Villes Impériales:Frankreichs Kaiserstädte

Keine der Villes Impériales: Bastia: Napoleon als römischer Imperator - das Kaiser-Denkmal
Bastia: Napoleon als römischer Imperator - das Kaiser-Denkmal auf der Place Saint-Nicolas von Bastia. Foto: Hilke Maunder

Villes Impériales: 18 Gemeinden dürfen sich in Frankreich mit dem prestigeträchtigen Label „Kaiserstadt“ rühmen und gehören einem Netzwerk an, das im Jahr 2011 im Château de Malmaison auf Initiative von Fontainebleau und Saint-Cloud gegründet wurde. Sämtliche Mitglieder in diesem Netzwerk zeichnen sich durch ihr kaiserliches Erbe aus, das von Napoleon I. und Napoleon III. geprägt wurde.

Das Paris von Napoleon Bonaparte

Detail des Arc de Triomphe mit der Trikolore. Foto: Hilke Maunder
Detail des Arc de Triomphe mit der Trikolore. Foto: Hilke Maunder

Napoleon I. ist in Frankreich zwar mehr als Feldherr und Architekt des modernen französischen Staates bekannt. Doch auch in der Architektur hat der Kaiser der Franzosen seine Spuren hinterlassen. Obgleich seine Herrschaft kurz war, ist ein Erbe deutlich zu sehen.

Mit zwei gigantischen Triumphbögen an der Place de l’Étoile und am Carrousel des Louvre ließ Napoleon seinen Sieg in der Schlacht von Austerlitz feiern und dazu auch die Vendôme-Säule errichten, deren Spitze Napoleon auf dem gleichnamigen Platz bekrönt.

Ein königlicher Platz: die Place Vendôme von Paris. Foto: Hilke Maunder
Die Place Vendôme von Paris mit Napoléons Siegessäule. Foto: Hilke Maunder

Napoleon I. beauftragte den Bau der Madeleine-Kirche, die ursprünglich ein Tempel zu Ehren der Grande Armee werden sollte, orderte den Bau von zwei Palästen als Sitz von Börse und Staatsrat, ließ für den Handel drei Kanäle – Canal de l’Ourcq, den Canal de Saint-Martin und den Canal de Saint-Denis – bauen und die Seine mit dem Pont d’Iéna, dem Pont d’Austerlitz und dem Pont des Arts überbrücken.

Auch die Rue de Rivoli, die Rue de Pyramides und die Rue de Castiglione tragen die Handschrift des Korsen, der gerne im ältesten Café speiste und dabei eines Tages dort seinen Hut vergaß. Stolz präsentiert das Procope die kaiserliche Kopfbedeckung am Eingang.

Der Umbau der Hauptstadt unter Napoleon III.

Bummeln in Paris ein typisch Pariser Wohnhaus im Stil von Baron Haussmann - hier auf der Butte de Montmartre. Foto: Hilke Maunder
Typisches Pariser Wohnhaus im Stil von Baron Haussmann – hier auf der Butte de Montmartre. Foto: Hilke Maunder

Unter Napoleon III.  wurde Paris radikal umgestaltet. Baron Haussmann ließ ein Großteil der mittelalterlichen Bebauung abreißen und bescherte der französischen Hauptstadt ihren glanzvollen repräsentativen Auftritt mit breiten Boulevards, großen Plätzen und markanten Gebäuden, die bis heute das Stadtbild von Paris prägen.

Darüber hinaus wurde die französische Hauptstadt erheblich erweitert, wodurch sie von 12 auf 20 Arrondissements anwuchs. Der Louvre wurden zum größten Kunstmuseum der Welt umgebaut, die Opéra Garnier als glanzvolles Juwel der französischen Kultur errichtet und der Bois de Boulogne wandelte sich zu einem öffentlichen Park.

Der Louvre von Paris. Foto: Hilke Maunder
Der Louvre von Paris. Foto: Hilke Maunder

Vor den Toren der Haupstadt ließ Napoleon III. das Château de Compiègne umgestalten und erweitern. Das Schloss wurde zu einer bedeutenden Residenz des Kaiserreichs und diente als Bühne für die Politik der Weltmacht Frankreich.

