Der Löwe von Belfort erinnert an den deutsch-französischen Krieg 1870/71.Foto: Hilke Maunder
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Ein Wochenende in … Belfort

Belfort ist Frankreichs Stadt der Löwen. Und wird zu Unrecht oft beiseite gelassen, wenn der Verkehr auf der nahen Autobahn vorbeibraust. Voilà eine Einladung, anzuhalten, und 48 Stunden lang eine der ungewöhnlichsten Städte des Landes zu entdecken: stolz, eigensinnig, voller Geschichte und erstaunlich lebendig.

Freitag Nachmittag: ankommen & aufsteigen

La ville des locomotives – die Stadt der Lokomotiven

Wer von der A 36 abfährt, wird bereits an der Ausfahrt von einem kolossalen Botschafter der Stadt begrüßt: dem stählernen Rumpf einer Alstom-Lokomotive. Seit mehr als 150 Jahren prägt die Bahn Belfort.

Die Geschichte beginnt 1872, ein Jahr nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges. Als das Elsass an das Deutsche Reich fiel, verließen zahlreiche Unternehmen die Region und zogen ins französisch gebliebene Belfort. Darunter befand sich auch die Société Alsacienne de Constructions Mécaniques, kurz SACM – ein Maschinenbaukonzern, der Belfort binnen weniger Jahrzehnte von der Garnisonsstadt zur Industriemetropole verwandelte.

1879 entstand das erste Lokomotivwerk, 1881 rollte die erste Dampflokomotive aus den Werkshallen. Bis zu 8.000 Menschen arbeiteten hier auf dem Höhepunkt der Produktion, 1989. Aus der SACM wurde Alsthom, dann Alstom – der Name änderte sich, die Bindung an Belfort blieb. Am 25. Oktober 1971 verließ der erste französische Hochgeschwindigkeitszug TGV 001 das Werk. Ein Datum, das die Belfort wie einen Gründungsmythos feiert. Heute boomt der Standort erneut: Neue TGV-Generationen laufen hier vom Band, Investitionen fließen, und die blauen Fabrikgebäude nördlich der Altstadt sind das Wahrzeichen von Belfort, la ville des locomotives – die Stadt der Lokomotiven.

Welterbe von Vauban: die Zitadelle von Belfort

Der Aufgang zur Zitadelle von Belfort. Foto: Hilke Maunder
Der Aufgang zur Zitadelle von Belfort. Foto: Hilke Maunder

Erstes Ziel ist die Zitadelle von Belfort. Ihre Ursprünge gehen auf eine Burg zurück, die die Grafen von La Suze umbauten. Vauban machte sie ab 1687 zu einer veritablen Festung, General Haxo passte sie im 19. Jahrhundert den geänderten Kriegstechniken an. Heute als Monument historique eingestuft und Teil des Vauban-Welterbes der UNESCO, thront das Bollwerk auf einem Felsvorsprung über der Stadt wie ein steinerner Wächter an einem strategisch enorm wichtigen Standort.

Schon gewusst? 2020 wählte Frankreich die Zitadelle von Belfort zum monument préféré des Français.

Belfort liegt direkt an der Trouée de Belfort, besser bekannt als Burgundische Pforte. Der 30 Kilometer breite Sattel in 400 Metern Höhe zwischen Vogesen und Jura verbindet das Rheintal mit dem Rhônetal – und  so die germanische mit der romanischen Kultur.

Wer die Rampen und Treppen entlang der imposanten Wehrmauern hinaufsteigt, versteht sofort, warum Belfort während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 103 Tage lang standhalten konnte gegen 40.000 preußische Soldaten.

Die Belagerung von Belfort

Belfort wurde zu Beginn des Krieges von französischen Truppen unter Oberst Denfert-Rochereau besetzt. Die preußischen Truppen unter General August von Werder begannen am 3. November 1870 mit der Belagerung der Stadt. In den folgenden Monaten wurde Belfort von der Außenwelt abgeschnitten und die preußische Armee versuchte, die Stadt einzunehmen.

Intensive Kämpfe, Bombardements und Entbehrungen prägten die Belagerung. 103 Tage lang dauerten die erbitterten Kämpfe, in denen der junge Oberst Denfert-Rochereau mit 16.000 Mann den Angriffen von 40.000 Preußen widerstand. Belfort gab nicht auf und wurde zum Symbol des französischen Widerstands gegen die preußische Invasion.

