Étang de Thau: Wellness mit Austern

Lagunenseen des Languedoc: Étang de Thau. Foto: Hilke Maunder
Der Étang de Thau mit den Austerntischen von Bouzigues. Im Hintergrund: der Mont Saint-Clair von Sète. Foto: Hilke Maunder

Wie still ist der Étang de Thau, aus dessen spiegelglatter Wasseroberfläche die Seile und Tische der Austernzüchter ragen. 13.000 Tonnen Austern, zu 90 Prozent die pazifische Auster, werden in dem 19 Kilometer langen und fünf Kilometer breiten Binnenmeer kultiviert und ganz frisch an seinen Ufern genossen.

Am besten schmeckt sie in den einfachen Straßenlokalen von Bouzigues. Dort öffnen junge Männer mit scharfen Austernmessern die huîtres von mittags bis spätnachts.

Sie stapeln sie Pappteller oder Metallplatten, drapieren Algen und Eis drum herum, füllen Zitrone, Essig und Mayonnaise in kleine Schälchen, werfen frisches Baguette in einen Brotkorb und servieren dazu kühlen Picpoul de Pinet.

Ebenso gut passt er zu Rotbarbe, Dorade und Wolfsbarsch, die vor der Küste gefischt werden. Und so manch einer schlürft ihn bereits zum Aperitif – ob mit oder ohne Austern. Voilà. So leicht und unbeschwert ist südfranzösische Lebenslust! mBouzigues hat bereits 1995 als erste Gemeinde des Départements Hérault  die begehrte Auszeichnung Site Remarquable du Goût erhalten!

Huîtres creuses aus dem Bassin d'Arcachon. Foto: Hilke Maunder
Huîtres creuses. Foto: Hilke Maunder

Neben der pazifischen Felsenauster, die immer mehr die Flachauster verdrängt, könnt ihr am Étang de Thau auch  Tarbouriech-Austern kosten. Da sie größer und fester im Fleisch sind, sind sie auch deutlich teuer. „Erfunden“ hat Florent Tarbouriech.

Der Austernzüchter kam 2006 auf die Idee, die Austern regelmäßig aus dem Wasser der größten Salzwasserlagune Europas zu heben. Der Hebeakt imitiert den Wechsel von Ebbe und Flut. Die Austern reagieren auf den Wechsel, indem sie sich zum Schutz vor Sonne und Wind schließen. Das trainiert ihren Muskel, macht das Fleisch fester und die Schale dicker. Sie zu öffnen, bedeutet noch mehr Kraft – und Übung! Kostet sie im Comptoir Le Saint-Barth, einem kleinen Paradies am Ende der Welt.

Seafood: Austern! Geht es noch frischer als direkt aus dem Meer? Foto: Hilke Maunder
Austern! Geht es noch frischer als direkt aus dem Meer? Foto: Hilke Maunder

Oder bei Wellness-Anwendungen. Denn Florent Tarbouriech ist überzeugt: Austern sind gut für die Haut! Anfang 2017 stellte er sein Konzept für ein Austern-Spa vor. Mittlerweile hat er die ehemalige Domaine de Villemarin bei Marseillan behutsam restauriert und in einen gîte de charme mit 15 Zimmern auf zwei Etagen verwandelt.

Neben ländlicher Ruhe und komfortablen Zimmern sowie Austern- und Meeresmenüs im Restaurant könnt ihr euch dort mit Ostréathérapie verwöhnen lassen –  Massagen auf Austernbasis und Körperpflegeprogrammen mit Schalentieren.

Die Einfahrt vom Canal du Midi in den Étang de Thau bei Marseillan. Foto: Hilke Maunder
Die Einfahrt vom Canal du Midi in den Étang de Thau bei Marseillan. Foto: Hilke Maunder

Klassischer serviert Balaruc-les-Bains seine Gesundheitsanwendungen. In den östlichsten Ort am Étang de Thau zieht es vor allem Kurgäste mit Rücken- und Gelenkschmerzen: Balaruc ist Frankreichs drittgrößter Rheuma-Kurort. Lauft zum Belvedere im Quartier des Usines hinauf. Von dort eröffnen sich wunderschöne Blicke auf den Étang de Thau und Sète mit dem Mont Saint-Clair.

Was für Powerpakete Austern sind, könnt ihr auch bei Führungen durch die Austernparks der Lagune entdecken, wie sie auch Stéphane Saez anbietet. Alles über die Austernzucht und den Fischfang in der Lagune erfahrt ihr im Musée de l’Étang de Thau mit angeschlossenem Aquarium.

