Mein Frankreich: Ute Neufeldt-Nehe

Beim Dorffest mit meinem Mann. Foto: Ute Neufeldt-Nehe
Beim Dorffest mit meinem Mann. Foto: Ute Neufeldt-Nehe

Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Diesmal stellt Ute Neufeldt-Nehe ihr Frankreich vor.

Zwar gebürtige Hamburgerin bin ich aber durch  meinen Mann im Emsland gelandet, das ich nach anfänglichen Vorbehalten schätzen und lieben gelernt habe. Wir leben nahe den Niederlanden, und so zieht es uns – wie unsere Nachbarn – nun oft nach Frankreich.
Gerade rechtzeitig vor Corona begann mein Ruhestand. So konnten wir noch einige entspannte Wochen in Frankreich verbringen.
Nun mit etwas mehr Muße, fing ich an, einige unserer vielfältigen Frankreich-Erlebnisse vor allem für uns als Familie zu notieren und wurde durch den großartigen Blog von Frau Maunder jetzt angeregt, einiges zu veröffentlichen, was alle Frankreichliebhaber interessieren könnte. Wie man sich denken kann, gibt es viel zu erzählen…

Eine – späte – Liebe zu Frankreich

“Nach Frankreich möchte ich nicht”, beschied mein Mann in den ersten Jahren unseres Zusammenlebens: “Die Franzosen sprechen nicht Englisch!” Wie so viele junge Männer hatte er Latein in der Schule gelernt und nichts weiter daraus gemacht.

Spanisch für Anfänger können wir beide immerhin, da unsere  Kinder uns mehrfach nach Lateinamerika lockten, aber Frankreich war tabu. Bis eines Tages Freunde uns zu einer gemeinsamen Paddeltour auf der Dordogne überredeten – das war die erste und nicht die letzte.

Jumilhac-le-Grand. Foto: Ute Neufeldt-Nehe

Am überzeugendsten waren neben der Schönheit der Landschaft vor allem auch die kulinarischen Erlebnisse. Unvergessen die erste Foie gras. Nie haben wir das Restaurant wieder gefunden, dafür aber unvergleichlich viele schöne Urlaube im Land der Gallier  verbracht. Peter Mayles Bücher habe ich gelesen, als sie erschienen. Aber mir erschien die Idee doch sehr abstrus zu sein, in Frankreich ein Haus zu renovieren.

Und irgendwie läuft das Leben dann doch ganz anders als erwartet. Mit den mittlerweile erwachsenen Kindern, ihren Freunden und Familien war ein Ferienhaus mit einmal doch erstrebenswert und in Frankreich auch in einer Tagestour erreichbar. Mein Mann ist ein Freund schneller Entschlüsse, suchte und fand oder vielmehr fand das Haus eher ihn. 

Nun also sind wir Besitzer einer – sehr – alten baulichen Herausforderung, wunderschön und malerisch, auch noch denkmalgeschützt wie so vieles hier…. “Rom ist nicht an einem Tag erbaut”, war von nun an die Losung in Anbetracht der vielen Dinge, die erledigt werden müssen.

Das Schloss von Hautefort. Foto: Ute Neufeldt-Nehe

Mein mittlerweile eher in Vergessenheit geratenes Schulfranzösisch bedarf als allererstes der Renovierung – daher begeisterte Écoute-Leserin –, denn unsere Nachbarn sprechen in der Tat nur Französisch und das mit Dialekt!

Anlass für viele, auch erheiternde Missverständnisse! Allerdings kann man auch mit Englisch mittlerweile viel erreichen, denn Aquitanien wurde von den Briten schon immer geliebt, heiß umkämpft und nun sind sie, neben vielen Niederländern und Belgiern, als Urlauber oder Dauerbewohner der wunderschönen alten Häuser hier gelandet.

Bei uns streng geschützt: der Siebenschläfer. Foto: Ute Neufeldt-Nehe

Und auf diese Weise – als Hausbesitzer im Frankreich – lernt man Dinge, von denen man keine Ahnung hatte:  die chauffage, also die Heizung, ist abenteuerlich, müsste dringend erneuert werden, doch auf den Kostenvoranschlag, le devis, warten wir schon lange.

