Top 10: Niort – das dürft ihr nicht verpassen

Die Altstadt von Niort mit der
Die Altstadt von Niort mit der église Sainte-André. Foto: Hilke Maunder

Niort? La ville des mutuelles! fällt Franzosen dazu sofort ein. Die Hauptstadt des Départements Deux-Sèvres ist bis heute Frankreichs Hochburg dieser Versicherungen. Begründet liegt dies in der Historie.

Wie Paris, nur kleiner: das Rathaus von Niort. Foto: Hilke Maunder
Wie Paris, nur kleiner: das Rathaus von Niort. Foto: Hilke Maunder

Als 1850 die Reblaus den Weinbau zerstörte, waren die Winzer der ehemaligen Region Poitou-Charentes, zu der damals auch die Vendée gehörte, die ersten, die in einer Welle der Solidarität in Niort die ersten genossenschaftlich organisierten Versicherungen gründeten.

Niort im Modell, ausgestellt im Stadtmuseum des Donjons. Foto: Hilke Maunder
Niort im Modell, ausgestellt im Stadtmuseum des Donjons. Foto: Hilke Maunder

Bis heute sind die Schwergewichte der Branche in Niort mit Tausenden Mitarbeitern ansässig. In Niort-Noron befindet sich der Hauptsitz der Mutuelle d’assurance des instituteurs de France (MAIF), eine Versicherungsgesellschaft, die ursprünglich für Lehrpersonal gedacht war.

Die Mutuelle d’assurance des artisans de France (MAAF), einst für Handwerker gegründet, hat ihre Zentrale im Stadtteil Niort-Chauray.

Die Kais der Sèvre Niortaise am frühen Abend. Foto: Hilke Maunder
Die Kais der Sèvre Niortaise am frühen Abend. Foto: Hilke Maunder

Viel älter als die Finanz – und Versicherungsbranche war die Leder- und Tuchindustrie von Niort. Jegliche Spuren davon sind heute verschwunden. Seit einigen Jahren investiert Niort massiv in einen nachhaltigen Stadtumbau.

Abends am <em>Port Boinot</em>. Foto: Hilke Maunder
Abends am Port Boinot. Foto: Hilke Maunder

Zum Plan von Niort 2030 gehört auch die Pflanzung von 8.000 Bäumen. Einstige Autostellplätze und Industriebrachen wurden in Themengärten verwandelt, Radwege anlegt, Aktivangebote von Trail bis Kanu geschaffen – und die Innenstadt verkehrsberuhigt. Sie birgt ein Schlemmerparadies, das zugleich ein architektonischer Hingucker ist. Voilà meine Top-Ten-Tipps für Niort!

1. La Brèche

Der Blick von der <em>Rue Ricard</em> auf die <em>Place de la Brèche</em>. Foto: Hilke Maunder
Der Blick von der Rue Ricard auf die Place de la Brèche. Foto: Hilke Maunder

Sie sind drall, kunterbunt, strahlen Lebensfreude aus und sind das Wahrzeichen eines Platzes, der bis 2013 nicht begrünt, sondern ein Kreisverkehr mit Parkplatz war: die Frauen der Place de la Brèche.

Jean-François Milou machte ihn zur grünen Lunge der Stadt. Auf vier Hektar bieten die Jardins de la Brèche nun sonnige Rasenplätze und schattige Picknicktische unter Bäumen.Zum Namensgeber wurde eine Lücke (frz. brèche )  in der Stadtmauer, die bei Hochwasser geöffnet wurde.

Die zwei Frauen

<em>Les deux femmes</em>. Foto: Hilke Maunder
Les deux femmes. Foto: Hilke Maunder

Franck Ayroles, 1975 in Saint-Nazaire geboren, hat sie 2019 als monumentales, symbolträchtiges Werk auf dem sanierten Platz aufgestellt – als 2,20 m hohes, 3,26 m breites und 80 cm tiefes Duo aus Kunstharz, das 400 Kilogramm wiegt. Ayroles widmet einen großen Teil seiner Gemälde und Skulpturen Frauen, die Symbole für Weiblichkeit und Mutterschaft sind.