Der Löwe von Belfort

Hoch oben, in die Westflanke der Kaserne gehauen, schmiegt sich der Löwe von Belfort in den rosa Vogesensandstein. Massiv wie der Widerstandsgeist, den sie verkörpert, meißelte Auguste Bartholdi, der Schöpfer der Freiheitsstatue, das Monument in den Jahren 1875 bis 1880 stolze 22 Meter lang und 11 Meter hoch in den Stein. Der Löwe schaut westwärts, Blick Richtung Frankreich, ruhend, aber kampfbereit. 1880 wurde er eingeweiht. Seitdem ist der Löwe das Herz von Belfort – und insgesamt 110 Mal in der Stadt vertreten. Wer mag, kann bei einer löwenstarken Schnitzeljagd all seine Vertreter suchen. Eine kleine Kopie des Löwens steht an der Place Denfert-Rocherau in Paris.

Eine moderne Löwen-Interpretation in Belfort. Foto: Hilke Maunder
Eine moderne Löwen-Interpretation in Belfort. Foto: Hilke Maunder

Beste Aussichten von den Panorama-Terrassen

Von der Terrasse der Zitadelle – kostenlos, noch höher als die Löwenterrasse, für die Eintritt fällig wird – öffnet sich ein beeindruckendes Panorama. Zu Füßen liegt die mittelalterliche Stadt mit ihren Ziegeldächern und vielen Fenstern in den Fassaden. Mitten durchs alte Zentrum fließt La Savoureuse. Der 41,2 Kilometer lange Fluss entspringt bei Lepoux am Ballon d’Alsace, durchfließt Belfort und mündet bei Sochaux in den Allan.

Dann schweift der Blick zu den Festungsanlagen mit ihren drei Bastionstürmen, zum Haussmann-Viertel mit der Schieferkuppel des alten Magasin Gillet-Lafond und zum Belfort der Neuzeit mit dem Arbeiterviertel Faubourg des Vosges, den blauen Gebäude von Alstom und schnell hochgezogenen Sozialwohnungen, den HLM (Habitations à Loyer Modéré) der ZUP des 4 Chemins nördlich des Zentrums mit markanten Riegeln aus den 1970er und der ZUP de la Savoureuse entlang des Flusses.

Der Blick von der Zitadelle in Richtung der Colline de la Miotte. Foto: Hilke Maunder
Der Blick von der Zitadelle in Richtung der Colline de la Miotte. Foto: Hilke Maunder

Die von der Industrie angezogenen Arbeiter und Angestellten siedelten sich ab 1870 vor allem rund um die Avenue de Lorraine und die Rue Dannemarie an. Zuerst kamen Elsässer, dann Italiener, Polen und Türken. Nach der Unabhängigkeit der Kolonien erreichten Asiaten und Afrikaner Belfort. Heute ist die Stadt ein Schmelztiegel, der seine kulturelle Vielfalt mit Festivals wie Eurockeennes feiert, das seit 1990 jeden Sommer mit rund 60 Konzerten in vier Tagen mehr als 125.000 Besucher vor die Bühnen der Halbinsel im Malsaucy-See lockt.

In Richtung des 651 Meter hohen Mont Salbert, der Colline de la Miotte und der Kuppen der Vogesen am Horizont, setzt sich das militärische Erbe von Belfort fort: hier die rosafarbene Fassade des Conseil Général, dort die Befestigungsanlagen des Corne de l’Espérance und anderer stillgelegter Festungen, versunken im Grünen. Insgesamt 21 Forts wurden zwischen 1873 und 1911 errichtet, um die Trouée de Belfort zu schützen – der größte Festungsgürtel der Franche-Comté. 1953, mitten im Kalten Krieg, wurde im Mont Salbert eine versteckte NATO-Basis angelegt: Ihr könnt sie heute besichtigen!

Das Geschichtsmuseum

In der ehemaligen Kaserne der Zitadelle zeigt das Musée d’Histoire einen Querschnitt durch Jahrtausende: von der Steinzeit über mittelalterliche Relikte bis zu Uniformen und Waffen aus dem Krieg 1870/71. Wer tiefer will, steigt in das Grand Souterrain hinab – ein mittelalterlicher Burggraben, 1749 von Vauban überdacht, der mehr als 1.000 Soldaten Schutz bot. Zehn Kamine erhellten und wärmten die unterirdischen Gänge.

