Susanne Knechtges in Garéoult. Foto: privat

Mein Frankreich: Susanne Knechtges

„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Viele haben bereits an dieser Reihe mitgewirkt. Diesmal stellt Susanne Knechtges ihr Frankreich vor.

Über sich schreibt sie: Ich bin 57 Jahre alt, selbständig mit einem Redaktionsbüro und als Yoga- und Meditationslehrerin. Schon mein ganzes Leben bin ich neugierig auf andere Menschen und Kulturen und reise sehr gerne.


Mein Frankreich

Das mit Frankreich und mir war keine Liebe auf den ersten Blick. Sie hat sich langsam, aber stetig in vier Jahrzehnten entwickelt. In den 1980er-Jahren fuhr ich zum ersten Mal mit meinem damaligen Freund Richtung Süden. Wir wollten nach Spanien, und Frankreich war für uns nur das Transitland.

Doch ich erinnere mich, dass der Süden und damit das Urlaubsgefühl irgendwie anfingen, als ich das Schild Autoroute du Soleil las. Der Name klang für mich schon damals verheißungsvoll nach Sonne, Hitze und Ferien. Auch die Landschaft dazu sah schon ganz anders aus als bei uns.

Wenn ich zurückdenke, habe ich auch an die Zwischenstopps auf französischen Campingplätzen oder einfachen Hotels sehr schöne Erinnerungen. Dennoch hat es einige Jahre gedauert, bevor es 1993 für den ersten richtigen Urlaub nach Frankreich ging.

Zusammen mit einer Freundin hatte ich eine sehr französische Unterkunft, eine rustikale Ferienwohnung in der Nähe von Uzès, gebucht. Es war traumhaft. Morgens schwammen wir ein paar Runden im Pool. Später erkundeten wir die klassischen Städte wie Avignon, Nîmes und Arles oder kletterten auf den Pont du Gard.

Susanne Knechtges am Pont du Gard. Foto: privat
1993 am Pont du Gard. Foto: privat

Von einigen geschäftlichen Reisen nach Paris abgesehen, hat es dann trotzdem erneut fast zehn Jahre gedauert, bis ich für einen Urlaub nach Frankreich zurückkehrte. Auf der Anreise legte ich einen Stopp bei Freunden ein, die ein ehemaliges Schleusenwärterhäuschen in der Bourgogne gemietet hatten.

Dort war es so schön und waren die Städte Dijon und Beaune so interessant, dass ich gleich mal länger blieb als geplant. Ich glaube aber, auch der Burgunderwein spielte damals eine nicht unerhebliche Rolle. Letztlich musste ich aber weiter, weil ein Abenteuer am Lac du Salagou auf mich wartete.

Als Kind wollte ich immer reiten lernen, was aber finanziell bei einer alleinerziehenden Mutter mit zwei Kindern nicht möglich war. Nun war ich inzwischen Ende 30 und wollte endlich wissen, ob das Reiten vielleicht ganz spät noch meins wird.

Also hatte ich eine Intensivwoche bei Laurent gebucht: vier Tage die basics lernen und dann gleich drei Tage auf einen Wanderritt. An diese Woche erinnere ich mich nicht nur, weil einer meiner Mitreiter uns während des Wanderritts mit seinem Schnarchen nachts die letzten Nerven raubte, sondern vor allem wegen Laurent und seiner reizenden Familie.

Am Abend wurde das Essen im Garten serviert – nein, falsch: Erst mal gab es dort einen apéro, dazu Nüsse oder Oliven, und danach wurden die verschiedenen Speisen aufgetischt. Jeden Abend gab es außerdem frisch gebackenen Kuchen und natürlich Käse zum Abschluss. Es war alles köstlich, und Laurent und seine Frau überaus herzliche und sehr französische Gastgeber.

Susanne Knechtges 2002 am Lac de Salagou. Foto: privat
2002 am Lac du Salagou. Foto: privat

Ganz sicher ist Laurent mit dafür verantwortlich, dass meine Liebe zu Frankreich und zur französischen Lebensart langsam zu keimen begann. Von ihm lernte ich nämlich nicht nur, mit einem Pferd umzugehen, sondern zum Beispiel auch, wie genau man die verschiedenen Käse schneidet, damit jede*r einen Teil vom jeweils besten Stück bekommt.

