Guadeloupe: die Farben des Schmetterlings

Guadeloupe: Die Zipfel der Haube verraten, ob eine Frau verheiratet ist. Foto: Hilke Maunder
Die Zipfel der Haube verraten, ob eine Frau verheiratet ist. Foto: Hilke Maunder

Guadeloupe? Liegt das nicht vor Afrika? Nicht selten hörte ich diesen Kommentar, als ich von meiner kleinen Winterflucht erzählte.

Statt dunkler Tage mit Matsch und Nieselregen und einer Kälte, die immer tiefer in den Körper kriecht, lockt das Inselreich in den französischen Antillen das ganze Jahr hindurch  mit tropischen Temperaturen, Licht, Blütendüften und intensiven Farben.

Guadeloupe: Blüte der Zier-Banane, zu bewundern im botanischen Garten von Deshaies. Foto: Hilke Maunder

Der Archipel in den karibischen Antillen versetzt die Sinne sofort in einen Rausch. Und birgt auf engstem Raum so viel Vielfalt und Abwechslung, Ruhe oder Trubel, Regenwald oder Sandstrand, das jede Biegung neue Eindrücke und Erlebnisse bietet.

Die beiden Hauptinseln des insgesamt 1630 Quadratkilometer großen Archipels bilden einen Schmetterling. Im Westen des papillon liegt die wilde, vulkanische Basse-Terre. Im Osten findet ihr das flache Kalkplateau der landwirtschaftlich geprägten Grande-Terre.

Die Passatwinde sorgen für tropisches Grün auf der Karibikinsel. Foto: Hilke Maunder

Als Leeward Island bzw. Insel über dem Wind steht Guadeloupe wie auch seine Nachbarinsel Martinique im Einfluss des Nordostpassats. Der kräftige Wind sorgt für imposante Wolkenberge am Himmel.

Und wolkenbruchartige Schauer, die vor allem zur Regenzeit von August bis November auf die Inseln niederprasseln. Doch so schnell, wie die Schauer gekommen sind, verschwinden sie auch wieder – und strahlt die Sonne heiß vom blank geputzten Himmel.

Echte Einsamkeit findet ihr hier nur wenig. Mit rund  400.000 Einwohnern ist Guadeloupe recht dicht besiedelt. Das Gros der Bevölkerung lebt im Ballungsraum Pointe-à-Pitre/Les Abymes/Baie Mahaut, zugleich das wirtschaftliche Hothouse der Inseln. Die Hauptstadt ist Basse-Terre auf dem gleichnamigen Inselteil. Sie schläft noch den Dornröschenschlaf ….

Ddas Rathaus von Basse-Terre. Foto: Hilke Maunder

Die vielen Farben des Schmetterlings

Von Pointe-à-Pitre führen autobahnähnliche Schnellstraßen hinüber nach Basse-Terre. Gewerbegebiete mit Marken, wie sie allerorten in Europa und Frankreich zu finden sind, säumen das Asphaltband.

Riesige Werbetafeln trommeln für hochmotorisierte Autos, schnelles Internet und kraftvolle Klimaanlagen. Kreolisch und Französisch paaren sich auf den Postern im bunten Mix. Die Preise sind stets in Euro angegeben. Guadeloupe gehört als Überseeterritorium Frankreichs zur EU.

Auf einer Brücke saust ihr über die Rivière Salée nach Basse-Terre. An ihrer engsten Stelle ist die Meerenge gerade mal nur 50 Meter breit!

Man zeigt, was man hat – auch in Nogent. Foto: Hilke Maunder

Basse-Terre

Quer durch den Regenwald oder  immer der Küste entlang? Das ist die wichtigste Frage, wenn man die Insel im Westen des Schmetterlings erkunden möchte. Mit einer Größe von 848 Quadratkilometern ist sie nur ein wenig kleiner als Berlin. Aber ungleich höher und hügeliger!

Doch das erst seit 1530. Denn damals schuf ein enormer Vulkanausbruch das heutige Bergmassiv von Basse-Terre. Als Christoph Kolumbus 1493 auf seiner zweiten Reise die Insel entdeckte, sah sie noch ganz anders aus!

