Hamburg zeigt: Art Déco – Grafikdesign aus Paris

Art Déco Plakatkunst von Paul Iribe: Poiret
Paul Iribe (1883-1935) Illustration aus | illustration of Les Robes des Paul Poiret, 1908 Radierung und Pochoirdruck | etching and pochoir print, 31 x 27,7 cm Foto | photo: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) hat in den letzten Jahren eine in Deutschland einmalige Sammlung an Pariser Drucken der Art Déco vor allem aus den 1920er-Jahren erworben. Aus rund 700 Blatt zeigt die Ausstellung Art Déco – Grafikdesign aus Paris – vom 4. Mai bis 30. September 2018 rund 150 repräsentative Arbeiten.

Art Déco gilt als ein Stil der dekorativen Künste. Angesiedelt zwischen Jugendstil und dem Internationalen Stil der fünfziger Jahre, entstand er in etwa zeitgleich mit radikaleren Spielarten der künstlerischen Avantgarde, wie sie sich in de Stijl, russischer Avantgarde und Bauhaus äußern. Die Anfänge liegen im Paris der Jahre um 1910.

Nach 1930 läuft das Art Déco in verschiedenen Richtungen aus: Es verliert sich im pompösen Neoklassizismus der dreißiger Jahre, etwa in den Bauten des Faschismus in Italien, oder es überlebt in den USA bis in die fünfziger Jahre in Bakelit-Radios und Plastikhandtaschen. Sein Name entsteht 1925 mit der Weltausstellung der Angewandten Künste in Paris: Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes.

Opulent & raffiniert

Bei Art Déco denkt man an opulent geschwungene Formen, an exquisite Möbel, kostbare Stoffe und raffinierte Kleider – und nur selten an Grafik. Dabei kam es auch auf dem Gebiet des gedruckten Bildes durchaus zu bemerkenswerten Leistungen.

Aus insgesamt mehr als 700 Blatt hat das Hamburger Meuseum rund 150 für die Ausstellung ausgewählt, zu gleichen Teilen Plakate, Grafiken (Pochoirdrucke und Lithografien) und Anzeigen, vor allem aus den Zeitschriften Vogue und L’Illustration. Es mag erstaunen, hier Anzeigen gleichberechtigt aufgeführt zu sehen, doch werden sie damals oft von führenden Künstlern entworfen.

Zudem spiegeln sie die großen Themen der Zeit: das Auto, das gestalterisch einen Höhepunkt erlebt, das französische Chanson, das in den1920er- Jahren groß wird, die Pariser Haute Couture, die in dieser Zeit in Paris entsteht, und nicht zuletzt Tanz und Cabaret, die damals besonders in Paris eine wichtige Rolle spielen.

Cassandre & Co.

Die Pariser Art Déco-Plakate gelten auch international als ein Höhepunkt der Plakatgeschichte. Adolphe Mouron, genannt Cassandre, Charles Loupot, Jean Carlu und Paul Colin waren die führenden Plakatmaler. Jeder entwickelt seinen eigenen unverwechselbaren Stil. Cassandre gilt noch heute als größter Plakatkünstler des 20. Jahrhunderts. Er gestaltet zwischen 1925 und 1935 rund hundert Plakate, jedes von ihnen auf seine Weise einzigartig, viele von ihnen Meisterwerke, die bis heute die Balance zwischen moderner Gestaltung und eindringlicher Wirkung halten.

Während Cassandre und Loupot vor allem im Bereich der Produktwerbung tätig sind, bedient Jean Carlu die ganze Bandbreite vom politischen Plakat über die Produktwerbung bis zum Theaterplakat. Paul Colin dagegen spezialisiert sich auf die Theater- und Cabaret-Bühnen der Stadt. Er porträtiert viele große Sängerinnen und Schauspieler der Zeit. Einer der Höhepunkte der Ausstellung ist Colins Mappenwerk über die Revue nègre, die Tanzcompagnie der Josephine Baker, die mehrfach in Paris gastiert und für die Colin auch Bühnenbilder und Kostüme entwirft.

Erfinder der Haute Couture

1908 erscheint zum ersten Mal ein Katalog mit der neuen Kollektion des Modeschöpfers Paul Poiret: Les robes de Paul Poiret – eine Art Gründungschrift des Art Déco. Poiret, den man als einen der Erfinder der Haute Couture bezeichnen  kann, stellt hier seine neue Frauenmode mit hoher Taille und lang schwingenden Gewändern vor: Die typischen Art Déco-Silhouetten entstehen. Zugleich finden sich in diesem Heft zugleich die ersten bedeutenden Pochoir-Drucke, entworfen von Paul Iribe, einem politischen Karikaturisten, der auch als Modezeichner erfolgreich wird.

Pochoir: Mode & Erotik

Die Pochoir-Drucke sind eine Pariser Besonderheit. Der Begriff meint eigentlich eine Drucktechnik, steht aber zugleich für ein ganzes Genre, nämlich für die gehobene und elegante Illustration, die sich vor allem mit Mode und – dezenter – Erotik befasst. Wörtlich übersetzt heißt „Pochoir“ Schablonendruck, doch sieht dies in der Praxis sehr viel differenzierter aus. Zumeist handelt es sich um aufwendige Mischtechniken mit einem variierenden Anteil von Handarbeit. Die Drucke sind nicht für hohe Auflagen und günstige Preise geeignet, sondern finden sich in Luxuseditionen und gehobenen Modejournalen wie der Gazette du Bon Ton.

Pariser Art Déco  in Hamburg: Info

Die Ausstellung

Öffnungszeiten: Di.-So. 10-18 Uhr, Do. 10-21 Uhr Eintritt: 12 € / 8 €, Do. ab 17 Uhr 8 €, bis 17 Jahre frei. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit ca. 140 Seiten.

Frankreich & Hamburg

2018 feiert die ganze Welt das Jahr der Frankophonie, und auch Hamburg macht mit. Was Frankreich und Hamburg verbindet, habe ich hier verraten.  Alle Beiträge der deutschlandweiten Blogparade findet ihr hier.

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