Damit steht er in der Tradition einer Französin, die mit ihren Nanas weltberühmt wurde: Niki de Saint-Phalle. Auch bei Ayroles besitzen die Frauen keine Gesichter, haben ausgeprägte Kurven und sind universell. In Niort zeigt er seine beiden Frauen im Gespräch, eine schwarz und die andere weiß.

Die Frauenskulpturen sollten einst in der Sichtachse zur Rue Ricard aufgestellt werden. Doch der Architekt platzierte die Skulpturen zur Seite seiner Installation - so stehlen die Frauen ihm nicht die Schau. Foto: Hilke Maunder
Die Frauenskulpturen sollten einst in der Sichtachse zur Rue Ricard aufgestellt werden. Doch der Architekt platzierte die Skulpturen zur Seite seiner Installation – so stehlen die Frauen ihm nicht die Schau. Foto: Hilke Maunder

Insider-Tipp

Auch grüne Männchen, 86 Zentimeter hoch, tummeln sich in Niort. Bildhauer Fabrice Hybert hat sie in der Stadt an verschiedenen Orten aufgestellt, an denen es Wasser gibt.

Die Trockner

Die <em>séchoir</em> waren Vorbild für diese Großskulptur an der <em>Place de la Brèche</em>.
Die séchoirs waren Vorbild für diese Großskulptur an der Place de la Brèche.

Die hoch aufragenden Gebäude hinter ihnen, die ich für Windfänger gehalten hatte. sind ebenfalls Kunst. Sie stellen eine moderne Interpretation der séchoirs dar, in denen einst das in Niort verarbeitete Leder nach dem Gerben trocknete.

Seit dem Mittelalter war Niort das Zentrum der Chamoiserie. Dabei wurden die Häute mit Fischöl behandelt, um sie so geschmeidig wie einen Stoff zu machen.

Zur Blütezeit der Lederverarbeitung gab es neben zehn Chamoisfabriken fünf Handschuhfabriken, eine Gerberei sowie eine Fabrik für Klebstoffe und die Aufbereitung von Pferdehaar und Schweineborsten. Verarbeitet wurden  neben Kalbs- und Rindsleder auch exotische Häute aus Kanada. 2005 schloss der letzte Betrieb.

2. Les Halles

Die Markthallen von Niort. Foto: Hilke Maunder
Die Markthallen von Niort. Foto: Hilke Maunder

2019 wurden die großen Markthallen von Niort zum schönsten Markt des Départements gewählt. Bei der landesweiten Ausscheidung landet die Markthalle im typischen Baltard-Stil auf Platz neun.

Aufgrund der Hanglage erhielt sie einen Unterbau aus Stein. In jeder dieser Galerien befand sich einst jeweils ein Laden. Heute nehmen die Geschäfte mitunter mehrere Galerien ein.

Ein Gemüsestand in der Markthalle von Niort. Foto: Hilke Maunder
Ein Gemüsestand in der Markthalle von Niort. Foto: Hilke Maunder

Auf dem Vorplatz der Markthallen verkaufen kleine lokale Produzenten Obst und Gemüse der Saison. Im Innern der Halle haben die Händler eigene, feste Stände. Dort könnt ihr neben Produkten aus einheimischen Engelwurz auch den tourteau entdecken.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Der echte tourteau

Der runde Käsekuchen mit der kohlrabenschwarzen Oberfläche stammt aus der Umgebung von La Mothe Saint-Héray im Südosten des Departements Deux-Sèvres und wird aus Frischkäse hergestellt.

Ursprünglich stammte die Milch von Ziegen, denn den einheimischen Protestanten war es nach den Religionskriegen verboten worden, Kühe zu halten. Rinder waren den Katholiken vorbehalten. Heute gibt es beide Formen.