La Traversée – die Kreisstraße durch die Inselmitte. Foto: Hilke Maunder

Wilde Wasser & grüne Wunder: der Nationalpark Guadeloupe

Die D 23 durchquert als schnelle Ost-West-Verbindung die Insel. Die Traversée führt dabei mitten durch den Nationalpark Guadeloupe. Der Parc national de la Guadeloupe schützt seit 1989 rund um den höchsten Gipfel der gesamten französischen Antillen einen tropischen Regenwald. Mit 300 Baumarten, 270 Farn- und 100 Orchideenarten besitzt besonders die Flora eine unglaubliche Vielfalt.

Bis zu zwei Meter lang sind die herzförmigen Blätter des Philodendron giganteum, der an Baumriesen hochklettert und an Straßenrändern rankt. “Der perfekte Regenschutz”, sagt mein Guide Taïna Tharsis. Mit einem verschmitzten Lachen steckt sie  den Kopf zwischen die Blattspalte am Stiel.

Regenschutz aus dem Regenwald: das Blatt des Philodendron giganteum. Taïna Tharsis ist hinein geschlüpft. Foto: Hilke Maunder

Sekunden später schreit sie laut auf. Bienen haben sie gestochen. Sie hatten ihre Waben auf der Blattunterseite gebaut. Dann leuchten Porzellanblumen wie fein getöpfert aus dem dichten Grün, versperren Lianen mit Widerhaken den Weg, gurgelt und plätschert es am Weg.

Fünf Minuten vom Parkplatz entfernt hat die Cascade aux Ecrevisses einen herrlich erfrischenden Badepool im Dschungel geschaffen.

Berühmter als die “Flusskrebsfälle” sind die Chutes du Carbet, die in drei Stufen als schmales Band hinab in Naturpools fallen. Einsamer und versteckter sind die Badebecken des Saut d’Acomat.

Der Flusskrebswasserfall im Herzen des Nationalparks. Foto: Hilke Maunder

Wer gut zu Fuß ist und Kondition besitzt, kann von den Wasserfällen in rund vier Stunden den Gipfel von La Soufrière (1.467 m) erklimmen.

Meist hüllt sich der Kraterrand des Vulkans in Wolken. Doch wenn sie aufreißen, ist das Panorama atemberaubend – und entschädigt für den Aufstieg in der feuchtkalten Schwüle.

Denn kalt ist es wirklich. Nur 15 Grad herrschen oben am Gipfel, für karibische Verhältnisse arktische Temperaturen, die Regen, Starkwind und Schwefelgase begleiten.

Die einheimischen Waschbären der Insel. Foto: Hilke Maunder

Auf dem Chemin des Dames steigen die Wanderer hinab. Ihr Ziel sind die Bains Jaunes. Die “Gelben Bäder“ bergen 30 Grad warmes, leicht schwefeliges und sehr eisenhaltiges Badewasser.

Am Fuße des Vulkans La Soufrière erntet Dr. Henry Joseph das “grüne Gold” von Guadeloupe. Er gehört zu den Pionieren der Pytokosmetik.

Bereits 2005 hatte der Apotheker und Pharmazeut mit dem Chemieprofessor Paul Bourgeouis das Labor von Phytobôkaz in Goubeyre gegründet.

Die Tillandsia dyeriana ist eine “Tochter der Luft”: Sie gedeiht ohne Erde. Foto: Hilke Maunder

Seitdem stellen sie dort Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika mit Wirkstoffen der karibischen Flora her. Besteller ist ihr Virapik-Sirup, der die heilenden Eigenschaften eines bitteren Inselstrauches nutzt. Der Zèb à Pik vertreibt Stress und Anspannung. Das wussten bereits die amerindianischen Ureinwohner von Guadeloupe!

Die Querspange durch den Regenwald endet vor der Küste am Zoo de Guadeloupe. Dort begegnet euch gleich am Eingang die bekanntesten Insel-Tiere: Raccoons, wirbelige wie wuschelige schwarz-weiße Waschbären. Immer tiefer führen die Wege vorbei an den Gehegen in den Regenwald – und schließlich auch als Klettergarten in 25 m Höhe direkt durch die Wipfel der Veteranen.

