Lese-Frühling à la française

Lesetipps

Die Tage werden länger, der Frühling erwacht: Wer jetzt Lust hat, eingemummelt auf der Terrasse, auf der Parkbank oder gemütlich daheim im Sessel oder auf dem Sofa zu lesen, findet hier ein paar Vorschläge aus dem Berg der Neuerscheinungen. Bonne lecture und viel Spaß beim Lese-Frühling à la française !

Hochspannung

Der Name Robert de Paca ist ein Pseudonym – Paca ist das Kürzel der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Robert de Paca lebt 1997 in Südfrankreich, hat dort gearbeitet und dank seiner Familie und den Kindern das Leben in der Region PACA hautnah erlebt. Dort sind inzwischen drei Krimis entstanden, von denen ich zwei erst jetzt entdeckt habe. Les voilà !

Robert de Paca, Die Mirabeau-Morde*

Aix-en-Provence kennt Robert de Paca wie seine Westentasche. Das kommt diesem Regionalkrimi zugute, der tief in die Geschichte der Stadt eindringt und archaische Mordmethoden von einst detailreich vorstellt. Denn sie spiegelt der Täter, um ein traumatisches Erlebnis aus seiner Kindheit zu rächen.

Die Handlung ist schnell erzählt. Der Münchner Kommissar Stefan Eltjen soll die Polizei in Aix-en-Provence bei den Ermittlungen zum Mord an einer deutschen Studentin unterstützen. Das Opfer ist seltsam inszeniert, und der Mörder hat eine mysteriöse Botschaft auf provenzalisch hinterlassen. Bald tauchen weitere Leichen auf, ebenso inszeniert und mit Botschaften versehen. Was steckt dahinter? Eltjen und seine französischen Kollegen stehen vor einem Rätsel. Bis die Spure hineinführt ins Herz der Ermittlungen.

Robert de Paca hat einen spannenden, leicht zu lesenden Krimi verfasst, der bis zum Ende überraschende Wendungen nimmt und die Spannung hält. Seine Pluspunkte sind ein raffinierter Plot, superbe Regionalkenntnisse und tolles historisches Wissen. Seine Figuren hingegen mag der eine oder andere als etwas oberflächlich und flach gezeichnet empfinden. Mich hat es nicht gestört, denn die Handlung hat mich Seite für Seite tiefer hineingezogen. Wer mag, kann den Krimi hieronline bestellen.

Robert de Paca, In den Straßen von Nizza*

Nicolas leistet still und diskret einen Rundumservice für Superreiche. Er arbeitet als Chauffeur, Fremdenführer und Sekretär und erfüllt seinen zahlungskräftigen Auftragsgebern nahezu jeden Wunsch.

Den Großteil seiner Kunden vermittelt ihm eine russische Agentur. So auch Konstantin. Jener jedoch bindet ihn ungewollt in einen mysteriösen Gemäldediebstahl ein – und macht ihn unfreiwillig zum Vermittler zwischen Täter und Bestohlenem.

Zusammen mit Versicherungsdetektivin Nathalie macht er sich daran, die bedeutenden Gemälde wiederzubeschaffen. Cannes und Antibes sind dabei die ebenso Schauplätze des rasanten Katze-und-Maus-Spieles, wie auch Nizza. Ein spannender Sommerkrimi mit viel Flair und Côte-d’Azur-Ambiente! Wer mag, kann hierden Krimi online bestellen.

Starke Frauen

Pia Rosenberger_Künstelrin der FrauenPia Rosenberger, Die Künstlerin der Frauen*

Niki de Saint Phalle war das enfant terrible ihrer adligen französischen Familie, die in die USA ausgewandert war. Sie wächst in New York auf, wird von einem Fotografen als Model entdeckt – und brennt  mit dem Navy-Soldaten Harry durch. Das Glück des jungen Ehepaares indes wird schnell getrübt. In der Hoffnung, in Frankreich das Glück zu finden, zieht Niki mit ihrem Mann und ihrer Tochter nach Frankreich.

Doch das Trauma ihrer Vergangenheit kann sie auch dort nicht abschütteln. Aus dem Schmerz und den Wunden, die ihr Vater ihr angetan hat, erwächst eine Kunst, die Niki zu verzehren droht: Les Tirs. Nikis Kunst schockt die Welt. Doch erst mit ihren Nanas schafft sie es, mit sich selbst einst zu werden.

