhundert abgerissen wurden. Nur ein 320 Meter langes Teilstück überlebte. Es führt durch die Rue des Barnabites zur Place des Salines mit dem Hôtel Biraben aus dem Jahr 1909.

Der römische Legionär mit seinem Hund. Foto: Hilke Maunder

Und auch der Hund eines römischen Legionärs, der kaum noch laufen konnte, soll in Dax geheilt worden sein. Sein Herrchen hatte das Tier ans Ufer des Adour gesetzt, wo der Schlamm des Flusses geheilt hätte. Übergroß erinnert ein Denkmal aus Bronze auf der Place de la Cathédrale im Schatten hundertjähriger Olivenbäume an dieses Wunder.

Wunderschlamm des Adour

Heute sorgen 21 Thermalkurhäuser dafür, dass Dax zum größten Kurbad von Frankreich aufgestiegen ist. Ihre Peloidtherapie hat die Stadt auch über die Landesgrenzen berühmt gemacht. Als Bad, Wickel oder Packung soll der Heilschlamm von Dax bis heute wahre Wunder bei Arthrose, Osteoporose, Rheuma oder Gicht bewirken.

Doch damit nicht genug: Jenseits des Adour-Flusses lockt Saint-Paul-lès-Dax ebenfalls mit Wellness- und Kururlaub mit dem Schlamm voller Wunder.

Schlendern und shoppen

Wer hier kurt, hat ein gut gefülltes Portemonnaie. Klasse statt Masse gilt auch für die Geschäfte der City. Inhabergeführte Boutiquen säumen die Straßen und Gassen mit blank gelaufenem Marmorpflaster. Die verkehrsberuhigten Straßen verführen zum Schlendern und Schauen.  Unterwegs kommt ihr an Cafés und Bars vorbei, kleinen Boutiquen und Geschäften wie diesem: Cazelle.

In der Fußgängerzone. Foto: Hilke Maunder
In der Fußgängerzone. Foto: Hilke Maunder

Zarter Genuss

In der Rue de la Fontaine Chaude 6 verkauft die Pâtisserie Cazelle ihre berühmten Madeleines. Seit  1906 werden sie nach einem „Geheimrezept“ gebacken. 1927 gab es für das feine Gebäck der Familie bei der Landwirtschaftsmesse in Paris die Goldmedaille.

Trotz ihrer vielen Preise ist die Pâtisserie, die heut in fünfter Generation besteht, bescheiden und authentisch geblieben. Die historische Fassade, die in der Denkmalschutzliste der Bâtiments Historiques aufgeführt ist, zeigt keine protzige Schaufensterauslage, sondern nur große Fenster mit weißen Vorhängen und einige Pappschachteln in Türkis und Rot mit dem Firmenlogo auf dem Regal.

Nostalgisch: die Boutique der Madeleines in Dax. Foto: Hilke Maunder
Nostalgisch: die Boutique der Madeleines in Dax. Foto: Hilke Maunder

Im Innern verführt keine falsche Vintage-Deko zum Kauf. Einzig ein schlichter Holztresen mit Glasabdeckung steht auf dem alten Kachelboden.

Unter Glas ruhen die Madeleines, frisch aus der Backstube, in einem Weidenkorb. Wie sie duften, wenn der Deckel hochgehoben wird und die Verkäuferin eine Madeleine mit der Zange reicht: Goûtez – kosten Sie!

Zart und hell sehen sie aus, nicht so golden und buttrig wie die klassische Madeleine. Dezent knusprig ist ihr Äußeres. Dann erobern Aromen von Zitrone und Orangenblüte den Gaumen. Genuss à la Dax – zum Tee und Kaffee wie zum Apéro.

Die berühmten Madeleines aus Dax. Foto: Hilke Maunder
Die berühmten Madeleines aus Dax. Foto: Hilke Maunder

2022 wurde die Pâtisserie Cazelle in das Collège Culinaire de France aufgenommen. Diese Vereinigung wurde 2011 von 15 international anerkannten französischen Küchenchefs, darunter Alain Dutournier und Alain Ducasse, gegründet.

Das Ziel des Collège Culinaire de France ist es, die Qualität der Gastronomie in Frankreich und all jene auszuzeichnen, die sie mit außergewöhnlicher Qualität vertreten und fördern.

