Mein Frankreich: Uschi Hennen

Der Elefant von Le Havre. Foto: Uschi Hennen
Der Elefant von Fabien Mérelle stand beim Kultursommer 2018 auf dem Deich von Le Havre. Foto: Uschi Hennen

„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Celia Šašić hatte den Auftakt gemacht. Seitdem haben viele an dieser Reihe mitgewirkt. Diesmal stellt Uschi Hennen ihr Frankreich vor. Über sich sagt die Kölnerin:

Ich bin interessiert an der Welt, kreativ und liebe das Fotografieren, weil ich damit alles Interessante festhalten kann. Mein besondere Liebe gilt der Kunst, Architektur und Malerei, aber auch dem Schreiben, wobei ich immer wieder gerne zu neuen Ufern und neuen Projekten aufbreche, weil mir ohne Veränderung und Neues langweilig wird. Daher reise ich gerne, will dann aber auch über jeden Ort alles haarklein wissen. In Frankreich ist mein Herz hängen geblieben. Wie bei Ludger. Der ist irgendwie genauso.


Uschi Hennen mit ihrem Mann Ludger. Foto: privat

Über MEIN Frankreich zu berichten und was meine/unsere Liebe zu diesem Land ausmacht, das könnte eine längere Angelegenheit werden, denn diese Liebe ist über 45 Jahre gewachsen und setzt sich aus vielen kleinen Teilchen zusammen, er-fahr-en und erlaufen, viele Kilometer quer durchs Land mit immer noch wachsender Begeisterung.

Wenn wir das blaue Europa-Schild mit der Aufschrift FRANCE passieren, dann kommt ein ganz besonderes Gefühl auf, eine Mischung aus warmer, unbändiger Freude, Glück, Zufriedenheit, Nach-Hause-Kommen.

Natürlich bin ich „in Kölle jebore“, ein kölsches Kind mit Herz, Leib und Seele, das ist MEINE Stadt, aber ich habe eine zweite Heimat, wo ich mich im ganzen Land ZUHAUSE fühle und nicht nur in einer Stadt. So sehr ich viele deutsche Orte sehr mag, dieses Heimatgefühl habe ich nur in Köln und ÜBERALL in Frankreich.

Malestroit. Foto: Uschi Hennen

Zurückblickend auf fast fünf Jahrzehnte Frankreichreisen muss ich unterteilen in zwei Leben und ich könnte ein Buch darüber schreiben. Das führt zu weit, daher hier die Kurzfassung: Es gab das erste Leben mit der Familie und das zweite nach dem Tod meines Mannes in der neuen Partnerschaft.

Meine erste Reise Richtung la douce France führte nach St-Tropez und Umgebung und war meine Hochzeitsreise 1975. Viele Familienreisen folgten mit Kindern und Hunden. Vor zehn Jahren verstarb mein Mann, mein nächster Partner musste frankreichkompatibel sein. Er war es nicht, aber er wurde sehr schnell unheilbar infiziert.

Inzwischen waren wir viele, viele Wochen in Paris, in Aquitaine, in der Bretagne, im Département Loire-Atlantique, der Normandie und dem Cotentin, in der Picardie, im Nord-Pas-de-Calais und drumherum unterwegs. Wir haben Frankreich jährlich so oft wie nur möglich genossen und sind oft noch nachts losgefahren, um schon den ersten Urlaubstag möglichst GANZ blau-weiß-rot verbringen zu können.

Unser Ferienhaus in Vannecrocq, ein alter Taubenturm. Foto: Uschi Hennen

Wir haben die Hauptstadt zu Fuß und per Métro erkundet, waren in der Kathedrale von Reims, in der viele Könige Frankreichs gekrönt wurden und für die Chagall einige Fenster kreiert hat, aber auch in fast allen gotischen Kathedralen der Picardie, sind die Seine entlang gefahren und drüber gehoppt, haben Monets Garten besucht, van Goghs Grab und Millets Dorf.

Gewohnt haben wir in einem alten Taubenturm, in ehemaligen Bauernhöfen und typischen Häusern, haben aufs Meer geblickt, aufs Land, auf Kühe, Apfelbäume, Rosen und Hortensien und die Dächer der Städte.

