Luchon: Wellness in den Pyrenäen

Das Denkmal für Étigny vor dem Wellnesszentrum von Luchon. Foto: Hilke Maunder
Das Denkmal für Antoine Mégret Étigny vor dem Wellnesszentrum von Luchon wurde aus weißem Carrara-Marmor gefertigt. Foto: Hilke Maunder

Zwischen dem Val d’Aran und der Vallée d’Aure schmückt sich Bagnères-de-Luchon mit einem Kranz der Dreitausender: Gourgs-Blanc, Spijéoles, Maupas, Perdiguère – und nennt sich stolz „Die Königin der Pyrenäen“. Im Sommer wird hier gewandert, im Winter Ski gefahren, das ganze Jahr hindurch gekurt. Und Wellness genossen. Denn dort, wo die Eurasische Platte auf die afrikanische Platte knallt, hat sie etwas Wunderbares bewirkt: Sie hat die Pyrenäen aufgefaltet. Und den Weg frei gemacht für Tiefenwasser.

Das beschert Frankreich am Nordrand des Grenzgebirges zu Spanien eine Kette schönster Thermalbäder. Zu den Kurorten mit großer Vergangenheit gehört neben Cauterets, Molitg und Barèges auch Luchon im Département Haute-Garonne.

Luchoin besitzt noch ein reiches Erbe an Bäderarchitektur der Belle Époque. Foto: Hilke Maunder
Luchon besitzt noch ein reiches Erbe an Bäderarchitektur der Belle Époque. Foto: Hilke Maunder

Schwefel-Power aus der Tiefe

Bereits zur Römerzeit, als Luchon noch Ilixon hieß, gab es dort Thermen. Antoine Mégret d’Étigny, von 1719 bis 1767 Intentant von Gascogne, Béarn und Navarra,  ließ um 1760 die nach ihm benannte Allee anlegen, die seitdem die Stadt mit dem Kurkomplex verbinden.

Bis 1979 sprudelten in Luchon noch 18 Quellen, die völlig unterschiedlich waren im Schwefelgehalt, ihrer Temperatur, ihrer Lage, Tiefe und Radioaktivität. Sie wurden nach ihrer Lage in den Stollen in Nord- und Südgruppe gruppiert und in sogenannten griffons gesammelt. Diese Becken waren in mehreren, in den Fels gehauenen Gängen hinter und entlang des Kurhauses verteilt.

Heute ist der Kurort mit den stärksten Schwefelquellen der Pyrenäen Mitglied der Association Européenne des Villes Thermales Historiques (EHTTA) und eine der ersten Adressen für Atemwegs- und Gelenkerkrankungen.

Luchoin besitzt noch ein reiches Erbe an Bäderarchitektur der Belle Époque. Foto: Hilke Maunder
Herrlich nostalgisch: Luchon. Foto: Hilke Maunder

Vaporium und Therme

Dort jedoch konnte sich dieses schwefelhaltige, tiefe und heiße Wasser mit dem niederschlagsbedingten und kälteren Oberflächenwasser vermischen. 2009 wurde dieses Verschmutzungsrisiko gebannt. Seitdem sind die Quellen in drei Quellen mit 72, 65 und 50 Grad gebündelt. Aus 730 bis 170 Metern Tiefe steigt ihr Wasser empor!

Erleben könnt ihr es im einzigen Natur-Hammam Frankreichs. 150 Meter tief reicht sein Stollen in den Fels. Heute ist dieses Vaporium integriert in den zentralen Komplex der Thermes de Luchon. Im Badebecken sprudeln Hydrojets. Wer es vorab reserviert, kann auf Aquabikes strampeln.

Im espace bien-être, dem Spa der Thermen, sorgen polynesische Packungen, Hot-Stone-Massagen und andere Anwendungen für Entspannung.

Den Kurkomplex in Bagnères-de-Luchon umgibt die üppige Blumenflor des <em>parc hermal</em>. Foto: Hilke Maunder
Den Kurkomplex in Bagnères-de-Luchon umgibt der üppige Blumenflor des parc thermal. Foto: Hilke Maunder

Nach der Übernahme der städtischen Thermalbäder von Luchon zum 1. Januar 2023 durch die Arenadour-Gruppe starteten umfangreiche Renovierungsarbeiten, um die etwas vernachlässigte „Königin der Pyrenäen“ wieder zu einem strahlenden Stern zu machen.