Das Netzwerk der Villes Impériales

Das Netzwerk  der Villes Impériales wurde am 21. Oktober 2011 von der Gemeinde Rueil-Malmaison in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Compiègne, Fontainebleau und Saint-Cloud ins Leben gerufen. Die prestigeträchtige Auszeichnung für die Villes Impériales vergibt seit 2011 das Comité Napoléonien Commémoratif  (Napoleonischen Gedenkkomitee).

Ziel des Netzwerks ist es, Gemeinden zusammenzubringen, die starke historische und kulturelle Verbindungen zum Ersten Kaiserreich und/oder zum Zweiten Kaiserreich in Frankreich haben und zu dessen wichtigsten Persönlichkeiten wie Napoleon I., Napoleon III., den drei Kaiserinnen Joséphine, Marie-Louise und Eugénie, dem König von Rom und Prinz Eugène.

So reitet Napoleon am Champ des Rencontres von Laffrey auf seinem Ross. Foto: Hilke Maunder
So reitet Napoleon am Champ des Rencontres von Laffrey auf seinem Ross. Foto: Hilke Maunder

Die Mitglieder müssen außerdem über einen öffentlich zugänglichen Erinnerungsort verfügen, sprich, einem Gebäude oder einer Sammlung mit Bezug zur historischen Epoche. Obwohl Paris und Compiègne bedeutende historische Verbindungen zum Ersten und Zweiten Kaiserreich haben, sind sie derzeit nicht als Mitglieder der Villes Impériales aufgeführt. Die konkreten Gründe für ihre Nichtmitgliedschaft werden in den verfügbaren Quellen nicht genannt.

Cotentin: Im Hafen von Cherbourg. Foto: Hilke Maunder
Im Hafen von Cherbourg. Foto: Hilke Maunder

Doch das Netzwerk der Kaiserstädte lebt und wächst. Und wer weiß, vielleicht gehören in Zukunft auch Paris und Compiègne zu den Villes Imériales. Oder auch Cherbourg-Octeville. Der normannische Hafen war von strategischer Bedeutung für Napoleon. Die Hafenfestung von Cherbourg spiegelt die maritime Macht wider, die Frankreich in jener Zeit verkörperte. Die Wellen der Cotentin-Küste erzählen Geschichten von imperialen Träumen und maritimen Expeditionen.

Villes Impériales: die schönste Kaiserstädte in Frankreich

Ajaccio – der Geburtsort von Bonaparte

Das Geburtshaus von Napoleon in Ajaccio. Foto: Hilke Maunder
Das Geburtshaus von Napoleon in Ajaccio. Foto: Hilke Maunder

Napoleon I. erblickte am 15. August 1769 in der korsischen Hauptstadt Ajaccio das Licht der Welt. Die Wehen setzten ein, als Napoleons Mutter sich bei der Messe befunden hatte. Der Knabe, so erzählt der Volksmund, sei so noch beim Heraufhasten auf der Treppe geboren worden. Sein Geburtshaus im Herzen der korsischen Hauptstadt ist heute als maison natale de Bonaparte für Besucher geöffnet.

Napoleon blieb in Ajaccio bis zu seinem neunten Lebensjahr. Dann verließ er die Insel, um das Gymnasium in Autun zu besuchen. Als die Engländer 1793 die Insel eroberten, musste seine Familie fliehen. Ihr Haus wurde besetzt und in einen Getreidespeicher umgewandelt.

Napoleon allerorten in Ajaccio, auch bei der Mikrobrauerei Impériale. Foto: Hilke Maunder
Auf Napoleon trefft ihr allerorten in Frankreich, auch bei der Mikrobrauerei Impériale von Ajaccio. Foto: Hilke Maunder

Vier Jahre später, 1797, nahmen Letizia Bonaparte und ihre Kinder das Haus wieder in Besitz, und Napoleon verbrachte 1799 bei seiner Rückkehr aus Ägypten seinen letzten Aufenthalt hier auf der Insel.