Hochfühle: die Hängebrücken im Zoo. Foto: Hilke Maunder

Die Küstenrunde von Basse-Terre

Wer von Pointe-à-Pitre auf Basse-Terre  auf der Küstenstraße N 1 gen Süden fährt, erreicht nach Petit-Bourg und Goyage inmitten riesiger Bananenfelder das Örtchen Capesterre-Belle-Eau.

Capesterre-Belle-Eau

Um 1850 ließ dort die Familie Dumanoir als prächtige Zufahrt zu ihrem Anwesen eine Allee aus 450 Königspalmen anlegen. Als ein verherrender Hurrikan die herrschaftliche Allée Dumanoir 1928 zerstörte, wurde sie 1933 neu gepflanzt. Heute sind die Palmen bereits wieder weit über 30 Meter hoch. Ein Hingucker gleich neben der Nationalstraße!

Grandeur in Grün: die Allée Dumanoir von Capesterre. Foto: Hilke Maunder

Mitten im alten Ortskern findet ihr Laura Castry. In der Rue Notre-Dame 23 fertigt die 46-Jährige in ihrem Bungalow aus Kokosnuss handgemachte Seifen, Crèmes und Körperöl. 30 kg Kokosnuss braucht sie für einen Liter Öl.

Zimt, Kaffee, Kakao und exotische Aromen verleihen ihren Pflegeprodukten den inseltypischen Duft. Jeden Bestandteil der Frucht verwertet die gelernte Kosmetikern, die stolz auf ihre Zero-Waste-Fertigung im eigenen Heim ist. Und die Fasern der Schalen als Naturdünger für den Garten in großen Säcken verkauft.

Guadeloupe: Laura Castry verwandelt die Kokosnuss in Kosmetik, Foto: Hilke Maunder

Trois-Rivières

Mitten im tropischen Grün grinst euch ein Smiley an. Mal sind die Gesichter allein zu sehen, mal übereinander gelegt, dann wieder mit Körpern versehen. Rund 230 Gravuren haben Archäologen auf den Felsen von Basse-Terre, und vor allem rund um Trois-Rivières, entdeckt.

Im einen Hektar großen Parc Archéologique des Roches Gravées sind sie seit 1975 ausgestellt, eingebettet in üppige tropische Vegetation.

Noch immer bergen sie ein Geheimnis. Vermutlich wurden sie ab dem 3. Jahrhundert von den indianischen Arawaken aus Venezuela, die damals Guadeloupe bewohnten, in den Fels geritzt.

Smileys der Vorzeit: die Petroglypen der Roches Gravées. Foto Hilke Maunder

Im 13. Jahrhundert kamen die Kariben, 1494 Kolumbus. Er gab den Inseln die Namen, nahm sie aber nicht Besitz. Das taten die Franzosen, Engländer, Spanier und Holländer, die sich um die Antillen stritten – und ihnen neben Zuckerrohr und der Sklaverei auch riesige Festungsbauten brachten.

Vieux-Fort

Ihnen begegnet ihr entlang der D 6, die euch entlang der Küste zur kleinsten Gemeinde von Guadeloupe bringt. Doch in einem ist das Fischerdorf Vieux-Fort ganz groß: Es besitzt einen weißen Leuchtturm, der die Einfahrt zum Hafen von Basse-Terre markiert. Ein paar Stufen führen die Felsen hinab zum Meer – perfekt zum Baden und Schnorcheln!

Der Leuchtturm von Vieux-Fort. Foto: Hilke Maunder

Basse-Terre

Wenig weiter wacht wuchtig das Fort Delgrès über die Hauptstadt Basse-Terre. Das einstige Fort Saint-Charles erinnert mit seinem heutigen Namen an den Freiheitskämpfer Louis Delgrès. Delgrès kämpfte zwar für das revolutionäre Frankreich, lehnte aber die Wiedereinführung der Sklaverei durch Napoleon Bonaparte ab.

