Catherine Briat: Schreiben, eine französische Leidenschaft
Die Autorin Catherine Briat leitete bis Ende Juli 2019 als Botschaftsrätin für Kultur, Bildung und Hochschulwesen das Institut Français in Deutschland. Sie verrät, welche besondere Bindung die Franzosen zum Schreiben haben.

Die wichtigste Partei Frankreichs ist die Partei des Schriftstellers. Das Schreiben in meinem Land ist mehr als eine Tradition, es ist eine Leidenschaft.
Und die Lust am Schreiben verkümmert selbst nicht in Zeiten von Online und Internet und löscht das Feuer von denjenigen, die sich dazu berufen fühlen.
In meinem Land schreibt jeder oder will wenigstens eines Tages endlich einmal schreiben. 60 Millionen Manuskripte ruhen in den Schreibtischschubladen.
Und alljährlich werden rund 60.000 Bücher veröffentlicht. Frankreich hat das Schreiben immer wertgeschätzt; es ist Maßstab der sozialen Anerkennung.
In meinem Land, um einmal die Worte eines berühmten französischen Publizisten zu paraphrasieren, sagt man: Wer mit 50 Jahren kein Buch geschrieben hat, hat versagt, und kann keinen Anspruch auf Anerkennung verlangen.
Daher schreiben alle unsere Politiker ein Buch. Kein Kandidat kann sich bei der Präsidentenwahl aufstellen lassen, ohne vorab sein Programm in Buchform veröffentlicht zu haben, das überall im Buchhandel erhältlich ist. Das ist in Frankreich notwendig – und wird erwartet. Denn Frankreich ist ein Land, das die Literatur und das Schreiben immer geschätzt hat.
2017 war Frankreich Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, der weltgrößten Messe der Publishing-Welt. Um dieses Ereignis zu feiern, organisierte Frankreich während des gesamten Jahres in Deutschland ein Kulturjahr, wie es das Land seit vielen Jahren nicht getan hat. Ein Jahr, das sich ganz und gar auf Literatur und das Französische konzentriert.
Denn die Leidenschaft für das Schreiben ist eine Leidenschaft für die französische Sprache, die weltweit gesprochen und genutzt wird. Und sie wird angesichts der wachsenden Bevölkerung Afrikas in den nächsten Jahrzehnten immer größer.
Im Zentrum der Fragen rund um die Schrift und die Sprache steht besonders die Übersetzung. Denn wer kann besser als sie die Verbreitung von Ideen und Geschichten über die Grenzen hinaus ermöglichen?
„Die Übersetzung ist die Sprache Europas“, gefiel es Umberto Eco zu sagen. Solange es Übersetzungen gibt, wird es auch ein – äußerst politisches – Vermögen geben, mit Unterschieden umzugehen. Und damit, wie Barbara Cassin sagt, Widerstand zu leisten.
Mit seinen Schriftstellern und Autoren schafft Frankreich kraftvolle Verankerungen in seiner Geschichte, seiner Geografie sowie im Imaginären und etabliert einen Dialog reich an Konnotationen und Spiegeln, die sich selbst spiegeln.
Erinnern wir uns daran, dass Romain Gary in sehr jungen Jahren von der Begeisterung seiner Mutter geprägt wurde, die nicht aufhörte, Frankreich zu feiern und so den Horizont zu erweitern:
„Das Frankreich, das meine Mutter in ihren lyrischen und inspirierten Beschreibungen geschaffen hatte, wurde schließlich für mich zum fabelhaften Mythos eines fernen Landes, wo die schönsten Geschichten der Welt tatsächlich wahr werden.“
Die Romane von Catherine Briat
Welche Geschichten hat Catherine Briat zu erzählen? Sie hat mehrere, und wie ich finde, richtig tolle Romane verfasst.
Catherine Briat, Le Divan Rouge
Im roten Divan erzählt sie ihre Beziehungs- und Trennungsgeschichte um einen Alltagsgegenstand, der wohl in keinem Wohnzimmer fehlt. Doch nach der Lektüre von Le Divan Rouge* werdet ihr euer Sofa mit völlig anderen Augen ansehen!
Catherine Briat, Dix ans d’Éternité
In Dix ans d’éternité* lassen Marianne und ihre Freunde die 1960er-Jahre in Paris, London und New York wieder aufleben. Die Hauptfigur Marianne und ihre Freunde verkörpern die Jugend, Rebellion und kulturelle Umbrüche dieser Dekade, getragen von der Energie, die damals die Welt bewegte. Das Buch ist eine Einladung, das Lebensgefühl, die Revolte und die Freude der sixities neu zu entdecken.
Catherine Briat, SMS-Story
In SMS Story* erleben Matts und Marianne die Liebe 2.0 im digitalen Zeitalter. Textnachrichten, soziale Netzwerke, neue Kommunikationsformen und intelligente Technologien verändern tiefgreifend intime menschliche Beziehungen. Humorvoll und unterhaltsam beleuchten Catherine Briat die Chancen und Herausforderungen.
Catherine Briat, Le Dernier Rendez-Vous
Dass ein letztes Treffen alles verändern kann, merken Pierre und Marie im Le Dernier Rendez-vous* hautnah. ierre, über siebzig und gesundheitlich angeschlagen, führt ein zurückgezogenes Leben, bis dieses Treffen mit Marie eine unerwartete Wendung bringt. Es ist eine zarte und sensible Erzählung über Liebe, die Zeit und das Aufbrechen eingefahrener Lebenswege. Das Buch thematisiert das Älterwerden, das Hoffen auf einen Neuanfang und die Kraft zwischenmenschlicher Verbindungen, auch wenn die Zeit scheinbar knapp ist.
Catherine Briat, Ailleurs mon amour
Mitte Januar 2025 erschien Ailleurs mon amour*. Darin erzählt Catherine Briat von einer Frau und einem Mann, die sich im Salon eines Pariser Flughafens treffen, während sie auf ihren Flug nach Kanada warten. Die Geschichte entwickelt sich zu einer unerwarteten Beziehung, die eng mit den Erinnerungen der weiblichen Hauptfigur verbunden ist. Das Buch ist eine Einladung zur Reise, sowohl physisch als auch metaphorisch, zwischen zwei Kontinenten, auf der Suche nach sich selbst. Die Charaktere leben in einem Zustand der Schwebe, wo die Gegenwart so intensiv erlebt wird, dass sie es ermöglicht, schmerzhafte Erinnerungen zu vergessen und Hoffnung auf eine glückliche Zukunft zu schöpfen.

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