Die Église Saint-Pierre-ès-Liens. Foto: Hilke Maunder

Montricoux: Kleinod vor der Schlucht

Etwa 30 Kilometer nördlich von Montauban schmiegt sich Montricoux im Département Tarn-et-Garonne ans linke Ufer des Aveyron vor den Toren der Aveyron-Schlucht, die sich bis nach Saint-Antonin-Noble-Val hinzieht.

Montricoux ist ein mittelalterliches Dorf – und ein Erbe der Templer. Im frühen 13. Jahrhundert errichte der christliche Ritterorden dort eine Komturei, und damit einen regionalen Sitz.

Wohlstand mit Wein

Die Rue des Rempart – in die Stadtmauer mit ihren Türmen wurden einst die Wohnhäuser mit integriert. Foto: Hilke Maunder
Die Rue des Remparts – in die Stadtmauer mit ihren Türmen wurden einst die Wohnhäuser mit integriert. Foto: Hilke Maunder

Sie besaßen dort große Ländereien und verdienten dort vor allem mit dem Anbau und der Herstellung von Wein das Geld für ihre militärischen Einsätze wie beispielsweise die Kreuzzüge.

Noch eine Ansicht der <em>Rue des Remparts</em>. Foto: Hilke Maunder
Noch eine Ansicht der Rue des Remparts. Foto: Hilke Maunder

Nach der Verhaftung und Verfolgung der Templer zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurden ihre Besitztümer in Montricoux und anderswo von der französischen Krone beschlagnahmt.

Die Komturei der Templer in Montricoux wurde an den Johanniterorden verkauft, einen anderen militärischen und religiösen Orden, der in der Region präsent war.

Foto: Hilke Maunder
Die Konstraste von Montricoux. Foto: Hilke Maunder

Das Erbe der Templer

Heute zeugen von der Präsenz der Templer in Montricoux nur noch wenige historische Zeugnisse. Der Bergfried der Templer aus dem 13. Jahrhundert war ursprünglich viel höher, doch die Wechselfälle der Geschichte, insbesondere die Revolution im Jahr 1789, ließen ihn in Ruinen zurück. Zurück blieb ein Stumpf, den heute ein Dach schützt.

Das ebenfalls von den Templern erbaute Schloss Montricoux wurde Opfer der Flammen und im 18. Jahrhundert wieder aufgebaut. Heute birgt es ein Museum, das dem Maler Marcel Lenoir gewidmet ist.

Das <em>Château de Montricoux</em> ist heute ein Museum. Foto: Hilke Maunder
Das Château de Montricoux ist heute ein Museum. Foto: Hilke Maunder

Die Heimat von Marcel Lenoir

Marcel Lenoir (1862-1937) wurde in Montricoux geboren – und verbrachte den Großteil seines Lebens in Okzitanien.

Je suis né dans un village qui m’a donné une merveilleuse initiation à la nature et aux arts, Montricoux en Aveyron. C’est là que j’ai commencé à regarder et à voir.

Ich wurde in einem Dorf geboren, das mir eine wunderbare Einführung in die Natur und die Kunst gegeben hat, Montricoux im Aveyron. Dort habe ich angefangen zu schauen und zu sehen.

Marcel Lenoir

Der französische Maler begann seine künstlerische Laufbahn als Bildhauer, wandte sich aber später der Malerei zu. Symbolistische Künstler wie Gustave Moreau und Odilon Redon, aber auch die japanische Kunst und der Jugendstil beeinflussten sein Werk. Lenoirs Gemälde zeigen oft traumhafte, fantastische Bilder.

Im alten Herzen von Montricoux. Foto: Hilke Maunder
Im alten Herzen von Montricoux. Foto: Hilke Maunder

Maler und Politiker

Heute gilt Lenoir als einer der führenden Künstler des Symbolismus und des Jugendstils, und seine Werke befinden sich in zahlreichen Museen und Sammlungen in Frankreich und auf der ganzen Welt.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit engagierte sich Lenoir auch in der Politik und war eine Zeit lang Mitglied des französischen Parlaments.

Rolland Rotgés war ein Künstler aus Montalban, der im 20. Jahrhundert Montricoux auf die Leinwand bannte. Einige seiner Werke sind im privaten Kunstmuseum von Lara Diégo, La Villa des Peintres, zu sehen.