Ein Spaziergang durch die Gräben und ein Besuch des Grand Souterrain mit seinen unterirdischen Gängen spiegelt eindrucksvoll die militärische Bedeutung von Belfort, die ihm bis in die 1990er-Jahre den Ruf einer grauen und tristen Kasernen- und Truppenstadt einbrachte.

La Clé du Bastion: Geschichte spielend erleben

Wer die Zitadelle lieber spielend erkunden will, findet in der Tour 27 eine ebenso lohnende Alternative zum klassischen Museumsbesuch. In dem Bastionsturm hat Victoria Scotto 2015 das erste französische Escape-Game in einem Monument historique gegründet: La Clé du Bastion. Zwölf schwarze Kästen zur Stadtgeschichte, übersät mit Schlössern, gilt es zu knacken – und das in nur 60 Minuten. Wer alle Aufgaben einer Box richtig löst, erhält einen Goldtaler und kann ihn einwerfen in die „Bank“.

Wer noch nie ein Escape Game gespielt hat, steht zunächst recht fragend vor der schwarzen Kiste, fühlt, schaut, zieht und dreht… und ist schon mitten im Spiel. Der Weg zum Goldtaler ist äußerst kniffelig. Man muss selbst den Weg finden, wie das vorgestellte Problem gelöst werden kann, muss Elemente finden, die aus dem Kasten gezogen oder hineingesteckt werden, muss Schablonen auflegen, um den Zahlencode für das Nummernschloss zu finden oder auf einem Keyboard bestimmte Tonfolgen klimpern, damit sich ein weiteres Kästchen im Kasten öffnet. 60 Minuten Hochspannung und Spaß für die ganze Familie!

Abend: die vieille ville erkunden und gut essen

Bunt getünchte Häuser, inhabergeführte Boutiquen, verkehrsberuhigte Straßen, Blumen und Bäume: Die Altstadt von Belfort, kompakt und klein, verführt zum Flanieren. Der Giebel der Porte de Brisach ist eine Hommage an Ludwig XIV., den Sonnenkönig. Einfach bezaubernd ist die Grand-Rue.

Als mittelalterliches Kleinod mit einer schönen Buchhandlung entpuppt sich die Place de la Petite Fontaine. An der Place d’Armes laden zahlreiche Bars und Cafés zum Sitzen ein, der Blick schweift zum Musikpavillon und weiter zum blumengeschmückten Rathaus aus dem 18. Jahrhundert mit Glockenturm und Ehrenhalle. Oder hinüber zur Kathedrale Saint-Christophe, die in der Abenddämmerung im Vogesensandstein rosa leuchtet.

Zum Abendessen lohnt der Tisch bei William Legros: In seinem Bistro La Touch d’Art im Herzen der Altstadt hängen Gemälde an jeder Wand – Pop-Art, grafische Impressionen, alles käuflich. Aus der Küche kommt eine raffinierte Bistronomie in der Tradition der molekularen Küche, die mit neuen Aromen überrascht. Das Staunen beginnt bereits mit dem Gruß aus der Küche: frittiertem Reispapier mit Salicorn-Crème – schon optisch ein Hochgenuss!

Samstag: Genuss und Kunst

Morgens: der Marché Fréry

Heute lohnt es sich, früh aufzustehen. Der Marché Fréry öffnet samstags um 7 Uhr und schließt um 13 Uhr – wer spät kommt, verpasst die schönsten Waren. Schon von der Straße aus ist die Halle unübersehbar: ein imposantes Stahlgerippe auf rotem Backsteinsockel, Entworfen wurde die nostalgische Halle aus der Gründerzeit von Stadtbaurat Eugène Lux.

Gebaut wurde sie 1904/5 von der Firma Schwartz und Meurer, die damals auch die Tore des Grand Palais und die monumentalen Gewächshäuser von Paris fertigten. Mit ihrem Namen ehrt die Markthalle den Architekten und Bürgermeister Louis-Auguste Fréry (1793-1881), der eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung Belforts im 19. Jahrhundert spielte. Die Renovierungsarbeiten wurden 2025 abgeschlossen – 220 Rosetten, 39 Löwenköpfe, die aufwändigen Kapitelle und der Rahmen der Uhr sind zurück an ihrem angestammten Platz.