Pia Rosenberger hat eine faszinierende Biografie einer Künstlerin verfasst, kenntnisreich, spannend und voller Einblicke in das Leben einer Künstlerin, die sehr widersprüchlich, zornig, voller Leben und mitunter verstörend ist, leidenschaftlich, verstörerisch und voller Fragen. Dank der Biografie sehe ich nun Niki und ihre Kunst, ihre Nanas, ihre Schießbilder und ihre anderen Werke mit ganz anderen Augen.
Wer mag, kann die Künstlerinnen-Biografie hier* online bestellen.

Eva-Maria Bast_Die aufgehende Sonne von ParisEva-Maria Bast, Die aufgehende Sonne von Paris*

1917 wurde im Schloss von Vincennes bei Paris die wohl prominenteste deutsche Spionin des 1. Weltkrieges hingerichtet: Mata Hari. Hinter dem Kunstnamen verbirgt sich mit Margaretha Geertruida Zelle eine Frau, die um 1905 in Paris die Menschen mit ihrer Eleganz und Erotik ihn den Bann zieht. Mata Hari ist Frau, die lügt, sich verschleiert, neu erfindet und sich selbst eine Welt zusammenträumt. Eine Frau, die fasziniert, glitzert … und zur Legende wird. Und eine Frau voller Ängste und Schwächen, die sich reicher Männer bedient, um ein Leben in Luxus zu führen.

Während Pia Rosenberger es gelingt, die Brüche, Spannungen, Höhen und Tiefe im Leben von Niki de Saint Phalle aufzudecken und die Künstlerin zwischen den Buchdeckeln zum Leben zu wecken, gleicht der 390 Seiten dicke Roman über die „aufgehende Sonne von Paris“ eher einem XXL-Beitrag aus der Gala: leicht und süffig zu lesen, ein guter Mix von Glamour und Tratsch, mal schluchzend (S. 281), dann jubelnd (S. 368) und schließlich pathetisch im Abgang. Eine unterhaltsame Biografie, sauber recherchiert, perfektes Herzkino.  Wer mag, kann die Mata-Hari-Biografie hier* online bestellen.

Neu aus Frankreich

Alexis Ragougneau_Opus 77

Alexis Ragougneau, Opus 77*

Alles beginnt mit einer langen Andacht in einer Genfer Basilika: Der berühmte Orchesterchef Claessens ist gestorben. Seine Tochter Ariane, selbst eine international anerkannte Pianisten, spielt die Musik zur Totenfeier des Vaters. Anders als angekündigt, spielt sie jedoch nicht Schumann, sondern Schostakowitschs Violinkonzert Opus 77 spielen, als Hommage an ihren Bruder, einen virtuosen Geiger, der sich seit Jahren in den Schweizer Bergen zurückgezogen hat.

Die fünf Sätze  des Violinkonzerte spiegeln das turbulente Leben des verstorbenen Musikers. Ariane spielt die Partitur in Form von zufälligen Rückblenden und erzählt so die komplexe Geschichte ihrer Familie, von ihrer Mutter  Yaël, einer Sängerin mit einer kurzlebigen Karriere, ihrem Bruder und „Wundergeiger“ David und ihrem Vater, der nur mit dem Familiennamen genannt wird – und nicht nur das Orchester streng regierte, sondern auch die eigene Familie.

So entsteht ein Familienportrait voller Machtspiele zwischen den Generationen, voller gezügelter Emotionen und voller schmerzhafte Melancholie. Nach 218 Seiten verabschiedet sich seine Ich-Erzählerin, Sologeigerin Ariane, mit diesen Worten: „Ich bin der komplizierteste, undurchdringlichste, perfekteste Automat, der je von Menschenhand geschaffen wurde.“ Wer mag, kann den faszinierenden Roman hier* online auf Deutsch bestellen – und hier* auf Französisch.

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Offenlegung

Sämtliche Titel für den Lese-Frühling à la française stellten mir die Verlage kostenfrei für die Buchbesprechungen zu Verfügung. Herzlichen Dank! Einfluss auf die Rezensionen hat dies nicht. Ich bespreche alle Titel 100 % subjektiv und freue mich über eure Tipps für den Lese-Frühling 2022. Merci !

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