Große Franzosen
Von Eleonore von Aquitanien, die im Mittelalter die Geschicke zweier Weltreiche lenkte, bis zu Anne de Bretagne, die als zweifache Königin die Unabhängigkeit ihrer Heimat verteidigte: Frankreich hat über die Jahrhunderte unzählige faszinierende Persönlichkeiten hervorgebracht. Sie waren visionäre Forscher, radikale Denker oder revolutionäre Künstler. Im Laufe der Geschichte haben diese große Franzosen bleibenden Einfluss ausgeübt und die Welt, wie wir sie heute kennen, mitgestaltet. Ihr Erbe ist in den Museen, den Gesetzbüchern und der intellektuellen DNA der Grande Nation bis heute allgegenwärtig.
Das Panthéon: Große Franzosen unter sich
Für die bedeutendsten Persönlichkeiten hält Frankreich eine ganz besondere Ehre bereit: die Überführung ihrer sterblichen Überreste in das Panthéon. Dieser monumentale Ruhmestempel im Pariser Quartier Latin dient als letzte Ruhestätte für jene, die sich um die Republik verdient gemacht haben. Der Einzug ins Panthéon – die sogenannte Panthéonisation – ist der höchste postume Triumph, den das Land vergibt. Hier ruhen Geistesgrößen wie Voltaire, Jean-Jacques Rousseau und Victor Hugo Seite an Seite. Erst in jüngerer Zeit öffnete sich der Tempel verstärkt für Frauen: Marie Curie war die erste, die aufgrund eigener Verdienste aufgenommen wurde, gefolgt von der Widerstandskämpferin Geneviève de Gaulle-Anthonioz und zuletzt der legendären Entertainerin und Widerstandskämpferin Joséphine Baker.
Frankreichs Nationalheldin

Eine Figur überstrahlt die frühe Geschichte des Landes wie keine zweite: Jeanne d’Arc. Das einfache Bauernmädchen aus Domrémy trat im 15. Jahrhundert auf den Plan, als Frankreich im Hundertjährigen Krieg fast vollständig unter englische Herrschaft zu fallen drohte. Von Visionen geleitet, führte sie die französischen Truppen 1429 zur Befreiung von Orléans und ebnete so den Weg für die Krönung Karls VII. Ihr tragischer Tod auf dem Scheiterhaufen im Jahr 1431 machte sie zur ewigen Nationalheldin.
Sonnenkönig Ludwig XIV. machte Versailles im 17. Jahrhundert während des Absolutismus zum kulturellen Zentrum Europas und holte große Franzosen wie an seinen Hof. Er förderte Genies wie den Komödiendichter Molière, den Fabeldichter Jean de La Fontaine oder den Landschaftsarchitekten André Le Nôtre, um den Glanz seiner Herrschaft zu untermauern Ihm folgte im 19. Jahrhundert Napoleon Bonaparte, der mit dem Code Civil (1804) ein Rechtswerk schuf, das bis heute weltweit nachwirkt. Unter den Präsidenten der Neuzeit ragt besonders Charles de Gaulle heraus; als Anführer des freien Frankreichs im Zweiten Weltkrieg und Gründer der Fünften Republik prägte er das Selbstverständnis des modernen Staates wie kein Zweiter.
Große Franzosen in Wissenschaft und Medizin

Frankreich ist die Heimat bahnbrechender Entdeckungen, die das menschliche Leben verlängert und das Verständnis des Universums verändert haben. Während Irène Joliot-Curie 1935 den Nobelpreis für die Entdeckung der künstlichen Radioaktivität erhielt, markierte die Arbeit von Françoise Barré-Sinoussi einen Meilenstein der Neuzeit: Für die Entdeckung des HI-Virus wurde sie 2008 mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt.
Ebenso unvergessen ist Louis Pasteur, der Begründer der modernen Mikrobiologie aus Dole. Im 19. Jahrhundert trug er entscheidend zur Entwicklung von Impfstoffen gegen tödliche Krankheiten wie Tollwut und Milzbrand bei. Seine Entdeckung, dass Mikroorganismen für den Verderb von Lebensmitteln verantwortlich sind, führte zum Verfahren der Pasteurisation, das bis heute weltweit Standard ist. Diese große Franzosen der Wissenschaft zeigten, dass Neugier und Ausdauer die Grenzen des Wissens verschieben können.
Die Freiheit des Denkens

Die französische Literatur und Philosophie haben große Franzosen wie Denis Diderot, Marcel Proust und Simone de Beauvoir maßgeblich geprägt. Victor Hugo, die moralische Instanz des 19. Jahrhunderts, schuf mit Les Misérables (1862) und Der Glöckner von Notre-Dame (1831) monumentale Epen, die soziale Ungerechtigkeit anprangerten. Er war nicht nur ein Schriftsteller, sondern ein politischer Visionär, der sich leidenschaftlich für die Menschenrechte einsetzte.
Einige Jahrzehnte später revolutionierte Marcel Proust mit seinem monumentalen Werk Auf der Suche nach der verlorenen Zeit die moderne Erzählweise. In sieben Bänden sezierte er das menschliche Gedächtnis und die Pariser Gesellschaft der Jahrhundertwende. Im 20. Jahrhundert prägte Simone de Beauvoir als führende Intellektuelle mit ihren feministischen Schriften wie Das andere Geschlecht (1949) rund 100 Jahre nach George Sand das Denken ganzer Generationen. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Jean-Paul Sartre machte sie das Café de Flore in Saint-Germain-des-Prés zum Zentrum des Existenzialismus.
Die Revolution der Farben

In der bildenden Kunst sind Namen wie Claude Monet, Paul Cézanne und Pierre-Auguste Renoir Inbegriffe für Schönheit und Innovation. Claude Monet, einer der Begründer des Impressionismus, brach mit den starren Regeln der akademischen Malerei. In seinem Garten in Giverny schuf er mit der Seerosen-Serie Werke, die das flüchtige Spiel von Licht und Schatten auf der Leinwand einfingen.
Doch der Kanon der Kunst umfasst weit mehr: Von den dramatischen Werken eines Eugène Delacroix über die klassische Strenge von Jean-Auguste-Dominique Ingres bis hin zur Moderne eines Henri Matisse. Diese Künstler machten Paris zur Welthauptstadt der Kunst und lockten Talente aus aller Welt an die Seine.
Große Franzosen der Haute Couture
In der Welt der Mode wurden Designer zu den Botschaftern französischer Eleganz. Coco Chanel revolutionierte die Branche, indem sie Frauen vom Korsett befreite und den Garçonne-Look sowie das „Kleine Schwarze“ etablierte. Nach ihr setzten Yves Saint Laurent, der das Damen-Smoking erfand, und der gebürtige Hamburger und Wahlfranzose Karl Lagerfeld neue Maßstäbe. Sie verwandelten Mode in Kunst und sorgten dafür, dass Paris bis heute das Zentrum der internationalen Modeindustrie ist.

Ein Erbe, das weiterlebt
Mich erstaunt immer wieder die Vielfalt und geistige Freiheit, mit denen große Franzose ihren Beitrag zur Weltgeschichte geleistet haben. Ob in der Philosophie eines René Descartes, den aufklärerischen Schriften eines Voltaire oder den radikalen politischen Ideen eines Michel de Montaigne – das Land hat immer wieder Köpfe hervorgebracht, die den Status quo infrage stellten. Wer durch Frankreich reist, die Statuen in den Parks oder die Namen der Boulevards liest, sieht, wie große Franzosen bis heute den Geist und die Kultur des Landes lebendig halten.





















