Pierre Bonnard mit Marthe, seiner Frau und Muse. Foto: Hilke Maunder, aufgenommen von einer unbekannten Aufnahme im Musée Pierre Bonnard
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Pierre Bonnard & Le Cannet

Er war nie ein Star und im Künstlerstreit zwischen Henri Matisse und Pablo Picasso stets der unsichtbare Dritte: Pierre Bonnard (1867–1947).

Am 3. Oktober 1867 in Fontenay-aux-Roses südwestlich von Paris geboren, studierte Pierre Bonnard zunächst Jura an der Pariser Uni. Als er dort durch das juristische Examen fiel, gab er seiner Neigung nach: der Kunst.1887 schrieb er sich an der École des Beaux-Arts in Paris ein. An der Académie Julian lernte er Édouard Vuillard und Maurice Denis kennen – und damit die Mitgründer der Nabis-Bewegung.

Sein tiefes Interesse an Recht und Gerechtigkeit sollte er jedoch zeitlebens bewahren. Es spiegelt sich auch in einigen seiner Werke wider. So malte er beispielsweise politische Karikaturen und entwarf Plakate für soziale und politische Veranstaltungen.

Das Musée Pierre Bonnard in Le Cannet. Foto: Hilke Maunder
Das Musée Pierre Bonnard in Le Cannet. Foto: Hilke Maunder

Die Nabis-Maler

1888 gründete Pierre Bonnard mit Maurice Dennis und Edouard Vuillard die Künstlergruppe Nabis. Schnell schlossen sich ihnen auch der Maler Paul Sérusier, der Bildhauer Aristide Maillol und eine Handvoll anderer Maler an.

Als „Erleuchtete“ lösten sie den Impressionismus ab. Ihre Bilder wurden flächig und ließen die Farbe leuchten. Sehen und Fühlen statt künstlerischer Theorie war die Maxime, Natur statt Schlachtross.

Die ersten Reisen in den Süden

Die Heimat im Süden, eingefangen in leuchtenden Farben von Pierre Bonnard. Foto: Hilke Maunder
Die Heimat im Süden, eingefangen in leuchtenden Farben von Pierre Bonnard, mit diesem Blick auf Cannes. Foto: Hilke Maunder

Um 1904 entdeckte Pierre Bonnard den Süden. In  Saint-Tropez besuchte er seine Freunde Édouard Vuillard und Ker-Xavier Roussel, die sich dort aufhielten. Zwei Jahre später traf er dort Henri Matisse, der in Saint-Tropez damals arbeitete.

Obwohl sie unterschiedliche Stile und Techniken hatten, teilten Bonnard und Matisse ein Interesse an der Farbe und der Darstellung des Lichts. Besonders im Spätwerk von Bonnard ist der Einfluss von Matisse zu sehen, indem auch Bonnard Farben und Muster in einer dekorativen Weise einsetzte. Bonnard und Matisse schätzten gegenseitig die Arbeit des anderen – und erwarben jeweils einige Werke.

In den Ausstellungsräumen des Musée Pierre Bonnard in Le Cannet. Foto: Hilke Maunder
In den Ausstellungsräumen des Musée Pierre Bonnard in Le Cannet. Foto: Hilke Maunder

Mit Marthe an der Côte

1908 begleitete ihn seine Muse Marthe de Méligny. Pierre Bonnard hatte Maria Boursin (1869–1942), die sich selbst Marthe de Méligny nannte, 1893 kennengelernt, als sie in einem Theaterstück auftrat, das  seine Freunde inszenierten. Der Maler war völlig fasziniert von ihr und machte sie zum Motiv seiner Werke.

Marthe ist alles für mich. Sie ist die Sonne meines Lebens, die ich überall hin mitnehme.

Pierre Bonnard

1908 reisten Bonnard und Marthe de Méligny nach Saint-Tropez, das zu dieser Zeit noch ein kleines Fischerdorf war. Dort verbrachten sie einige Wochen. Bonnard war von der Landschaft und dem Licht so begeistert, dass er beschloss, jedes Jahr im Sommer in den Süden zurückzukehren.

Aus dem Skizzenbuch von Pierre Bonnard. Foto: Hilke Maunder
Aus dem Skizzenbuch von Pierre Bonnard. Foto: Hilke Maunder

Jeden Sommer in den Süden

In den folgenden Jahren reisten Bonnard und Marthe de Méligny unter anderem nach Cannes, Nizza, Menton und Antibes an der französischen Riviera und verbrachten dort jeweils mehrere Wochen oder Monate.

In Le Cannet, einem kleinen Luftkurort oberhalb von Cannes, mieteten sich der Maler und Marthe zunächst in der Villa Le Rêve in der Avenue Victoria ein. Im Februar 1926 schließlich kaufte er sich in Le Cannet ein bescheidenes Haus.