Das Haus blieb noch mehr als 100 Jahre im Besitz der Familie. Napoleon III. und Eugénie hielten sich 1860 in Ajaccio auf. 1923 schenkte die Familie ihr Stadthaus dem Staat. Mehr zu Napoleon Bonaparte in Ajaccio erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Ajaccio: zu Besuch bei Bonaparte

Autun: schulische Stippvisite

Autun: Rue du Champs de Mars. Foto: Hilke Maunder
Grüne Bummelstrecke: die Rue du Champs de Mars Église Notre-Dame am Abschluss. Foto: Hilke Maunder

Während der Renaissance  waren im burgundischen Autun die Église Notre-Dame (1757) und das angeschlossene Jesuitenkolleg errichtet worden. Die Einrichtung beherbergte Napoleon und seine beiden Brüder Joseph und Lucien. Allerdings gab Napoleon als Neunjähriger hier nur ein sehr kurzes Gastspiel, und zwar vom 22. März bis 12. April 1789. Dennoch nennt sich die Schule heute stolz Lycée Bonaparte.

Brienne-le-Château (Aube): ein Knirps beim Militär

Bereits im Alter von zehn Jahren trat Napoleon in die Königliche Militärschule in Brienne-le-Chateau im Département Aube ein. Dort erlernte er fünf Jahre lang die Grundlagen der Artillerie mit dem Ziel, in diesem Fachgebiet zum Offizier aufzusteigen.

Auf dem Weg nach Mailand, wo er zum König von Italien gekrönt werden sollte, machte der junge Kaiser 1805 einen Umweg, um noch einmal an den Ort seiner militärischen Ausbildung zurückzukehren. Im Exil auf St. Helena schrieb er rückblickend: „Für mein Denken ist Brienne meine Heimat, dort habe ich die ersten Eindrücke des Menschen empfunden“.

Musée Napoléon

Das Napoleon-Museum eröffnete 1969 im verbliebenen Gebäude der ehemaligen königlichen Militärschule von Brienne-le-Château. In vier Themenbereichen stellt die Dauerausstellung seitdem auf 250 Quadratmetern die vielen Facetten von Napoleon vor – und das Bild von ihm, das er selbst höchstpersönlich prägte als unverkennbare Marke.
• 34, rue de l’École Militaire, 10500 Brienne-le-Château, Tel. 03 25 27 65 80, www.musee-napoleon-brienne.fr

Auxonne (Côte-d’Or): bei der Artillerie

Wunderschön: das Fachwerkhaus gegenüber der Kathedrale von Auxonne. Foto: Hilke Maunder
Wunderschön: das Fachwerkhaus gegenüber der Kathedrale von Auxonne. Foto: Hilke Maunder

Auch Auxonne im Tal der Saône gehört zu den Villes Impériales Frankreichs. Als  sehr junger Offizier hatte der „kleine Korporal“ in den Kasernen der Stadt gedient. Am 15. Juni 1788  kam er in Auxonne an.

Bis zum 14. Juni 1791 hielt er sich an der École royale d’artillerie von Auxonne auf und erlernte hier den Großteil seines militärischen Handwerks.

Sein Einsatz beim Régiment de la Fère dauerte bis zum 1. Juni 1791. Am 14. Juni 1791 verließ er Auxonne, um sich als Oberleutnant dem 4. Artillerieregiment anzuschließen, das in Valence stationiert war.

18 Monate lang war Napoleon I. in Auxonne … und doch auch viel abwesend, da er es bereits Anfang September 1789 wieder verließ für einen Heimaturlaub, der immer wieder verlängert wurde und erst am 11. oder 12. Februar 1791 endete.

Detail des Portals der Kathedrale von Auxonne. Foto: Hilke Maunder
Detail des Portals der Kathedrale von Auxonne. Foto: Hilke Maunder

Bonaparte wohnte während seines Wehrdienstes auf dem Kasernengelände im pavillon de la ville im Zimmer Nr. 16, Treppe I, 3. Während seines viermonatigen Aufenthalts im Jahr 1791 lebte er mit seinem jüngeren Bruder Louis im Zimmer Nr. 10, Treppe 3, 2. Stock, Nordseite, im selben Kasernenpavillon. Seine Mahlzeiten nahm er wie seine Offizierskameraden bei der Witwe des Feinkosthändlers Dumont in der Rue de Saône (heute Rue Vauban Nr. 5)  ein.

Das Doppelzimmer, das Napoléon Bonaparte und sein Bruder sich damals geteilt haben, ist originalgetreu erhalten – und ein Pilgerort für Napoleon-Fans. Die 1050 Soldaten, die heute in der Kaserne von Auxonne eine echte Stadt in der Stadt bilden, freuen sich über ihren berühmten Vorgänger. 2023 feierte Auxonne zum ersten Mal seine Journées Napoléonnes.

