Leseglück à la française: 4 Buchtipps
Glück lässt sich in Frankreich auf viele Arten finden – und bedeutet für mich, zwischen zwei Buchdeckeln in neue Welten einzutauchen.
Frankreich und das Schreiben gehören untrennbar zusammen. Von der Liebe zur Dictée, dem Diktat, über die jährlichen Literaturpreise zur Rentrée im Herbst bis hin zu den acht Bücherdörfern im Land liebt das Land die Macht der Worte – und seine Literaten, die mit ihrer Stimme Gefühl und Verstand ansprechen, Glück, Trauer oder Sehnsucht wecken und Bilder vor dem geistigen Auge lebendig werden lassen. Literatur mit Herz und Histoire, packende Thriller und Krimi, Fantasy, Sci-Fi bis hin zu Graphic Novels: Die Bandbreite der Belletrisik beeindruckt.
Es gibt Bücher, die uns nicht nur unterhalten, sondern uns direkt in die Lavendelfelder der Provence, die wilden Gärten der Normandie oder die pulsierenden Straßen von Paris versetzen. Bücher, die sachlich informieren. Und Bücher, die als Roman oder Sachbuch Lebenshilfe geben. Das zentrale Thema dieser Auswahl lautet: Die Suche nach dem Glück. Was macht ein erfülltes Leben aus? Wo finden wir Kraft und Lebensmut? Hier sind vier zeitlose Empfehlungen von Autoren, die sehr unterschiedliche Antworten geben.
Glück auf dem Lesetisch: vier Favoriten
Sylvain Prudhomme: Allerorten* – ein Roman über das Ankommen und Fortgehen
Kaum ein Titel hat mich so berührt wie dieser Roman. Sylvain Prudhomme greift darin einen zeitlosen Topos auf: Lebenslinien. Schon in seinem Buch Legenden* hat er ihnen nachgespürt. Damals innerhalb von Geschwistern und der Familie, in seinem Werk Allerorten* nun zwischen Freunden.
Sacha, der großstadtmüde Schriftsteller, tauscht Paris gegen die Provence, die Weltmetropole gegen eine kleine Stadt. Platanen und einsame Plätze statt Hektik und Stress. Hier will Sacha schreiben, malen, sich wieder spüren.
Doch dann tritt der „Anhalter“ wieder in sein Leben, der auch dort wohnt. Längst verheiratet mit Marie und Vater von Agustin, kann er dennoch dem Ruf des Reisens nicht widerstehen. Wie zu Jugendzeiten stellt er sich mit einem Schild an die Autobahn, fotografiert seine Fahrer, bricht immer öfter ohne Vorwarnung aus und auf.
Während der Anhalter immer länger fortbleibt, sich aus dem Leben entfernt, nähern sich Sacha und Marie an. Knüpfen zarte Bande, werden ein Paar, entfernen sich wieder, sind sich wieder nah. Anlehnung und Abneigung, näher kommen und sich entfernen, bleiben oder reisen: Was macht wirklich glücklich? Wie sieht ein erfülltes Leben aus?
Prudhomme lässt die Fragen offen, lässt Lebenslinien sich berühren, verschlingen, verflechten, entfernen. Ein zarter, tiefgründiger Roman, der gefangen nimmt, berührt. Und das Leben, so wie es ist, gut sein lässt. Mit allem.
Wer mag, kann das 256 Seiten dicke Werk, das Claudia Kalscheuer aus dem Französischen ins Deutsche übersetzte, hier* bestellen.
Christine Cazon: Von hier bis ans Meer: Wie ich in Südfrankreich das Glück suchte und mich selber fand*
Was ist Glück? Warum fühle ich nicht, dass ich glücklich bin? Und wann bin ich glücklich? Diese Frage treibt Christine Cazon um, die mit ihren Krimis von der Côte d’Azur zur Krimiqueen der azurblauen Küste aufstieg. In diesem Buch gewährt sie sehr persönliche Einblicke in ihr Leben.
In Zwischen Boule und Bettenmachen* verriet die Kölnerin, wie sie ihre Sachen packte, um in Frankreich auf einem Bauernhof ein Praktikum zu machen. Nur ein Jahr lang wollte sie im Süden bleiben. Doch dann verliebte sie sich in Patrick, der in den Seealpen eine kleine Auberge betrieb.
Das Buch Von hier bis ans Meer* ist Fortsetzung und Erweiterung zugleich, Es schildert die weitere Entwicklung ihres Lebens, berichtet von der Suche nach dem persönlichen Glück, erzählt von Ängsten und Sorgen, Schwiegermutterstress und Essattacken, sozialem Engagement und Selbstfindungswegen. Ein inspirierendes Buch für alle, die vom Leben im Süden träumen. Wer mag, kann es hier* online bestellen.
Elsa Koester, Couscous mit Zimt* – eine kraftvolle Familiensaga
Was ist Heimat? Was bestimmt Identität? Fremdsein daheim, Nähe und Gewalt: Der Erstlingsroman von Elsa Koester ist ein Werk, das die Debatte um Vertreibung und Einwanderung literarisch spiegelt.
