Mein Frankreich: Günter Neureuth

Günter Neureuth. Foto: privat
Günter Neureuth. Foto: privat

„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch?

Diesmal verrät es Günter Neureuth. Er war als militärischer Landeskundler tätig und hat heute im Languedoc mit seiner Familie eine zweite Heimat gefunden.


Meine Liebe zu Frankreich – unserer zweiten Heimat

1974 war ich das erste Mal per Anhalter in Paris und in der Normandie, danach immer mal wieder in Südfrankreich. Und immer gefiel mir die Lebensart. Damals kostete ein Glas Rotwein 3 FF und die Moules Frites 24 FF.

Dann kamen berufliche Schritte, Familienplanung, Kinder und trotzdem zog es uns in einem alten Campingbus oder mit einem Motorradgespann immer wieder an den Ärmelkanal, aber dann auch wieder in den Midi. 2001 kam dann durch eine Zeitungsanzeige in der „Welt am Sonntag“ der Gedanke, ein Haus zu kaufen.

Foto: Günther Neureuth
Foto: Günther Neureuth

An einem Ostersonntag standen wir auf der Baustelle, Matsch, strömender Regen und dann die Vorstellung, Geld zu bezahlen, ohne vor Ort zu sein. Dazu Immobilienmakler, die mehr Glücksritter zu sein schienen und dubiose Bauunternehmer.

Uns fehlte der Mut, aber ein Jahr später rief die Maklerin an, mit der wir uns angefreundet hatten, und wir wurden kurzentschlossen Besitzer eines fertigen Hauses in einer neuen Ferienresidenz mit Gemeinschaftspool.

Copropriété und Harmonie waren für uns kein Begriff. Beim Gestalten der Außenanlagen, vielen Eigentümerversammlungen und vieler baulicher Änderungen konnten wir uns dann damit auseinandersetzen.

Wer glaubt, Deutschland sei bürokratisch, kennt dieses Land nicht. Kein Konto ohne Stromrechnung, kein Vertrag mit der EDF ohne Konto, Wohnsteuern, Funktionssteuern, Einkommenssteuern, Kurtaxen etc. Jahrelang sahen wir öfter den Baumarkt als den Liegestuhl, und dann wurden Garten und Haus so, wie sie sein sollten.

Das alles wollten wir nicht für uns alleine und die Nebenkosten waren auch noch da. So begannen wir, an überwiegend nette Leute zu vermieten, fanden neue Freunde, wechselten häufig die Verwaltung und die Putzfrauen.

Nach sieben Jahren war es dann bezahlt. Doch nach zehn Jahren kam dann ein Nachbar aus Belgien und sagte, ich müsse jetzt umgehend sein Haus kaufen mit Supermeerblick. Alles begann wieder von vorne. Nun sind es 20 Jahre in einem traumhaften Ort am Meer: Saint-Pierre-la-Mer.

Der marokkanische Gemüsemann ist unser Freund, wir sammeln Schnecken, wilden Spargel und Pilze und den Wein holen wir im Kanister, für ab 1,80 Euro den Liter.

Meine Liebe gilt immer noch dem Wein und ich kenne viele nette Leute und tolle Restaurants, vor allem im Hinterland. Ich bin ein angesehener Nachbar, Mitglied bei den anciens combattants und fördere die Feuerwehr, die vor allem im Sommer einen tollen Job macht.

Fünf bis sechs Monate sind wir vor Ort und bereut haben wir es nie. Unser Traum vom Haus am Meer ist wahr geworden, und wir hoffen, dass er noch lange dauert. Und dass zumindest eines unserer Kinder die Verantwortung übernehmen wird, wenn es an der Zeit ist.

Foto: Günther Neureuth
Foto: Günther Neureuth

Der Beitrag von Günter Neureuth ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ihr wollt mitmachen? Dann denkt bitte daran: 

• Bitte keine PDFs.

• Text: per Mail in Word, Open Office oder per Mail. Denkt daran, euch mit ein, zwei Sätzen persönlich vorzustellen.

• Fotos: bitte möglichst im Querformat und immer in Originalgröße. Bitte schickt sie mit www.WeTransfer.com (kostenlos & top!) gebündelt mir zu – oder EINZELN ! – per Mail. Bitte denkt an ein Foto von euch – als Beitragsbild muss dies ein Querformat sein.

Vor der Veröffentlichung erhaltet ihr euren Beitrag zur Voransicht für etwaige Korrekturen oder Ergänzungen. Erst, wenn ihr zufrieden seid, plane ich ihn für eine Veröffentlichung ein. Merci ! Ich freue mich auf eure Beiträge!

Merci fürs Teilen!

3 Kommentare

  1. Wir waren in den Pfingstferien nach 2 Jahren Corona-Pause endlich auch wieder in Saint Pierre. Wie sehr hatten wir den La Clape Wein und das Gläschen Kir ‚Chez Norbert‘ nach dem Marktbesuch vermisst!

  2. Ja, ein wirklich schönes Eckchen von Frankreich. Ich durfte die Gegend Mitte der 1980-Jahre zusammen mit meinen Mann, einem gebürtigen Nordfranzosen kennenlernen. Wir hatten 3 Jahre in Folge das Ferienhaus eines Strassbourger Gendarmen gemietet und auch später mit unserem Wohnmobil zog es uns gerne wieder dorthin zurück.

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