Oingt – Beaujolais in Goldgelb
Golden! So leuchten die ockergelben Fassaden von Oingt im Abendlicht. Pierres Dorées heißen hier diese Sandsteine. Sie sind typisch für die Landschaft des Beaujolais mit seinen Weinbergen und unregelmäßig geschwungenen Tälern im UNESCO-Geopark nördlich von Lyon.

Wachtposten zwischen Loire und Saône
Viele Jahrhunderte alt sind die Häuser des Dorfes, dessen Wurzeln bis in die Römerzeit zurückreichen. In der Antike – und später im Mittelalter – bewachte es die alte Passage zwischen Saône und Loire an der Grenze von Beaujolais und Lyonnais. Beide Territorien waren einst verfeindet. Heute lieben die Lyonnaiser das Beaujolais als Ausflugsziel vor der Haustür.
Von der ersten Burganlage der Herren von Oingt sind jegliche Spuren verschwunden. Doch im oberen Teil des Dorfes, das die Hügelspitze bekrönt, sind die wichtigsten Überreste der zweiten Burganlage zu sehen. Dazu gehören die Überreste des alten Herrenhauses, die Kirche Saint-Mathieu und der Bergfried aus dem 13. Jahrhundert.
Dorfmuseum mit Ausblick
Bis zur Französischen Revolution diente er zur Erhebung der Steuern. Heute birgt der Donjon das Dorfmuseum von Oingt und eröffnet von seiner Aussichtsplattform auf dem Dach weite Blicke über das Land.
Vor dem Verfall gerettet
Oingt hat das Mittelalter bewahrt. Dass es heute so idyllisch herausgeputzt ist, liegt am Engagement von Einheimischen und Zugereisten, die das Dorf vor dem Verfall retteten und seine Substanz sanierten. Sie machten es so gut, dass Oingt heute als erstes Dorf des Départements Rhône mit dem begehrten Label der schönsten Dörfer Frankreichs ausgezeichnet wurde! 2024 ist mit Charnay, das ebenfalls im Beaujolais des Pierres Dorées liegt, ein zweiter Ort ins Auswahlverfahren für das Label Les Plus Beaux Villages de France hinzugekommen.
Restauriert ist inzwischen auch das Nizy-Tor, das aus den ab dem 13. Jahrhundert errichteten Befestigungsanlagen hervorgegangen ist. Betrachtet beim Schlendern auch einmal die Namen der engen Gassen. Tyre-laine, Coupe-jarret und Traine-cul heißen sie. Da entstehen doch sofort Bilder im Kopf!
Winzer und Künstler
Das mussten auch die Künstler gedacht haben, die zur Renaissance von Oingt beigetragen haben. Maler, Kalligrafen, Schmuckdesigner, Glasmaler, Töpfer und Weber gehörten dazu. Insgesamt fünfzehn Kunsthandwerker und Galeristen betreiben im Dorf ihre Werkstätten und Ateliers.
Auch klingende Feinmechanik ist Oingt daheim: Im Dorf gibt es ein Museum und Sammlungen mit Drehorgeln, mechanischen Klavieren und Spieldosen – und alljährlich am ersten Septemberwochenende versammeln sich beim Festival international d’orgues de barbarie (Internationales Drehorgel-Festival) mehr als 100 Drehorgelspieler aus ganz Europa in den ockergelben Gassen und verwandeln das gesamte Dorf in eine lebendige Spieldose.

Hinzu kommen fünf Weingüter, die zur Dégustation laden. Noch gehören sie zur Appellation Beaujolais AOP. Doch schon bald, so hoffen sie, wird auch das terroir der Pierres Dorées als eigene Appellation anerkannt werden.

Die Wiege der goldenen Steine
Woher das Baumaterial für das goldene Dorf Oingt stammt, zeigt sich wenige Kilometer südlich in Saint-Germain-Nuelles. Auf einem Plateau mit weitem Blick hinüber nach Oingt verstecken sich die Carrières de Glay. In diesem historische Steinbruch wurden fünf Jahrhundertelang die Pierres Dorées für Oingt und die herrschaftlichen Stadtpaläste Lyons gebrochen. Der goldgelbe Stein entstand vor rund 170.000.000 Jahren im warmen Jura-Meer entstand.

Winzige Eisenoxid-Einschlüsse im Kalkstein fangen das Sonnenlicht ein und sorgen für den unverwechselbaren, warmen Honigton. Heute sind die stillgelegten Brüche ein faszinierendes Freiluftmuseum im UNESCO-Geopark. Ein Lehrpfad führt vorbei an den steilen, gelben Abbauwänden und den historischen Hütten der carriers, der Steinmetze, die hier unter härtesten Bedingungen den Stein bezwangen. Inwischen hat die Natur den Steinbruch erobert: Dohlen nisten in den Steilwänden; selbst der europäische Uhu ist hier heute daheim. Auch seltene Orchideen blühen hier heute. Die Historie der Stätte, auch auch Flora und Fauna, stellen heute Freiwillige des Vereins vor, der die Carrières du Glay als Stätte für die Nachwelt bewahren.

Oingt: meine Reisetipps
Schlemmen
La Clef de Voûte
Authentische Küche des Beaujolais mit Weinen der Region. Im Winter sorgt ein Kamin für wohlige Gemütlichkeit im Gewölbesaal.
• 40, Petite rue du Marché, 69620 Val d’Oingt, Tel. 04 74 71 29 91
La Table du Donjon
Jean-Marc und Mathieu servieren in ihrem gehobenen Restaurant eine klassische französische Küche. Sie verarbeiten die besten regionalen Produkte im Einklang mit den Jahreszeiten. Die Tische im Saal sind weiß eingedeckt. Schön im Sommer: die Terrasse mit herrlichem Ausblick.
• 64, Petite Rue du Marché, 69620 Val d’Oingt, Tel. 04 74 71 20 24, www.latabledudonjon.fr
Bio-Winzer
Famille Chasselay
Wer die Philosophie des neuen Beaujolais verstehen will, fährt an den Fuß des Hügels von Oingt nach Châtillon. Hier betreiben Claire und Fabien Chasselay Weinbau seit 1454 – und das seit 2007 konsequent biologisch. Ihre Parzellen auf den kalkhaltigen Böden der Pierres Dorées bringen hochpräzise, fruchtige Weine hervor, die zeigen, warum die Region zu Recht auf eine eigene Appellation hinarbeitet. Kellerführungen und Dégustations nach Anmeldung.
• 119, Chemin de la Chasselaye, 69380 Châtillon, Tel. 04 78 47 93 73, www.domaine-chasselay.com
Noch mehr Betten*

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