Jenseits der Markthalle erhebt sich auf einem der beiden Hügel, auf denen Niort erbaut wurden, die <em>église Saint-André</em>. Foto: Hilke Maunder
Jenseits der Markthalle erhebt sich auf einem der beiden Hügel, auf denen Niort erbaut wurden, die église Saint-André. Foto: Hilke Maunder

Die echten, traditionellen tourteaux verkauft die Pâtisserie Baubeau in Lezay. Seit 2017 setzen Jean-François und Nadia Ferru sowie Syvie Bonnet setzen die Tradition der Familie Baubeau fort. Zur Sommerzeit verlassen täglich 1400 Kuchen den Ofen. Alle Zutaten – außer dem Zucker – im Kuchen stammen aus der Region.

3. Die Drachen

Die Drachen von Niort. Foto: Hilke Maunder
Die Drachen von Niort. Foto: Hilke Maunder

Am Westende der Place de la Brèche markieren zwei furchterregende Drachen mit aufgesperrtem Maul den Eingang zur verkehrsberuhigten Innenstadt. Die Bronze-Monster der Rue Ricard schuf Jacques Hondelatte. Zwei zweitere Drachen findet ihr in der Rue du Temple. Das Quartett erinnert an ein schreckliches Ereignis in der Stadtgeschichte.

Die Drachen, gesehen von der <em>Rue Ricard</em> Richtung <em>Place de la Brèche</em>. Foto: Hilke Maunder
Die Drachen, gesehen von der Rue Ricard Richtung Place de la Brèche. Foto: Hilke Maunder

Ende des 17. Jahrhunderts hatte sich eine riesige geflügelte Schlange in einem unterirdischen Raum in der heutigen Avenue Saint Jean versteckt. Sie kam nur aus ihrem Versteck heraus, um Bewohner zu entführen. Vergeblich versuchte man, sie zu töten. Eines Tage bat ein Soldat namens Jacques Allonneau, der wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt worden war,  um seine Begnadigung und bot als Gegenleistung an, den Drachen zu töten. Dies wurde ihm gewährt.

Allonneau legte sich einen Eisenpanzer an. Sein Gesicht bedeckte er mit einer dicken Glasmaske, um es vor dem Gift des Monsters zu schützen. Mit einem Speer und einem langen Dolch bewaffnet, betrat er die Höhle der Bestie. Mit einem geschickten Stich bohrte er dem Drachen sein Schwert in den Hals.

Das Ungeheuer war verwundet. Jegliches Leben schien aus ihm zu weichen. Doch als Alloneau die Maske abnahm, um den Tod des Tieres zu überprüfen, spuckte der Drache ihm mit einem letzten Atemzug Gift ins Gesicht. Alloneau starb zur gleichen Zeit wie die Bestie.

4. Die Passage

2022 frisch saniert: die <em>Passage du Commerce</em>. Foto: Hilke Maunder
2022 frisch saniert: die Passage du Commerce. Foto: Hilke Maunder

Dort, wo sich die Rue Ricard zur Rue Victor Hugo weitet und schwarze Quadrate im Pflaster den Standort der einstigen Markthalle verraten, versteckt sich in einer Ecke eine der ältesten Einkaufspassagen Frankreichs: die Passage du Commerce.

Am 19. Januar 1820 hatte ein königlicher Erlass die Stadt Niort ermächtigt, einen Teil des ehemaligen Gasthofs Trois-Pigeons für 2211 Fr. zu erwerben, um dort einePassage zwischen der Rue des Halles und der Place de la Préfecture (heute Place du Temple) zu errichten.

1929 wurde sie als Passage du Commerce eröffnet. 20 Luxusboutiquen ließen damals die Flaneure staunen. Abends wurde die Passage mit großen Metallgittern verschlossen, um die Waren vor Diebstahl zu schützen.

