Design
The French Touch : Er macht Design aus Frankreich einzigartig. Von Le Corbusier bis Philippe Starck, von Jean-Louis Domecq bis Charlotte Perriand haben französische Designer nützlichen Dingen neue Formen gegeben – mal sachlich, mal verspielt – und mitunter auch völlig verrückt.
Bereits in der Renaissance war made in France beim Design sehr gefragt. Prachtvolle Schlösser wie Amboise und Azay-les-Rideau zeugen bis heute von exquisiter Handwerkskunst und dem Einsatz edelster Materialien. Im Barock und Rokoko wandte sich das Design zierlichen Formen, Pastellfarben und üppigen Verzierungen zu. Möbel von Meistern wie André-Charles Boulle und Jean-François Oeben vereinten Funktionalität mit einer Eleganz, die weltweit zum Maßstab für höfischen Luxus wurde.

Das Erbe der großen Manufakturen
Das Design der damaligen Zeit prägte maßgeblich die Krone, und staatliche Werkstätten stellten alles her, was Luxus, Glanz und Pracht versprach: Design als Zeugnis und Spiegel staatlicher Macht – von der Spitze in Alençon bis zu den Teppichen von Aubusson. Traditionsreiche Manufakturen bewahnren seit Jahrhunderten das Know-how der Excellence française.
In der Manufaktur von Sèvres entsteht seit der Zeit von Madame de Pompadour Porzellan, das in seiner Zartheit und Farbgewalt unerreicht bleibt. Ebenso legendär ist das Kristall von Baccarat, das in den lothringischen Vogesen geschmolzen wird und einst die Tafeln von Zaren und Präsidenten schmückte. Die Seidenweber von Lyon, die Canuts, haben mit ihren Stoffen nicht nur Mode, sondern auch die textile Raumgestaltung revolutioniert.

Aufbruch in die Moderne: Ikonen aus Glas und Stahl
Die industrielle Revolution brachte radikal neue Materialien und Produktionsmethoden hervor. Funktionalität und Ästhetik verschmolzen im Jugendstil, meisterhaft vertreten durch Visionäre wie René Lalique, der Glas wie Schmuck behandelte, und Hector Guimard, dessen geschwungene Metro-Eingänge das Pariser Stadtbild bis heute prägen.
Im 20. Jahrhundert erlebte französisches Design eine wahre Blütezeit. Art déco, Funktionalismus und Minimalismus prägten die Epoche, in der große Namen wie Eileen Gray und Pierre-Jean Chareau zeitlose Ikonen schufen. Le Corbusier und Charlotte Perriand dachten das Wohnen völlig neu und entwarfen Möbel, die als „Maschinen zum Ausruhen“ in die Geschichte eingingen und bis heute in modernen Wohnzimmern stehen.

Design im Alltag: vom Messer bis zum Auto
Der French touch offenbart sich jedoch nicht nur in Galerien, sondern vor allem im Alltag. Es sind die Dinge, die man fast unbewusst benutzt, die aber durch ihre perfekte Form bestechen. Das Opinel-Messer aus Savoyen mit seinem schlichten Holzgriff ist ein solches Beispiel für funktionales Design, das seit über 130 Jahren nahezu unverändert blieb.
Auch das Laguiole-Messer mit der charakteristischen Biene auf der Feder ist ein Symbol für regionale Identität und handwerkliche Perfektion. In der Welt der Mobilität setzte der Citroën DS Maßstäbe; seine futuristische Silhouette war bei seinem Erscheinen 1955 eine Sensation und gilt heute als eine der bedeutendsten Design-Ikonen des Automobilbaus. Selbst die schlichte Lampe Jieldé von Jean-Louis Domecq, ursprünglich für Werkstätten konzipiert, ist heute ein begehrtes Objekt in modernen Lofts.
Die Cité du Design von Saint-Étienne
Als Hochburg für Design aus Frankreich gilt Saint-Étienne – die einstige Waffenschmiede ist seit 2010: als einzige französische Stadt als UNESCO Creative City of Design anerkannt. Auf dem 120.000 Quadrameter großen Gelände der alten der ehemaligen Manufacture d’Armes de Saint-Étienne ( MAS ), von 1764 bis 2001 aktiv, errichtete das Architektenbüro LIN (Finn Geipel, Nicolas Tye) auf 33.000 Quadratmetern von 2005 bis 2009 die Cité du Design als einen Komplex, dessen alte rote Ziegelfabriken und das Palast-Gebäude (1864–1870) moderne Bauten ergänzen.
Die Cité du Design verbindet Ausbildung und Forschung ( École supérieure d’art et design ) mit Ausstellungen und ist alle zwei Jahre Gastgeberin einer renommierten Design-Biennale. In Paris ist das Musée des Arts Décoratifs im Flügel des Louvre die Pilgerstätte für alle, die die Entwicklung vom Kunsthandwerk zum modernen Industriedesign nachvollziehen wollen.

Nachhaltig und sozial in die Zukunft
Im 21. Jahrhundert spielen Themen wie Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung im französischen Design eine wachsende Rolle. Designer wie Inga Sempé, Matali Crasset und Christophe Delcourt setzen recycelte Materialien in Szene, andere jonglieren kreativ mit Themen wie Energieeffizienz – und verwandeln nostalgische Röhrenradions mit LEDs in charmant futuristische Retro-Leuchten. Solange Van der Vegt näht aus ausrangierten Langspielplatten und Singles modische Taschen.
Multifunktionalität ist heute das große Thema im französischen Design. Möbel und Designobjekte müssen sich flexibel Lebensräumen und Lebensphasen anspassen. Dabei gewinnt der Trend zur Personalisierung an Bedeutung – individuelle Gestaltungsmöglichkeiten und maßgeschneiderte Produkte stehen im Fokus. Von historischen Meistern bis hin zu zeitgenössischen Talenten prägen französische Designer die Welt mit ihrer Kreativität und ihrem Gespür für Ästhetik. Entdeckt sie hier!