40 Millionen Euro nimmt dazu die Gruppe aus Dax (Landes) in die Hand. Sie setzt dabei nur auf medizinische Kuren für die Atemwege und bei Rheuma-Leiden mit jährlich rund 15.000 Kurgästen. In den 1980er-Jahren kurten noch 30.000 Menschen in Luchon. Arenadour halbiert die Zahl, um weniger Gäste besser betreuen zu können. Nicht durchschleusen, sondern individuell behandeln, ist die Maxime.

Das historische Kurbad von Bagnères-de-Luchon. Foto: Hilke Maunder
Das historische Kurbad von Bagnères-de-Luchon. Foto: Hilke Maunder

Das Geld dafür soll der thermoludisme generieren, der Badespaß im Heilwasser. Erstmals werden die Thermen von Luchon auch große Wasserbecken zum Spielen und Plantschen erhalten.

Im März 2024 soll alles fertig sein. Der Bürgermeister von Luchon, Éric Azémar, freut sich, dass das lang angestrebte Projekt nun verwirklicht wird. Die Privatisierung der Thermalbäder von Luchon ist in den letzten Jahren Gegenstand lebhafter politischer Debatten in der Stadt gewesen. Erstes Zeichen des Neustarts ist eine neue, schnelle wie nachhaltige Verbindungen zwischen dem Thermalbad und seiner Bergstation.

Super-Bagnères. Foto: Hilke Maunder
Sprungbrett ins Skivergnügen von Super-Bagnères. Foto: Hilke Maunder

Ski & Spa

Im Winter lockt Ski & Spa. Nach der Talabfahrt wärmen sich die Wintersportler gerne in der Therme auf und genießen die Wellness-Angebote. Zum Skigebiet Luchon-Superbagnères schwebt vom Thermalbad seit 22. Dezember 2023 der Crémaillère Express. Er ersetzt seitdem die alte Gondel, die vor 30 Jahren eingeführt wurde.

Der Crémaillère Express ist ein Talaufzug mit 10 Sitzplätzen pro Kabine, der Besucher sowie Fahrräder, Tragen zur Evakuierung von Verletzten und Personen mit eingeschränkter Mobilität in weniger als acht Minuten hinaufbringt ins Hochgebirge. 18 Millionen investierten Luchon, die Region Occitanie und das Land in die neue Infrastruktur hinauf zum Balkon der Pyrenäen.

Super-Bagnères. Foto: Hilke Maunder
Super-Bagnères. Foto: Hilke Maunder

13 Dreitausender seht ihr von der Aussichtsterrasse, auf der eine Infotafel die wichtigsten Bergspitzen nennt.: das Massiv der Maladeta, die Grenzberge zur Spanien, und den Pico de Aneto (3.404 m), den höchsten Berg der Kette.

Was für ein Panorama! Perfekt, dass es da das Grand Hôtel mit seiner Freiluft-Lounge gibt … und noch zahlreiche andere Terrassencafés direkt am großen Parkplatz für die Wanderer und Skifahrer, die in den Sportgeschäften am Rande sich noch ausstatten können.

13 Dreitausender: Das Panorama von Luchon-Superbagnères beeindruckt! Foto; Hilke Maunder
13 Dreitausender: Das Panorama von Luchon-Superbagnères beeindruckt! Foto; Hilke Maunder

Luchon: meine Reisetipps

Hinkommen

Mit dem Wagen  auf der A 64 bis zur Ausfahrt 17 Montréjeau, dann D 825/D 125. Achtung: Die Landstraßen sind in den 70er-Zonen mit Radars gespickt! Bahn: SNCF-Bahnhof in Luchon. Flughäfen in Toulouse (140 km), Tarbes (90 km) und Pau (140 km). Shuttle-Bus (navette) zum Flughafen und Bahnhof von Toulouse: Farrus Voyages, Tel. 05 61 79 06 78

Schlafen

Alti Hotel*

Zentral gelegenes, modern-komfortables Hotel Garni mit 47 recht kleinen Zimmern. Gleich neben dem Hotel findet ihr ein Terrassenrestaurant für das Mittag- oder Abendessen, im Untergeschoss einen Fitnessraum mit Jacuzzi.
• 19, allée d’Etigny, Tel. 05 61 79 56 97

Castel de la Pique

Gegenüber von den Thermen und nur 100 m Meter Park entfernt, haben Solange und Alain in einer Belle-Époque-Villa zehn Gästezimmer eingerichtet. Wer länger bleibt, kann Halbpension buchen. Nichtraucherhotel!
• 31, cours des Quinconces, Tel. 05 61 88 43 66, www.castel-pique.fr

Ski & Spa: Super-Bagnères. Foto: Hilke Maunder
Hôtel Castel de la Pique. Foto: Hilke Maunder

Thermen

• Cours des Quinconces, 31110 Bagnères-de-Luchon, Tel. 05 61 94 52 52, www.thermes-luchon.fr

November – Februar keine Kuranwendungen!

