Mein Frankreich: Antje Seele 2


„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Heute antwortet die Hamburgerin Antje Seele, die ihren Traum lebt und dabei Neues wagt.


Mein Frankreich: Antje Seele von Tour ExquisitReisen wurde mir in die Wiege gelegt. Schon als Kind bin ich mit meinen Eltern und Geschwistern (und mindestens einem Haustier) im voll beladenen Passat quer durch Europa gereist. Meine Mutter mit drei verschiedenen Briefumschlägen auf den Knien, Schweizer Franken, Französische Franc, Spanische Peseten. Gehalten haben wir, wo es uns gefiel, meine Mutter, fließend in den unterschiedlichsten Sprachen, navigierte zwischen Karten lesen und aus dem Reiseführer vorlesend meinen Vater und uns drei Kinder. Im Fußraum der Hund und eine Kühlbox, der Kofferraum bis oben vollgepackt und wir, die wir abwechselnd spielten, zankten und träumten auf der Rückbank.

Mein Frankreich: Antje Seele von Tour ExquisitDas waren meine ersten Reiseerfahrungen. Mein Vater erzählte von seiner Zeit als junger Assistenzarzt in Bagdad, meine Mutter von ihren Erfahrungen als Stewardess bei British Airways. Dazu Geschichten aus dem Reiseführer, so wurde meine Sehnsucht nach fernen Ländern und Kulturen geweckt. Sonntags Pflichtprogramm: gemeinsames Frühstück und dabei dem Reiseformat Zwischen Hamburg und Haiti lauschen.

Der Duft der Provence

Später, während meines Architekturstudiums, zog es mich immer wieder nach Frankreich. Ich fuhr alleine mit dem Rucksack los, auf den Spuren der Impressionisten, nachdem ich eine Biographie von Camille Pissarro gelesen hatte. Und wurde reich belohnt. Im Sommer 1995 erstand ich in Nizza ein Ticket für Ausstellungen und Galerien an der gesamten Côte d’Azur und war fasziniert von der Malerei, den Lido-Tänzerinnen, dem glitzernden Wasser, dem Duft der Provence … Herrlich! Morgens noch nicht genau zu wissen, wo ich abends sein würde. Irgendwo gab es eine Jugendherberge oder eine günstige Unterkunft.

Mein Frankreich: Antje Seele von Tour ExquisitIn Frankreich waren die Jugendherbergen damals über Mittag lange Zeit geschlossen. Beim Warten lernte ich auf einer dieser Reisen in Arles den italienischen Kunststudenten Paolo kennen. Nein, keine Liebesgeschichte, aber eine schöne Erinnerung: Wir hatten viel Zeit an diesem Nachmittag mit unseren Rucksäcken vor der geschlossenen Jugendherberge. Paolo wusste alles über Kunstgeschichte von hier bis zu seinem Heimatort Turin, und konnte so lebendig erzählen, dass ich in Gedanken die ganze Küste entlang reiste.
Antje Seele: Wochenmarkt in Frankreich

Beim Essen sparen? Niemals!

Irgendwann bekam ich Hunger. Paolo hatte als einzige Verpflegung einen Joghurt dabei. Das äße er immer mittags, so könne man Geld sparen. Jetzt konnte ich mich revanchieren. Ich konnte an allem sparen, aber nicht, unter keine Umständen, beim Essen.

Ich schleppte ihn auf den provenzalischen Markt, und wir kosteten eingelegte Oliven, Kapernäpfel, Käse, diese herrlichen großen aromatischen Tomaten (cœur de bœuf), dazu natürlich Baguette und ein Glas kühlen Rosé. Einer der Tage, der in Erinnerung bleibt und den ich untrennbar mit Frankreich verbinde.

Dieses Gefühl hatte ich in den nächsten Jahren noch häufiger, als ich an so genannten „Chantiers“ teilnahm – von der jeweiligen Region subventionierte Sommerlager, bei denen Jugendliche aus Frankreich und anderen europäischen Ländern gemeinsam an einem Projekt zum Erhalt der französischen Kulturdenkmäler arbeiteten. Ich ging mit apare in die Provence. Mittlerweile gibt es natürlich eine Webseite. Früher jedoch war es für mich total aufregend, auf das Programm per Post zu warten!

Mein Frankreich: Antje Seele von Tour Exquisit

Unter dem Sternenhimmel von Saint-Tropez

Mein schönstes Erlebnis: Mit 20 Jugendlichen aus aller Herren Länder einen Teil der Zitadelle von Saint-Tropez zu restaurieren. Wir standen um sechs Uhr auf, unter der Leitung des wunderbaren französischen Architekten Bernard (so eine Art Gerard Depardieu im Hawaiihemd), arbeiteten bis mittags. Dann wurde es zu heiß, und am Nachmittag führte uns eine Animatrice – in diesem Fall Bernards junge Freundin – zu Kunst und Kultur der Region.

Mein Frankreich: Antje Seele von Tour ExquisitJeden Abend wurde eine lange Tafel aufgebaut und zwei der Teilnehmer waren mit kochen dran. Möglichst ein Rezept aus dem eigenen Land, es gab Wein und Pastis und endlose Gespräche. Unsere Wohnwagen hatten wir schon am zweiten Tag gegen den Sternenhimmel ausgetauscht und schliefen draußen, à la belle étoile.