Wir haben Burgen, Schlösser und Abteien, auch ehrwürdige Ruinen von oben und unten bewundert, sind auf Jeanne d’Arcs Spuren durch Rouen gelaufen. Die Bretagne haben wir immer wieder bereist, sie mit allen Sinnen in uns aufgenommen, ganz viel Natur, besonders das allgegenwärtige Meer mit seiner Kraft und Macht und seinen Schätzen, vom reizvollen Spaziergang am Strand und Muscheln sammeln in der warmen Sonne bis hin zur Grande Marée in St-Malo, wo sie für uns am beeindruckendsten ist vor der Kulisse des Korsarennestes.

Das Salz der Guérande. Foto: Uschi Hennen

Wir haben das Salz der Guérande mit allen Sinnen gespürt, die wunderbaren großen und kleinen Kirchen bestaunt, viele Legenden gelesen und erzählt bekommen, wir haben in Nantes die Machines de l’Île bewundert und sind auf dem Rücken des Elefanten „geritten“, es sind so viele kleine Stücke, die mein Patchwork Frankreich zu einer so wunderbaren Einheit und dem großen Ganzen machen.

Zu diesem Puzzle gehört natürlich auch die Kunst, der man an allen Ecken begegnet, die der alten und der neuen Zeiten, Street Art und Meister vergangener Epochen, wir schätzen die Geschichte und die Geschichten, die einfachen Flohmärkte und die Braderien in Stadt und Land mit den alten Schätzchen auf den Tischen und den fröhlichen Menschen an den Tischen.

Eine alte Tür in Rennes. Foto: Uschi Hennen

Wir mögen aber auch das mondäne Kaufhaus Lafayette in Paris, nicht zuletzt auch ein besonderes Stück Architektur mit seiner großartigen Glaskuppel und der alljährlichen bombastischen Weihnachtsdekoration.

Der Ausblick von der Dachterrasse ist Sommer wie Winter, am Tag und am Abend wunderbar, das tolle Projekt, die Kuppel von außen als „Garten“ zu benutzen und dort Pflanzen anzubauen, ebenfalls.

Ein Blick aber hat sich verändert, der auf Notre-Dame, wir waren sehr froh, kurz vor dem verheerenden Brand noch einmal diese besondere Kirche besucht zu haben, und verfolgen gegenwärtig die Arbeiten zum Wiederaufbau.

Wir schätzen (nicht nur hier) die wunderbaren Museen, wo man den Werken der Genialen begegnet. Hier haben sie gelebt, gearbeitet, geliebt und gelitten, und hier fühlt man sich ihnen absolut nahe.

19 Kommentare

  1. Was für ein toller Bericht. Man bekommt beim Lesen sofort Heimweh. Wir mussten auch unseren Urlaub im Mai in Okzitanien wegen Corona absagen und zählen jetzt jeden einzelnen Tag bis September, wenn es endlich wieder los in die Bretagne geht. Wir haben so oft über die vielen Übereinstimmungen gelacht, die im Artikel auftauchen. Wenn ich so gut schreiben könnte, hätte es fast „mein“ Beitrag sein können. Es fängt schon damit an, dass wir, wenn wir das blau-weiß-rote Schild an der Landesgrenze sehen, das Gefühl haben, nach Hause zu kommen. Oder die vielen Gegenstände, die wir im Laufe der Zeit aus unseren Urlauben mitgebracht haben und nun jedes Zimmer schmücken. Seien es besonders schöne Steine, eingerahmte Eintrittskarten von Festivals oder ein extra für uns angefertigtes Nummernschild aus der Bretagne, Lavendel im Garten oder Hortensien im Vorgarten. Am meisten mussten wir über die Geschichte mit dem Baguette und der Aprikosenmarmelade lachen. Komischerweise geht es mir genauso. Und auch die so oft von Anderen geäußerte Unfreundlichkeit der Franzosen können wir überhaupt nicht bestätigen. Und auch unsere, nicht gerade kleinen Hunde sind immer willkommen dort. Wenn wir in einer Bar eine Bestellung aufgegeben haben, haben sie meist eher ihr Wasser als wir unsere Getränke. Unser Ziel ist es, in ein paar Jahren ein Haus zu mieten und dann für einige Jahre dort zu leben. Das muss einfach klappen. Wir haben immer gedacht, nur wir wären so Frankreich-verrückt, aber es ist schön zu lesen, dass es viele so „Verrückte“gibt. In diesem Sinne, viele Grüße aus Münster, et bonne journée.

