Mein Frankreich: Karin Denzler
„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch?
Diesmal verrät es Karin Denzler. Geboren in der Schweiz, lebt sich seit 2018 gemeinsam mit ihrem holländischen Partner und ihrem vierbeinigen Begleiter im Périgord. Wenn sie nicht gerade Texte übersetzt, erkundet sie ihre Wahlheimat – und berichtet davon auf ihrem Périgord-Blog.
In Nizza entflammte meine Liebe zu Frankreich
Gläserklirren, Stimmengewirr und eine leichte Fischnote erfüllen die laue Sommerluft. Frühjahr 1994: Meine Schweizer Freundin Sabine und ich sitzen auf dem Jugendstilbalkon unseres Zimmers in der Altstadt von Nizza. Glänzend liegen Fische und Schalentiere eisgekühlt in der Auslage des Fischrestaurants gegenüber.

Wir teilen uns eine Wohnung mit drei französischen Studenten und einem jung gebliebenen älteren Herrn namens Didier: ein redseliger, kleingewachsener Mann mit grauem Kraushaar, blau-schwarz gestreiften Socken und einem Bauch, der von seiner Liebe zu gutem Essen zeugt.

Entdeckungen an der Côte d’Azur
Während der nächsten drei Monate verbessere ich jedoch nicht nur meine Französischkenntnisse, sondern verliebe mich auch Hals über Kopf in dieses wunderbare Land. Viel zu schön ist es hier an der Côte d’Azur, um unsere Zeit ausschließlich mit plus-que-parfait und Anverwandten zu verbringen.

Wann immer möglich nehmen wir uns Zeit für Ausflüge, etwa in die beeindruckende Verdonschlucht, an die malerische rote Felsküste bei St. Raphaël, ins schicke St-Tropez oder in die Parfümstadt Grasse.

Nach meinem Aufenthalt in Nizza wünschte ich mir nichts sehnlicher, als ein Leben in Frankreich. Auf einer Reise durch Madagaskar lerne ich jedoch 5 Jahre später einen Holländer kennen und bringt mich die Liebe erst für 18 Jahre nach Amsterdam, bevor ich gemeinsam mit meinem holländischen Partner und unserem vierbeinigen Begleiter nach Frankreich ziehe.
Neue Heimat im Périgord

Ich arbeite als freischaffende Übersetzerin und habe deshalb sehr viel Freiheit in Bezug auf meinen Wohnort. Nach zahlreichen Urlaubsreisen in verschiedenste Ecken des Hexagons haben wir uns entschieden, im Südwesten Frankreichs nach einem neuen Zuhause zu suchen, genauer gesagt im Périgord (Département Dordogne).

Diese Region hat uns bei jeder Urlaubsreise aufs neue verzaubert. Hier spürten wir immer wieder diese starke Anziehungskraft, eine Art Magie aus Geschichte, Natur, ländlichem Charme und kulinarischen Verwöhnereien, die sich in unseren Herzen einnistete und uns nicht mehr losließ.

Ruhe, Natur & Geschichte
Wir sind sehr gerne und oft auf den idyllischen Wanderwegen unterwegs, die sich durch Eichenwälder, Weinfelder, Flusstäler und zu Burgen und Weilern schlängeln. Oft fühlen wir uns dabei um hunderte Jahre in der Zeit zurückversetzt und begegnen wir kaum anderen Menschen. Ein tiefes Gefühl von Ruhe, Natur und lebendiger Geschichte.

Seit 2018 wohnen wir nun südlich von Bergerac, in der gleichnamigen Weinregion im äußersten Südwesten des Périgords, gut 100 km östlich von Bordeaux. Hier werden auf 11.800 Hektar jährlich 73.600 Flaschen AOC-Weine produziert (rot/rosé/weiß/Süß- und Likörweine).

Süßes Gold
Der wohl bekannteste Wein der Region ist der Likör-Wein Monbazillac, der übrigens in der Qualität seinem bekannten Bordeaux-Bruder Sauternes in nichts nachsteht, außer dass er freundlicher ist für die Geldbörse. Gleiches gilt auch für so manch anderen guten Tropfen aus der Bergerac-Region.

Am liebsten kaufen wir Wein bei unserem Nachbarn David. Der Biobauer bewirtschaftet seine 5,5 Hektar Weinberg alleine mit seinem 82-jährigen Onkel. David ist auch passionierter Gitarrenspieler und verleiht seinem Wein mit Namen wie Led Zeppelin oder Genesis eine musikalische Note.
Eymet, die charmante Bastide
Wir wohnen in Eymet, einer Bastide aus 1270 (aus dem Okzitanischen für bastir = bauen). Bastiden sind Städtchen, die im mittelalterlichen Südwesten Frankreichs nach einem festen Muster erbaut wurden: Auf einem zentralen Marktplatz, der oft von Arkaden gesäumt wird, laufen die in Schachbrettform angeordneten Straßen zusammen.