Schöne Souvenirs

Gâteau à la Broche

Mehr zum südfranzösischen Baumkuchen gibt es hier im Blog.

Craft-Beer

Bière du Randonneur von der Brasserie de la Venasque
• Rue de Sous Baylou, Montauban de Luchon, Tel. 06 37 15 46 72, www.brasserie-du-venasque.com

Honig

Berghonig von der Miellerie des 7 Molles
• Salles et Pratvilles, Tel. 05 61 79 79 73, www.miellerie-des-7-molles.fr

Schokolade

1897 gründete der Apotheker Ludovic Dardenne in Luchon seine Schokoladenmanufaktur, die heute glutenfrei und garantiert bio aus Kakao die köstlichsten Kreationen fertigt – darunter auch ausgefallene Spezialitäten mit Agaven oder Mandelöl.
• D125, Salles et Pratviel, Tel. 05 61 79 02 01, www.chocolatdardenne.com

Seife

Abellio-Seife, handgemacht von einer jungen Frau in Montauban de Luchon.
• Rue Cargue, Montauban de Luchon, Tel. 05 62 00 58 02, www.abellio-savonnerie.com

Ôdaim

Ledertaschen von Aurélie, die eigentlich aus der Normandie stammt, zwei Jahre lang in ihrer Heimat beim Haras du Pin als Kürschnerin und Sattlermeisterin ausgebildet wurde, dann bei Hermès ihr Handwerk verfeinerte – und 2011 ihre eigene Marke gründete. Seit 2015 lebt sie in Cazaux Layrisse in den Pyrenäen.
• Cantruc, Cazaux Layriss, Tel. 06 75 10 18 99, www.facebook.com/odaim.artisanmaroquinier

Allées d'´Etigny heißt die Bummelle von Bagnères-de-Luchon – sie lässt das Bäder-Ambiente der Belle Époque ahnen. Foto: Hilke Maunder
Allées d’´Étigny heißt die Bummelmeile von Bagnères-de-Luchon – sie lässt das Bäder-Ambiente der Belle Époque ahnen. Foto: Hilke Maunder

Wellness in den Pyrenäen: alle Orte von A-Z

Ariège

Aulus-les-Bains
Ax-les-Thermes
Ussat-les-Bains

Gers

Barbotan-les-Thermes
Castera-Verduzan

Ax-les-Thermes:. Brunnenspaß
Nach dem Skilaufen oder Stadtbummel einfach herrlich: die Füße ins warme Thermalwasser von Ax-les-Thermes zu halten. Foto: Hilke Maunder

Haute-Garonne

Luchon
Salies-du-Salat

Hautes-Pyrénées

Argelès-Gazost
Bagnères-de-Bigorre
Balnéa-Genos-Loudenvieille
Barèges Barzun
Beaucens
Capvern-les-Bains
Cauterets
Luz-Saint-Sauveur
Saint-Lary-Soulan

Pyrénées-Atlantiques

Cambo-les-Bains
Eaux-Bonnes
Eaux-Chaudes
Salies-de-Béarn

Molitg-les-Bains: Wiege von Biotherm. Foto: Hilke Maunder
Die Thermen von Molitg-les-Bains. Foto: Hilke Maunder

Pyrénées-Orientales

Amélie-les-Bains
La Preste-les-Bains
Le Boulou
Molitg-les-Bains
Vernet-les-Bains

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Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre  Kultur, Sprache und Küche pflegt.

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Richtig heiß ist das Wasser der Brunnen in Ax-les-Thermes. Foto: Hilke Maunder
„Achtung, Verbrennungsgefahr“, mahnt das Schild. Richtig heiß ist das Wasser der Brunnen in Ax-les-Thermes. Foto: Hilke Maunder
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