Als er sah, dass sein Kampf aussichtslos war, sprengte sich Delgrès mit seinen Getreuen selbst in die Luft, um einer  Gefangennahme zuvor zu kommen. Mit einer Büste, die Hinkelsteine umgeben, ehrt Guadeloupe hier heute Delgrès.

Ebenfalls im Fort findet ihr die Gräber von General Richpance und Admiral Gourbeyre. Nur selten verirren sich Besucher in die weitläufige Anlage und ihr Museum. Dabei ist der Besuch kostenlos, die Aussicht grandios – und das Buschwerk ringsum das Versteck der Leguane!

Schützte einst die Hauptstadt – das Fort Delgrès. Foto: Hilke Maunder

Bouillante

Guadeloupe ist ein Schmelztiegel der Kulturen. Das zeigt das Departement mit der Ordnungsnummer 971 auch in der Küste. Colombo oder Côte de Bœuf, Accras oder Foie Gras, Kochbanane oder Baguette: Französische Klassiker und kreolische Küche sind auf der Speisekarte friedlich vereint.

Wie sich die kulinarischen Einflüsse gegenseitig befruchten, zeigt Jimmy Bibrac nördlich von Bouillante im Gourmetrestaurant Ô Z’Épices. Gault et Millau zeichnete den jungen Einheimischen als Koch des Jahres 2020 aus!

Jimmy Bibrac – für Gault et Millau der Koch des Jahres 2020. Foto: Hilke Maunder

Malendure

Am Strand von Malendure drängen sich die Buden der Tauchshops. Ziele der Taucher sind die Korallenbänke der Îlets de Pigeon. Wer schnorchelt, hofft, den Meeresschildkröten zu begegnen, die in der Bucht die Seegrasbetten abernten.

Auch wenn der Meeresforscher Jacques Cousteau einen 300 ha großen Unterwasserpark absteckte, der sich heute Réserve Cousteau nennt, ist das Unterwasserleben weniger vielfältig als erwartet. Denn der Naturschutz lässt einige Ausnahmen zu. So dürfen bis heute Berufsfischer dort fangen, wenn auch nur mit traditionellen Methoden.

Mehr Schutz gibt es weiter draußen im Sanctuaire Agoa,  das 2012 als 143.256 Quadratkilometer großes Schutzgebiet für Pott- und Buckelwale, Fleckendelfine und andere Meeressäuger zwischen Guadeloupe und Martinique entstand.

Die Bucht von Malendure. Foto: Hilke Maunder

Pointe-Noire

Nicht auf dem Meer fangen, sondern nachhaltig züchten: Mit dieser Idee haben Patrick Boucher und François Herman eine Fischkooperative gerettet und mit ihrem Parc Aquacole eine Fischzucht geschaffen, die anders ist.

Sie züchten einheimische Fische und Flusskrebse wie den Ouassou, der in der freien Natur nahezu verschwunden ist, und klären Besucher bei den Führungen über nachhaltige Fischzucht auf.

Ebenfalls in Pointe-Noire lebt und arbeitet Michel Coste. Monsieur ist durch und durch ein Aréonophile, ein geradezu süchtiger Sammler von Sand. Aus dem schwarzen, weißen, roten und goldgelben Sand der Insel fertigt er Sandbilder, die genauso facettenreich und farbig sind wie die Inseln.

Michel Coste ist ein leidenschaftlicher Sportfischer – und hat auch den blauen Marlin mit Sand gemalt. Foto: Hilke Maunder

Fehlt ihm ein Sand, nimmt der 68-Jährige einen Fels und zermahlt ihn eigenhändig zum Malmaterial. Oder trennt gemischten Sand mit einem Magneten oder einer anderen raffinierten Technik zu sortenreinen Farben.

Die Passion der Sandmalerei hat längst auch seine Frau Marie (57) entdeckt, die aus Nantes vor 30 Jahren auf die Insel kam. Resolut staubt mit dem Besen die Bilder im Showroom von Rêve de Sable ab, ehe sie ihr nächstes Werk beginnt. 80 Grundfarben aus feinstem Stein stehen fein gemahlen vor ihr. Ein Holzbrett, Leim, und schon beginnt sie zu malen.

