Karin Denzler mit ihrem Hund. Foto: privat

Mein Frankreich: Karin Denzler

„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch?

Diesmal verrät es Karin Denzler. Geboren in der Schweiz, lebt sich seit 2018 gemeinsam mit ihrem holländischen Partner und ihrem vierbeinigen Begleiter im Périgord. Wenn sie nicht gerade Texte übersetzt, erkundet sie ihre Wahlheimat – und berichtet davon auf ihrem Périgord-Blog.


In Nizza entflammte meine Liebe zu Frankreich

Gläserklirren, Stimmengewirr und eine leichte Fischnote erfüllen die laue Sommerluft. Frühjahr 1994: Meine Schweizer Freundin Sabine und ich sitzen auf dem Jugendstilbalkon unseres Zimmers in der Altstadt von Nizza. Glänzend liegen Fische und Schalentiere eisgekühlt in der Auslage des Fischrestaurants gegenüber.

Karin Denzler 1994 in Nizza. Foto: privat
Karin Denzler 1994 in Nizza. Foto: privat

Wir teilen uns eine Wohnung mit drei französischen Studenten und einem jung gebliebenen älteren Herrn namens Didier: ein redseliger, kleingewachsener Mann mit grauem Kraushaar, blau-schwarz gestreiften Socken und einem Bauch, der von seiner Liebe zu gutem Essen zeugt.

Nizza 1994. Foto: Karin Denzler
Nizza 1994. Foto: Karin Denzler

Entdeckungen an der Côte d’Azur

Während der nächsten drei Monate verbessere ich jedoch nicht nur meine Französischkenntnisse, sondern verliebe mich auch Hals über Kopf in dieses wunderbare Land. Viel zu schön ist es hier an der Côte d’Azur, um unsere Zeit ausschließlich mit plus-que-parfait und Anverwandten zu verbringen.

Die Esterelküste 1994. Foto: Karin Denzler
Die Esterelküste 1994. Foto: Karin Denzler

Wann immer möglich nehmen wir uns Zeit für Ausflüge, etwa in die beeindruckende Verdonschlucht, an die malerische rote Felsküste bei St. Raphaël, ins schicke St-Tropez oder in die Parfümstadt Grasse.

In der Verdonschlucht 1994. Foto: Karin Denzler
In der Verdonschlucht 1994. Foto: Karin Denzler

Nach meinem Aufenthalt in Nizza wünschte ich mir nichts sehnlicher, als ein Leben in Frankreich. Auf einer Reise durch Madagaskar lerne ich jedoch 5 Jahre später einen Holländer kennen und bringt mich die Liebe erst für 18 Jahre nach Amsterdam, bevor ich gemeinsam mit meinem holländischen Partner und unserem vierbeinigen Begleiter nach Frankreich ziehe.

Neue Heimat im Périgord

Der Blick von Monbazillac Richtung Bergerac. Foto: Karin Denzler
Der Blick von Monbazillac Richtung Bergerac. Foto: Karin Denzler

Ich arbeite als freischaffende Übersetzerin und habe deshalb sehr viel Freiheit in Bezug auf meinen Wohnort. Nach zahlreichen Urlaubsreisen in verschiedenste Ecken des Hexagons haben wir uns entschieden, im Südwesten Frankreichs nach einem neuen Zuhause zu suchen, genauer gesagt im Périgord (Département Dordogne).

Château Biron. Foto: Karin Denzler
Château Biron. Foto: Karin Denzler

Diese Region hat uns bei jeder Urlaubsreise aufs neue verzaubert. Hier spürten wir immer wieder diese starke Anziehungskraft, eine Art Magie aus Geschichte, Natur, ländlichem Charme und kulinarischen Verwöhnereien, die sich in unseren Herzen einnistete und uns nicht mehr losließ.