Westlich von Mèze wurden 1996 mehr als 60 Millionen alte Skelette, versteinerte Trittspuren und Eierschalen von Dinosauriern gefunden. Auf dem Forschungsgelände ihr im Musée-Parc des Dinosaures das größte Saurierskelett der Welt bewundern – einen 25 m langen und 50 t schweren Brachiosaurus. Unvorstellbar, dass auch er einmal hier gelebt hat!

Le Mourre Blanc: Muschelzucht. Foto: Hilke Maunder
Die Muschelzüchter und Austernfischer von Le Mourre Blanc. Foto: Hilke Maunder

Étang de Thau: meine Reisetipps

In der Nähe

Über das Wasser blickt ihr nach Sète. Die Hafenstadt / das Seebad habe ich hier vorgestellt.

Bei Marseillan wird der französische Wermut Noilly Prat hergestelltund reift dort in der Seeluft. Infos zur Besichtigung und Verkostung findet ihr hier.

Bei Noilly-Prat in Marseillan. Foto: Hilke Maunder
Bei Noilly-Prat in Marseillan. Foto: Hilke Maunder

Schlemmen

Chez la Tchèpe

Die beste Adresse für frische Austern in Bouzigues ist ein einfaches Straßenlokal: Chez la Tchèpe – ihr sitzt auf Plastikstühlen im Gewühl, aber Austern und Wein sind unschlagbar gut!
• 14, Avenue Louis Tudesq, 34140 Bouzigues, Tel. 04 67 78 33 19

À la Voile Blanche

Trendy und stylisch gibt sich dieser beliebte Treff mit Tapas-Restaurant und Club samt Pool zum Abkühlen…
• 301, quai du Port, 34140 Bouzigues, Tel. 04 67 78 35 77, www.alavoileblanche.fr

Schlafen

Hôtel de la Pyramide*

Meerblick, Pool, komfortable Zimmer, kostenloses WLAN und sehr freundliche Wirtsleute – das Dreisternehaus am Ortsrand von Mèze ist eine Oase der Erholung.
• 8, Promenade Sergent JL Navarro, 34140 Mèze, Tel. 04 67 46 61 50, www.hoteldelapyramide.fr

Noch mehr Unterkünfte*
Booking.com

Blick von Bouzigues auf
Blick von Bouzigues auf Sète und seinen Mont St-Clair. Foto: Hilke Maunder

Gefällt euch dieser Beitrag? Nützen euch die Infos? Dann freue ich mich über euer merci . Fünf Möglichkeiten gibt es. Und auch PayPal.

Weiterlesen

MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen*

Diesen Titel habe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen seit sechs Ausgaben umfangreich erweitert und aktualisiert.

Strandvergnügen und Kultur, quirlige Städte und wildromantische Landschaften: Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich neu entdeckt und getestet haben. Denn dieser Landstrich ist seit 2014 meine zweite Heimat.

Wandert rund um den Mont Lozére, radelt durch die Petite Camargue, schippert im Hausboot auf dem Canal du Midi, taucht mit der Zahnradbahn in die faszinierende Tropfsteinwelt der Cevennen ein oder entdeckt die Côte Vermeille bei einer Schnorchelwanderung. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreichs 2021 in 9. Auflage erschienen.

Das 588 Seiten dicke Werk ist der beste Begleiter für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!  Hier* gibt es euren Begleiter.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich vor vielen Jahren von Barbara Markert übernommen und seitdem umfassend aktualisiert und erweitert.

Freut euch auf neue Insidertipps und Reiseziele, frischen Hintergrund und viele Erlebnisvorschläge für Aktive und Entdecker – von der Lichterkunst in Bordeaux’ U-Boot-Basis bis zu Wanderungen unter Wasser.

Damit ihr Frankreich noch besser versteht, gibt es natürlich auch viel Hintergrund zu Frankreich und seinen Menschen. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

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4 Kommentare

  1. Was für ein toller Bericht .. ich danke herzlich aus Schweden. Ich fühlte mich gleich in meine Jugend zurück versetzt als ich auf einer Sprachreise bei meiner Gastmutter zum ersten mal in meinem Leben frische Austern essen konnte 😀 . Das ist ja nun hier im hohen Norden schwer möglich 🙂 Toll! Schwedengruß

  2. Solch ein herrlicher Bericht über den Étang de Thau! Da wird die Sehnsucht nach der seidigen Luft des Südens leider nur noch größer! Wer sich die Zeit bis zum nächsten Besuch im Hérault verkürzen möchte, könnte in meinen Krimis „Der Gast auf La Lumière“ und „Im Wind verspielt“ stöbern. Ende Januar wird „Der Schwan von Sète“ erscheint. In dem neuen Roman habe ich (mit Genehmigung) Teile des spannenden und informativen Berichts von Frau Maunder über das „Fischerstechen“ verarbeitet.

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