Doch der Glanz litt: Erst liefen die Keller der Läden durch einen 1873 gegrabenen Kanal voll. Dann zerstörten zwei Großbrände die Passage. Für insgesamt 1,4 Millionen Euro ließ die Stadt Glasdach, Pflaster und Fassaden sanieren. Seit dem 22. Januar 2022 erstrahlt die Shoppinggalerie, die älter ist als die berühmte Passage Pommeraye von Nantes, wieder im Glanz von einst.

5. Der Donjon

Der Bergfried von Nort. Foto: Hilke Maunder
Der Bergfried von Nort. Foto: Hilke Maunder

Der wuchtige romanische Bergfried mit seinen beiden Türmen ist der letzte Rest einer großen Burg und Zeugnis der Verbindung von Heinrich II. mit Éleonore von Aquitanien.  1154 hatte das Paar geheiratet – und damit die Wurzel für die späteren Kriege zwischen England und Frankreich gelegt.

Um 1180 begann Heinrich II. den Bau der Burg. Heute erinnert der eine Burgturm des Donjons an den Vater. Fertiggestellt wurde die Anlage erst durch seine Söhne, Richard Löwenherz und Johann ohne Land. Von ihnen erhielt der Donjon seinen zweiten Turm.

Das Poitou-Zimmer. Foto: Hilke Maunder
Das Poitou-Zimmer. Foto: Hilke Maunder

Drinnen birgt der wehrhafte Bau eine Ausstellung zur Stadtgeschichte. Besonders sehenswert sind das Poitou-Zimmer mit typischer Einrichtungsgegenständen aus der damaligen Provinz. Zur damaligen Grafschaft gehörten, grob gesagt, die heutigen Départements Deux-Sèvres, Vienne und Vendée.

Das Schrank-Reich des Donjons. Foto: Hilke Maunder
Das Schrank-Reich des Donjons. Foto: Hilke Maunder

Eindrucksvoll ist auch ein Saal, der imposante Schränke zeigt. Auf einer schmalen Wendeltreppe mit ausgetretenen Stufen gelangt ihr zur Dachterrasse. Aus 28 Metern Höhe  genießt ihr einen Panoramablick auf die beiden Hügel der Stadt, ihre Markthalle und die Sèvre Niortaise.
• Rue du Guesclin, 79000 Niort

6. Le Pilori

<em>Le PIlori</em>. Foto: Hilke Maunder
Le PIlori. Foto: Hilke Maunder

Le Pilori heißt übersetzt „der Pranger“, und genau dort, wo sich das ehemalige Rathaus des Architekten Mathurin Berthomé als typischer Renaissancebau des 16. Jahrhundert erhebt, stand er einst. Ungewöhnlich ist auch der Grundriß des Baus. Wegen der Hanglage ähnelt er einem Trapez.

Seit 2010 dient Le Pilori als Ausstellungsraum für aktuelle Kunst. Das Programm stimmt Niort gemeinsam mit Künstlern der Stadt sowie dem Centre d’art contemporain photographique Villa Pérochon und der Winterlong Galerie ab. Was dort gezeigt wird, ist stets sehenswert!
• Place du Pilori, 79000 Niort

7. Port Boinot

<em>Pot Boinot</em>. Foto: Hilke Maunder
Pot Boinot. Foto: Hilke Maunder

An der Ostspitze einer großen Flussinsel in der  Sèvre Niortaise liegt der Port Boinot. Von 1881 bis 2005 wurden dort Rinder- und Kalbshäute sowie exotische Felle aus Kanada mit Fischöl in feinstes Leder verwandelt und getrocknet. Um 1930 schufteten dort mehr als 1000 Arbeiter für Théodore Boinot.