Marie Coste von Rêve de Sable. Foto: Hilke Maunder

Deshaies

Die franco-britische Fernsehserie Death in Paradise machte dieses kleine Fischerdorf an der Nordwestküste von Basse-Terre berühmt. Seitdem gibt es entlang der Hauptstraße ein paar mehr Lokale, und Serienfans aus aller Welt genießen auf  kleinenTerrassen den Sonnenuntergang über der malerischen Bucht.

In nächster Nähe findet ihr zwei der schönsten Badestrände von Basse-Terre: die Plage de la Grande Anse und die weniger bekannte Anse de la Perle, die kleiner und intimer ist.

Von der Pier springen die einheimischen Jungs in die Bucht. Auch Salti versuchen sie. Foto: Hilke Maunder

Berühmt ist Deshaies auch für seinen 2001 eröffneten Jardin Botanique. Auf dem  1,5 km langen Rundweg durch den sieben Hektar großen botanischen Garten könnt ihr die Pflanzen- und Tierwelt der Karibik und anderer tropischer Regionen entdeckt.

In großen Volieren könnt ihr Aras, Loriquet- und Honigpapageien hautnah entdecken; durch einen Teich mit Koi-Karpfen stolzieren Flamingos und picken mit ihren großen Schnäbeln nach Nahrung.

Ein Aboretum stellt euch riesige Würgefeigen und stachelige Fromager-Bäume vor. Unter dem Baum der Reisenden blühen Anthurien und Heliconien, im ariden Themengarten die Wüstenrose.

Der “Baum des Reisenden” thront über der tropischen Blütenpracht des Jardin Botanique von Deshaies. Foto: Hilke Maunder

Sainte-Rose

Vorbei an der steinigen Anse de Nogent, wo die Einheimischen noch mit großenWurfnetzen vom Ufer aus den Fisch aus den Fluten ziehen, kommt ihr nach Sainte-Rose im Norden von Basse-Terre. Im Fischerhafen starten Törns in den Mangrovenwald des Naturschutzgebiet Carénage.

Im seichten Wasser haben die Mangroven kleinere und größere Inseln gebildet. Tausende Krabben, Schnecken und Schlammspringer tummeln sich dort. Schöner als vom Holzkahn aus könnt ihr die Tiere beim Paddeln beobachten – leiht euch ein Kanu oder schließt euch einer geführten Tour an!

Die Inselwelt der Mangroven vor Sainte-Rose. Foto: Hilke Maunder

Grande-Terre

Über die Rivière Salée geht es zurück nach Grande-Terre.

Pointe-à-Pitre

Riesige Plattenbau-Siedlungen umgeben die Hafenstadt Pointe-à-Pitre. Viele dieser Wohnungen und Verwaltungsbauten sind asbestverseucht, stehen leer und werden sukzessive mit millionenschweren Investitionsprogrammen und Hilfe der EU ersetzt von Neubauten, die immer öfter auch nachhaltig errichtet werden.

Zum gigantischen Stadtumbau gehören auch neue Prestigebauten wie das Mémorial ACTe. Stadtplaner und Touristen schwärmen vom architektonischen Wahrzeichen des neuen Guadeloupe, die Einheimischen weniger. Das Geld hätte besser in die Sanierung unserer historischer Viertel gesteckt werden müssen, sagen sie.

Das ACTe erinnert mit seiner Architektur ein wenig an das MuCEM von Marseille. Foto: Hilke Maunder

Umso intensiver engagieren sich Vereine wie Pli bel la ri (plus belle la rue – unsere Straße soll schöner werden) um die Aufwertung der alten, hafennahen Viertel. Und auch Stadtführer Enoch Baptiste liegt es am Herzen, nicht nur die touristischen Attraktionen zu zeigen, sondern die vielen verschiedenen Facetten seiner Heimatstadt.