Unterwegs auf unserem Ritt schliefen wir zwar äußerst einfach bei Bauern, aber das wichtigste dort war ohnehin das leckere gemeinsame Essen, wo ich beim Käseschneiden die gerade erworbenen Kenntnisse souverän anwenden konnte.

Nach meiner Woche im Hérault ging meine Frankreichtour weiter ins Var. Ein Freund von mir hatte sich dort ein großes Grundstück mit einem kleinen Haus gekauft, das ich mir nun zum ersten Mal anschauen wollte. Peter hatte mein Motorrad mit dorthin gebracht, und ich erkundete die Gegend nun im Sattel auf zwei Rädern.

Nördlich ging es zur Abbaye du Thoronet und weiter Richtung Gorges du Verdon, westlich nach Aix-en-Provence und südlich war man in einer knappen Stunde am Meer. Und überall herrliche Märkte (wie das Obst und die Tomaten schmeckten!), Restaurants mit lokalen Spezialitäten und natürlich der gute Provence-Rosé, der unter südlicher Sonne mit zirpenden Zikaden wirklich unvergleichlich mundet.

Ich blieb eine gute Woche dort im Jahr 2002, aber das reichte, um seither immer mal wieder vorbeizuschauen, die Fortschritte beim Umbau des Häuschens zu begutachten, die Nachbarn kennenzulernen und 2011 den runden Geburtstag von Peter dort zu feiern.

Das war ein Fest! Wir halfen schon Tage vorher mit den Vorbereitungen und die angereisten Deutschen mit ihren mal mehr, mal weniger vorhandenen Französisch-Kenntnissen teilten sich gestikulierend die lange Tafel auf der Terrasse mit Peters französischen Freunden – genauso, wie man es immer in Filmen aus dem sommerlichen Frankreich sieht: Alle essen draußen, tanzen und sind glücklich!

Auf diesem Flecken Land habe ich inzwischen im Haus, im Zelt und im Auto übernachtet, bin auf zwei oder vier Rädern und zu Fuß unterwegs gewesen und habe die Gegend kennen und lieben gelernt. Auch wenn die Anreise weit ist: Einmal dort entfaltet sich das südfranzösische Flair sofort und nachdrücklich. So kam es, dass mein Lebensgefährte und ich seit 2019 einen Wohnwagen auf diesem Grundstück stehen haben. Voilà Suzette :

Susanne Knechtges Wohnwagen Suzette. Foto: Susanne Knechtges
Suzette! Foto: Susanne Knechtges

Seither werden die vier Jahre Schulfranzösisch wieder aufgemöbelt, französische Rezepte ausprobiert und wird das Leben genossen – wenn, ja wenn Corona uns nicht dazwischen funken würde. Immerhin konnten wir diesen Sommer mal dort sein, und ich habe endlich zum ersten Male die Lavendelblüte live gesehen. Allein dafür hat es sich gelohnt!

Das ist nun schon fünf Monate her und wir sitzen im trüben, rheinischen Dezember, schielen aufs Wetter dort unten und warten sehnsüchtig darauf, dass Monsieur oder Madame Corona sich endlich verabschiedet, aber bitte ohne Bisous und auf Nimmerwiedersehen. Merci !

Die Lavendelblüte 2020. Foto: Susanne Knechtges
Die Lavendelblüte 2020. Foto: Susanne Knechtges

Der Beitrag von Susanne Knechtges ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ihr wollt mitmachen? Dann denkt bitte daran: 

• Keine PDFs.

• Text: per Mail in Word, Open Office oder per Mail. Denkt daran, euch mit ein, zwei Sätzen persönlich vorzustellen.

• Fotos: Bitte schickt nur eigene Bilder und jene möglichst im Querformat und immer in Originalgröße. Sendet sie gebündelt mit www.WeTransfer.com (kostenlos & top!)  – oder EINZELN ! – per Mail. Bitte denkt an ein Foto von euch – als Beitragsbild muss dies ein Querformat sein.

• Ganz wichtig: Euer Beitrag darf noch nicht woanders im Netz stehen. Double content straft Google rigoros ab. Danke für euer Verständnis.

Vor der Veröffentlichung erhaltet ihr euren Beitrag zur Voransicht für etwaige Korrekturen oder Ergänzungen. Erst, wenn ihr zufrieden seid, plane ich ihn für eine Veröffentlichung ein. Merci !

Ich freue mich auf eure Beiträge! Alle bisherigen Artikel dieser Reihe findet ihr hier.