So viel Frankreich steckt in … Hannover 3


Blick von der Rathauskuppel in Hannover

Blick von der Rathauskuppel in Hannover. Foto: HMTG/Lars Gerhardts

Es war Rugby. Ein harter, aber fairer Match zwischen Hannover und Perpignan. Ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges schlossen Deutsche und Franzosen Freundschaft. Sie überdauerte einen fürchterlichen Krieg, wurde Motor der Aussöhnung – und mündete 1960 in eine Städtepartnerschaft. Perpignan, die Hauptstadt der Pyrénées-Orientales, ist nach Bristol die zweitälteste Partnerstadt der niedersächsischen Landeshauptstadt.

Fünf Jahre später schloss sie eine zweite Partnerschaft. Seit 1966 ist Hannover mit Rouen in der Normandie verschwistert. Auch sie trägt bis heute die Vision, mit Völkerverständigung den „Friedens in der Welt“ zu sichern. Heute steht Hannover mit sieben Partnerstädten weltweit im lebendigen Austausch.

Sie stellt seit 1985 hinter dem Neuen Rathaus der Park der Partnerstädte vor. Dazu wurden im Maschpark erst Sandsteine im Boden eingelassen, dann eine Tafel aufgestellt. Sie zeigt neben neben einer Wegekarte auch einen  QR-Code. Wer ihn scannt, erfährt mehr zu den Partnerstädten.

Der Maschsee von Hannover

Der Maschsee von Hannover. Foto: HMTG

Zu den Partnerstädten führt auch die dritte „Ge(o)heimnisse“-Tour der Landeshauptstadt Hannover und der Hannover Marketing und Tourismus GmbH (HMTG). Bei der digitalen Schnitzeljagd warten Caches darauf, entdeckt zu werden. Die Stationen, die diese Geocaching Tour zu einer Weltreise machen, führen von Springe über Hannover bis nach Garbsen und Langenhagen.

Oder von Schweden über Großbritannien, die Niederlanden, der Türkei, China, Italien, Polen, Spanien und der Schweiz auch nach Frankreich. Weitere Details zu der Tour findet ihr auf www.hannover.de und auf www.geocaching.com, der internationalen Homepage für Geocacher aus der ganzen Welt.

Hannover: Park der Patenschaften

Der Park der Partnerstädte. Foto: Landeshauptstadt Hannover

Breit aufgestellt und lebendig

Ebenfalls in den frühen 1960er-Jahren entstanden erste Schulpartnerschaften. Universitätspartnerschaften und Bürgerbegegnungen folgten. Heute pflegen auch die AIESEC, der DGB, die Polizei, die Bundespost, die Reservisten (AKRO Jumelage), die Handwerkskammer und der Seniorenservice Kontakt mit Frankreich.

Gemeinsame Kunstaktionen, Musik- und Medienprojekte, Austausche zwischen Schulen, Jugendlichen und Berufstätigen, Begegnen von Sport- und anderen Vereinen: In Hannover sind die deutsch-französischen Beziehungen quicklebendig – in allen Generationen.

Neue Impulse brachten vor allem die Expo 2000 die Städtepartnerschaftsjubiläen der Jahre 2006/2007 und 2016/17. Ausgebaut wurde besondere die Zusammenarbeit im Bereich Kultur. So kooperiert heute das Conservatoire de Rouen mit Nordstadtkonzerte e.V. und lud das junge Haus-Ensemble Pro Artibus Hannover 2010 zu zwei Konzerten zum Frühlings-Festival von Rouen ein.

Die Kooperation mit der École supérieur d’art et design Le Havre-Rouen fruchtete im Sommer 2017 in einer Gemeinschaftsausstellung. Unter dem Titel Voyage Voyage, Reise Reise zeigten sechs junge Künstler erst in Hannover, dann im Aître Saint-Maclou von Rouen ihre Arbeiten.