Enoch Baptiste zeigt euch Pointe-à-Pitre im Elektro-Tuk-Tuk. Foto: Hilke Maunder

Vor vier Jahren holte er aus Amsterdam ein Elektro-Tuk-Tuk nach Pointe-à-Pitre. Mit diesem saust er bei seinen Ti Balad’ Peyi Pousse Pousse die Gassen hinauf zur Polyklinik. Von dort oben habt ihr den besten Blick auf die Hafenstadt.

Den schönsten Blick auf Pointe-à-Pitre habt ihr von der Poliklinik. Foto: Hilke Maunder

Le Gosier

Hier konzentrieren sich die großen Resort-Anlagen, findet ihr das Kasino und viele Touristen-Lokale. Für die Einheimischen ist Le Gosier der “Ballermann” von Guadeloupe.

Die hohe Dichte von touristischen Einrichtungen schreckt manche ab. Doch auch hier ist die Küste einfach traumhaft. Das zeigt schon der Blick vom Aussichtspunkt im Zentrum von Le Gosier.

Ist er nicht traumhaft, der Blick vom Aussichtspunkt in Le Gosier? Foto: Hilke Maudner

Gut zu wissen: Alle Hotelstrände sind in Frankreich stets öffentlich. Einfach durch die Anlagen gehen und das Baden im Meer genießen. Colbert, Finanzminister des Sonnenkönigs Ludwig XIV., hatte einst die Küstenlinie Frankreichs für jeden zugänglich gemacht.

1976 bestätigte dies ein noch heute gültiges Gesetz. Drei Meter Strand, gemessen vom Meeressaum der höchsten Flut des Jahres, sind für die Öffentlichkeit frei zu halten.

Die Ausnahme: Nur, wo ein vor 1976 gebautes Gebäude weniger als 15 Meter vom Meer entfernt steht, wiegt das Recht auf Privatsphäre stärker.

Spaziert also ganz gelassen durch die Resorts. Denn viele der schönsten Insel-Strände von Guadeloupe verstecken sich nicht nur in Le Gosier hinter großen Hotelanlagen.

Pelikan beim Fischfang in der Bucht von Le Gosier. Foto: Hilke Maunder

Sainte-Anne

Zum Trio der Badeorte an der Südküste von Grande-Terre gehört Sainte-Anne mit seinen Karibikstrand, der sanft abfällt und daher besonders familienfreundlich ist. Palmen bieten Schatten. Mit etwas Glück seht ihr wilde Leguane an der Plage de la Caravelle, wo ihr auch den Club Med findet.

Oder einen Künstler trefft, der gerne dort am Flutsaum entlang bummelt. Alex Boucaud ist Autodidakt. Sein erstes Holzstück bearbeitete er 2004 noch mit Hammer und Meißel.

Doch inzwischen beherrscht er die Kettensäge meisterhaft – und gestaltet in der Nähe von Sainte-Anne aus Mahagoni- und Mango-Holz maskenförmige Wandleuchten, Lampenfüße und Statuen mit Totempfahlsilhouetten.

Der Palmenstrand von Sainte-Anne. Foto: Hilke Maunder

Saint-François

Allerfeinstes Karibik-Flair bietet auch die Plage des Raisins Clairs von Saint-François, dem östlichsten Badeort der Südküste. Folgt dann der D 118 gen Osten. Auf halbem Weg zur Ostspitze parken plötzlich einige Fahrzeuge am rechten Fahrbahnrand.

La Douche hat jemand mit Farbe auf die Steine geschrieben. Ein Saumpfad bringt euch in wenigen Minuten zur Dusche. Hoch lässt eine Felsbarriere das Meer bei jeder Welle in einen Naturpool spritzen.

Wilde Naturdusche des Atlantiks: la Douche bei Saint-François. Foto: Hilke Maunder

Pointe des Châteaux

Die D 118 endet im äußersten Osten am Parkplatz der Pointe des Châteaux. Hinauf zum Gipfelkreuz der Ostspitze von Guadeloupe kommt ihr in rund 15 Minuten bei einer sehr leichten Wanderung. Die Aussicht ist überwältigend!