Elsa Koester erzählt die Geschichte der Familie Bellanger abwechselnd aus der Perspektive von drei Generationen.
Großmutter, Mutter und Tochter – drei Frauen, deren Leben politische Umbrüche prägten. Drei Pieds-noirs. Die Berliner Autorin ist selbst zu 50 Prozent solch ein „Schwarzfuß“. Ihre Mutter ist eine Tunesienfranzösin, ihr Vater ein echter Nordfriese mit US-amerikanischem Migrationshintergrund.
Die Bellangers haben als französische Kolonialfamilie in Tunesien gelebt. Nach der Unabhängigkeit ging Großmutter Lucile mit ihrer Tochter zurück nach Frankreich. Doch Marie ist im Paris der 1960er-Jahre eine Fremde, gequält von der Sehnsucht nach Nordafrika.
Zurück kann sie nicht. So zieht sie nach Berlin, wo keiner die Geschichte der Pieds-noirs kennt. Dort wird ihre Tochter Lisa geboren. Sie muss das Französische erst lernen, kann die Familie nicht verstehen, die in Frankreich geblieben ist. Nach dem Tod von Marie und Lucile kehrt sie in die Pariser Familienwohnung zurück, arbeitet die Familiengeschichte auf. Und fragt sich: Wie lange bleibt man ein Pied-noir?
Ausgeprägte Charaktere sind die Figuren, die Koester zeichnet. Mit eigenwilligem Temperament, Wut und Angst im Bauch. Bereit zu Schlägen, zum Ersticken der Leere im Suff. Aber auch Neugier, Offenheit, Freundschaft, Nähe und kleinem Glück.
Ein Buch, das ich nur in Etappen lesen konnte. Und doch mich vom ersten Satz an gefesselt hat. „Ich habe Gott nie um Kinder gebeten.“ Was für ein Auftakt zu 448 Seiten, nach denen man hofft, dass möglichst noch viele weitere Bücher folgen. Wer mag, kann den Roman hier* online bestellen.
Elena Eden, Der Garten unter dem Eiffelturm* – Romantik und Gartenkunst
Murielle Rousseau stellte mit Die Gärten von Paris* im April 2020 die schönsten Pariser Grünanlagen aus dem Blick einer Flaneurin vor. Elena Eden geht mit Der Garten unter dem Eiffelturm* über einen persönlich gefärbten Führer hinaus. Sie verknüpft die Infos zu den Pariser Parks mit einer romantischen Liebesgeschichte.
Elena Eden ist der Autorenname der Journalistin Daniela David. Mit vonREISENundGÄRTEN hat sie einen der erfolgreichsten deutschsprachigen Garten-Blogs ins Netz gestellt. Diese Kompetenz merkt man dem Buch an.
Ihr 258 Seiten dicker Roman ist eine Glücksgeschichte auf Gartenwegen. Sie erzählt von der jungen Frau. Angezogen von Monet und einem rätselhaften Foto der Großmutter, ist Alina nach Paris und in die Normandie gereist. In der Liebe trifft sie auf zwei charmante, sehr unterschiedliche Männer. Für wen soll sie sich entscheiden? Was soll sie aus ihrem Leben machen? Hat sie überhaupt einen Lebensentwurf?
Und was bedeutet Glück für sie? Frühere Erlebnisse – wie der Verlust ihres Liebsten – begleiten Alina bei ihrer einwöchigen Reise und der Achterbahn der Gefühle. Ah, l’amour. In den Gärten von Paris kehrt das Glück zurück. Ein Garten-Reise-Roman, so leicht und romantisch wie ein Sommertag in Frankreich. Wer mag, kann ihn hier* online bestellen.
Offenlegung
Sämtliche Titel stellten mir die Verlage kostenfrei für diese Buchbesprechungen zur Verfügung, Einfluss auf die Bewertung und Berichterstattung hat dies nicht. Ihr findet hier meine 100% subjektiven Eindrücke, gefiltert mit er Expertise einer Philologin.
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Weiterlesen
Für noch mehr Lese-Glück à la française stöbert doch auch einmal in der Kategorie Literatur und in diesen und in diesen kuratierten Leselisten, die meine liebsten Titel vereinen:
- Spannung pur: Die besten Regional-Krimis aus Frankreich, sortiert nach den 13 Regionen des Landes, gibt es hier
- Belletristik: Meine Favoriten für anspruchsvolle Lesestunden findest du in der Leseliste Belletristik
- Gefühl & Geschichte: Romane mit viel Herz und Historie
- Landeskunde: Tiefe Einblicke in Alltag, Brauchtum, Eigenarten und Hintergrund zu Land-und Leute
- En français: Lesenswertes im Original
- Kulinarik: Das kulinarische Glück findet ihr in meiner Auswahl für Kochbücher
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