Lebenslange Freundschaft

Zum Abschied gab es ein Fest direkt auf dem Gelände der Zitadelle, in der Mitte ein Feigenbaum, Blick aufs Meer. Dort entstand meine bis heute andauernde Freundschaft mit der spanischen Journalistin Begona, die zu meiner großen Begeisterung eine Opernarie zum Besten gab.

Im Feigenbaum leuchteten Kerzen, Begona und Bernard hatten eine Paella gezaubert, ein anderes „Chantiers“ mit Gitarrenspielern kam uns besuchen. Es wurde gesungen, gefeiert, getanzt. Erinnert ihr euch an den Film Chocolat mit Jonny Depp und Juliette Binoche? Eine Stimmung wie auf diesem Fest am See, kein Wunder, dass Frankreich Sehnsüchte weckt …
Mein Frankreich: Antje Seele von Tour Exquisit

Von Airbus nach Avrée

Mein beruflicher Werdegang war ungewöhnlich. Nach dem Studium arbeitete ich mehrere Jahre beim Flugzeugbauer Airbus. Auch hier lernte ich mehr über die französische französische Kultur und Umgangsformen. und flog das erste Mal nach Toulouse, zur Einweihung der A380.

Ich träumte von Selbständigkeit und Reisen, und nach einigen Jahren verließ ich das Unternehmen und … reiste erneut nach Frankreich. Dort verliebte ich mich in das Burgund, genauer gesagt, in einen alten Kuhstall aus dem 19 Jahrhundert. Und blieb. Ich baute mit lokalen Handwerkern eben diesen Kuhstall in Avrée zu Ferienwohnungenum und begann gleichzeitig, die Region zu erkunden.
Mein Frankreich: Antje Seele von Tour Exquisit

Gastgeber, Gästetafel und Geschichten

So entstand meine erste Genussreise mit Seele, in dem ich alles selber testete, was das Burgund zu bieten hatte. Ich recherchierte und fand wunderschöne kleine Privatunterkünfte, mitten im Nirgendwo, auf dem Land, in der Stadt, schloss mit den Besitzern Freundschaft und aß an deren Gästetafel.

Mein Frankreich: Antje Seele von Tour Exquisit

Mein erstes Reisehandbuch wurde fertig. Genau überlegt, von welcher Unterkunft aus welche Tagesrouten die schönsten Entdeckungen bieten. Viel Herzblut ist in diese Konzepte geflossen, inspiriert haben mich die Wander-Zeichenbücher des Engländers William John Wainwright.

Leider kann ich nicht so gut zeichnen, aber ich habe ein Gespür für das Besondere. Mittlerweile habe ich solche individuellen Reisebücher mit unterschiedlichen Routen für Bordeaux, Burgund, der Provence und der Côte d’Azur erstellt.

Vom Wein-Virus infiziert

Es kam, wie es in Burgund kommen musste. Ich lernte ein Winzerehepaar in Pommard an der berühmten Côte d’Or des Burgunds kennen und wurde vom Wein-Virus infiziert. Es folgten Weinreisen, gemeinsam mit einem Hamburger Weinhändler, nach Burgund, ins Piemont und an die Rhône.

Mein Frankreich: Antje Seele von Tour Exquisit

Genussreisen mit Seele

Nun verbindet sich alles und der Kreis schließt sich: Mein Architekturstudium, die Liebe zu Frankreich, das Aufspüren von besonderen Orten und empathischen Gastgebern, Genuss und Wein und Kultur. Nie hätte ich damals, als ich das Buch über Camille Pissarros künstlerisches Schaffen las, gedacht, dass ich nun in Kooperation mit ZEIT Reisen eine Kunstreise nach Südfrankreich anbieten würde.

Mein Frankreich: Antje Seele von Tour ExquisitDie wunderbare Idee, alte und neue Kunst auf dieser Reise zu verbinden, und die alten Meister mit den neuesten Tendenzen zeitgenössischer Kunst zusammen zu bringen, kam dazu von meiner Reiseleiterin. Und wer könnte dafür besser geeignet sein, als eine Journalistin, die zeitweilig in Frankreich lebt und mit Begeisterung und Leidenschaft „ihr“ Frankreich beschreibt? Liebe Hilke, ich freue mich auf unser gemeinsames Projekt, und ich bin sicher: Dies wird nicht unsere letzte gemeinsame Reise sein!

Antje Seele gehört wie Célia Šašić, Silke Ziegler oder Jobst Plog zu den immer mehr Menschen, die in der ersten Blogparade auf Mein Frankreich.com ihre Verbundenheit zu Frankreich vorstellen – ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken.

Ich freue mich, wenn  viele von euch ihrem Beispiel folgen und ihre Texte euch zum Mitmachen inspirieren. Ob kurz oder lang, Prosa oder Lyrik, nur Fotos oder nur Text: Schickt mir eine Mail an info at maunder punkt de!

Mein Frankreich: Antje Seele von Tour Exquisit