Blick von der Pointe des Châteaux. Foto: Hilke Maunder

Um euch herum tiefblau der Atlantik, der gegen die Felsküste donnert. Im Westen könnte ihr den schmalen Küstenstreifen mit seinen Lagunen erkennen, gen Osten in zehn Kilometern Entfernung die Insel Désirade. Euch ist jetzt heiß? Am Parkplatz verkaufen Marktfrauen köstlich kühles Kokos-Sorbet, das sie vor Ort herstellen!

Pointe des Châteaux. Am Horizont: La Désiderade. Foto: Hilke Maunder

Le Moulu

Zwischen Saint-François und Le Moule hat der französische Künstler François Piquet hier und da die Häuserwände mit vergänglicher Kunst geschmückt. Seine  hybride Figuren sind weder schwarz noch weiß – Zeugen der  Kolonialgeschichte, inspiriert von der Geschichte der Insel, die der Pariser 2007 als neue Heimat wählte. Seinen vergänglichen Fresken begegnet ihr auch auf den Fassaden von Port-Louis.

Street Art von François Piquet – gespottet in Port-Louis. Foto: Hilke Maunder

Auf dem Weg nach Le Moulu kommt ihr an der Maison Coloniale de Zévallos vorbei. Mit schmiedeeisernem Schmuck und Ziegeldach ist das Kolonialhaus für die Karibik eher untypisch.

Woran liegt’s? Es stammt aus Frankreich, wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Atelier von Gustave Eiffel in Paris entworfen, vorgefertigt, nach Guadeloupe verschifft und in Le Moule aufgebaut.

Die Maison Zévallos trägt die Handschrift von Gustave Eiffel. Foto: Hilke Maunder

Porte d’Enfer

Immer höher schwingt sich im Nordosten die Insel auf und stemm sich gegen den Atlantik. Wer nicht wandern will, kann entlang der Küstenstraße an Aussichtspunkten halten und auch einen Blick auf die Porte d’Enfer – das Höllentor!  – werfen.

Wenig weiter könnt ihr vom Trou du Souffleur klarem Wetter sogar die Inseln Désirade, Montserrat und Antigua sehen.

Was für ein schönes Tor zur Hölle! Foto: Hilke Maunder

Pointe de la Grande Vigie

Die nordöstliche Felsspitze markiert die Grenze zwischen dem Atlantik und dem Karibischen Meer. Folgt dem kleinen Rundweg, der am Parkplatz startet, hin zu mehreren Aussichtspunkten!.

Mitten im Gebüsch auf der Pointe de la Grande Vigie: Lichter des Glaubens. Foto: Hilke Maunder

Anse-Bertrand

Zwischen den Klippen verstecken sich immer wieder traumhafte Strände. So wie an der Anse-Bertrand, wo mit dem Zion Train eines der beliebtesten Strandlokale zu finden ist.

Port-Louis

Auch in Port-Louis lockt mit der Anse du Souffleur ein toller Strand zum Erfrischen und Entspannen. Seine kleinen Riffe sind perfekt zum Schnorcheln!

Surfen zum Sonnenuntergang – an der Nordwestküste von Grande-Terre ein unvergessliches Erlebnis. Foto: Hilke Maunder

Petit-Canal

Auf den Escaliers des Esclavages sollen einst Sklaven verkauft worden sein. Auch wenn Historiker längst die Überlieferung als Legende enthüllt haben, lohnt sich doch ein Blick auf die Treppen.

Zumal ganz in der Nähe ein unglaublich eindrucksvolles Schauspiel der Natur lockt: eine riesige Würgefeige, die das alte Gefängnis des Ortes komplett überwuchert hat. Ihre eindrucksvollen Wurzeln haben die ancienne prison de Petit-Canal komplett erobert.

Im Würgegriff der Feige – das alte Gefängnis von Petit-Canal. Foto: Hilke Maunder

Morne-à-l’eau

Mitten im Ortszentrum, direkt an einem zentralen Verkehrskreisel, haben die Toten eine ungewöhnliche Ruhestätte erhalten. Mit seinen Mausoleen wirkt der Friedhof wie ein Dorf, das den Hang hinauf klettert. Ungewöhnlich ist nicht nur die Anlage des Friedhofs, sondern auch seine Optik.