Vor über 700 Jahren war die befestigte Bastide Eymet Teil der Verteidigungsstrategie gegen die Briten. Heute machen die Briten nahezu 20 % der Bevölkerung von Eymet aus und herrscht ein friedliches Mit- und Nebeneinander.
Die kulturelle Vielfalt beschert dem gut 2.600 Einwohner zählenden Eymet eine kleinstädtische Lebendigkeit. Von der alteingesessenen Bar-Tabac bis zur schicken Cocktailbar, Theater- und Filmvorstellungen, Jazz-Konzerten sowie einer Vielzahl an Restaurants. Auf dem wöchentlichen Markt werden Eier, Käse, Fleisch und Handwerkskunst von Kleinproduzenten angeboten und trifft man sich zu einem Schwatz oder einer Tasse Kaffee.

Fundgrube: Le Bon Coin
Unser Haus haben wir auf Le Bon Coin gefunden. Auf dem Onlinemarktplatz wird von Büchern über Autos bis zu Häusern alles Mögliche angeboten. Wir wollten unser Haus nicht über einen Makler kaufen, da wir schlechte Erfahrungen mit Maklern gemacht haben. Außerdem geht die Maklerprovision in Frankreich meist zulasten des Käufers und beträgt im Schnitt 5 – 8 % des Kaufpreises (zuzüglich 20 % MwSt.).

Wir haben uns während 5 Jahren mehrmals Listen von möglichen Kaufobjekten zusammengestellt und Besichtigungstermine während unserer Urlaubsreisen vereinbart.
Der E-Mail-Kontakt mit Hauseigentümern in Eymet verlief besonders nett: ein französisches Pärchen in den Siebzigern aus Paris, das uns gleich ein Wochenende zu sich in ihr Haus einlud! Sie kochten für uns, nahmen uns mit an ihre Lieblingsorte in der Umgebung und zeigten uns alle Details ihres Hauses.
Glück mit den Verkäufern
Die beiden waren sehr offen und warmherzig. Sie hatten mehrere Kaufangebote, wollten ihr Haus jedoch unbedingt an Leute verkaufen, die für sie passten und ihnen sympathisch waren. Sie akzeptierten unser Angebot und ein halbes Jahr später kamen wir mit Sack und Pack in Eymet an.
Wir wurden von der ehemaligen Eigentümerin herzlich in unserem blitzblank gereinigten und geräumten neuen Zuhause zur Schlüsselübergabe empfangen. Anschließend unterzeichneten wir beim Notar den definitiven Kaufvertrag und stießen wir mit den ehemaligen Eigentümern bei einem verre amical auf den Haus(ver)kauf an.

Ein anderes Lebensgefühl
Das ist inzwischen genau vier Jahre her und es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht einfach unheimlich dankbar bin, dass wir hier in dieser wunderschönen Region leben dürfen! Das Lebensgefühl hier ist so anders; man nimmt sich Zeit für einen Schwatz (auch wenn man die eigentlich nicht immer hat😉) und grüßt einander auf der Straße.

Man kennt sich, ohne dass es zu dörflich-beengend wird, denn in dieser Region lassen sich neben den erwähnten Briten auch viele Franzosen aus anderen Regionen und großen Städten Frankreichs nieder.
Menschen, die auf der Suche sind nach einem anderen Lebensstil, nach mehr Ruhe, Natur und einem angenehmen Klima, aber trotzdem nicht auf eine gewisse Betriebsamkeit verzichten möchten.

Weil ich die wunderschönen Dinge, die wir hier entdecken und erleben, gerne mit anderen teilen möchte, habe ich einen Blog über das Périgord begonnen. Einfach aus Freude am Teilen und um Reiseinteressierten Insidertipps zu geben sowie mühselige und zeitraubende Recherchearbeiten zu ersparen (zum Beispiel für schöne Wanderungen😉).

Der Beitrag von Karin Denzler ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ihr wollt mitmachen? Dann denkt bitte daran:
• Keine PDFs.
• Text: per Mail in Word, Open Office oder per Mail. Denkt daran, euch mit ein, zwei Sätzen persönlich vorzustellen.
• Fotos: Bitte schickt nur eigene Bilder und jene möglichst im Querformat und immer in Originalgröße. Sendet sie gebündelt mit www.WeTransfer.com (kostenlos & top!) – oder EINZELN ! – per Mail. Bitte denkt an ein Foto von euch – als Beitragsbild muss dies ein Querformat sein.
• Ganz wichtig: Euer Beitrag darf noch nicht woanders im Netz stehen. Double content straft Google rigoros ab. Danke für euer Verständnis.
Vor der Veröffentlichung erhaltet ihr euren Beitrag zur Voransicht für etwaige Korrekturen oder Ergänzungen. Erst, wenn ihr zufrieden seid, plane ich ihn für eine Veröffentlichung ein. Merci !
Ich freue mich auf eure Beiträge! Alle bisherigen Artikel dieser Reihe findet ihr hier.
