La Galette des Rois: Wer hat Glück?

Am 6. Januar wird in Frankreich eine Galette des Rois verzehrt, in der Hoffnung, den darin versteckten Glücksbringer zu finden, der einen für einen Tag zum König/zur Königin macht. Foto: Hilke Maunder
Am 6. Januar wird in Frankreich eine Galette des Rois verzehrt, in der Hoffnung, den darin versteckten Glücksbringer zu finden, der einen für einen Tag zum König/zur Königin macht. Foto: Hilke Maunder

Zu den leckersten Kuchen aus Frankreich gehört für mich die Galette des Rois, die traditionell am 6. Januar, dem Dreikönigstag (Epiphanias), genossen wird. Das Kuchenschlemmen geht einher mit einem ganz besonderen Ritual, das – zumindest einen Gast der Kaffeetafel – zum roi pour un jour, zum König eines Tages macht und ihm Glück fürs ganze Jahr bescheren soll.

Eine Bohne bringt Glück

Wenn er denn der Glückliche ist, der die fève, eine kleine Figurine oder das Geldstück gefunden hat, die in der Galette verborgen ist. Ursprünglich war es tatsächlich eine trockene Saubohne, eine fève, die in den Teig der Galette des Rois kam.

Heute nimmt man ein Geldstück oder eine Figurine aus Porzellan. Manche Franzosen lieben sie so sehr, dass sie sie sammeln. Damit jeder die gleichen Chancen hat, muss sich der Jüngste der Anwesenden sich unter den Tisch hocken. Dort muss er blind auf die Frage antworten. „Roudoudou, pour qui est ce morceau-là ?“ Für wen ist dieses Stück?“

Er nennt die Namen, bis alle Anwesenden ein Kuchenstück erhalten hat. Der Kuchenschmaus beginnt. Wer schließlich beim Genuss der luftig-leckeren Galette auf etwas Hartes beißt, schreit nicht aië !

Sondern freut sich. Denn er ist der roi pour un jour. Zum Zeichen seiner Ehre wird dem König des Tages eine Papierkrone aufgesetzt. Bei gekauften Kuchen liegt sie oft bei.

La Galette des Rois. Foto: Hilke Maunder
Unsere Galette des Rois. Foto: Hilke Maunder

König für einen Tag

Wir haben unsere selbst gebastelt – und wer sie trägt, darf sich feiern lassen. Am liebsten machen es die Franzosen mit Champagner. Und immer, wenn der König sein Glas an die Lippen führt, rufen sie voller Freude: “ Le roi boit, le roi boit „– „Der König trinkt“.

Das Ritual um diesen Kuchen begeistert die Franzosen. Es ist ein Fest, das das ganze Land erfasst. Daher wird es längst nicht nur am 6. Januar gefeiert. Sondern der Kuchen, landauf, landab, vom 2. bis 15. Januar verkauft.

Im Süden von Frankreich gibt es neben der klassischen Galette feuilletée aus Blätterteig noch die Galette provençale aus Briocheteig. Der provenzalische Dreikönigskuchen, der überall im Midi erhältlich ist, wird traditionell aus Hefeteig hergestellt und mit kandierten Früchten dekoriert.

La Galette des Rois: das Rezept

Zutaten

  • Blätterteig, zwei Kreise, Ø 30 cm
  • 125 g Puderzucker
  • 125 g fein geriebene Mandeln
  • 100 g weiche Butter
  • 2 Eier
  • 1 Eigelb
  • 2 EL dunkler Rum
  • Mandelaroma-Essenz

Zubereitung

  • Den ersten Blätterteigkreis in eine runde, gefettete oder mit Backpapier ausgelegte Backform legen. Puderzucker, Mandeln, Butter, Eier, Rum und Mandelaroma zu einer geschmeidigen Masse verarbeiten, auf dem Teig verteilen.
  • Achtung! Am Rand rund 1 cm frei lassen! Den Rand mit Wasser bestreichen, die zweite Blätterteigplatte auflegen, mit der Gabel den Rand eindrücken und so beide Platten gut verbinden.
  •  Den Teigdeckel mit Eigelb bestreichen. Mit einer Messerspitze ein Muster in die obere Platte ritzen und an einige Stellen mit der Gabel einstechen, damit der Mandelfladen nicht zu sehr aufgeht.
  • Wer mag, dekoriert die Platte noch mit Mandelsplittern. Im vorgeheizten Ofen bei 200 °C rund 25 Minuten goldgelb backen und noch warm servieren. Lecker!