<em>Port Boinot</em> bei Nacht. Foto: Hilke Maunder
Port Boinot bei Nacht. Foto: Hilke Maunder

Von 2010 bis 2015 nutzte das Centre National des Arts de la Rue die Industriebrache. Heute ist Port Boinot saniert – und der einstige Wasserturm als sprichwörtlicher Leuchtturm das Wahrzeichen des sehr angesagten urbanen Parks.

In Niort gefunden: diese römische Épona-Göttin. Foto: Hilke Maunder
In Niort gefunden: diese römische Épona-Göttin. Foto: Hilke Maunder

In den einstigen séchoir ist das Office de Tourisme gezogen, das in der kostenlosen Ausstellung Épona Streiflichter der Stadtgeschichte seit der Antike und des Marais-Poitevin-Naturparks vorstellt.

<em>L'Ilôt Sauvage</em> – ein Bar-Café mit Herz für Kunst. Foto: Hilke Maunder
L’Îlôt Sauvage – ein Bar-Café mit Herz für Kunst. Foto: Hilke Maunder

Die einstigen Betonbecken und Spülen der Häute bergen heute die Wassergärten des neuen, 1,6 Hektar großen Stadtparks, der bereits 2020 eingeweiht wurde.

Die einstige Spül- und Färbebecken der Lederfabrik dienen heute als Wassergärten. Foto: Hilke Maunder
Die einstigen Spül- und Färbebecken der Lederfabrik dienen heute als Wassergärten. Foto: Hilke Maunder

Die einstigen Hafenwerkstätten  sind heute ein Multifunktionsraum für Event und Aktivitäten, Genuss und Kunst. Ihr könnt Kanus, Kajaks und SUP-Boards für Touren auf dem Fluss ausleihen, im Gewächshaus der Reisenden Palmen, Zitrusfrüchte und exotischen Pflanzen entdecken oder in der Café-Galerie L’Îlôt sauvage aktuelle Kunst bei einer kleinen kulinarischen Pause entdecken.

Die einstige Spül- und Färbebecken der Lederfabrik dienen heute als Wassergärten. Foto: HIlke Maunder
Foto: Hilke Maunder

8. Paddel-Sightseeing

Völlig neue Seiten von Niort könnt ihr bei einer Paddeltour entdecken. Leih-Kanus oder Kajaks gibt es am Port Bonoit. Dort starten auch geführte Touren auf dem Fluss. Besonders schön sind sie am frühen Abend. Flussaufwärts geht es hin zu weiteren kleinen Inseln im Fluss.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Hinter jeder Biegung eröffnen sich neue Blicke auf die Stadt. An einem Wehr zieht ihr das Boot über ein paar Stufen nach oben. Auf dem Rückweg saust über neben dem Wehr im Boot auf einer kleinen Rutsche hinab – ein Heidenspaß!

Die Saint-Andreaskirche spiegelt sich in den Fluten der Sèvre Niortaise. Foto: Hilke Maunder
Die Saint-Andreaskirche spiegelt sich in den Fluten der Sèvre Niortaise. Foto: Hilke Maunder

9. La Francette

Von den Landungsstränden der Normandie zum Hugenottenhafen La Rochelle am Atlantik: Auf 600 Kilometer Länge führt die Radwanderroute La Francette durch die schönsten Orte und Landschaften der Normandie, der Pays de la Loire und der Charentes. Direkt an der Route durch das ländliche Frankreich liegen Niort und sein wilder Sumpf.
www.lavelofrancette.com

10. L’Angélique

Maxime Guignard. Foto: Hilke Maunder
Maxime Guignard. Foto: Hilke Maunder

Maxime Guignard, der von seinem Vater den Schlemmertempel La Belle Étoile am Ufer der Sèvre Niortaiseübernommen und trendig mit Paletten-Garten-Bar erweitert hat, ist einer echter Könner – am Herd wie an der Bar. Zudem gehört der zu den glühendsten Verfechtern einer Pflanze, die im nahen Marais Poitevin wächst: L’Angélique, Engelwurz.