  2. Ein herrlicher Artikel – vielen Dank
    Ich sitze gerade beim Frühstück im Finistère an der Bucht von Douarnenez mit einem petit café und einem wunderbar knusprigen Baguette mit salziger Butter und habe den Artikel so genossen. Was für ein Glück so viel von diesem wunderbaren Land gesehen und genossen zu haben. Herzliche Grüße vom bout du monde.

  3. Es hat mir die Tränen in die Augen getrieben! So schön geschrieben!!! Meine Sehnsucht ist gerade riesengroß, zumal unser Urlaub im Mai in der Provence coronabedingt ausgefallen ist. Aber jetzt geht es im September nach Carcassonne mit dem Auto und ich weiß jetzt schon , dass es mir an der Grenze genauso gehen wird: „nach Hause kommen“. Mindestens einmal im Jahr müssen wir nach Frankreich, und wir waren schon fast überall, Provence, Auvergne, Bretagne, Normandie, Burgund, Coté Azur,…..
    Wir lieben es ! Danke für diesen wunderbaren Artikel! Unsere Erfahrungen mit Franzosen sind übrigens genauso, freundlich , aufgeschlossen, hilfsbereit und sehr kommunikativ

  4. Auch mir ging es beim Lesen dieses interessanten und mit Euphorie geschrieben Artikels so, alles das habe ich auch erleben, besuchen und genießen können! Und tue es noch immer! Ich habe es „schlau“ gemacht und in 2. Ehe einen Franzosen geheiratet! Mit ihm lebte ich zuerst in der Pariser Region und seit 20 Jahren in der Bretagne direkt am Meer! Frankreich ist zu meiner 2. Heimat geworden, ohne sie könnte ich es mir nicht mehr vorstellen! Kenavo! Helga

  5. Ein wunderbarer Bericht, der mir aus dem Herzen spricht. Ich musste meinen Mann auch jahrelang überzeugen, mit mir nach Frankreich zu fahren. Jetzt bekomme ich ihn kaum noch in andere Länder. Wir haben auch noch nie schlecht Erfahrungen in Frankreich und mit den Franzosen gemacht – im Gegenteil! Ich wünsche Euch noch viele schöne Urlaube in Frankreich.

    LG
    Sabine

  6. Ein toller Bericht, viele der Stationen kennen wir und haben sie hier gerne wiedererkannt!
    Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Franzosen haben auch wir immer wieder erlebt:
    Wir verbrachten unseren Urlaub in Moustiers und hatten uns selbstverständlich auch ein Boot ausgeliehen, um die Gorges du Verdon zu erkunden. Dann verloren wir mitten in der Schlucht (natürlich kein Handyempfang ) ein Teil, das für die Navigation wichtig war und drehten uns nur noch im Kreis. Ein französisches Ehepaar am Ufer erkannte unsere Not.
    Der Mann tauchte zunächst, um das verloren gegangene Teil noch zu finden, vergebens.
    Dann schleppten sie uns und unser Boot mit vereinter Muskelkraft bis zur Ausleihestation zurück . Der sportliche Mensch war übrigens Marinetaucher aus Toulon.
    Auch die Hundefreundlichkeit kann ich bestätigen, denn unser Riesenschnauzer ist immer und überall willkommen, trotz seiner Größe wird er besonders von den Frauen geherzt und auch die typische Frage der Kinder ist „ Je peux le caresser ?“
    Ein Land und Menschen einfach nur zum Liebhaben !

