Étang de Thau: Wellness mit Austern

Wie still ist der Étang de Thau, aus dessen  spiegelglatter Wasseroberfläche die Seile und Tische der Austernzüchter ragen. 13.000 Tonnen Austern, zu 90 Prozent die pazifische Auster, werden in dem 21 km langen und 8 km breiten Binnenmeer kultiviert und ganz frisch an seinen Ufern genossen. Am besten schmeckt sie in den einfachen Straßenlokalen von Bouzigues.

Dort öffnen junge Männer mit scharfen Austernmessern die „huîtres“ von mittags bis spätnachts, stapeln sie Pappteller oder Metallplatten, drapieren Algen und Eis drumrum, füllen Zitrone, Essig und Mayonnaise in kleine Schälchen, werfen frisches Baguette in einen Brotkorb und servieren dazu kühlen Picpoul de Pinet.

Der spritzige Weißwein, der im Hinterland des Étang de Thau auf Terrassen mit kiesigen, von kleinen Kalksteinen durchsetzten Böden gedeiht, ist ein perfekter Begleiter für die Königin der Meeresfrüchte und die Miesmuscheln aus dem Lagunensee.

Ebenso gut passt er zu Rotbarbe, Dorade und Wolfsbarsch, die vor der Küste gefischt werden. Und so manch einer schlürft ihn bereits zum Apéritif – ob mit oder ohne Austern. Voilà. So leicht und unbeschwert ist südfranzösische Lebenslust. Bouzigues hat übrigens als einzige Gemeinde des Départements Hérault die begehrte Auszeichnung Site Remarquable du Goût erhalten!

Neben der pazifischen Felsenauster, die immer mehr die Flachauster verdrängt, könnt ihr am Étang de Thau auch  Tabouriech-Austern kosten. Da sie größer und fester im Fleisch sind, sind sie auch deutlich teuer.  „Erfunden“ hat Florent Tarbouriech. Der Austernzücher kam 2006 auf die Idee, die Austern regelmäßig aus dem Wasser der größten Salzwasserlagune Europas zu heben.

Der Hebeakt imitiert den Wechsel von Ebbe und Flut. Die Austern reagieren auf den Wechsel, indem sie sich zum Schutz vor Sonne und Wind schließen. Das trainiert ihren Muskel, macht das Fleisch fester und die Schale dicker. Sie zu öffnen, bedeutet noch mehr Kraft – und Übung! Kostet sie im Comptoir Le Saint-Barth, einem kleinen Paradies am Ende der Welt…

Oder bei Wellness-Anwendungen. Denn Florent Tarbouriech ist überzeugt: Austern sind gut für die Haut! Anfang 2017 stellte er sein Konzept für ein Austern-Spa vor. Mittlerweile hat er die ehemalige Domaine de Villemarin bei Marseillan behutsam restauriert und in einen Gîte de Charme mit 15 Zimmern auf zwei Etagen verwandelt.

Neben ländlicher Ruhe und komfortablen Zimmern sowie Austern- und Meeresmenüs im Restaurant könnt ihr euch dort mit Ostréathérapie verwöhnen lassen –  Massagen auf Austernbasis und Körperpflegeprogrammen mit Schalentieren.

Klassischer serviert Balaruc-les-Bains seine Gesundheitsanwendungen. In den östlichsten Ort am Étang de Thau zieht es vor allem Kurgäste mit Rücken- und Gelenkschmerzen: Balaruc ist Frankreichs drittgrößter Rheuma-Kurort. Lauft zum Belvedere im Quartier des Usines hinauf – von dort eröffnen sich wunderschöne Blicke auf den Étang de Thau und Sète mit dem Mont Saint-Clair.

Was für Powerpakete Austern sind, könnt ihr auch bei Führungen durch die Austernparks der Lagune entdecken, wie sie auch Stéphane Saez anbietet. Alles über die Austernzucht und den Fischfang in der Lagune erfahrt ihr im Musee Musée de l’Étang de Thau mit angeschlossenem Aquarium.