Von Maxime kreiert: der Engelwurz-Cocktall <em>L'Angélique</em>
Von Maxime kreiert: der Engelwurz-Cocktall L’Angélique

Seine Schwester ist Vorsitzende eines Verbandes, der sich um die Vermarktung und den Verkauf der Pflanze kümmert, die ein wenig in Vergessenheit geraten war. Heute ist sie trendy – und wird in den Markthallen als Confit, Konfitüre oder Salbe verkauft. Maxime hat mit der Angélique einen Cocktail kreiert. Es ist ein Milk Punch, bei dem Milch und Säure den Gin-Frucht-Mix klären. Sehr cool!

Das Plus: Kostenlose Busse

Seit September 2017 ist der gesamte Nahverkehr in Niort kostenlos. Alle Buslinien, auch die kleine City-Navette, könnt ihr gratis nutzen. Wichtigster Verkehrknoten ist der Busbahnhof an der Place de la Brèche. Sämtliche Busse sind elektrisch.

Der Busbahnhof der <em>Place de la Brèche</em>. Foto: Hilke Maunder
Der Busbahnhof der Place de la Brèche. Foto: Hilke Maunder

Niort ist der größte urbane Ballungsraum in Frankreich, der kostenlosen Nahverkehr bietet – und hat Dunkerque damit von Platz eins gestoßen. Die Zahl der Busnutzer ist dennoch kaum dort gestiegen. Insgesamt bieten rund 35 Städte in Franrkeich freie Fahrt im Bus, darunter auch Calais, Libourne, Aubagne, Gap, Porto Vecchio und Puteaux.

In Niort gibt es auch günstige Stadträder. Eine der Stationen befindet sich am <em>Port Boinot</em>. Foto: Hilke Maunder
In Niort gibt es auch günstige Stadträder. Eine der Stationen befindet sich am Port Boinot. Foto: Hilke Maunder

Niort: meine Reisetipps

Vor der Haustür: Le Marais Poitevin

Niort ist Frankreichs einzige größere Stadt, die in einem regionalen Naturpark liegt. Der Parc Régional Naturel du Marais Poitevin erstreckt vom Stadtzentrum bis an die Bucht von Aiguillon am Atlantik.

In Sainte-Hilaire-la-Palud lädt der <em>Parc des Oiseaux</em> zu Kanfahrten durch den <em>marais sauvage</em>.. Foto: Hilke Maudner
In Sainte-Hilaire-la-Palud lädt der Parc des Oiseaux du Marais Poitevin zu Kahnfahrten durch den marais sauvage. Foto: Hilke Maudner

Drei sehr unterschiedliche Landschaftszonen prägen ihn: Salzwiesen und Strand im marais maritime, Getreidefelder in den marais desséchés sowie eine amphibische Sumpflandschaft in den marais mouillés. Auch la Venise verte genannt, macht es den kleinsten Teil des Marais Poitevin aus – und beginnt gleich am Stadtrand.

Von Port Bonoit könnt ihr einem Radweg folgen, der der Radwanderroute Vélo Francette folgt und euch nach Magné mit der letzten Zugbrücke des Marais Poitevin bringt. Mehr zum Sumpf, der laut einer Legende entstand, als der Riese Gargantua Wasser lassen musste, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Mitten durch den Marais Poitevin führt bei Magné die Radwanderroute La Francette. Foto: Hilke Maunder
Mitten durch den Marais Poitevin führt bei Magné die Radwanderroute La Francette. Foto: Hilke Maunder

Schlemmen und genießen

La Belle Étoile

1930 als einfache guinguette am Ufer der Sèvre Niortaise gegründet, gehört „Der schöne Stern“ seit 1949 zu den besten Lokalen von Niort. Richtig berühmt wurde es, als Laure und Claude Guignard es 1979 übernamen und zahlreiche Auszeichnungen von Gault & Millau, Guide Michelin, Bottin Gourmand und anderen Gastropäpsten erhielten.