Bei Lanquais. Foto: Karin Denzler
Bei Lanquais. Foto: Karin Denzler

Ruhe, Natur & Geschichte

Wir sind sehr gerne und oft auf den idyllischen Wanderwegen unterwegs, die sich durch Eichenwälder, Weinfelder, Flusstäler und zu Burgen und Weilern schlängeln. Oft fühlen wir uns dabei um hunderte Jahre in der Zeit zurückversetzt und begegnen wir kaum anderen Menschen. Ein tiefes Gefühl von Ruhe, Natur und lebendiger Geschichte.

Die Brücke über die Dordogne bei Bergerac. Foto: Karin Denzler
Die Brücke über die Dordogne bei Bergerac. Foto: Karin Denzler

Seit 2018 wohnen wir nun südlich von Bergerac, in der gleichnamigen Weinregion im äußersten Südwesten des Périgords, gut 100 km östlich von Bordeaux. Hier werden auf 11.800 Hektar jährlich 73.600 Flaschen AOC-Weine produziert (rot/rosé/weiß/Süß- und Likörweine).

Das Château von Monbazillac. Foto: Karin Denzler
Das Château von Monbazillac. Foto: Karin Denzler

Süßes Gold

Der wohl bekannteste Wein der Region ist der Likör-Wein Monbazillac, der übrigens in der Qualität seinem bekannten Bordeaux-Bruder Sauternes in nichts nachsteht, außer dass er freundlicher ist für die Geldbörse. Gleiches gilt auch für so manch anderen guten Tropfen aus der Bergerac-Region.

Unterwegs in den Weinbergen. Foto: Karin Denzler
Unterwegs in den Weinbergen. Foto: Karin Denzler

Am liebsten kaufen wir Wein bei unserem Nachbarn David. Der Biobauer bewirtschaftet seine 5,5 Hektar Weinberg alleine mit seinem 82-jährigen Onkel. David ist auch passionierter Gitarrenspieler und verleiht seinem Wein mit Namen wie Led Zeppelin oder Genesis eine musikalische Note.

Eymet, die charmante Bastide

Wir wohnen in Eymet, einer Bastide aus 1270 (aus dem Okzitanischen für bastir = bauen). Bastiden sind Städtchen, die im mittelalterlichen Südwesten Frankreichs nach einem festen Muster erbaut wurden: Auf einem zentralen Marktplatz, der oft von Arkaden gesäumt wird, laufen die in Schachbrettform angeordneten Straßen zusammen.

Der Arkadenplatz von Eymet, Foto: Karin Denzler
Der Arkadenplatz von Eymet, Foto: Karin Denzler

Vor über 700 Jahren war die befestigte Bastide Eymet Teil der Verteidigungsstrategie gegen die Briten. Heute machen die Briten nahezu 20 % der Bevölkerung von Eymet aus und herrscht ein friedliches Mit- und Nebeneinander.

Die kulturelle Vielfalt beschert dem gut 2.600 Einwohner zählenden Eymet eine kleinstädtische Lebendigkeit. Von der alteingesessenen Bar-Tabac bis zur schicken Cocktailbar, Theater- und Filmvorstellungen, Jazz-Konzerten sowie einer Vielzahl an Restaurants. Auf dem wöchentlichen Markt werden Eier, Käse, Fleisch und Handwerkskunst von Kleinproduzenten angeboten und trifft man sich zu einem Schwatz oder einer Tasse Kaffee.

Eymet, festlich geschmückt. Foto: Karin Denzler
Eymet, festlich geschmückt. Foto: Karin Denzler

Fundgrube: Le Bon Coin

Unser Haus haben wir auf Le Bon Coin gefunden.  Auf dem Onlinemarktplatz wird von Büchern über Autos bis zu Häusern alles Mögliche angeboten. Wir wollten unser Haus nicht über einen Makler kaufen, da wir schlechte Erfahrungen mit Maklern gemacht haben. Außerdem geht die Maklerprovision in Frankreich meist zulasten des Käufers und beträgt im Schnitt 5 – 8 % des Kaufpreises (zuzüglich 20 % MwSt.).

Das Château Eymet. Foto: Karin Denzler
Das Château Eymet. Foto: Karin Denzler

Wir haben uns während 5 Jahren mehrmals Listen von möglichen Kaufobjekten zusammengestellt und Besichtigungstermine während unserer Urlaubsreisen vereinbart.