Westlich von Mèze wurden 1996 mehr als 60 Millionen alte Skelette, versteinerte Trittspuren und Eierschalen von Dinosauriern gefunden. Auf dem Forschungsgelände ihr im Musée-Parc des Dinosaures das größte Saurierskelett der Welt bewundern – einen 25 m langen und 50 t schweren Brachiosaurus. Unvorstellbar, dass auch er einmal hier gelebt hat!

Étang de Thau: meine Reisetipps

In der Nähe

Über das Wasser blickt ihr nach Sète. Die Hafenstadt / das Seebad habe ich hier vorgestellt.

Bei Marseillan wird der französische Wermut Noilly Prat hergestellt – und reift dort in der Seeluft. Alle Infos zur Besichtigung und Verkostung findet ihr hier.

Schlemmen

Chez la Tchèpe

Die beste Adresse für frische Austern in Bouzigues ist ein einfaches Straßenlokal: Chez la Tchèpe – ihr sitzt auf Plastikstühlen im Gewühl, aber Austern und Wein sind unschlagbar gut!
• 14, Avenue Louis Tudesq, 34140 Bouzigues, Tel. 04 67 78 33 19

Complexe Voile Blanche

Trendy und stylisch gibt sich dieser beliebte Treff mit Tapas-Restaurant und Club samt Pool zum Abkühlen…
• 301, quai du Port, Bouzigues, Tel. 04 67 78 35 77, www.lavoile-blanche.fr

Schlafen

Hôtel de la Pyramide*

Meerblick, Pool, komfortable Zimmer, kostenloses WLAN und sehr freundliche Wirtsleute – das Dreisternehaus am Ortsrand von Mèze ist eine Oase der Erholung.
• 8, Promenade Sergent JL Navarro, F – 34140 Mèze, Tel. 04 67 46 61 50, www.hoteldelapyramide.fr

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Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)*

Der Bildatlas "Frankreich Süden" von Hilke Maunder - die fünfte AuflageMein DuMont Bildatals Frankreich Süden (Okzitanien)* fängt zwischen Rhône und Garonne, Cevennen und Pyrenäen in sieben Kapiteln die Faszination der alten Region Languedoc-Roussillon in Wort und Bild ein – auch als eBook!

Von Montpellier, der Boomtown am Mittelmeer, bis zum römisch-romantischen Nîmes, von den Étangs bei Narbonne bis zur katalanischen Kapitale Perpinyá. Und noch ein Schlenker nach Carcassonne und Toulouse: voilà meine Herzensheimat! Wer mag, kann den Band hierdirekt bestellen.

MARCO POLO Languedoc-Roussillon: die Hommage von Hilke Maunder an ihre WahlheimatKompakt & inspirierend: MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen*

Den MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen* habe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen mehrfach umfangreich erweitert und aktualisiert.

Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich in meinem Frankreichjahr neu entdeckt und getestet habe.  Beide MARCO POLO-Bände hält ein Online-Update-Service aktuell, der euch über Events, Neueröffnungen und Schließungen informiert. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jeden Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights.

Dennoch: Das gut 560 Seiten dicke Werk ist der beste Führer für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen. In Ergänzung empfehle ich den Band von Petit Futé.

Michael Müller Verlag, 8. Auflage 2018, ISBN 978-3-89953-997-4, www.michael-mueller-verlag.de

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier direkt bestellen.

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4 Kommentare

  1. Was für ein toller Bericht .. ich danke herzlich aus Schweden. Ich fühlte mich gleich in meine Jugend zurück versetzt als ich auf einer Sprachreise bei meiner Gastmutter zum ersten mal in meinem Leben frische Austern essen konnte 😀 . Das ist ja nun hier im hohen Norden schwer möglich 🙂 Toll! Schwedengruß

  2. Solch ein herrlicher Bericht über den Étang de Thau! Da wird die Sehnsucht nach der seidigen Luft des Südens leider nur noch größer! Wer sich die Zeit bis zum nächsten Besuch im Hérault verkürzen möchte, könnte in meinen Krimis „Der Gast auf La Lumière“ und „Im Wind verspielt“ stöbern. Ende Januar wird „Der Schwan von Sète“ erscheint. In dem neuen Roman habe ich (mit Genehmigung) Teile des spannenden und informativen Berichts von Frau Maunder über das „Fischerstechen“ verarbeitet.

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