<em>La Belle Étoile</em>. Foto: Hilke Maunder
La Belle Étoile. Foto: Hilke Maunder
<em>La Belle Étoile</em>. Die Gastro-Terrasse. Foto: Hilke Maunder
La Belle Étoile. Die Gastro-Terrasse. Foto: Hilke Maunder

Seit 2016 führen ihr Sohn Maxime Guignard und seine Lebensgefährtin Jordane Vignes den Familienbetrieb und haben ihn mit viel Leidenschaft trendig erweitert: mit einer loungigen Gartenbar aus Palettenmöbeln.
• 115, Quai Maurice Métayer, 79000 Niort, Tel. 05 49 73 31 29, www.la-belle-etoile.fr

<em>La Belle Étoile</em>. Die Gartenbar. Foto: Hilke Maunder
La Belle Étoile. Die Gartenbar. Foto: Hilke Maunder

Tête de Mule

Die Craft-Bier-Braurei des Marais Poitevin.
• 2, rue du Port de Bouillac, 79510 Coulon, Tel. 05 49 24 35 94, www.brasseriedumarais.fr

Lokales Spezialitäten

Le beurre d’Echiré

Die genossenschaftlichen Buttermacher aus Echiré sind einige der letzten, die Butter noch wie einst in einem Holzfass schlagen. Für die Herstellung von einem Kilogramm Butter benötigen sie 22 Liter Milch. Die berühmte Molkerei, die sogar die Tische des Élysée-Palastes und des Buckingham Palace bestückt, wurde 1891 von einem gewissen Monsieur du Dresnay in den Nebengebäuden eines Bauernhofs am Ufer der Sèvre Niortaise im Herzen des Dorfes gegründet. Die Quelle, die das städtische Waschhaus speiste, versorgte dort auch die Molkerei. 1894 wandelte sie sich zur Genossenschaft.

Les mogettes du Marais Poitevin

Mogettes sind getrocknete weiße Bohnen, die zur Familie der Lingots gehören. Im Marais Poitevin sind sie seit dem 17. Jahrhundert daheim und waren Jahrhunderte lang dort die wichtigste Frucht der Gemüsebauern.

Le scofa

Den Scofa-Kuchen erfand vor mehr als 60 Jahren ein Konditor aus Saint-Maixent. Als er in den Ruhestand ging, vermachte er sein Rezept den Karmeliterinnen in Niort. Sie ließen die Zubereitung als Marke schützen und backen seitdem diesen Kuchen in der Abtei Saint-Martin de Ligugé nach einem geheimen Rezept der Karmeliterschwestern von Niort.

Schlafen

Appart’city Niort*

Praktisch, zentral und mit einer Kitchenette ausgestattet sind die Zimmer der Appart’City-Kette. Ihr einziger Nachteil im Sommer: Sie sind nicht klimatisiert und heizen sich stark auf. Zubuchbar ist ein reichhaltiges Frühstück sowie Parkplätze im nahen Parking Marcel Paul.
• 13, Avenue de Paris, 79000 Niort, Tel.  05 47 54 00 09, www.appartcity.com

La Maison 19*

• 19, Avenue de Limoges, 79000 Niort, Tel. 06 75 06 65 65, www.lamaison19.fr

La Chamoiserie*

• 10 bis, Rue de l’Espingole, 79000 Niort, Tel. 05 49 78 07 07, www.hotelparticulierniort.com

Niort zur blauen Stunde. Foto: Hilke Maunder
Niort zur blauen Stunde. Foto: Hilke Maunder

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Weiterlesen

Im Blog

Im Buch

Mathias Enard, Das Jahresbankett der Totengräber*

Für eine Dissertation über das Leben auf dem Land im 21. Jahrhundert zieht der Pariser Anthropologe David aufs Dorf, um Sitten und Bräuche der Landbevölkerung zu beobachten. Er landet dabei im Marais Poitevin. Sein Feldtagebuch mit Erlebnissen und Begegnungen gleicht einem Wimmelbild dieser Gegend, die durch geschickte Assoziationen, Kontrapunkten und verblüffende Bezüge so lebendig vor dem geistigen Auge erwächst, als sei man mit dem Forscher dort vor Ort.