Im Inneren des Marktes sorgt das 17 Meter hohe Gewölbedach der 60 Meter langen Halle für ein weites, offenes Ambiente, unter dem die Stände mit frischen Lebensmitteln und regionalen Spezialitäten geradezu klein wirken. Große Fenster lassen das Tageslicht herein.

Beim Schlachter verströmt die Saucisse de Morteau einen würzigen Duft, ein Käsehändler schneidet mit großem Messer einen Laib Comté und lässt probieren.

Honig aus der alten Freigrafschaft, frisch gebackener Gugelhupf aus dem Elsass, Samosas aus Indien – um das Marktcafé herum trifft sich ganz Belfort nach dem Einkauf auf ein erstes Glas Wein. Der französische TV-Sender TF1 kürte den Marché Fréry gleich zweimal zum schönsten Markt der Franche-Comté.

Jenseits der Savoureuse wird samstag vormittags auch gerne im Faubourg de France geshoppt: Bücher, Filme und Digitales bei der fnac, französischer Lifestyle in den Galeries Lafayette, Mode, Schmuck und mehr in bekannten Ketten wie Jules oder Pandora.

Vormittag: Kunst von heut

In der Galerie Cheloudiakoff zeigt Patrick Cheloudiakoff seit rund 30 Jahren, was zeitgenössische Kunst vermag: Street-Art trifft narrative Figuration, Abstraktion trifft urbane Energie. Die Galerie sitzt seit 2012 in einer umgebauten einstigen Brasserie auf 250 Quadratmetern – der Eintritt ist frei, und Patrick Cheloudiakoff erklärt seine Werke mit einer Leidenschaft, die ansteckt. Neben der permanenten Sammlung zeigt Patrick Cheloudiakoff auch fünf bis sechs Ausstellungen pro Jahr mit Künstlern wie Florent Wong, Poes, Sabine Maitre, Agnès Descamps und Eric Ullrich.

Vier der Vertragskünstler der Galerie Cheloudiakoff sind internationale Stars: Saype , der 1989 als Guillaume Legros in Belfort geboren wurde und mit gigantischen, vergänglichen Gras-Graffitis wie der „Beyond Walls“-Weltreise und UNO-Projekten als Land-Art-Visionär begeistert; die Bildhauerin Anne Bothuon aus Brest, deren gepolsterte Stoff-Figuren Menschlichkeit und Imperfektion in Ausstellungen thematisieren, Pierre-Marie Brisson, Gauguin-Enkel und Collagen-Meister, sowie sowie Jacques Verdier, einer der renommiertesten französischen Vertretern aktueller Figuration.Auch Konzerte oder Events wie die Nuit des Arts stehen auf dem Programm!

Nachmittag: Belfort kreativ

Auch der Samstagnachmittag gehört der kreativen Seite Belforts. Die Stadt hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Dichte an eigensinnigen Kunsträumen entwickelt, die fernab von Touristenprogramm und Hochglanzkultur funktionieren.

Eine der ungewöhnlichsten Adressen ist seit Oktober 2024 das Magasin numéro 3 . Was äußerlich wie ein schlichter Laden wirkt, entpuppt sich als Atelier der Schriftstellerin und Poetin Angèle Casanova und der Bildhauerin und Musikerin Séverine Nest. Schreibwerkstätten, Lesungen, Musikperformances und Klanginstallationen: Das MN3 ist ein Ort, der die Grenzen zwischen Atelier, Bühne und Begegnungsraum aufhebt. Wer offen ist für das Unerwartete, ist hier richtig.

Wer lieber selbst aktiv wird: Im Atelier céramique Sevgi lässt sich ein Teller, eine Tasse oder eine Figur mit Unterglasurfarben bemalen und nach wenigen Tagen gebrannt abholen. Sessions dauern 2,5 Stunden, sind ab 6 Jahren geeignet und ein entspanntes Mitbringsel der besonderen Art. Sevgi Algin Wojtylo, früher Ingenieurin in der Autoindustrie, eröffnete das Atelier im Herbst 2025 – der Wechsel in die Keramik ist ihr sichtlich geglückt.