Die alten Kamine im Haus funktionieren durchaus, wenn man weiß, wie man anfeuern muss: Eine Silvesterparty mit den Kindern war zunächst eine recht räucherige Angelegenheit, denn nicht nur Hummelbauten fielen uns aus dem Schornstein entgegen,

wir lernten auch, dass ein kleines Feuer im großen Kamin wenig Wirkung zeigt. Eine erste neue Erfahrung für die Großstadtbewohner unter uns. Aber dadurch lernt man die hiesigen Handwerker kennen und die in manchen Punkten anderen Einstellungen. Jahrelang haben wir nicht mehr mit Schecks gezahlt! 

Périgueux. Foto: Ute Neufeldt-Nehe

Wissen Sie, was eine fosse septique ist? Nachdem viele junge Leute hier ausgiebig gefeiert hatten, kam die gute alte Sickergrube an ihre Grenzen, aber kein Mensch wusste noch, wo sie sich eigentlich befand.

Also wurde jemand beordert, der den besonderen Ort mittels Suche mit Haselruten fand und die Nachbarn hatten alle Tipps und konkrete Hilfen parat, um das Problem zu lösen.

Kerzen als ultima ratio bei Stromausfall, was schon mal öfter vorkommt bei all den Überlandleitungen, sind unverzichtbarer Bestandteil des Haushalts und sorgen in so manchem Fall für eine garantiert filmreife Szenerie, wenn Freunde zu Besuch kommen und das Haus noch nicht kennen.

Eine Holzbiene trinkt den Nektar der Blauregenblüte. Foto: Ute Neufeldt-Nehe

Bemerkenswert sind auch die Mitbewohner oder vielmehr die eigentlichen Bewohner des Hauses und seines Gartens, die uns eher als lästige Störenfriede betrachten.

Da sind vor allem die Siebenschläfer, die wir mit Gerüchen und Tönen versuchen zu vertreiben, die das aber mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit ignorieren: Sie ziehen einfach von einem Ende des Hauses zum anderen und schimpfen abends fürchterlich über die Ruhestörungen.

Mäuse und Marder gehören zum Hausbestand, die sich unter dem großen uralten Dach wohlfühlen. Dort gibt es auch seit Jahren Honigbienen, die hier scheinbar von der Varroamilbe verschont sind, naturnah leben und keiner Behandlung bedürfen. Auch recht seltene Holzbienen finden sich vor allem in den öfter blühenden Glyzinien.

Und im Garten, wo Rehe und Hasen sich in der Tat gute Nacht sagen, lebt eine gelbgrüne Zornnatter in der Steinmauer –- ziemlich lang, zunächst etwas erschreckend, aber sehr nützlich und zum Glück für alle Besucher auch äußerst scheu. 

Unsere Zornnatter. Foto: Ute Neufeldt-Nehe

Fulminant ist der nächtliche Sternenhimmel, der für einige der Hausgäste eine völlig neue Erfahrung darstellt, aber lange Nächte draußen in vielerlei Hinsicht zu einem besonderen Erlebnis macht.

Frankreichkenner wissen sicherlich, dass eine Einladung pour une soupe leicht sieben Gänge beinhalten kann. Für uns eine kulinarisch sehr bereichernde Erfahrung! Und das im Land von Foie Gras und Trüffeln!

So sehnen wir uns auch ein bisschen sehr, wieder dorthin zu kommen. Wir folgen – solange dies uns verwehrt bleibt- den guten Rezepten aus den Kochbüchern Martin Walkers, genießen u.a. die Weine aus Bergerac und umzu (wie es hier heißt).

Und hoffen für uns und alle anderen, dass die Pandemie bald ihre Kraft verliert, auf dass wir mit negativen Tests und positiver Stimmung durchs Leben und bald wieder nach Frankreich kommen.

Les Milandes. Foto: Ute Neufeldt-Nehe

Der Beitrag von Ute Neufeldt-Nehe ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken.