Die Markthallen von Dax

Seit Oktober 2021 ist die Markthalle von Dax nach mehrjähriger Renovierung wieder geöffnet. Dass sie bis auf das Jahr 1871 zurückreichen, lässt der heutige Bau im Stil der Postmoderne kaum ahnen. Drinnen jedoch sind die Händler der Stände tief in der Tradition verwurzelt und verkaufen von Dienstag bis Sonntag echte Hochgenüsse des terroir von Dax und dem Pays d’Orthe.

In den ersten Stock der Markthalle ist das Medienhaus fnac mit der einzigen Filiale im Département Landes eingezogen. Die Markthallen von Dax sind seit dem Umbau mehr als ein Schlemmer- und Shoppingziel, sondern im wortwörtlichen Sinn ein Stadtzentrum und Ort der Geselligkeit.

Acht Großbildschirme können dort Sport- und andere Veranstaltungen live übertragen. Picknicktische laden ein, all jene Leckereien der Stände ringsum gleich vor Ort zu verzehren. Käse von Chez Baptiste, Stopfleber von der Maison Lafitte , Feinkost von Maison Balme, Wein von der Cave Dourthe oder Craft-Bier von der Mikrobrauerei L’expériment’halle, griechische Knabbereien, Pasta oder Asiatisches aus Vietnam: In der Markthalle flirtet die Welt mit der Küche des Südwestens.

Der gotische Höllenbogen

Jakobswege: Dax: Kathedrale Notre-Dame de Sainte-Marie. Foto: Hilke Maunder
Die Kathedrale Notre-Dame de Sainte-Marie. Foto: Hilke Maunder

Im Innern versteckt auch die Cathédrale Notre-Dame ihren Schmuck. Von außen ist der wuchtige Bau mit seinen barocken Türmen mehr als schlicht.

Doch im Innern birgt sie mit dem zwölf Meter hohen Tor des Apostels ein prachtvolles Zeugnis aus dem 13. Jahrhundert, das einst den Vorgängerbau geschmückt hat.

Ein Karussell dreht sich vor der Kathedrale. Foto: Hilke Maunder
Ein Karussell dreht sich vor der Kathedrale. Foto: Hilke Maunder

Was irdische Sünder im Jenseits erwartet, zeigt ein gotischer Skulpturenbogen über den Aposteln: Sie schmoren in Luzifers Kochtopf.

Kurort des Südwestens

Gediegene Gemütlichkeit strahlt Dax aus. Prachtvoll sind die Kurhotels – und besonders zwei, die den Balcon d’Adour säumen, die 300 Meter lange Fußgänger-Promenade am Fluss.

Seit den 1930er-Jahren erhebt sich dort Le Splendid*. Der große Komplex mit 150 Zimmern und Trinkhalle gehört zu den schönsten Art-Déco-Bauten Frankreichs.

Sein Architekt André Granet ließ sich beim Bau vom legendären Transatlanik-Liner Normandie inspirieren. Gleich daneben stellte Frankreichs Stararchitekt Jean Nouvel die Résidence des Thermes, eine kantige Kurunterkunft in Alu, Glas und Zeder.

1894 begann in Dax der Kurbetrieb. Und viele Prominente kamen. Staatschef Clemenceau, die Schauspieler Sarah Bernhardt und Sacha Guitry sowie viele andere Berühmtheiten kamen nach Dax zum Kuren und machten das Städtchen zum Thermalbad der Luxusklasse.

Das moderne Kurbad von Dax. Foto: Hilke Maunder
Das moderne Kurbad von Dax. Foto: Hilke Maunder

Die Feria von Dax

Alljährlich am 15. August feiert Frankreich Mariä Himmelfahrt. In Dax steigt dann das zweitgrößte Volksfest des Südwestens: die Feria. Bei diesem Stierkampfspektakel steht neben der spanischen Corrida auch stets die einheimische Course Landaise auf dem Programm, bei der das Tier nicht getötet wird.

Neben dem Saint-Pierre-Kurbad stellt eine Statue von Christian Maas eine Szene der course landaise nach. Sie zeigt, wie ein écarteur dabei einem Tier ausweicht. Es ist La Fédérale, eine der berühmtesten Kampfkühe des vergangenen Jahrhunderts. Christian Maas hat für Dax auch die Stierstatue am Eingang des Parc Théodore Denis geschaffen.