L’Imaginarium nennt sich eine poetische Boutique und Galerie für zeitgenössische Kunst in Belforts Altstadt, die sich auf Werke lokaler Künstler spezialisiert hat. und euch beim Öffnen der Tür mit Vogelsang begrüßt. Drinnen findet ihr handgefertigte Objekte – Skulpturen, Schmuck, Zeichnungen – mit einer magischen, traumhaften Atmosphäre – daher auch der Name Imaginarium.

Inhaberin Sophie Monesi, die ihre Boutique Ende 2024 zunächst testweise als Pop-up-Shop eröffnete dann fest zum 8. Januar 2025, veranstaltet auch immer wieder Events wie Imaginapuces, ein Flohmarkt mit Künstlern, oder kreative Workshops, beispielsweise zu Monotypes mit Farbstifte mit Myriam Huré.

Abend: entlang der Savoureuse

Die Passerelle des Arts führt von der Altstadt über die Savoureuse zu Le Granit, der Bühne, die Jean Nouvel 1980–84 renovierte: Er öffnete den klassizistischen Bau zum Fluss hin und versah ihn mit einem kantig modernen Glasanbau. Jenseits des Flusses beginnt die abendliche Bummelmeile mit Bars, Cafés und der schönen Beleuchtung am Ufer.

Zum Dîner lohnt das Le Lien : unkompliziert wie ein Bistro, raffiniert wie ein gehobenes Restaurant. Enzo Heck verfeinerte sein Handwerk im Le Chambard in Kaysersberg, bevor er 2022 mit Jade das eigene Lokal eröffnete. Wer lieber rustikal mag: Im Le Caveau servieren sie Elsässer Küche, Craft-Bier und Weine im gemütlichen Kellerlokal.

Sonntag: Ausflug… in die Geschichte und ins Grüne

Vormittag: ein Kaffee im Tonneau d’Or

Wer nicht im Grand Hôtel du Tonneau d’Or, kann den Sonntag mit einem Kaffee unter einer der schönsten Kuppeln der Stadt. Das Haus, 1907 von Eugène Garteiser als Palace nach dem Vorbild großer Luxushotels eröffnet, beherbergte Churchill, Joséphine Baker, Charles Trenet und Fernandel. In der Rotonde prügelte sich 1930 ein Minister – der damalige Ratspräsident André Tardieu verlor dabei seine Lorgnons, sein Kontrahent die Holzbeinprothese.

Die Vitraux im Treppenhaus stammen von Jacques Gruber, jenem Glasmalerei-Meister, der auch die Fenster der Villa Majorelle in Nancy schuf. 1944 nutzte die Familie Michalland, die das Hotel besaß und der Résistance angehörte, den eigenen Generalschlüssel, um die deutschen Besatzer auszuspionieren. Von ihrem Beobachtungsposten aus verfolgten sie die Bewegungen deutscher Fahrzeuge im Innenhof und meldeten diese an das nahegelegene Fort de la Miotte.

Nach der Befreiung Belforts 1944 kehrten die Michallands zurück und führten das Hotel weiter. Doch das Schicksal schlug erneut zu: Am 16. Dezember 1956 brach während der Weihnachtsfeier der Société Gauthier de Valdoie ein verheerendes Feuer aus. Die Flammen zerstörten große Teile des Gebäudes, und das einst so glanzvolle Grand Hôtel musste schließen.

1961 verkaufte die Familie das Hotel für 660.000 Francs an den Office HLM (heute Territoire Habitat) , der hier seinen Sitz einrichtete. 29 Jahre später, 1990, verkaufte der öffentliche Wohnungsbau-Träger das Gebäude für mehr als das Doppelte – 15 Millionen Francs – an die Unternehmer Patrick Zannolfi und Michel-Vincent Viry. Sie gaben dem Tonneau d’Or seine einstige Pracht zurück, 35 Jahre nach seiner Schließung.

Vormittag: die Place de la République – Belfort im Wandel

Belfort: Die neobarocke salle des fêtes an der Place de la République. Foto: Hilke Maunder
Die neobarocke salle des fêtes an der Place de la République. Foto: Hilke Maunder

Wenige Gehminuten entfernt wurde die Place de la République nachhaltig neu gestaltet.. Bagger rissen das Pflaster auf, 110 Parkplätze verschwanden : Auf 2.700 der insgesamt 8.000 Quadratmeter wich Stein einem Rasen. Neuer Belag wird lokaler Vogesensandstein.