Rueil-Malmaison (Hauts-de-Seine): Das Schloss von Joséphine

1799 erwarb Josephine Bonaparte, Napoleons Frau, die sich damals in Ägypten aufhielt, das Château de Malmaison. Der Landsitz, von üppigen Gärten umgeben, spiegelt die persönliche Seite Napoleons wider. Hier, fernab der königlichen Pracht, erlebte das Kaiserpaar Momente der Nähe und der Liebe.

Das Schloss ging nach der Rückkehr des jungen Generals von seinem Feldzug rechtmäßig in seinen Besitz über. Nach dem Staatsstreich vom 18. Brumaire  VIII  (=  9. November 1799) trat die Regierung Frankreichs sowohl im Tuilerienpalast in Paris als auch in Malmaison zusammen.

Im Jahr 1802 zog das Paar nach Saint-Cloud, aber Josephine schätzte das Anwesen weiterhin und kehrte häufig zurück. Nach ihrer Scheidung im Jahr 1809 behielt Josephine ihren Titel als Kaiserin und mehrere Schlösser, darunter Malmaison, wo sie 1814 starb. Das Schloss wechselte nach 1828 mehrmals den Besitzer und ging erst 1903 endgültig an den Staat zurück, nachdem es zuvor Napoleon III. gehört hatte.

Boissy-Saint-Léger (Val-de-Marne): das Jagdschloss

Weniger als 20 Kilometer südöstlich von Paris, vor den Toren von Brie, liegt der alte Dorfkern von Boissy-Saint-Léger, umgeben von Wald und einem großen Park, in dessen Mitte sich das Schloss Grosbois erhebt, eines der schönsten Häuser rund um die Hauptstadt.

Napoleon I. und sein gesamtes Gefolge wurden mehrmals in diesem Jagdgebiet empfangen, das sich damals über mehr als 2000 Hektar erstreckte und zu den schönsten Jagdgebieten des Kaiserreichs gehörte. Jedes Jahr kam Napoleon III. zum Jagen nach Grosbois.

Domaine National de Saint-Cloud (Hauts-de-Seine): das Lieblingsschloss

Das Schloss liegt auf den Anhöhen von Saint-Cloud mit Blick auf die Seine und Paris. Es wurde im Ancien Régime von der Familie de Gondi erbaut und im 17. und 18. Jahrhundert von den Bourbonen erworben und erweitert.

Napoleon und Josephine ließen sich ab 1802 dort nieder und machten es zu ihrem Lieblingswohnsitz. Im Mai 1804 erklärte sich Napoleon auf diesem Anwesen zum Kaiser der Franzosen. Nach dem Vorbild seines großen Onkels ließ sich auch der spätere Napoleon III. am 2. Dezember 1852 in Saint-Cloud zum Kaiser krönen.

Das Schloss wurde während des Krieges von 1870 weitgehend zerstört und 1890 zusammen mit dem Tuilerienpalast abgerissen. Nur der Park existiert noch. Er ist heute die Domaine National de Saint-Cloud, die das Centre des Monuments Nationaux verwaltet. Es erwägt den Wiederaufbau des Schlosses.

La Roche-sur-Yon (Vendée): Die Geometrie der Macht

La Roche-sur-Yon, von Napoleon als „Königsstadt“ konzipiert, trägt die Geometrie der Macht in ihren Straßen. Ihre Plätze und Boulevards erzählen von einer Zeit, in der Architektur nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine politische Aussage war. Das macht sie zum architektonischen Musterbeispiel der Villes Impériales.

1804 gab Napoleon Bonaparte den Impuls zur Gründung von La Roche-sur-Yon. Das Ziel war es, eine moderne, gut organisierte Stadt zu schaffen, die als Symbol der politischen Stabilität und Macht dienen sollte. Mit der Planung und Umsetzung beauftragte Napoleon Bonaparte den französischen Architekten Pierre-Simon Girard.

Die Stadt wurde – im Schachbrettmuster angelegt, mit breiten, geraden Straßen, die sich rechtwinklig kreuzen. Dieses städtebauliche Konzept war typisch für die Planung von Städten während der napoleonischen Ära.

Breite Alleen, symmetrische Plätze und akkurat  angelegte Straßen verleihen der Stadt ein architektonisches Gleichgewicht, das die Vision des Kaisers für eine geordnete Gesellschaft widerspiegelt.