Mutige Stiersprünge

Der Torero und sein Stier: Auch die Kunst feiert die Feria. Foto: Hilke Maunder
Der Torero und sein Stier: Auch die Kunst feiert die Feria. Foto: Hilke Maunder

Der Stierkampf der course landaise fußt vielmehr im antiken Stiersprung. Rast der 300- 500 Kilogramm schwere Stier auf den Torero zu, springt der sauteur über den Stier. Und das nicht nur im letzten Moment, sondern stets mit geschlossenen Füßen – mal die Beine zusammengebunden, die Füße in der Baskenmütze, in der Hocke oder ausgestreckt nach vorne. Dabei trägt er traditionell einen weißen Anzug mit blauem Gürtel.

Der Hauptakteur der course landaise ist jedoch der écarteur. Dieser hat eine aufwendig bestickte Jacke an und weicht dem Angriff des Stiers im allerletzten Moment mit einer geschickten Drehbewegung aus.

Das Mekka der course landaise ist die 1913 erbaute Stierkampfarena. 8.000 Zuschauer erleben dort im August die Feria, bibbern vor Spannung und applaudieren hauthals.

Die Feria ist ein Volksfest, das die ganze Stadt feiert. Der rot-weiß-grün geschmückte Feria-Baum wird aufgestellt, Männer mit Schaffell und Strickstrümpfen tanzen auf Stelzen, Bandas (Musikgruppen) ziehen durch die Straßen der Stadt. Eine Woche lang wird getanzt, gefeiert und bis spät nachts der Sommer genossen.

Historische Hubschrauber

Landesweit einzigartig ist das Musée de l’Aviation légère de l’Armée de Terre et de l’Hélicoptère (Museum der Heeresfliegertruppe und des Hubschraubers) uf dem Gelände der Heeresfliegerschule, wo auch die Ausbildung der französischen Militärhubschrauberpiloten stattfindet

Seit 1992 präsentiert es au auf mehr als 6.000 Quadratmetern eine der bedeutendsten europäischen Sammlungen von Hubschraubern und Flugzeugen, die bei der französischen Heeresfliegertruppe (ALAT) sowie bei anderen Teilstreitkräften wie Marine, Luftwaffe und Gendarmerie im Einsatz waren. Insgesamt sind mehr als 30 Luftfahrzeuge und zwei Simulatoren ausgestellt. Zu den Exponaten zählen unter anderem historische Modelle wie die Bell 47, Alouette II und III, Puma, Gazelle, Sikorsky H-19 und viele mehr. Auch seltene Einzelstücke wie der Hiller 360, der von der berühmten Pilotin Valérie André geflogen wurde, sind zu sehen.

Zahlreiche Fotografien, Trophäen, Modelle, Dioramen und eine umfangreiche Dokumentationssammlung mit über 8.000 Referenzen zur Geschichte der ALAT, insbesondere zu den Einsätzen im Zweiten Weltkrieg und im Indochinakrieg, ergänzen die Sammlung, durch die ehrenamtlichen Luftfahrtliebhaber führen.

Das <em>Immeuble Biraben</em>. Foto: Hilke Maunder
Das Immeuble Biraben. Foto: Hilke Maunder

Dax: meine Reise-Infos

Shopping

Atelier Nectoux

Zinntresen gab es früher in allen französischen Bars, Cafés und Restaurants. Heute gilt das Familienunternehmen als letztes Unternehmen, das noch Bordüren im Stil von 1900-1930 und Bistro-Accessoires aller Art herstellt. Seit 2009 ist die Werkstatt als Entreprise du Patrimoine Vivant (Unternehmen des lebendigen Erbes) ausgezeichnet.
• 38, rue Joseph de Laurens, 40100 Dax, Tel. 05 58 56 02 02, www.atelier-nectoux.fr

Manufacture Castex

Die Manufaktur Alphonse Castex ist landesweit als Spezialist für Federn und Daunen berühmt. Das 1870 in Dax gegründete Familienunternehmen aus Dax stellt seit fünf Generationen aus Gänse- und Entenfedern Daunenbettdecken, Steppdecken, Kopfkissen und Nackenrollen her.
• 12, rue de la Tannerie, 40100 Dax, Tel. 05 58 56 75 75, www.couette-castex.com; günstiger im Fabrikverkauf!