Toulouser Backsteingotik und Fachwerk

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Es ist schön, sich durch die Straßen und Gassen im Herzen von Montricoux  treiben zu lassen, vorbei an alten Fachwerk- und Steinhäusern mit  Stützmauern und Bögen, den Waschhäusern und der Église Saint-Pierre, die mit ihrem 12,65 Meter hohen Turm in typisch Toulouser Backsteingotik über der alten Stadt wacht.

Der Turm der Pfarrkirche von Montricoux. Foto: Hilke Maunder
Der Turm der Pfarrkirche von Montricoux. Foto: Hilke Maunder

So kommt ihr vielleicht auch zur Mühle von Montricoux am Ufer des Aveyron. Seit 1181 verarbeitet sie mit der Kraft des Wassers dort unablässig Korn zu Mehl. Und dies bis heute wie zu Napoleons Zeiten, als allein im Département Aveyron 800 Mühlen den Fluss säumten.

Der Turm der Pfarrkirche von Montricoux. Foto: Hilke Maunder
Senkrechter Backstein als Füllung: das Fachwerk von Montricoux. Foto: Hilke Maunder

Die Mühle von Montricoux

Heute steht der Moulin de Montricoux ziemlich allein da. Seit 2016 ist es die letzte noch funktionierende Mühle im gesamten Departement Tarn-et-Garonne.

Der heutige Müller, Thierry Faucher, geht wie seine Vorfahren nunmehr in der dritten Generationen dem alten Handwerk nach. Er ist Absolvent der französischen Müllerschule und hat seinen Betrieb im Jahr 2000 auf bio umgestellt.

Mit seinen sechs Angestellten mahlt er jedes Jahr zweieinhalb Tonnen Weizen, Dinkel oder Roggen und versorgt damit die Bäcker vor Ort.

Die <em>Grande Rue</em> von Montricoux. Foto: Hilke Maunder
Die Grand‘ Rue von Montricoux. Foto: Hilke Maunder

Montricoux: meine Reisetipps

Hinkommen

Bahn

Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich 12 Kilometer nordwestlich in Caussade.

Rad

Die Fahrradroute Aveyron führt mitten durch Montricoux. Auf 85 Kilometern Länge verbindet sie Montauban mit Laguépie.

Stillleben aus Montricoux. Foto: Hilke Maunder
Stillleben aus Montricoux. Foto: Hilke Maunder

Schlemmen und genießen

Das gastronomische Angebot im Ort ist übersichtlich.

Bar-Restaurant Les Frangipanes

52, Grand’Rue, Tel. 05 63 24 19 69, www.facebook.com/kikibillout

L’Oustal

48, Grand‘ Rue, Tel. 07 49 37 27 73, https://loustal-brewery.business.site

Wer ausgiebig schlemmen möchte, sollte nach Bruniquel ausweichen.

Marché

Freitagmorgen ab 8 Uhr ist Marktzeit in Montricoux.

Hier könnt ihr schlafen*
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Aus Flusskieseln des Aveyron wurde in dieser Gasse ein Muster gelegt. Foto: Hilke Maunder
Aus Flusskieseln des Aveyron wurde in dieser Gasse ein Muster gelegt. Foto: Hilke Maunder

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Im Blog

Im Buch

Hilke Maunder. Okzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt an den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen.

50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!  Hier* gibt es euren Begleiter.

Hilke Maunder, Le Midi*

Die poule au pot ist eine der 80 echten, authentischen Speisen, die ich bei meiner kulinarischen Landpartie durch den Süden von Frankreich entdeckt habe. Zwischen Arcachon, Hendaye und Menton schaute ich den Köchen dort in die Töpfe, besuchte Bauern, kleine Manufakturen, Winzer und andere lokale Erzeuger.

Gemeinsam mit dem Fotografen Thomas Müller reiste ich wochenlang durch meine Wahlheimat und machte mich auf die Suche nach den besten Rezepten und typischsten Spezialitäten der südfranzösischen Küche. Vereint sind sie auf den 224 Seiten meines Reise-Kochbuchs Le Midi.

Ihr findet darin 80 Rezepte von der Vorspeise bis zum Dessert, Produzentenportraits, Hintergrund zu Wein und Craftbeer, Themenspecials zu Transhumanz und Meer – und viele Tipps, Genuss à la Midi vor Ort zu erleben. Wer mag, kann meine 80 Sehnsuchtsrezepte aus Südfrankreich hier* online bestellen.

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