Den zentrale Platz, die Place Napoléon, umgeben repräsentative Gebäude wie das Rathaus mit seiner beeindruckenden Fassade im klassizistischen Stil. Der Klassizismus war von der Antike inspiriert und zeichnete sich durch klare Linien, symmetrische Proportionen und eine zurückhaltende Ornamentik aus. Diese Merkmale sind auch in der Architektur von La Roche-sur-Yon zu erkennen.

Es ist jedoch interessant, dass die ursprüngliche Vision von Napoleon für La Roche-sur-Yon nicht vollständig umgesetzt wurde. Schuld daran waren, unter anderem, die napoleonischen Kriege.

Saint-Germain-en-Laye

Der Eingang zum Archäologischen Nationalmuseum im Schloss von Saint-Germain-en-Laye. Foto: Hilke Maunder
Der Eingang zum Schloss von Saint-Germain-en-Laye. Foto: Hilke Maunder

Saint-Germain-en-Laye hat häufig Geschichte geschrieben: Auf dem Schloss, das mit  seiner von Le Nôtre entworfenen Terrasse das Pariser Becken überragt, wurde am 5. September 1638 König Ludwig XIV. geboren. 1655 gründete Molière hier 1665 seine königlich Theatertruppe. Im 3.500 Hektar großen Staatswald jagte Napoleon I. in den Jahren 1806 bis 1809.

Als die ersten Dekrete, die General Bonaparte nach dem Staatsstreich vom 18. Brumaire An VIII (= 9. November 1799) erließ und in Saint-Germain-en-Laye verkündet wurden, ließ die Stadt das Schild der Place de la Révolution sofort durchgestreichen und wieder in Place Royale umbenennen.Die Einheimischen waren geradezu trunken damals von den Hoffnungen, die der junge General weckte. Bereits kurze Zeit später feierte die Stadt die ersten bonapartistische Feste.

Fontainebleau (Seine-et-Marne): Abschied von der Macht

Auch Fontainebleau, seit dem Mittelalter Wohnsitz der Könige, ist ein Symbol des Ersten Kaiserreichs und gehört zu den Villes Impériales. Denn es war Napoleon, der es nach der Französischen Revolution wieder komplett möblieren ließ und dem Palast neues Leben einhauchte – auch wenn er sich selbst auf Schloss Fontainebleau wenig aufhielt. Dennoch fanden hier einige der wichtigsten Ereignisse seiner Herrschaft statt. Die Gemächer zeugen von politischen Intrigen, königlichen Affären und den strategischen Überlegungen des Kaisers.

Papst Pius VII. wurde 1804 vor seiner Krönung hier empfangen und anschließend von Mai 1812 bis Januar 1814 auf dem Schloss gefangen gehalten. 1808 teilte Napoleon I.  auf dem Schloss seiner Frau Josephine  mit, dass er sie verstoßen werde. Der Grund: Sie schenkte ihm keine Kinder.

Seine neue Gemahlin fand er mit Marie-Louise von Österreich, der Tochter von Kaiser Franz I. Diese heirate Napoleon gleich dreimal.  Die erste Hochzeit in Wien war eine Stellvertreterhochzeit, bei der Napoleon nicht persönlich anwesend war. Das Paar lernte sich erst am 27. März 1810 in Compiègne kennen. Am 1. April 1810 folgte auf dem Schloss Saint-Cloud eine standesamtliche Eheschließung. Die kirchliche Trauung folgte am 2. April 1810 in Paris.

Rund 13 Monate später, am 20. März 1811, gebar Marie-Luise einen Sohn – den  Thronfolger Napoléon François Joseph Charles Bonaparte, vom 22. Juni bis zum 7. Juli 1815 ebenfalls ein Kaiser der Franzosen. Die Bonapartisten nennen ihn Napoleon II., auch wenn die Vaterschaft umstritten ist. Gegner der Bonapartes schrieben sie einst Carel Hendrik Graf Verhuell zu.