Ich freue mich, wenn dieser Aufruf viele von euch zum Mitmachen inspiriert. Ob kurz oder lang, Prosa oder Lyrik, Schickt mir den Text per Mail – und die Fotos bitte immer in Originalgröße. Sind es viele, sendet sie bitte per WeTransfer.com. Oder hängt sie einzeln an die Mails. Merci ! Die Beiträge werden in loser Folge veröffentlicht.

Merci für's Teilen!

8 Kommentare

  1. Liebe Ute. ein schöner Bericht, der mich wie viele Berichte hier immer wieder an eigene Erlebnisse erinnert. Auch ich hoffe bald mit meiner Frau wieder im Haus in Frankreich zu sein, denn wir alle waren ja doch sehr eingeschränkt. Danke für Einen Bericht.

  2. Liebe Ute,
    wieder mal eine wunderbare Geschichte von uns so Gleichgesinnten… ;-))
    Ja ja, der Septic-Tank – auch so eine typisch französische Geschichte.
    Wir wünschen euch dort einfach eine schöne Zeit und hoffen wie alle Leser hier im Blog, dass dieser Virus bald seinen Schrecken verloren hat. Was wäre es schön, zu Ostern…
    Herzlich verbundene Grüße aus Rostock und dem Aveyron,
    Holm

  3. Liebe Ute, mit großer Freude und einigen Lacher habe ich Deinen Artikel gelesen. Ich habe seit Oktober ein Haus im Perigord, auch zu mir gekommen 😜. Bin eigentlich seit Jahren in der Provence aber wie’s so ist… die alten Gemäuer finden einen…
    Fange jetzt an etwas nach meinen Ideen zu gestalten..
    ich bin in der Nähe von St Germain des Pres/ Exedieul.
    Würde mich auch gerne über Kontakt freuen. Liebe Grüße Conny

  4. Bonjour Ute, ich musste doch sehr schmunzeln. Ich lebe ja schon 40 Jahre hier und
    wir haben fast dieselben Erlebnisse ähnlicher Art erlebt. Das alles aufzuschreiben, würde den Rahmen hier sprengen. Alleine schon die Zeit hier an der Côte d’Azur wo wir unser deutsches KAFFEEKRÄNZCHEN abhielten 2x im Monat… einmal sogar haben wir 200 Deutsche, die hier lebten – von St Tropez bis Italien – in Nizza zusammen bekommen …
    damals existierte noch das deutsche Programm Radio Monte Carlo+, was eine grosse Hilfe war, denn Anfang 90 hatten wir kein Internet und auch kein Smartphone. Jedenfalls freue ich mich immer , dass es doch so viele (auch neue) Frankreichliebhaber gibt.

    • Liebe Hilke und all ihr Lieben Frankreich Freunde /-innen,
      Eure / Ihre Berichte erfreuen uns immer wieder. Wir fahren gleichfalls seid 40 Jahren nach Frankreich. Unsere biographischen Lebenswegen scheinen identisch. Insbesondere die Liebe zu einem unvergleichlichen Land der Schönheit hat sich in zunehmendem Alter verstärkt. Nunmehr in Rente können wir eine erneute Reise nicht mehr abwarten. Für Mai / Juni ist St. Maxime vis a vie St. Tropez schon gebucht. Ein Haus ist leider leider noch nicht „auf uns zugekommen“. Mit Sehnsucht erwarten wir immer wieder MeinFrankreich und werden nach dem Lesen zunächst schwermütig. Frankreich, die Menschen, das Essen, die Kultur und insgesamt fehlen uns sehr.
      Schreibt bitte alle weiter eure Berichte. Sie lassen die Sehnsucht erträglicher erscheinen.

  5. Liebe Ute, wir sind auch erst seit einer Woche wieder zurück aus dem schönen Périgord, wo wir ja ebenfalls ein Haus besitzen, und Dein Bericht und Deine Fotos sorgen sofort wieder für Heimweh…Hoffen wir doch, dass diese unsägliche Coronazeit bald vorbei ist und wir wieder unbeschwert und ohne Masken das Savoir vivre geniessen können.

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