L’Esterel: schönste Berge der Côte d’Azur

Die Küste beim Estérel-Gebirge an der Côte d'Azur. Foto: Hilke Maunder
Die Küste beim Esterel-Gebirge an der Côte d'Azur. Foto: Hilke Maunder

Zwischen Saint-Raphaël und Cannes versteckt sich das wohl schönste Küstengebirge der Côte d’Azur: L’Esterel. Zerklüftet und stark ausgewaschen schieben sich die roten Porphyrfelsen ins Mittelmeer. 618 Meter hoch ragen sie beim Mont Vinaigre über den Fluten auf.

Tiefe Schluchten spalten die Berge. Bis ins Meer setzen sie sich fort. Und bilden dort Calanques, kleine Buchten wie Fjorde. Selbst im Meer ragt immer wieder zerfurchter Fels als Mini-Insel auf.

Das Esterel-Gebirge an der CÔte d'Azur. Foto: Hilke Maunder
Blick auf das Esterel-Gebirge an der Côte d’Azur. Foto: Hilke Maunder

L’Esterel –eine feurige Geburt

Entstanden ist die dramatische Landschaft am Meer vor rund 250 Millionen Jahren im Perm. Damals sprudelten 30 Millionen Jahre lang hier die Vulkane. Sie hinterließen eine große Menge an Basalt und Ryolith, die im Mesozoikum stark erodierte. In der Erdneuzeitvor rund 66 Millionen Jahren kippt der Druck, den die afrikanische Platte auf Europa ausübte, das Massiv hin zum Mittelmeer.

Bedrohte Natur

So entstanden all jene Berge, die sich heute so farbig über dem azurblauen Meer aufrecken. Korkeichen, Pinien und Macchia bedecken die zerfurchten Hänge. Adler und Falken kreisen über die Bergspitzen. Wildschweine wühlen im Unterholz. Zistrosen blühen von Weiß bis Rosa, Ginster leuchtet gelb. Wilder Knoblauch reckt seine rosa Blütenbüschel aus dem Gras. Thymian und Rosmarin verströmen mediterrane Düfte.

Eine Bilderbuchnatur, wieder auferstanden nach den großen Bränden von 1987. Feuer entfachen oder eine Zigarette einfach weg zu schnippen ist nicht nur verboten, sondern wird teuer.

Um dieses einzigartige Naturerbe zu schützen und seine biologische Vielfalt intakt zu halten, wurden Schutzgebiete eingerichtet. Die höchste Auszeichnung für die Natur gab es mit der Anerkennung des Esterel-Massivs als Natura-2000 Gebiet als eine von 1753 Stätten im gesamten Land.

Wilde Küste

Steil fallen die roten Felsen des Estérel-Massiv ins Meer. Foto: Hilke Maunder
Steil fallen die roten Felsen des Esterel-Massiv ins Meer. Foto: Hilke Maunder

Meerseitig entstand in Kooperation mit den Berufsfischern das Meeresschutzgebiet Cap Roux. Auf einer Fläche von 445 Hektar ist dort am Fuße des Esterel-Massivs jegliche Form des Fischfangs, ob beruflich oder in der Freizeit, gesetzlich verboten.

Versteckte Badebuchten

Halsbrecherisch sausen Motorradfahrer auf der Küstenstraße durch die Kehren und Kurven. 1903 hatte der Touring Club de France sie als Corniche d’Or anlegen lassen. Samt  wunderschöner Aussichtspunkte wie dem Point de l’Observatoire. Was die Raser dabei übersehen, sind die kleinen Calanques der Küste. Und die idyllischen kleinen Badebuchten, die sich unterhalb der Straße verstecken.

Der Strand besteht zwar aus groben Kieseln, die etwas ungemütlich sind zum Liegen, aber das Wasser hat noch im Oktober angenehme Badetemperaturen. Eine Bucht weiter entdecke ich sogar einen kleinen Sandstrand!