Auch das Schicksal von Napoleons zweiter Gemahlin ist eng mit Fontainebleau verbunden. Auf dessen Schlosshof nahm Napoleon am 24. Januar 1814 Abschied von seiner Familie und sah zum letzten Mal seine Frau Marie-Louise und seinen Sohn. Russland, Preußen und Österreich marschierten in Frankreich ein und besetzten Ende März 1814 Paris. Am 6. April dankte Napoleon ab. Im Vertrag von Fontainebleau wurde dem geschassten Kaiser ein Exil auf der Insel Elba zusichert. Am 20. April nahm Napoleon Abschied von seiner Leibgarde. Mit dieser Schande wollte Napoleon nicht mehr leben. Doch sein Selbstmordversuch scheiterte. So ging er ins Exil.

Zehn Monate, vom 3. Mai 1814 bis zum 26. Februar 1815, hielt er sich auf der italienischen Mittelmeerinsel auf. Dann wollte er es noch einmal wissen. Am 26. Februar 1815 ging er mit einer Truppe von etwa 1000 Mann an Bord einiger Schiffe und traf am 1. März in Antibes ein – und marschierte auf Paris. Seinem Marsch folgt heute die Route Napoléon. Erfahrt hier mehr.

Unterwegs auf der Route Napoléon

Île d’Aix (Charente-Maritime): der Weg ins Exil

Je weiter Napoleon gen Norden kam, desto größer wurde seine Gefolgschaft. In der Hauptstadt angekommen, floh König Ludwig XVIII. aus Paris – und Napoleon nannte sich selbst wieder „Kaiser“. Großbritannien, Russland, Österreich und Preußen erneuerten daraufhin am 25. März ihr Bündnis und kamen überein, nicht eher die Waffen ruhen zu lassen, bis Napoleon endgültig besiegt sei. Dieser Sieg gelang ihnen im belgischen Waterloo. Vier Tage nach der Niederlage, am 22. Juni 1815, musste Napoleon auf Druck des Parlamentes abdanken.

Die Herrschaft der 100 Tage war vorüber, und der frühere Kaiser nun ein Flüchtling. Vom 2. bis 15. Juli 1815 versteckte er sich auf  einer winzigen Insel im Südwesten Frankreichs. Gerade mal drei Kilometer lang und 700 Meter breit ist die Île d’Aix, von der Napoleon mit einem der letzten französischen Kriegsschiffe nach Amerika fliehen wollte.

Doch als sein Schiff auslief, versperrte ihm die britische HMS Bellerophon mit 74 Kanonen die Ausfahrt. Napoleon saß in der Falle, ergab sich, ging an Bord – und beendete damit den damals seit 22 Jahre währenden Krieg zwischen England und Frankreich.

Mit kurzem Aufenthalt im Vereinigten Königreich ging es für Napoleon nun nach St. Helena, einer britische Insel im Südatlantik. Als Gast im Haus des britischen Gouverneurs verbrachte er dort die letzten Tage seines Lebens im Exil. Am 5. Mai 1821 verstarb Napoleon Bonaparte.

Biarritz (Pays Basque): Lieblingsort von Eugénie

Die Grande Plage von Biarritz. Foto: Hilke Maunder
Die Grande Plage von Biarritz. Foto: Hilke Maunder

Das baskische Seebad Biarritz gehört wegen seiner engen Bindungen zum Zweiten Kaiserreich zu den Villes Impériales. Victor Hugo, der von Biarritz bezaubert war, schrieb 1843: „Ich kenne keinen anderen Ort, der reizvoller und prächtiger ist als Biarritz“. Er befürchtete jedoch, dass das kleine Fischerdorf „in Mode kommen“ würde und stellte scharfsinnig fest: „Das wird sehr bald geschehen!“

Tatsächlich besuchte die Gräfin de Montijo elf Jahre später die Stadt, in der sie als Kind viele Ferien verbracht hatte, und blieb zwei Monate lang mit ihrem Ehemann, Napoleon III.

Das Hôtel du Palais mit seinem Garten. Foto: Hilke Maunder
Das Hôtel du Palais mit seinem Garten. Foto: Hilke Maunder

Der Kaiser, der sich wie seine Gattin für das Fischerdorf am Atlantik begeisterte, ließ eine Sommervilla bauen, die Villa Eugénie.

Sechzehn Jahre lang residierte das kaiserliche Paar hier jeden Sommer, außer 1860 und 1869, um die wohltuende Wirkung des Meeres und des Klimas zu genießen – und sorgten so dafür, dass auch Biarritz zum Netzwerk der Kaiserstädte gehört. Heute können betuchte Gäste in der einstigen Kaiser-Villa dieses Ambiente im einzigen Hotel der Palace-Kategorie an der baskischen Küste genießen.

