Fotografie

Im August 1839 stellte Frankreich eine Weltneuheit vor, die den Blick auf die Realität für immer verändern sollte: die Fotografie. Die Regierung in Paris hatte das Verfahren von Louis Daguerre angekauft und schenkte die Erfindung in einer beispiellosen Geste der ganzen Welt. Seit diesem Moment ist die Geschichte der Lichtbildkunst untrennbar mit der Grande Nation verbunden. Von den ersten Silberplatten bis zur modernen Digitalkunst schrieben französische Fotografen Kunstgeschichte.

Bereits 1826 gelang Nicéphore Niépce auf seinem Gut Le Gras bei Chalon-sur-Saône mit der Heliografie die erste dauerhafte Belichtung der Welt – die Belichtungszeit betrug damals noch acht Stunden. Erst sein Partner Louis Daguerre machte das Verfahren massentauglich. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckte das Bürgertum das Porträt, während Fotografen wie Gaspard-Félix Tournachon, bekannt als Nadar, die Größen seiner Zeit – von Charles Baudelaire bis Sarah Bernhardt – in seinem Pariser Atelier am Boulevard des Capucines verewigte.

An der Schwelle zum 20. Jahrhundert widmete sich Eugène Atget einer monumentalen Aufgabe: Er dokumentierte systematisch das alte, verschwindende Paris. Seine zwischen 1898 und 1927 entstandenen Aufnahmen von leeren Hinterhöfen und Schaufenstern beeinflussten später maßgeblich die Surrealisten um Man Ray.

Die Macher von Magnum

Henri Cartier-Bresson prägte das Konzept des instant décisif. Im entscheidenden Augenblicks) verschmelzen Form und Ereignis und machen jedes Foto zu einer Momentaufnahme mit einer Strahlkradft, die weit darüber hinaus reicht. Dieses Konzert wurde zurm Kernkonzept und Erfolgsrezept einer bis heute legendären Bildagentur von Fotoreportnern, die Henri Cartier-Bresson gemeinsam mit Robert Capa und David Seymour im Jahr 1947 gründete: Magnum Photos.

Der inszenierte Kuss

Zur gleichen Zeit entwickelte sich eine zweite Strömung: die humanistische Fotografie. Weltberühmt wurde ein Foto: Der Kuss vor dem Rathaus (1950) von Robert Doisneau. Was wie eine Momentaufnahme vor dem Pariser Rathaus wirkt, zufällig eingefangen mit der Rolleiflex, ist tatsächlich eine perfekte Inszenierung. Doisneau hatte das junge Schauspielstudenten-Paar Françoise Delbart und Jacques Carteaud kurz zuvor in einem Café beim Küssen beobachtet. Anstatt sie heimlich zu fotografieren, sprach er sie an und fragte, ob sie bereit wären, den Kuss für ihn an verschiedenen Orten in Paris gegen Bezahlung zu wiederholen.

Wie beim berühmten Kuss vor dem Rathaus griff Doisneau immer dann zur Inszenierung, wenn er einen Auftrag für Magazine wie Life oder Vogue ausführte. Das Gros seiner Werke indes fingen die echte soziale Realität des Nachkriegsfrankreichs ein. besonders seine Aufnahmen aus den ärmeren Vorstädten (banlieues) und der Welt der Arbeiter, sind authentische Beobachtungen.

Als pêcheurs des images, Fischer von Bildern, verbrachte Doisneau oft Tage damit, einfach nur an Straßenecken zu stehen und darauf zu warten, dass das Leben eine Geschichte schreibt. Ähnlich arbeitete sein Kollege Willy Ronis, der die Welt der Arbeiter und poetische Momente am Canal Saint-Martin einfing. 1966 gründete Raymond Depardon die Agentur Gamma und erweiterte den dokumentarischen Blick. Beürhmt wurden vor allem seine Langzeitstudien das Verschwinden der bäuerlichen Lebenswelt in Frankreich .

Die 1970er-Jahre brachten mit Guy Bourdin eine radikale Wende in der Modefotografie. Seine zwischen 1955 und 1987 für die Vogue entstandenen Aufnahmen waren surreal, oft provokant und farbgewaltig – er brach mit allen Konventionen der klassischen Produktpräsentation.

Weltberühmte Festivals der Fotografie

Heute prästentieren Museen und Festivals das Gestern udn Heute der Fotografie. Seit 1970 verwandelt das Festival Rencontres d’Arles jeden Sommer die antike Stadt in eine riesige Galerie für zeitgenössische Fotografie. In Perpignan widmet sich das Festival Visa pour l’Image seit 1989 dem besten internationalen Fotojournalismus.

Wer tiefer in die Materie eintauchen möchte, findet im Maison Européenne de la Photographie (MEP) in Paris, dem Jeu de Paume oder dem Musée Nicéphore Niépce in Chalon-sur-Saône einzigartige Schätze. Von der Daguerreotypie bis zu den digitalen Experimenten von heute: Frankreich bleibt das Land, in dem das Licht Geschichte schreibt. Entdeckt hier die Museen, Macher und Lichtmaler der Grande Nation !

Meine Beiträge zur Fotografie in Frankreich