  7. Was für ein wunderschöner, interessanter, informativer Bericht von Uschi Hennen. Vielen Dank dafür. Wir waren und sind auch oft in Frankreich, vor allem Burgund, Cote d’Azur und Languedoc (die Bretagne fehlt noch) und mir geht es genauso, wenn wir das blaue Europa-Schild mit der Aufschrift „France“ passieren: Wieder zuhause! Quel bonheur! Quel joie!
    Christine Bendner

  8. Danke Uschi für den herrlichen Beitrag ! Am Anfang dachte ich… oh mon Dieu, das ist ja als hätte ich das geschrieben…Ich bin zwar nicht aus Köln -was ich sehr liebe – aber aus VIE/MG eben aus de Napoleon-Gegend… nur mir ist ähnliches hier passiert und ich lebe seit 40 Jahren hier. Aber was Du alles von Frankreich gesehen hast ist schon irre. Ich kenne „nur“ die Côte d’Azur .. daher empfinde ich es auch nicht so schlimm seit 40 Jahren keinen echten Urlaub gehabt zu haben. Nach dem mein Mann hier verstarb, bin ich mit meinem Papagei hier in Antibes geblieben …. mit dem Motto: Hier bin ich und hier bleib ich.. Der grosse Papagei ist auch dann verstorben und jetzt hab ich halt einen kleineren, was mich natürlich daran hindert grössere Reisen zu machen, aber das ist mir nun auch egal.
    Liebe Uschi, Deine Berichterstattung ist als wenn man die Reise selber gemacht hat. Vielen Dank und weiter so ! (PS, was mir unten sehr gefehlt hat, ist das Helau und Alaaf 😉

    • Bonjour und Alaaf, liebe Gitte. Ja, wir sind jede freie Minute in dem schönen Land. Mein Lebensgefährte möchte Deutschland nicht ganz verlassen, aber ab Oktober sind wir fast zwei Monate in Nancy, Chartres, Finistère und Morbihan, da kann ich wieder blauweißrot auftanken und nach einigen Tagen in Kölle geht es dann nochmal für knapp drei Wochen nach paris. Das ist zwar nicht dort leben, aber ich darf schon eine schöne lange Zeit im Jahr dort sein und dafür bin ich sehr dankbar. Frankreich heilt bei mir alles. Natürlich muss man auch immer wieder durch Köln flanieren, es ist meine Vaterstadt, dadurch natürlich auch sehr geliebt und sie ist ja auch, wie ich finde, ganz schön französisch. 🙂 Liebe Grüße und danke !

      • Vielen vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel!! Ich habe es genossen, so viel und so schön Geschriebenes über mein Lieblingsland zu lesen! Ich bin verliebt in dieses atemberaubend schöne und vielseitige Land, die hervorragende Küche (habe tatsächlich noch NIE schlecht in Frankreich gegessen!) und die so herzlichen, freundlichen und aufgeschlossenen Franzosen! Auch meinen Mann habe ich schon sehr für dieses Land begeistern können, er lernt mittlerweile auch schon Französisch!! Und mein Traum wäre es, zumindestens einmal für ein paar Monate in Frankreich zu leben!
        Unser geplanter Paris Aufenthalt im Frühjahr fiel leider Corona zum Opfer, wird aber nächstes Jahr nachgeholt!! Und ich hoffe zumindest im Herbst noch nach Korsika fliegen zu können um meine Sehnsucht etwas zu stillen.

        Herzlichen Dank für den tollen Bericht und noch viele wunderschöne Frankreich Aufenthalte!!! Uschi

  9. So ein wunderbarer Bericht!
    Ich habe selten so etwas Authentisches gelesen – man fühlt richtiggehend, wie sehr du dieses Land und seine Menschen liebst.
    Wir fahren auch schon seit vielen Jahren immer wieder mal nach Frankreich, in den letzten Jahren haben wir unseren Haupturlaub dort verbracht. Und: wir sind jedes Jahr auf Korsika, nur heuer haben wir es leider noch nicht geschafft!
    Seit mehr als 30 Jahren rede ich mir den Mund fusslig, dass die Franzosen alles andere als unfreundlich sind. Ganz im Gegenteil: Wir haben NOCH NIE schlechte Erfahrungen gemacht, zumindest nie über das normale Maß (unfreundliche Kellnerin) hinaus.

    • dass die Franzosen alles andere als unfreundlich sind. Ganz im Gegenteil: Wir haben NOCH NIE schlechte Erfahrungen gemacht,….

      Danke dafür, genau das kann ich nach 40 Jahren „hier leben“ auch nur bestätigen.
      Wie sagt man doch so schön : „wie Du kommst gegangen, so wirst Du auch empfangen !“

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