Rund 40 Bäume – Linden, Ahorne, Zürgelbaum und japanische Sophora – wurden so verteilt, dass sie eine Insel der Frische schaffen. Die Pläne für die Neugestaltung entwarfen die Stadtplaner und Landschaftsgestalter vom Atelier Alfred Peter in Zusammenarbeit mit OTE Ingénierie.

Sie sorgten nicht nur dafür, dass das Regenwasser künftig auf dem Platz aufgefangen wird, sondern entwarfen auch einen miroir d’eau, in dem sich das Denkmal der Trois Sièges von Bartholdi spiegelt – jenem Monument, das an die drei Belagerungen der Stadt erinnert. Belfort reagiert auf den Klimawandel und verwandelt eine einstige Wärmeinsel in eine grüne Oase.

Auf den Hügeln: ein Spaziergang zum Abschluss

Zum Abschluss des Wochenendes lohnt der Blick von oben. Die Promenade François Mitterrand führt sieben Kilometer lang von Belfort zur Malsaucy-Halbinsel – ein Wanderweg, der die Stadt Stück für Stück hinter sich lässt und in der Stille der Landschaft ankommt.

Wer mehr Höhe sucht, nimmt den Wanderweg über die Hügel Fort de la Justice und Fort de la Miotte und genießt auf der knapp sieben Kilometer langen Route die Panoramablick auf die Stadt und die südlichen Vogesen. Wer weiterwandern will, findet insgesamt 1.000 Kilometer markierter Wege im Territoire de Belfort ! Ein schöner Tagesausflug führt hier zum Ballon d’Alsace, mit 1.247,6 Metern der höchste Gipfel des Massif des Vosges.

Der Blick durch ein Tor der Zitadelle auf die Altstadt von Belfort. Foto: Hilke Maunder
Der Blick durch ein Tor der Zitadelle auf die Altstadt von Belfort. Foto: Hilke Maunder

Belfort: meine Reisetipps

Anreise und Parken

Auto & Co.

Mit dem Auto, Womo oder Motorrad über die Autobahn A 36. Parkplatz Lion oberhalb der Altstadt oder beim Char Martin im Nordosten.

Mit dem Zug

SNCF-Bahnhof Belfort (45 Min. von Basel, 1 Std. 15 von Straßburg, 2 Std. 20 von Paris). TGV-Halt: Bahnhof Belfort-Montbéliard außerhalb der Stadt.

Flug

Euro-Airport Basel-Mühlhausen-Freiburg, 45 Min. von Belfort.

Tourist-Information

Maison du Tourisme de Belfort et du Territoire de Belfort
2, Place de l’Arsenal, 90000 Belfort, Tel. 03 84 55 90 90, www.belfort-tourisme.com

Schlemmen und genießen

Le Lien

Unkompliziert wie ein Bistro, raffiniert wie ein gehobenes Restaurant: Bei Enzo und Jade fühlt man sich wohl. Nach seiner Ausbildung zum Koch verfeinerte Enzo Heck sein Handwerk im Le Chambard in Kaysersberg und im Restaurant Le France in Villers-le-Lac, bevor er für zwei Jahre nach Sète im Hérault ging. Zurück in Belfort wurde er Chefkoch im Dix’vins, wo er Jade kennenlernte, die Rechtswesen gelernt, aber ihre Berufung als cheffe de salle gefunden hatte. Sie verliebten sich – und machten sich 2022 mit einem eigenen Restaurant selbstständig.
• 32, Faubourg de Montbéliard, 90000 Belfort, Tel. 03 84 58 05 59, www.restaurant-lelien.com

Au Caveau

Rustikales Kellerlokal mit Elsässer Küche, Craft-Bier und guten Weinen.
• 27 bis, Grande Rue, 90000 Belfort, Tel. 03 39 64 23 15, www.aucaveau-belfort.com

Le Fut Perdu

Tapasbar mit kleiner, feiner Weinkarte.
• 22, quai Charles Vallet, 90000 Belfort, Tel. 09 82 69 18 87, https://lefutperdu.fr/carte-le-fut-perdu

Les Quais

Französische Küche, Burger & Co. am Ufer der Savoureuse.
• 4, Faubourg des Ancêtres, 90000 Belfort, Tel. 03 84 28 02 29, www.restaurant-lesquais-belfort.fr