Strand am Das Esterel-Gebirge an der CÔte d'Azur. Foto: Hilke Maunder
Gleich mehrere solcher malerischen Buchten versteckten sich an der felsigen Küste des Esterel. Foto: Hilke Maunder

Robin Hood der Küste

Im Dickicht der Macchia duftet es  nach Lavendel und Wacholder, Rosmarin, Thymian, Erdbeerbaum und Heide. Wie auf Korsika, wo sich Matteo Falcone im Gestrüpp der Macchia versteckte, war auch das der Esterel ein Versteck von Räubern. Besondern rund um den 618 Meter hohen Mont Vinaigre wurde einst fast jede Postkutsche überfallen.

Dies hinterließ sogar seine Spuren in der französischen Sprache. Passer le pas de l’Esterel war für eine lange Zeit eine gängige Redensart für eine beschwerliche Reise.

Im 18. Jahrhundert soll sich hier der provenzalische Wegelagerer Gaspard de Besse versteckt gehalten haben, der Jean Aicard im Jahr 1919 zu seinem Roman Maurin des Maures inspiriert hat. 1970 verfilmte André Hugon die abenteuerliche Geschichte des Robin Hoods der Küste. Der Antiheld ist bis heute unvergessen. So stand er auch als Namensgeber für ein Restaurant im gut 50 Kilometer westlich gelegenen Rayol-Canadel-sur-Mer Pate.

Bergwandern mit Meerblick

Gemeinsam mit dem westlich anschließenden Massif des Maures bildet das Massif de l’Esterel ein sehr abwechslungsreiches Gebiet zum Mountainbiken und Wandern. Ein gut markiertes Wandernetz durchzieht beide Gebirge. Gelb markiert sind die lokalen Wanderwege. Rot-weiße Balken verraten die Grandes Randonnées, die Weitwanderwege.

Fahrt von Saint-Raphaël doch einmal zum Parking du Col de Notre-Dame und folgt dort rund anderthalb Stunden dem gelb-blau markierten Weg vorbei am Dent de l’Ours  zum Pic de l’Ours.

Schon beim Aufstieg eröffnen sich immer wieder schöne Ausblicke auf das Esterel-Massiv, den Haut-Var und die Bergspitzen des Mercantour. Und freut euch auf allerbeste Blicke auf die Bucht von Cannes und Saint-Raphaël oben vom Gipfel! Alle Infos zu Tour gibt es online hier.

D-Day-Strand der Provence

Ihr wollt lieber der Küste folgen? Dann wandert zum häufig sehr windigen oder gar sturmumtosten Cap Dramont mit Blick auf die Île d’Or.  Die rund 200 Meter lange Insel mit ihrem quadratischen Turm im mittelalterlichen Stil soll Hergé zu seinem Album „Tim und Struppi und die Schwarze Insel“ inspiriert haben.

Am Strand der Plage du Débarquement landeten 15. August 1944 20.000 GIs der 36. Texas-Division der US Army und begannen die Befreiung Frankreichs. Daran erinnern an der kleinen Promenade ein original erhaltenes US-Landungsschiff und eine Stele zu Ehren der Soldaten, die bei der Landung 1944 gekämpft haben.

Und wenn ihr schon einmal hier seid, dann verpasst auch nicht den kleinen Fischereihafen von Poussaï. An seiner Via Cordata du Dramont könnt ihr im Sommer mit Führer auf dem Felskap am Seil zum Meer hinab klettern.

Wer die Wanderung nachlaufen möchte: Routen-Infos zur 3,5 km langen Rundroute gibt es hier. Achtung: Bei Mistralwind kann die Strecke im Sommer gesperrt sein!

Strand am Esterel-Gebirge an der Côte d'Azur. Foto: Hilke Maunder
Eine kleine Bucht, einige Kiesel. der Blick aufs Meer: Badeparadies à l’Esterel. Foto: Hilke Maunder

Esterel: meine Reiseinfos

Interessante Orte

Agay

Agay heißt auf Griechisch „günstig“, und das war für die ersten Besucher in der Antike der Ort wirklich: Die Bucht zwischen Cap Dramont und der Pointe de la Baumette gelegen, schützt der 288 Meter hohe Rastel d’Agay.