Der E-Mail-Kontakt mit Hauseigentümern in Eymet verlief besonders nett: ein französisches Pärchen in den Siebzigern aus Paris, das uns gleich ein Wochenende zu sich in ihr Haus einlud! Sie kochten für uns, nahmen uns mit an ihre Lieblingsorte in der Umgebung und zeigten uns alle Details ihres Hauses.

Glück mit den Verkäufern

Die beiden waren sehr offen und warmherzig. Sie hatten mehrere Kaufangebote, wollten ihr Haus jedoch unbedingt an Leute verkaufen, die für sie passten und ihnen sympathisch waren. Sie akzeptierten unser Angebot und ein halbes Jahr später kamen wir mit Sack und Pack in Eymet an.

Wir wurden von der ehemaligen Eigentümerin herzlich in unserem blitzblank gereinigten und geräumten neuen Zuhause zur Schlüsselübergabe empfangen. Anschließend unterzeichneten wir beim Notar den definitiven Kaufvertrag und stießen wir mit den ehemaligen Eigentümern bei einem verre amical auf den Haus(ver)kauf an.

Karin Denzler und Nico aus den Niederlanden. Foto: privat
Karin Denzler und Nico aus den Niederlanden. Foto: privat

Ein anderes Lebensgefühl

Das ist inzwischen genau vier Jahre her und es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht einfach unheimlich dankbar bin, dass wir hier in dieser wunderschönen Region leben dürfen! Das Lebensgefühl hier ist so anders; man nimmt sich Zeit für einen Schwatz (auch wenn man die eigentlich nicht immer hat😉) und grüßt einander auf der Straße.

Ein Wanderweg bei Lanquais. Foto: Karin Denzler
Ein Wanderweg bei Lanquais. Foto: Karin Denzler

Man kennt sich, ohne dass es zu dörflich-beengend wird, denn in dieser Region lassen sich neben den erwähnten Briten auch viele Franzosen aus anderen Regionen und großen Städten Frankreichs nieder.

Menschen, die auf der Suche sind nach einem anderen Lebensstil, nach mehr Ruhe, Natur und einem angenehmen Klima, aber trotzdem nicht auf eine gewisse Betriebsamkeit verzichten möchten.

Der See von Lanquais. Foto: Karin Denzler
Der See von Lanquais. Foto: Karin Denzler

Weil ich die wunderschönen Dinge, die wir hier entdecken und erleben, gerne mit anderen teilen möchte, habe ich einen Blog über das Périgord begonnen. Einfach aus Freude am Teilen und um Reiseinteressierten Insidertipps zu geben sowie mühselige und zeitraubende Recherchearbeiten zu ersparen (zum Beispiel für schöne Wanderungen😉).

Sonnenaufgang im Périgord. Foto: Karin Denzler
Sonnenaufgang im Périgord. Foto: Karin Denzler

Der Beitrag von Karin Denzler ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ihr wollt mitmachen? Dann denkt bitte daran: 

• Keine PDFs.

• Text: per Mail in Word, Open Office oder per Mail. Denkt daran, euch mit ein, zwei Sätzen persönlich vorzustellen.

• Fotos: Bitte schickt nur eigene Bilder und jene möglichst im Querformat und immer in Originalgröße. Sendet sie gebündelt mit www.WeTransfer.com (kostenlos & top!)  – oder EINZELN ! – per Mail. Bitte denkt an ein Foto von euch – als Beitragsbild muss dies ein Querformat sein.

• Ganz wichtig: Euer Beitrag darf noch nicht woanders im Netz stehen. Double content straft Google rigoros ab. Danke für euer Verständnis.

Vor der Veröffentlichung erhaltet ihr euren Beitrag zur Voransicht für etwaige Korrekturen oder Ergänzungen. Erst, wenn ihr zufrieden seid, plane ich ihn für eine Veröffentlichung ein. Merci !

Ich freue mich auf eure Beiträge! Alle bisherigen Artikel dieser Reihe findet ihr hier.