Grenzenlose Musik & Band Camp

Junge Bands aus Rouen und Hannover begegnen sich seit 2010 während des Fährmannfestes. Das größte alternative Open-Air-Musikfestival mit Bands jeglicher Couleur verwandelt alljährlich Anfang August die Grünanlage bei der Justus-Garten-Brücke beim Zusammenfluss von Ihme und Leine für drei Tage in einen bunten Kulturpark. Sein Motto: bunt statt braun. Seit 2009 gehört zum Stadtfest ein Bandcamp der Städtepartnerschaften. 2014 trafen dort die vier Normannen von Bengäl aus Rouen dort auf The Hirsch Effekt aus Hannover,

Der blaue Hahn der Hannover Messe

Frankreich war 2011 Partnerland der Hannover Messe und gehört zu den traditionell stärksten Ausstellernationen der größten Industriemesse der Welt In Halle 8 (Digital Factory, Integrated Automation, Motion & Drive) dreht sich vom 23.-27. April 2018 alles um die neuesten Trends in den Bereichen AI, Cloud-Services oder Virtual Technologies. Dort findet ihr unter dem Banner des blauen Hahns auch Business France und der Verband Alliance Industrie du Futur in Begleitung von zwei Regionen – Pays de la Loire und Hauts-de-France. Erstmals mit dabei am Gemeinschaftsstand Frankreichs ist die französische Investitionsbank Bpifrance mit 15 klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU).

Business France organisiert zudem drei bilaterale Tage mit Ländern, die eine Strategie für die Zukunft der französischen Industrie aufgestellt haben. Am Dienstag 24. April, steigt ein französisch-italienisch-deutscher Tag in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer. Am 25. April folgt ein französisch-amerikanischer Tag, am 26. April ein französisch-japanischer Tag.

Die Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer, mit mehr als 950 Mitgliedern eine der größten größten deutschen Auslandshandelskammern der Welt, findet ihr in Halle 27. Von Paris aus begleitet sie seit mehr als 60 Jahren die deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen.

Genießen à la français

Auch kulinarisch ist Frankreich in Hannover aufs Köstlichste vertreten. Das beginnt bereits morgens mit luftig-buttrigen Brioches oder Croissants von Serge Maranzana. Nachmittags sorgt der Meisterkonditor der Pâtisserie Elysée, der in Paris bell Lenôtre sein Handwerk lernte mit Tartes, Eclairs oder Macarons für Genussmomente. Für die Zahlen ist eine frühere Kollegin aus seiner Zeit bei Most zuständig.

Gemeinsam mit der Diplom-Kauffrau Christina Hochheuser sollte er dort für den Süßwarenspezialisten ein Konzept entwickeln, um französische Pâtisserie im deutschen Süßwaren-Fachhandel zu vermarkten. Most ging pleite – und beide wagten den Sprung in die Selbstständigkeit. Das war 2003. Heute gibt es neben dem Stammaus am Vahrenheider Markt in Hannover noch vier weitere Cafés in der niedersächsischen Landeshauptstadt – an der Joachimstraße am Bahnhof, auf der Lister Meile, am Engelbosteler Damm und am Großen Hillen.

Später am Tag müsst ihr euch entscheiden: Dînieren im Bistrol-Stil – oder genießen ganz bio. Denn bald gibt es nur noch zwei französische Restaurants in Hannover. Zum 30. April 2018 sagt das Clichy leise adieu. 38 Jahre lang hatte Ekkehard Reimann mit seinem Team Loup de Mer und Seezunge, Hummer und Jakobsmuscheln typisch französisch zubereitet und seine Gäste für die Dauer ein paar Stunden lang aus dem Alltag nach Frankreich entführt.

Luxus ja, Firlefanz nein, war Reimanns Credo gewesen. In La Provence/Paradies heißt es „ganzheitlich“ und „bio“. Was dort auf der Karte steht, ist herzhaft, rustikal – und kommt aus ökologischem Landbau. Wie das Perlhuhn provençal mit Oliven, Rosmarinjus, Frühlingsgemüse und Spargel.

