Mein Frankreich: Renate Thomann
„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch?
Diesmal verrät es Renate Thomann. Sie ist 62 Jahre alt und wohnt (noch) in Reutlingen in der Nähe von Stuttgart. Ihre Arbeit als Leitung der Administration im Labor eines großen Krankenhauses führt sie – noch bis Ende August – täglich nach Stuttgart.
„Mein Frankreich Abenteuer“ begann vor über 30 Jahren mit einem Campingurlaub auf Korsika mit meiner kleinen Tochter, was ein klassischer Badeurlaub war. In den folgenden Jahren folgten Urlaube in der Vendée, Aquitaine und der erste Aufenthalt in der Bretagne im südlichen Finistère mit einer Freundin und den Kindern.
Hier wohnten wir in einem kleinen Ort in einer Ferienwohnung direkt am Strand und über einem Restaurant. Es hätte besser nicht sein können. Was mich begeistert hat, war der Atlantik, der so ganz anders ist als die „Badewanne“ Mittelmeer und so viel mehr das Element Meer.
Die kleinen Orte, das Felskap der Pointe du Raz, Quimper als Stadt, die Kalvarien, die Architektur. Und man mag es nicht glauben – das Klima und die Hortensien.
Das hat Lust auf mehr gemacht, sodass weitere Urlaube in unterschiedlichen Konstellationen und Unterkunftsarten folgten: Plougastel, Côte Granit Rose, nördliche Île Crozon.
Mit Ausflügen ins Hinterland, in die mystischen Wälder, zu den Menhiren und natürlich auch in die Boulangerien und Pâtisserien. Mit der Entdeckung des Kouign amman, Far breton und weiteren Leckereien. Zwischenzeitlich auch mit Hund, der auch überall willkommen war.
Auf diese Urlaube folgte eine Frankreichpause, da Urlaub in den Sommerferien erfolgen musste. Da ich es nicht so warm mag, sind wir deshalb einige Jahre in den Norden gefahren. Durch den Hund und später die Hunde wurde die Auswahl auch immer nach Hundefreundlichkeit getroffen.
Allerdings wurde das flache Land am Meer in Norden dann doch schneller langweilig, sodass die Bretagne mal wieder anstand. Und ich in Saint-Pol-de-Léon ein Ferienhaus etwas oberhalb mit einem Wahnsinnsblick fand. Und quasi mitten in den Artischockenfeldern. So viele in so kurzer Zeit haben wir noch nie gegessen!
Die Ausflüge erfolgten hauptsächlich der Küsten entlang Richtung Westen. Dossen, Goulven, Wanderungen entlang des sentier des douaniers, Santec, Kerfissen…. der Strand, an dem bei Ebbe die Felsen bloß liegen und frau ewig weit rauslaufen kann (und Hund natürlich auch).
Es reiften erste Überlegungen zu einer Übersiedelung – zu deren gänzlichen Umsetzung ich mich aber doch nie aufraffen konnte. Und die Frage, warum ich noch nie in der Normandie war? Und ob das nicht auch mal an der Zeit wäre.
Aber der wohl bekanntere Teil um Deauville, Étretat oder auch die Landungsstrände waren nicht das, was so mein Beuteschema ist, sondern das ursprünglichere, nicht so touristische und zu dicht besiedelte. Also fiel die Wahl auf die Westküste des Cotentin. Eine neue Liebe begann.

Den ersten Urlaub dort haben wir in Barneville verbracht. Schon bei der Anfahrt von Portbail kommend kurz vor Barneville, wenn man oben auf der Höhe ist und der Blick freigegeben wird auf den Ort, Küste und Meer haben mich total begeistert. Die langen Strände, die Bocage-Landschaft, das Cap Carteret haben mich völlig vereinnahmt.
Dann haben wir eine Wanderung vom Cap Carteret durch die Düne Hattainville und dann an den Strand unternommen, und das hat mich wirklich total geflasht. Hattainville ist seither (nicht nur) mein absoluter Sehnsuchtsort. Wenn man vom Ort in die Düne fährt – der Blick von oben ist einfach fantastisch, der Strand sowieso.
Einfach nur Platz, Weite, entspannt, die Landschaften, die sich bei Ebbe im Sand bilden. Das nächste Wow kam bei einem Ausflug zum Nez de Jobourg, auch wenn bei der Anfahrt der Blick vorübergehend eher nach links gewendet werden sollte. Eine Wanderung von dort über die Baie d’Écalgrain nach Goury mit den Ausblicken…
Der Markt von Barneville mit dem Biobauern mit seinen Milchrodukten. Die crème fraîche, die es in dieser Konsistenz bei uns einfach nicht gibt, die offene gesalzene Butter, die Patisserie mit den kleinen, feinen Törtchen, zum ersten Mal brioche feuilletée mit crème salidou gefüllt… Protbail, Coutances….
In diesem Urlaub habe ich im Ferienhaus in einem Reader’s Digest einen Artikel über die Côte d’Opal gelesen, die schöner sein soll als Bretagne und Normandie zusammen. Das konnte ich mir jetzt nicht wirklich vorstellen, aber man muss es sich ja zumindest mal anschauen, um eine Aussage treffen zu können.
Und es ist ja doch die eine oder andere Stunde näher an der Heimat. Und da ja der Gedanke an Haus am Meer im Hinterkopf war, wurden die nächsten beiden Urlaube im Pas-de-Calais gebucht. Hier jedoch hat mir nur der kleine Bereich zwischen Griz-Nez und Blanc-Nez zugesagt. Relativ schnell war klar – das ist nicht meine Gegend.
Der Wunsch nach einem Haus an der Küste hat sich aber trotzdem verfestigt. Zur Eingrenzung des Zielgebiets bzw. Ausschluss folgte daher ein weiterer Aufenthalt in der Vendée und im Aquitaine. Dabei wurde mir immer klarer: Mein Platz ist im Cotentin.
Bei jedem weiteren Aufenthalt dort war beim ersten Gang an den Strand das Gefühl da, „heim zu kommen“. Da wir immer so zwischen Portbail und Saint-Germain-sur-Ay gewohnt haben, gab es oft den Blick aufs Cap Carteret. Und jedes Mal in Hattainville Gänsehaut aufs Neue.
Zwar hat Corona uns sowohl urlaubsmäßig als auch bei der Haussuche ausgebremst, nicht jedoch zum Aufgeben gebracht. Bei dem diesjährigen Urlaub im Mai konnte ich doch einige Häuser besichtigen, auch einem erweiterten Suchgebiet. Aber auch dabei habe ich festgestellt, dass nicht jeder Ort sich richtig anfühlt. Mein Platz ist zwischen Hatainville und Saint-Germain-sur-Ay.
Und evtl. im nördlichen Finistère. Im Spätsommer dieses Jahres beende ich mein aktives Arbeitsleben. Das nächste Vorhaben wird daher die Überwinterung im Finistère, ab Roscoff gen Westen, sein. Um zu sehen, wo dort eine alternative Heimat sein könnte. Und zu erspüren, ob es sich dort richtig anfühlen kann.
Hierfür suche ich noch ein günstiges Haus für drei bis vier Monate, mit meiner Hündin. Vielleicht weiß ja jemand etwas zu einem Haus? Mein Haus hier in Deutschland habe ich schon verkauft, eine kleine Wohnung für die Heimataufenthalte ist gekauft. Zu meinem Glück fehlt nur noch das Haus am Meer.
Der Beitrag von Renate Thomann ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ihr wollt mitmachen? Dann denkt bitte daran:
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