Mit der Ankunft der Bahn kamen ab 1860 viele Künstler nach Agay. Maler wie Louis Valtat, Komponisten wie Vincent d’Indy, Schriftsteller wie Guy de Maupassant, Albert Cohen und Maurice Donnay.  Ganz begeistert von dort war der Autor des kleinen Prinzen,an den heute ein Brunnen für den kleinen Prinzen erinnert. Er schwärmte:

Agay est un paradis où même la poussière est parfumée
Agay ist ein Paradies, wo selbst der Staub parfümiert ist…

Antoine de Saint-Exupéry

La Napoule

Der Doppelname verrät es: La Napoule ist heute ein Ortsteil von Mandelieu, der selbst ernannten Hauptstadt der Mimose. Dort beginnt die Mimosenstraße, die mitten im Winter Frühlingsgefühle verbreitet. Klickt hier für mehr Infos.

Mimosen: Auch in Latour-de-France in den Ostpyrenäen blühen sie im Winter! Foto: Hilke Maunder
Mimosen… fast schon kann man sie riechen…  Foto: Hilke Maunder

Miramar

In der Bucht von Figueirette findet ihr den exklusiven Badeort Miramar mit seinem Jachthafen. Noch im 17. Jahrhundert fingen die Fischer dort Thunfisch. Heute züchtet eine Aquafarm Doraden und Seeteufel.

Théoule

Richelieu war einer der ersten, der hier am Meer ein Schloss erbauen ließ. Später wählten Prominente wie Jean Sablon, der Bing Crosby von Frankreich, Flugzeugbauer Serge Dassault und Modemacher Pierre Cardin Théoule zum Zweitwohnsitz. Erst Anfang des 20. Jahrhundert wurde Théoule eigenständig. Und erklärte 80 Prozent des Gemeindegebietes zur Grünzone.

Ein architektonisches Unikum findet ihr oberhalb von Théoule: eine Villa, die fast nur aus Bullaugen zu bestehen scheint und weder ein richtiges Dach noch ordentliche Fassaden besitzt. Sondern organisch, wie eine Skulptur, hingeworfen wurde in die Natur, die sie erobert hat. So, wie ihr auf ihr herumspazieren könntet.

Entworfen hat sie Antti Lovag, der bei Jacques Couëlle in die Lehre gegangen ist. Der französische Architekt Couëlle hat mit der Maison de l’Escaillon in Saint-Jean-de-l’Esterel (1981) eine zweite ungewöhnliche Architektur-Villa am Esterel hinterlassen. Und auch die Feriensiedlung Port La Galère stammt von dem Erfinder der bewohnbaren Skulpturen.

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6 Kommentare

  1. Hallo Hilke,
    nach längerer Zeit diesen Artikel mal wieder gelesen.
    Seit 1985 immer wieder , zumeist im Frühjahr mit dem Wohnmobil (damals ein umgebauter R4F6!, später dann schon etwas komfortabler) dieses herrliche Fleckchen Erde besucht. Insbesondere in Agay auf dem Campingplatz ein „Zuhause“ gefunden.
    Letztes Jahr ist die Frühlingstour wegen des ersten Lockdowns ausgefallen, umso mehr hoffen wir, dass es dieses Jahr um Ostern herum wieder klappt.

    liebe Grüße
    Uwe

  2. Immer wieder schön. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft wir an der Küste entlang oder oben durchs Gebirge gefahren sind. Es gibt Dinge, die lohnen sich immer wieder aufs Neue anzusehen, egal zu welcher Jahreszeit. Für mich einer der schönsten Abschnitte der südfranzösischen Küste, besonders an einem sonnigen Wintertag, wenn dort nicht viele Autos dort unterwegs sind.

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