Fast alle Mausoleen sind schwarz-weiß gestaltet und gekachelt. Keine Grabstätte gleicht der anderen. Was für ein magischer Ort – besonders an den Totengedenktagen im November, wenn kleine Kerzen in Tausenden roten Windlichtern leuchten!

Von Morne-à-l’eau ist es nur ein Katzensprung zurück nach Pointe-à-Pitre, dem Ausgangspunkt der großen Inselrunde von Guadeloupe.

Der Friedhof von Morne-à-l’Eau. Foto: Hilke Maunder

Guadeloupe: meine Reisetipps

Hinkommen

Von Paris-Orly fliegen Air France, Air Caraïbes, Corsair und LEVEL in rund acht Stunden zum internationalen Flughafen von Pointe-à-Pitre (Pôle Caraïbes/PTP).

Dokumente

Guadeloupe gehört zur EU: Der Personalausweis genügt!

Geld

Euro

Zeit

im Sommer MEZ  minus sechs Stunden, im Winter MEZ minus fünf Stunden.

Schlafen*
Booking.com

Links & Tipps

Offizielle Webseite

www.ilesdeguadeloupe

Guadeloupe Explor

Ihre Mutter stammt aus der Picardie, ihr Vater aus Trois-Rivières: Taïna Tharsis kennt Guadeloupe seit ihrer Kindheit, und seit einigen Jahren lebt sie auch auf der Insel, die sie heute bei kleinen, individuellen Führungen und Touren vorstellt.
• Lieu-dit Surgy,  97180 Sainte-Anne, Tel. 00 590 690  26 81 11, www.guadeloupe-explor.com

Buchtipp

Guadeloupe und seine Inseln

Den einzigen deutschsprachigen Reiseführer zum Archipel von Guadeloupe haben Heidrun Bockmann und Stefan Sedlmaier verfasst. Sie stellen darin neben den beiden Hauptinseln Basse-Terre und Grande-Terre auch die kleineren Inseln Marie-Galante und La Désirade sowie die Îles des Saintes und die Îles de la Petite-Terre vor.

Der Führer richtet sich besonders an Selbstfahrer und Reisende, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind. 24 kostenlos downloadbare Detailkarten mit eingezeichneten Sehenswürdigkeiten gehören daher ebenso dazu wie Routenvorschläge und Wandertipps.

Aber auch, wer im Rahmen von Kreuzfahrten in die Karibik nur einen Blitzbesuch auf dem Archipel macht, findet viele Infos und Inspirationen für tolle Erlebnisse und Entdeckungen.

Wer mag, kann den Reiseführer hier* ohne Mehrkosten online bestellen.

Offenlegung

Guadeloupe entdeckte ich bei einer individuellen Pressereise, zu der mit das offizielle Fremdenverkehrsamt von Guadeloupe eingeladen hatte. Vor Ort begleitete mich Taina Tharsis von Guadeloupe Explor. Beiden sage ich „merci“ und ganz dicken Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

* Durch den Kauf über den Referral Link, den ein Sternchen markiert, kannst Du unabhängigen Journalismus  unterstützen und meine Webseite werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Gefällt euch der Beitrag? Dann sagt merci mit einem virtuellen Trinkgeld. Denn Werbebanner oder sonstige Promotions sind für mich tabu. Ich setze auf Follower Power. So, wie Wikipedia das freie Wissen finanziert. Unterstützt den Blog. Fünf Möglichkeiten gibt es.

Muschelschale der Meeresschnecke an der Küste von Nogent. Foto: Hilke Maunder
Der Abend senkt sich über Deshaies. Foto: Hilke Maunder
Merci für's Teilen!

3 Kommentare

  1. Bei dem grauen, nasskalten Wetter möchte man da sofort hin! Danke fürs virtuelle Mitreisenlassen! Ich wünsche Dir noch richtig schöne Tage dort!

    • merci, Marion! Und ja, Guadeloupe hat mich sehr beeindruckt – ich muss da noch mal wieder hin und auch La Désiderade noch ansehen. Dazu fehlte leider die Zeit diesmal. Bises! Hilke

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