La Galette des Rois, Version Süd (Couronne des Rois)

Zutaten

Vorteig

  • 120 ml Milch
  • 125 g Mehl
  • 12 g frische Bäckerhefe

Hauptteig

  • 250 g Mehl
  • 2 Eier
  • 50 g Zucker
  • 5 g Salz
  • 200 g Butter
  • 1 Teelöffel Orangenblüte
  • 1 Vanilleschote

und natürlich eine kleine Glücksfigur!

Dekoration

  • 1 Ei
  • 70 g kandierte Früchte
  • 100 g Hagelzucker
  • 1 abgeriebene Orange

Zubereitung

  • Erhitzt die Milch in einem Topf auf 30 °C und gebt sie dann in einen Rührschüssel. Bröselt die frische Bäckerhefe hinein und verrührt sie so gut, bis sie vollständig aufgelöst hat. Rührt dann das Mehl in den Vorteig und lasst den Teig eine Stunde lang ruhen, ohne umzurühren.
  • Gebt nach der Stunde das restliche Mehl, den Zucker, das Salz und die verquirlten Eier hinzu und knetet den Teig mit dem Knethaken des Mixers. Beginnt das Kneten mit zuerst fünf Minuten auf langsamer Geschwindigkeit. Danach folgen weitere fünf Minuten bei mittlerer Geschwindigkeit.
  • Gebt die restlichen Zutaten für den Brioche-Teig hinzu: die weiche Butter in Stücken, das Mark der Vanilleschote, die fein geschnittene Orangenschale und das Orangenblütenwasser. Mixt den Teig erneut. Nach fünf Minuten sollte der Teig so gut abgebunden sein, dass er sich ohne Rückstände vom Schüsselrand löst.
  • Deckt die Schüssel des Mixers mit einem sauberen, nebelfeuchten Tuch ab und lasst den Teig eine Stunde lang bei Raumtemperatur ruhen.
  • Formt danach den Teig zu einer Kugel. Bestäubt die Arbeitsfläche mit Mehl und rollt den Teig dort zu einem rund einen Zentimeter hohen Kreis aus. Er dürfte dann einen Durchmesser von 20 Zentimeter haben. Gebt nun die kleine Glücksbringer-Figur sanft etwas in den Teig ein.
  • Stanzt nun mit dem Ende eines Nudelholzes oder dem Rand eines Glases ein Loch in die Mitte des Teigs.
  • Drück den inneren Teigrand zusammen und klappt ihn nach außen. Nach und nach sollte das Loch in der Mitte allmählich größer werden und das Roh-Brioche Falten erhalten.
  • Legt Backpapier auf das Backblech und platziert die Brioche mit den Falten nach unten darauf. Lasst es so, abgedeckt mit einem nebelfeuchten Tuch, 90 Minuten lang bei Raumtemperatur aufgehen und wachsen.
  • Heizt euren Backofen auf 175 °C vor.
  • Bis die Backtemperatur erreicht ist, erfolgt das Verzieren. Bestreicht dazu den Rohling mit einem Pinsel mit verquirltem Ei und bestreut Sie ihn mit kandierten Früchten und Hagelzucker.
  • Backt den Kuchen danach auf mittlerer Schiene rund 25 bis 30 Minuten im Ofen, bis er goldbraun und gar ist. Vor dem Verzehr vollständig abkühlen lassen!

Bon appétit und viel Glück!