Nizza (Alpes-Maritimes): Winter-Seebad des Empire

Nizza: Place Masséna. Foto: Hilke Maunder
Kunstsinnig: der Nahverkehrsknotenpunkt Place Masséna von Nizza. Foto: Hilke Maunder

Auch Nizza gehört zu den Villes Impériales und ebenfalls dank Napoleon III. Er war es der die Stadt und das umliegende Gebiet im Jahr 1860 an Frankreich anschloss. Dies geschah im Zuge des Vertrags von Turin, der die Abtretung von Nizza und Savoyen an Frankreich vorsah.

Diese territoriale Erweiterung stärkte den französischen Staat entscheidend und hatte weitreichende Auswirkungen auf die politische und kulturelle Entwicklung der Region. Nizza wurde zum neuen Hotspot der Hautevolée im Zweiten Kaiserreich und lockte nicht nur gut betuchte Briten und Russen, sondern auch zahlreiche Künstler an.

Straßen, Bauten und Plätze wie die Place Masséna erzählen in Nizza vom Einfluss des Zweiten Kaiserreiches auf die Architektur.  Neben Napoleon III. waren Kaiserin Eugenie und Maréchal Masséna häufige Gäste in der Perle der französischen Riviera. Die Villa Masséna präsentiert die Wohnkultur ihrer Ära mit Möbel aus dem Empire und Zeugnissen der beiden Kaiser und der beiden Kaiserinnen.

Voilà meine Landpartie auf den Spuren der Villes Impériales und ihrer schönsten und wichtigsten Orte. Zum Netzwerk gehören ebenfalls noch Boissy-Saint-Léger, Châteauroux, Châtillon-sur-Seine, Fréjus, Lamotte-Beuvron, Maisons-Lafitte. Marengo, Montereau-Fault-Yonne, Plombières-de-Bains. Rambouillet, Saint-Leu-La-Forêt. St. Helens und Waterloo.

Partnerstädte und -dörfer der Ville Impériales sind Auxerre, Eaux-Bonnes, La Ferte-Beauharnais, Ouistreham, Puteaux, Saint-Cyr-l’École, Saint-Raphaël, Sens und  Val de la Haye.

Am Cours Saleya. Foto: Hilke Maunder
Am Cours Saleya von Nizza. Foto: Hilke Maunder

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Invalidendom: Ruhmeshalle für Napoleon

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François Garde: Der gefangene König*

François Garde: Der gefangene König

Alljährlich am 5. Mai, dem Todestag des „Kaisers der Franzosen“, werden im Land vor den Denkmälern Napoleons Kränze und Blumen niedergelegt. Roi par effraction* hatte François Garde seinen Roman genannt, der 2019 bei Gallimard erschienen war. Seit 27. Januar 2021 ist das Werk des französischen Schriftstellers in der deutschen Übersetzung von Thomas Schultz bei C. H. Beck vor.

Der Roman ist eine Erzählung aus dem Kerker. Er beginnt am 8. Oktober 1815. Damals hatte der 48 jährige  Joachim Murat (1767-1815) nur noch sechs Tage zu leben. Wenige Stunden vor seiner Hinrichtung berichtet Murat, wie er, ein Gastwirtssohn aus dem Quercy, erst Revolutionsgeneral und dann Marschall des Kaiserreichs wurde.

1808 schließlich ernannte Napoleon Murat noch zum König von Neapel. Doch dann fand das Leben des Mannes, den Caroline Bonaparte zu ihrem Ehemann erwählt hatte, ein jähes Ende. Gefangen genommen und  ins Gefängnis geworfen, wurde Murat am 13. Oktober 1815 hingerichtet.

François Garde ist einer der profiliertesten Autoren für Werke, die sich mit der französischen Geschichte und historischen Figuren auseinandersetzen. Dabei hilft es ihm, dass er als oberster Staatsbeamter die Staatsstrukturen einst und jetzt bestens kennt.

In sechs Momentaufnahmen berichtet er von den Höhen und Tiefen im Leben des Soldaten Murat und zeichnet so ein Spiegelbild der napoleonischen Ära. Auch von der Sprache her und vom Erzählstil bietet das Buch herrlichen Lesegenuss! Wer mag, kann das Buch hier* online bestellen.

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