La Touch d’Art

Bistronomie in einer Galerie-Atmosphäre. Raffinierte, modern inspirierte Küche von William Legros.
• 2, Rue Christophe Keller, 90000 Belfort, Tel. 03 84 99 34 71, https://helene-luc.wixsite.com/la-touche-d

L’Estaminet

Terrasse in der Altstadt mit einer tollen Auswahl an Bieren und sehr leckerem Flammkuchen.
• 4, rue de la Porte de France, 90000 Belfort, Tel. 03 70 92 39 83

La Teinturerie

In einer ehemaligen chemischen Reinigung der 1970er-Jahre, die in einem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert residierte, richtete Pierre Joly sein Restaurant im Retro-Schick ein – mit eleganter blauer Bar oben und gemütlichem Gewölbekeller unten. Auf der Karte stehen französische Fusion-Küche mit frischen, saisonalen Produkten, klassische Gerichte wie Tartare oder Burger und eine abendliche cuisine à partager zum Teilen mit Freunden bei einem Glas Wein.
• 2, rue du Maire Edouard Mény, 90000 Belfort, Tel. 03 84 59 07 74, www.lateinturerierestaurant.com

Schlemmer-Shopping

Lokales Craft-Bier

La Brasserie des Belles Filles, La Bière du Barbu und La Brasserie Belfontaine stellen auf dem Territoire de Belfort süffigen Gerstensaft her – ein schönes Mitbringsel und Souvenir fürs spätere Genießen daheim.

Munster-Käse

Drei Höfe produzieren im Territoire de Belfort den köstlichen Munster-Käse: die Fromagerie des Prairas in Lepuix-Neuf, die Ferme Seidel in Grosmagny und die Ferme du Génival in Bessoncourt.

Verdoyeux

Alle Produkte in diesem Laden stammen von Erzeugern in einem Umkreis von 20 Kilometern: Käse und Wurst, Fleisch und Fisch, Obst und Gemüse. So schmeckt das Territoire de Belfort !
2, rue du Château, 90200 Grosmagny, Tel. 03 84 22 14 31, www.verdoyeux.com

Aktiv

EuroVelo 6

Direkt an Belfort vorbei führt die 4500 Kilometer lange Radwanderroute EuroVelo 6, die das Schwarze Meer mit dem Atlantik verbindet.

Coulée Verte

Ganz entspannt könnt ihr auf den Treidelwegen des 1882 begonnen und 1926 eröffneten Haute-Saône-Kanal 25 Kilometer lang im Süden des Territoire de Belfort nach Montbéliard radeln.

Promenade François Mitterrand

Sieben Kilometer lang ist der Wanderweg, der euch von Belfort zur Malsaucy-Halbinsel bringt.

Hier könnt ihr schlafen

Grand Hôtel du Tonneau d’Or

Das Belle-Époque-Hotel im Herzen Belforts: majestätisches Treppenhaus, Glasfenster von Jacques Gruber, Antiquitäten in der Lobby. Winston Churchill und David Bowie schliefen hier.
• 1, Rue du Général Reiset, 90000b Belfort, Tel. 03 84 58 57 56, www.tonneaudor.fr

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Im Blog

Nur einen Katzensprung von Belfort entfernt ist das Pays de Montbéliard. Entdeckt es hier.

Sämtliche Themen und Ziele, die ich in meinem Online-Magazin nach Départements und Regionen vorstelle, findet ihr zentral vereint auf dieser zoombaren Karte.

Im Buch

Klaus Simon, Hilke Maunder, Secret Citys Frankreich*

Secret Citys Frankreich

Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Klaus Simon stelle ich in diesem Band 60 Orte in Frankreich vor, die echte Perlen abseits des touristischen Mainstreams sind. Le Malzieu in der Lozère, Langogne im Massif Central, aber auch Dax, das den meisten wohl nur als Kurort bekannt ist.

Mit dabei sind auch Senlis, eine filmreife Stadt im Norden von Frankreich, und viele andere tolle Destinationen. Frankreich für Kenner  – und Neugierige! Lasst euch zu neuen Entdeckungen inspirieren … oder träumt euch dorthin beim Blättern im Sessel oder am Kamin. Wer mag, kann das Lesebuch mit schönen Bildern hier* bestellen.

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