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15 Kommentare

  1. Hallo Frau Maunder,
    Danke für den schönen Blog, in dem ich eine Menge Neues über den Dreikönigskuchen erfahren habe.
    Gestern habe ich bei einem französischen Bäcker in Berlin den Kuchen gekauft und wollte mehr darüber wissen.
    In der ersten Runde des Nachmittagskaffees hat sich die Figur noch nicht angefunden, wir machen heute weiter (sind zu zweit :-).
    Es ist ein leckerer Kuchen und eine schöne Tradition.
    Viele Grüße Mirko König
    (für mich ist es das ganze Jahr über Alltag)

  2. Liebe Hilke
    Danke für dieses traditionelle Rezept
    Sag mal: kommt in die Füllung auch das Eigelb oder ist das nur für den Blätterteigdeckel??
    Mache mich heute Abend an das backen….
    Herzlichen Dank, freue mich auch immer sehr über die Interessenten Newsletter
    Anette

  3. Hallo Hilke! Hier sind Aileen und Leonie, die gerade an ihrer Französischprüfung für die Schule sitzen.
    Unsere Themen sind französische Feste und Feierlichkeiten. Zur fête de rois schreiben wir auch etwas und hoffen dass wir mit Hilfe Ihres ausgefallenen Rezeptes uns einen Extrapunkt ergattern können.
    A+

    • Coucou Leonie! Bonne chance!!! Das Rezept machten wir jedes Jahr, bis meine Tochter ihr Abibac in der Tasche hatte. Drücke den Daumen für einen Extrapunkt! Bises, Hilke

  4. Habe den Kuchen gestern gebacken und er war total lecker. Anstatt Marzipan Aroma habe ich echte Vanille genommen, da ich die synthetischen Aromastoffe nicht benutze. Die Erwachsenen hatten auch ihren Spaß an der versteckten Münze und er war innerhalb kürzester Zeit aufgegessen

    • Liebe Eleonore, das ist ja schön – ja, echte Vanille ist natürlich besser! Aber meinen Lieben schmeckt er so besser… Die Idee mit der Münze ist ja toll!!
      Viele Grüße, Hilke

  5. Bonjour Hilke,
    die Galette des Rois ist auch einer meiner Lieblingskuchen. Da Mandel hervorragend zu Birnen passt, legen wir auf die Frangipane (=die Mandelmasse) abgetropfte Birnenhälften aus der Dose (in dem Loch des ausgestochenen Kerngehäuses lässt sich auch wunderbar die Fève verstecken). Dann, wie in eurem Rezept beschrieben, den zweiten Blätterteig drauflegen, mit dem Eigelb bestreichen und über jeder Birnenhälfte ein kleines Loch machen, damit der beim Backen aus den Birnen austretende Dampf entweichen kann.
    Bonnne dégustation
    Robert de Paca

    • Sabine, sie wird es mögen – die Galette ist megalecker! Viel Freude beim Nachbacken und Genießen! Mit Fimo kann man auch toll selber kleine Figuren basteln. Oder Steine mit Ökolack verzieren. Oder ganz traditionell eine Bohne nehmen – oder, als einen Ring o.ä. darin verstecken :-)). Bises, Hilke

  6. Vor zwanzig Jahren lebte unsere Familie für einige Zeit in Paris. Damals waren unser Kinder noch klein. Sie erzählen heute noch von den Galette des Rois, die meine Frau gebacken hatte. Wer in seinem Stück eine ganze Mandel hatte, durfte die Krone aufsetzen. Da wir die Kinder nicht enttäuschen wollten, war in jedem zweiten Stück eine Mandel eingebacken. Natürlich hatten wir auch mehrere Kronen …

  7. Liebe Frau Maunder,

    herzlichen Glückwunsch zur Médaille de Tourisme! Und viel Glück und Erfolg für Sie und Ihre Familie im neuen Jahr!

    Ihr treuer Leser

    Thomas Mayer

    • Lieber Herr Mayer,
      bonne année auch für Sie! Und danke für die virtuellen Blumen!! Wenn Sie gerne einmal ein Thema aufgegriffen hätten, verraten Sie es mir – ich bin jeden Monat in Frankreich unterwegs.
      Bien cordialement, Hilke Maunder

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