Schlemmen und genießen

La Grande Brasserie de l’Atrium

Beste Brasserie-Küche kommt bei Küchenchef Claude Labescat auf den Tisch. Genießt sie drinnen im Art-Déco-Ambienten oder im Innenhof des denkmalgeschützten Gebäudes.
• 1, cour Maréchal Foch, 40100 Dax, Tel. 05 58 58 62 52, www.la-grande-brasserie-de-latrium-restaurant-dax.com

Restaurant Lou Caçairot

Les Thermes Avenue vereinen alles, was Gäste nach Dax lockt: Kurbad und Spa, Hotel und zwei Restaurants. Das Lou Caçairot überzeugt mit bester lokaler Bistronomie.
• 17, avenue.Georges Clemenceau, 40100 Dax, Tel. 05 58 56 36 37, www.thermes-avenue.com

La Fabrique

Küchenchef Christophe Takvorian stammt ursprünglich aus Lyon und hat bei renommierten Köchen wie Jean-Pierre Lacombe, Pierre Orsi, Anne-Sophie Pic und Antoine Westermann gelernt. Nach Stationen in Lyon und Paris hat er sich mit La Fabrique in Dax im Juli 2024 selbstständig gemacht und sich damit einen Traum erfüllt.

Seine cuisine libre ist eine freie, kreative Küche, die convenience fod aus der Küche verbant hat und auf frische, saisonale, lokale Produkte, die er gerne überraschend und originell kombiniert – beispielsweise als confierte Rinderbacke mit Gemüse, Dorade mit Butternut-Kürbis, Clementine und Wakame. Das Kinderessen Arme Ritter kommpt als pain perdu mit Salzkaramell ganz trendy zum Dessert daher. La Fabrique gilt als eine der spannendsten Schlemmer-Adressen in Dax – und begeistert mit kreativer französischer Küche in lockerer Atmosphäre.
• 2, place Camille Bouvet, 40100 Dax, Tel. 05 40 77 26 62, www.lafabrique-cuisinelibre.fr

Complices

Table épicurienne nennt sich dieses Adresse der Haute Cuisine, und beim Carte-Blanche-Menü beweisen die beiden Küchenchefs Sophie und Hugo, die auch privat ein Paar sind, ihre kreative wie vollendete Kochkunst.
• 44, cour Gallieni, 40100 Dax, Tel. mobil 06 81 56 09 51, https://complicesdax.fr

Nicht verpassen

Von Gunther Riess , der bei Dax eine zweite Heimat hat, stammt dieser Extratipp. Er schrieb: „Berichten sollte man bei Dax auch von der Folkloregruppe Lous Gouyats de l’Adou mit ihren Stelzenläufern.“ Merci für diesen Hinweis!

Hier könnt ihr schlafen

La Croix Blanche*

Drei nostalgisch-komfortable Gästezimmer (chambres d’hôtes) bei einem sehr sympathischen Gastgeberpaaar im Herzen von Dax.
• 17 bis, rue de la Croix Blanche,  40100 Dax, Tel. mobil 0, www.daxlacroixblanche.fr

Noch mehr Betten*

 

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Im Blog

Alle Beiträge aus dem Département Landes vereint diese Kategorie.

Im Buch

Klaus Simon, Hilke Maunder, Secret Citys Frankreich*

Dax gehört zu den 60 Orten in Frankreich, die – jenseits von Kurbetrieb und Ferie-Trubel – noch echte Perlen abseits des touristischen Mainstreams sind. Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Klaus Simon stelle ich in diesem Band vor.

Mit dabei sind auch Le Malzieu in der Lozère, Langogne im Massif Central und Senlis, eine filmreife Stadt im Norden von FrankreichFrankreich für Kenner  – und Neugierige!

Lasst euch zu neuen Entdeckungen inspirieren … oder träumt euch dorthin beim Blättern im Sessel oder am Kamin. Wer mag, kann das Lesebuch mit schönen Bildern hier* bestellen.


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Wand-Kunst in Dax. Foto: Hilke Maunder
Hommage an das heiligende Wasser: Wand-Kunst in Dax. Foto: Hilke Maunder