Provence-Küche in Hannover

Speisesaal von La Provence/Paradies. Foto: La Provence/Paradies

Von Mai bis September speist ihr sogar mitten im Grünen – in einem ehemaligen Gewächshaus, das sich zwischen Olivenbäumen, Oleanderbüschchen und Lavendel versteckt. Feine Kleinigkeiten aus der französischen Küche, ehrlich und authentisch zubereitet, findet ihr im Bistro Le Monde von Anna Debou und Ingo Wel. Im Sommer lockt hier ein lauschiger Hofgarten!

Französische Gerichte findet ihr aber auch in anderen Lokalen der Stadt. Besonders bei Spitzenkoch Norbert Schu vom Maschsee-Restaurant Die Insel. Mittags serviert er ein Business-Lunch, das ihr selbst zusammenstellen könnt. Abends zelebriert er hohe französische Kochkunst, die Gault-Millau 17 Punkte wert war. Zur Feier der 50-jährigen Städtepartnerschaft mit Perpignan lud er als Gastkoch Michel Vedrine von der Villa Duflot aus Perpignan in seine Küche.

Die Nanas von Niki

Rund 2000 Franzosen leben in und um Hannover. Sie freut es besonders, das Hannovers erste und bislang einzige Ehrenbürgerin eine Landsmännin ist: Niki de Saint Phalle.

Am Leibnizufer begegnen euch drei der berühmten Nanas von Niki de Saint Phalle: Sophie, Charlotte und Caroline – Namenspaten waren Kurfürstin Sophie, Charlotte Buff und Caroline Herschel. Die Hannoveraner waren 1974 nicht sonderlich begeistert von den drallen Dame an der Leine.

Doch auf Protest und Diskussion folgte eine innige Liebe. Die Figuren gehören heute zu den Wahrzeichen der Stadt, sind beliebte Fotomotive und bilden den Auftakt einer Skulpturenmeile, die bis zum Königsworther Platz noch weitere fünf Kunstwerke zeigt.

Am 17. November 2000 wurde die Künstlerin Ehrenbürgerin der Stadt, zwei Tage später bedankte sie sich mit einer Schenkung von 400 Werken an das Sprengel Museum Hannover. Auch in den Herrenhäuser Gärten hinterließ die Französin ihre Spuren.

Dort wurde die historische Grotte, die zur EXPO 2000 saniert worden war, bereits 2001-2003 aufregend anders nach ihren Plänen umgestaltet. Decken und Wände spritze ihr Team dazu mit Glasfasergewebe aus. In handliche Stücke geschnitten, reiste es nach Frankreich reiste.

Dort verwandelten es die Assistenten der Künstlerinmit Glas und Spiegeln in ein farbiges, funkelndes Mosaik. Zurück in Hannover, kam es wieder an die  Wand. Nur, um erneut verziert zu werden. Jetzt wurden die  Polyesterfiguren, die Niki de Saint-Phalle in Kalifornien gefertigt hatte, aufgeklebt. Heute ist die Grotte als Gesamtkunstwerk urheberrechtlich geschützt und darf nur mit Genehmigung der VG Bild-Kunst und der Niki-de-Saint-Phalle-Stiftung fotografiert werden. Auf Youtube könnt ihr jedoch einen Eindruck gewinnen.

Die Rettung eines Südfranzosens

Doch einen Südfranzosen zog es ganz besonders nach Niedersachsen. Ein seltener Bartgeier wurde am Ende Juli 2017 in einem Waldstück völlig durchnässt und entkräftet 32 km nordwestlich von Hannover bei Eilvesee entdeckt und eingefangen. In der Wildtier- und Artenschutzstation (WASS) von Sachsenhagen wurde er wieder aufgepäppelt.