Le Bousquet

Im Musée Pierre Bonnard in Le Cannet. Foto: Hilke Maunder
„Der Reize einer Frau kann dem Künstler allerlei Dinge über seine Kunst verraten“, Pirre Bonnard. Foto: Hilke Maunder

Pierre Bonnard war damals so gut gestellt, dass er sich ein deutlich größeres Anwesen hätte leisten können. Doch der Maler liebte es bescheiden – und lebte auch so zeitlebens. Der einzige Luxus des Hauses war die Badewanne – Marthe hatte sie sich gewünscht.

Sein neues Domizil nannte er Le Bosquet (Das Wäldchen).  Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, verließen Marthe und Pierre Bonnard Paris. Le Bosquet wurde ihr ruhiges Refugium. Am 23. Januar 1947 starb er dort. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof Notre-Dame des Anges neben Marthe, die 1925 seine Frau geworden und bereits 1942 von ihm gegangen war.

Ich liebe das Meer und die Küste der Côte d’Azur. Die Strände, das Meer und
die Fischerdörfer sind so malerisch und inspirierend für mich.

Pierre Bonnard

Der Streit ums Erbe

Als Pierre Bonnard starb, entbrannte ein Streit um seinen Nachlass, der mehr als 20 Jahre dauern sollte. Schließlich erhielt Charles Terrasse, der Neffe des Malers, 1968 nach einer Auktion das Anwesen.

Le Bosquet wurde gerettet. Doch die Ruhe, die es einst umgab, ist hin. 1973 mussten die Villen La Tany und Isola Serena großen Wohnhäusern weichen.

Erst 60 Jahre nach dem Tod von Pierre Bonnard  wurden sein Haus und Garten im Jahr 2007  unter Denkmalschutz gestellt.

Pierre Bonnard – ein Nabis der Provence

Für viele Kunstfreunde entstanden in der Abgeschiedenheit und Ruhe der letzten Lebensjahre die schönsten Werke. Fast 300 Werke entstanden dort. Le Cannet bedeutet für das Werk von Pierre Bonnard dasselbe wie einst Giverny für Monet.

Und wie sich im Seinetal das einstige Wohnhaus des Malers zum Museum wandelte, gibt es jetzt auch im Herzen von Le Cannet seit  25. Juni 2011 im Hôtel Saint-Vianney ein Museum für Pierre Bonnard.

Dazu wurde ein Bürgerhaus aus dem 20. Jahrhundert mit Garten im Herzen von Le Cannet für rund 3,65 Millionen Euro erweitert und umgebaut.

Die Sammlung des Musée Pierre Bonnard

Das Musee Pierre Bonnard zur Gartenseite. Foto: Hilke Maunder
Das Musee Pierre Bonnard zur Gartenseite. Foto: Hilke Maunder

Die Sammlung des Musée Pierre Bonnard umfasst etwa 180 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Skizzenbücher und andere Objekte.

Zu den Highlights der Ausstellung gehören diese weltberühmten Werke:

  • „Der Esszimmertisch“ (La table de la salle à manger)
  • „Fenster im Atelier“ (La fenêtre de l’atelier)
  • „Der bunte Teppich“ (Le tapis multicolore)
  • „Marthe beim Baden“ (Marthe au bain)
  • „Der Garten“ (Le jardin)
  • „Das Frühstück“ (Le petit déjeuner)
  • „Morgen im Badezimmer“ (Le matin dans la salle de bain)

Diese Werke zeigen Bonnards charakteristischen Stil. Lebendige Farben, sinnliche Formen und intime Darstellung des Alltags prägen ihn.

Bonnards Lieblingsmodell: Marthe

Marthe beim Lesen. Foto: Hilke Maunder
Marthe beim Lesen. Foto: Hilke Maunder

Ich liebe es, Marthe zu malen, weil sie so viele verschiedene Stimmungen hat.
Sie ist wie ein Chamäleon, das sich an seine Umgebung anpassen kann.

Pierre Bonnard

Viele seiner Gemälde zeigen seine Lebensgefährtin Marthe in ihrem gemeinsamen Zuhause in Le Cannet oder in der Umgebung. 50 Jahre lang ist sie sein Lieblingsmodell.

Bonnard hat sie auch bei ihrer täglichen Toilette und in zahlreichen sinnlichen Akten in freier Natur auf der Leinwand festgehalten. Auffällig ist, dass sie meist ihr Gesicht abwendet. Dadurch wird man zum unentdeckten Beobachter. Doch nie gleitet dieser Voyeurismus ins Erotische ab.