Tütensuppen und Totenkult kann wohl keiner so gut wie Enard erzählerisch verflechten, der für seinen Roman „Kompass“ mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet worden ist. Wer mag, kann den Roman hier* online bestellen.

Secret Citys Frankreich*

Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Klaus Simon stelle ich in diesem Band 60 Orte in Frankreich vor, die echte Perlen abseits des touristischen Mainstreams sind. Le Malzieu in der Lozère, Langogne im Massif Central, aber auch Dax, das den meisten wohl nur als Kurort bekannt ist.

Mit dabei sind auch Sens, eine filmreife Stadt im Norden von Frankreich, und viele andere tolle Destinationen. Frankreich für Kenner  – und Neugierige!

Lasst euch zu neuen Entdeckungen inspirieren… oder träumt euch dorthin beim Blättern im Sessel oder am Kamin. Wer mag, kann das Lesebuch mit schönen Bildern hier* bestellen.

MARCO POLO Frankreich*

Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer.  Diesen Band der Reihe habe ich vor vielen Jahren von Barbara Markert übernommen und seitdem für mehrere Auflagen umfassend aktualisiert und erweitert.

Freut euch auf neue Insidertipps, neue Reiseziele, frischen Hintergrund und viele Erlebnisvorschläge für Aktive und Entdecker – von Lichterkunst in Bordeaux‘ U-Boot-Basis bis zu Wanderungen unter Wasser.

Und damit ihr Frankreich noch besser versteht, gibt es natürlich auch viel  Hintergrund zu Frankreich und seinen Menschen inklusive zahlreicher Tipps, wie ihr das Frankreich-Feeling mit nach Hause nehmen könnt. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

 

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2 Kommentare

  1. Hallo! Wir haben dieses Jahr auf unserer Rückfahrt von La Rochele in Niort ein Stop gemacht. Ein Bekannter (Franzose)hat dort eine Ausbildung als Koch gemacht. Deshalb wollten wir uns umsehen. Wir hatten keimen Stadtplan oder Reiseführer und haben unser Auto an einer Kirche abgestellt. Sind dann die Hauptstraße bis zur alten Kirche gelaufen. Von dort an der Polizei und Gericht zum Dijon. An der Markthalle vorbei links zu einer anderen Kirche und zurück zum Auto. Zum Schluß sind wir an Beginn der Fußgängerzone angekommen.wo unser Auto oberhalb stand. Aus Unwissenheit sind wir statt gerade zur Fußgängerzone und dem Dijon rechts und links um diese gelaufen. Es waren kleine enge Gassen mit alten Häuser. Alles war recht runter gekommen, Geschäfte standen leer und manchmal lag ein muffiger Geruch in der Luft. Wir waren etwas enttäuscht. Vielleicht haben wir Niort auf dem falschen Fuß erwischt. Jedenfalls kam es für uns als Altersruhesitz nicht in Frage, weil es, wie gesagt, einen etwas runter gekommen, ärmlichen Eindruck machte in den Ecken wo wir uns bewegt haben. Gruß Johannes Senf

    • Hallo Herr Senf, danke für Ihre Eindrücke aus Niort. Ich denke, da hatten Sie wirklich Pech und sind eine Gasse außerhalb des Zentrums entlang gelaufen, die keinen guten Eindruck machte. Solche Gassen gibt es leider in vielen französischen Orten, so schön der Rest sein mag. Geben Sie Niort eine zweite Chance und besuchen Sie es noch einmal – und besonders seinen Markt,
      Viele Grüße, HIlke Maunder

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