Dort entdeckten die Mitarbeiter: Der Geier trägt einen Sender – und liefert so ständig seine Koordinaten an Gypconnect, dem Wiederansiedlungsprogramm die diese bedrohte Art. Von dort erfuhren sie: Der Bartgeier hört auf den Namen Duron. Er wurde am 28. Januar in einer spanischen Zuchtstation geboren und am 2. Mai im Weltnaturerbe der Grands Causses ausgewildert. Dort zieht er heute wieder seine Kreise – dank Noémie Ziletti und Thierry David von Gypconnect. Was für eine tierische Zusammenarbeit!

Frankreich & Hannover: Was für Verbindungen!

Antenne Métropole

Frankreich in der Metropolregion Hannover: Als Teil des Netzwerkes des Institut français Deutschland fördert die  Antenne Métropole  die deutsch-französische Zusammenarbeit in den Bereichen Kultur und Wissenschaft.
 www.metropolregion.de/project/france

Deutsch-französische Gesellschaft Hannover

Der Ciné Club zeigt französische Filme im Original mit deutschen Untertiteln, die Rencontres sind gesellige abendliche Treffen in einer Gaststätte. Bei „Parlons d’Art“ werden ausgewählte Bilder in französischer Sprache besprochen, bei „Parlons, lisons, chantons“ französische Literatur, Chansons oder Aktuelles diskutiert. Mit einem breit aufgestellten Kulturprogramm lädt die DFG Hannover zum Gedankenaustausches zwischen Franzosen und Deutschen, die in Hannover oder der Region Hannover leben. Natürlich fehlen auch „Cuisine française, vins“ nicht im Programm: französische Kochkurse und Weinseminare. • www.dfg-hannover.de

Die kleinen Gallier

Krippe und Kindergarten mit insgesamt 80 Plätzen in Hannover-Döhren für alle Kinder, die bereits französisch sprechen oder es lernen wollen.
www.kleine-gallier.de

Grundschule Suthwiesenstraße

Die Grundschule in Hannover-Döhren hat Profilklassen in Englisch und Französisch.

Institut français Hanovre

Das staatliche Kulturinstitut von Hannover bietet neben Sprachkursen und -prüfungen ein beeindruckend vielfältiges Kulturprogramm.
• https://hannover.institutfrancais.de

Käthe-Kollwitz-Schule

Hier könnt ihr in Hannover das AbiBac machen.
• www.kks-hannover.de

Kino am Raschplatz

Hier zeigt der Ciné Club französischen Filme.
• www.kinoamraschplatz.de

Kino im Künstlerhaus

Das Kommunale Kino Hannover featured französische Filme in der Originalfassung.

Le Carrefour

Als Mitglied des FIAFE unterstützt le Carrefour französisch sprechende Menschen in der Region Hannover. Sehr hilfreich dabei: der Guide des Francophones de Hanovre. Jeden ersten Donnerstag im Monat ist Zeit für ein Treffen in der Café Bar Celona (Lister Meile 15) oder, bei gutem Wetter, im  Biergarten Lister Turm.
• www.lecarrefour.de

Le Côté Français de Hanovre

Web-Plattform der DFG Hannover zu den französischen Seiten von Hannover, Niedersachsen und Deutschland: staatliche und städtische Akteure, Vereine, Firmen und mehr
• www.frankreich-in-hannover.de

Pâtisserie Elysée

Hannovers französische Konditorei und Bäckerei.
• https://patisserie-elysee.de


Wie viel Frankreich steckt in Deutschland? Das verrät euch meine neue Blogparade, die in Kooperation mit der Vereinigung der Deutsch-Französischen Gesellschaften für Europa (VDFG) das Jahr der Frankophonie 2018 begleitet. Alle bisherigen Beiträge findet ihr hier.

 Ihr wollt, dass ich auch eure Stadt und ihre Verbindungen mit Frankreich vorstelle? Dann schreibt mit eine Mail! Ich freue mich auf ganz viele Tipps und Infos. Und sage: MERCI!

 

Stadtansicht von Hannover

Stadtansicht von Hannover. Foto: HMTG/Lars Gerhardts


3 Gedanken zu “So viel Frankreich steckt in … Hannover

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