Marthe bei der täglichen Toilette. Foto: Hilke Maunder
Marthe bei der täglichen Toilette. Foto: Hilke Maunder

Landschaft und Natur

Das Licht und die Farben der Côte d’Azur inspirieren mich jeden Tag aufs Neue.
Ich versuche, ihre Schönheit in meinen Gemälden einzufangen, um sie mit anderen zu teilen

Pierre Bonnard

Andere Werke von Bonnard im Museum von Le Cannet stellen die Landschaft und die Natur der Côte d’Azur dar. Paris, wo er den Großteil seines Lebens verbrachte, empfand er mit zunehmendem Alter als hektisch, laut und anstrengend. Auch das Dunkel von Paris besonders im Winter – damals waren Fassaden noch nicht wieder hell und gesandstrahlt – machten ihm zu schaffen.

Die Landschaften und Natur der sommerlichen Côte d’Azur waren für seine Seele ein Balsam. Und immer wieder Motive seiner Bilder. Pierre Bonnard  malte oft die mediterranen Bäume und Sträucher, die in seiner Umgebung wuchsen, sowie die Aussicht von seinem Balkon auf die Bucht von Cannes. Auch die Fischerdörfer und Strände an der Côte d’Azur waren beliebte Motive von Bonnard.

Die mediterranen Pflanzen und Bäume haben eine besondere Magie.
Sie sind so lebendig und vielfältig, dass ich sie in jedem Moment neu entdecke.

Pierre Bonnard

Pierre Bonnard schrieb Tagebuch - und hielt sein Leben, seine Ideen udn seine Gedanken schriftlich fest. Foto: Hilke Maunder
Pierre Bonnard schrieb Tagebuch – und hielt sein Leben, seine Ideen udn seine Gedanken schriftlich fest. Foto: Hilke Maunder

Spazierweg der Maler

Wer Bonnard entdecken will, sollte nicht nur das Musée Bonnard besuchen, sondern auch die Landschaft entdecken, die ihn so inspiriert hat. Bonnards Lieblingsziel für Spaziergänge war der Canal de la Siagne. Er führt dicht an Bonnards Haus Le Bosquet vorbei.

Die kanalisierte Siagne versorgt seit 1868 Cannes mit Trinkwasser. Von ihrer Quelle in Saint-Cézaire schlängelt sie sich mit leichtem Gefälle entlang der Hänge des Hinterlands und beendet ihren Lauf auf dem Hügel von La Californie. Von Mougins bis zum Observatorium von Super-Cannes verläuft der Kanal unterirdisch.

Der Endpunkt des Canal de Siagne in Cannes. Foto: Hilke Maunder
Der Endpunkt des Canal de Siagne in Cannes. Foto: Hilke Maunder

Oberhalb der Avenue Ziem bis hin zur Route de Vallauris könnt ihr einige der Ausblicke auf Cannes genießen, die viele Künstler inspiriert haben. Ab der Rue Bellini durchquert der Spazierweg Wälder voller Mimosen, Eukalyptusbäumen und riesiger Agaven.

Der Lieblingsspaziergang der Wintergäste, und nicht nur von ihnen, endet mit einem Panoramablick über die Landspitze des Cap Croisette bis zu den Lérins-Inseln.

Der Blick auf Cannes vom Canal de Siagne. Foto: Hilke Maunder
Der Blick auf Cannes vom Canal de Siagne. Foto: Hilke Maunder

Info: Pierre Bonnard & Le Cannet

Le Musée Bonnard

• 16, boulevard Sadi Carnot, 06115 Le Cannet Cedex, Tel. 04 93 94 06 06, www.museebonnard.fr

Schlemmen und Genießen

Racine

Gleich gegenüber vom Museum serviert Fred von Le Cabanon in Cannes hier einen guten Mittagstisch (plat du jour), bei gutem Wetter auch auf der kleinen Terrasse.
• 25, boulevard Sadi Carnot, Tel. 04 93 94 28 76, https://restaurant-racine-lecannet.fr; So. geschlossen

Immer wieder begegnen euch im Msée Pierre Bonnard Bilder von Marthe, die 1925 seine Frau wurde. Foto: Hilke Maunder
Immer wieder begegnen euch im Musée Pierre Bonnard Bilder von Marthe, die 1925 seine Frau wurde. Foto: Hilke Maunder

Pierre Bonnard in Frankreichs Museen

Neben Le Cannet könnt ihr das Werk von Pierre Bonnard auch in diesen französischen Museen entdecken:

  • Musée d’Orsay in Paris
  • Musée National d’Art Moderne in Paris (Centre Pompidou)
  • Musée des Beaux-Arts in Lyon
  • Musée de Grenoble in Grenoble
  • Musée Fabre in Montpellier

Diese Museen besitzen eine Vielzahl von Gemälden, Skizzen und Zeichnungen von Bonnard, die verschiedene Phasen seiner Karriere abdecken.

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