Das alte Antibes mit der Grimaldi-Burg. Foto: Hilke Maunder

Postkarte aus … Antibes

Am Cap d’Antibes verschmelzen drei völlig unterschiedliche Schauplätze und Stimmungen. In Juan-les-Pins regiert noch immer der Jazz – und wird nach einem Tag am und auf dem Wasser intensiv gefeiert. Am Cap d’Antibes wechseln sich Luxusvillen und wilde Küste ab. In der Altstadt von Antibes würden sich Pablo Picsso und Nicolas de Staël auch heute noch wohl fühlen, über den Markt bummeln und an der Place Nationale bei einem Café oder canon, einem kleinen Glas Wein, dem bunten Treiben zuschauen.

Antibes

Antibes mit seiner Bastion Saint-André. Foto: Hilke Maunder
Antibes mit seiner Bastion Saint-André. Foto: Hilke Maunder

Antibes ist die zweitgrößte Stadt des Départements Alpes-Maritimes nach Nizza und hat mit Cannes eine seiner schärfsten Konkurrentinnen. Um die Reichsten der Reichen weiterhin anzulocken, hat die Stadt mit griechischen Wurzeln daher zum Sommer 2024 ihr Hafenbecken Port Vauban saniert und attraktiv aufgewertet.

Der Hafen der Superreichen

Port Vauban mit dem Fort Carré. Foto: Hilke Maunder
Port Vauban mit dem Fort Carré. Foto: Hilke Maunder

Am Quai des Milliardaires reihen sich Superjacht an Superjacht: schwimmendes Geld, oft aus Großbritannien, registriert auf den Kaiman-Inseln. Gemessen an der Tonnage seiner Boote ist Antibes der größte Jachthafen Europas.

1986 wurde ein Teil des Hafens gezielt für zahlungskräftige Gäste ausgebaut. Die Preise für Liegeplätze betragen am Quai des Milliardaires schon gerne mal mehr als 1,5 Millionen Euro! Achtung: Es gilt ein Fotoverbot für sämtliche Luxusjachten im Hafen!

Das Fort Carré. Foto: Hilke Maunder
Das Fort Carré. Foto: Hilke Maunder

Zwischen den Masten und Wimpeln taucht das Fort Carré auf, das seit 1583 den Hafen sichert. Unter Heinrich II. wurde das Bollwerk 26 Meter hoch auf einem Felsen errichtet, um die Stadt Antibes und die französische Küste vor Angriffen von Piraten und Feinden zu schützen. 1560 begann der Bau – und wurde erst 23 Jahre später abgeschlossen.

Hoch über den Jachten thront der Nomade von Jaume Plensa. Nicolas de Staël lebte, malte und beendete sein Leben oberhalb des Strandes von Gravette, wo ihr zur warmen Jahreszeit mitten in der Stadt mit Blick auf die Burg baden könnt.

"Der Normade" von Jaume Plensa in Antibes. Foto: Hilke Maunder
„Der Normade“ von Jaume Plensa in Antibes. Foto: Hilke Maunder

Das alte Antibes

Die Altstadt schützt eine noch teilweise erhaltene Stadtmauer, die Vauban, der Festungsbaumeister Ludwigs XIV., im 17. Jahrhundert anlegte. In ihre Mauerbögen, in denen sich anfangs die  Kasematten und in den 30er-Jahren die öffentlichen Bäder ( Bains Douches ) sind Künstler wie der Glasbläser Didier Saba gezogen, die in Atelier-Boutiquen ihre Arbeiten zeigen. Wenige Schritte weiter zeigt die städtische Galerie Les Arcades aktuelle Kunst.

Véronique Laures hat die Vielfalt der Wellen am Cap d'Antibes im Foto festgehalten. Foto: Hilke Maunder
Véronique Laures hat die Vielfalt der Wellen am Cap d’Antibes im Foto festgehalten. Foto: Hilke Maunder

Alljährlich im April ist die Antibes Art Fair Marktplatz der Künstler.  Seit 2016 trägt Antibes das Label „Stadt der Kunst und des Kunsthandwerks“ (Ville des Métiers d‘Art).

Auf der nahen Esplanade du Pré des Pêcheurs dreht sich das Grande Roue d’Antibes. Im Winter eröffnet das Riesenrad herrliche Ausblicke auf den Weihnachtsmarkt, der dann hier gastiert!

SNIPER in der städtische Galerie Les Arcades. Foto: Hilke Maunder
SNIPER in der städtische Galerie Les Arcades. Foto: Hilke Maunder

Die Altstadt ist mit ihren Gebäuden im italienischen Stil der schönste Teil von Antibes. Hier müsst ihr euch einfach treiben lassen und gemütlich schlendern, um den Charme des alten Antibes zu erleben. Rue du Bateau, Rue de la Baume, Rue des Arceaux, Place du Revely: charmante Gassen und überdachte Passagen, Arkaden und versteckte Plätze … wenn ihr außerhalb der Hauptsaison kommt. Im Sommer kann es indes recht voll werden!

Der Marché Provençal von Antibes. Foto: Hilke Maunder
Der Marché Provençal von Antibes. Foto: Hilke Maunder

In wenigen Schritten erreicht ihr so den bunten provenzalischen Markt, der dienstags bis sonntags in der langgestreckten Halle des Cours Masséna mit Ständen voller Gemüse, herzhaftem Aufschnitt und hausgemachtem Käse, Olivenöl und Lavendelsträußchen das Savoir-vivre des Südens zelebriert.

Mitten in der Woche auf dem Marché Provençal. Foto: Hilke Maunder
Mitten in der Woche auf dem Marché Provençal. Foto: Hilke Maunder

Die Picasso-Burg

Nur wenige Schritte entfernt begegnen euch zwei weitere touristische Magnete von Antibes: die Kathedrale Notre-Dame-de-l’Immaculée-Conception mit ihren Barockfassade in Ocker, Weiß und Gelb samt Glockenturm  sowie die Burg der Grimaldi am Standort der Akropolis, die die Phokäer in der Antike errichtet hatten, als Antibes noch Antipolis hieß.

Im Mittelalter residierten die Bischöfe in der Burg, vom 14. bis 17. Jahrhundert dann die Familie Grimaldi, die der Burg ihren Namen gab und deren Wappen in den Stein eingraviert ist.

Die Kathedrale von Antibes. Foto: Hilke Maunder
Die Kathedrale von Antibes. Foto: Hilke Maunder

Heute birgt ihr Burgschloss ein Picasso-Museum. Picasso malte nur zwei kurze Monate lang, im Herbst 1946, in dem ihm zur Verfügung gestellten Atelier. Aus Dankbarkeit gegenüber der Stadt hinterließ das Genie der Stadt 250 Arbeiten, die später durch eine Fülle von Keramiken bereichert wurden. 23 Gemälde und 44 Zeichnungen sind direkt in Antibes entstanden.

Antibes: Picasso-Museum. Foto: Hilke Maunder
Der erste Saal des Picasso-Museums von Antibes. Foto: Hilke Maunder

Viele Arbeiten aus jener Zeit spiegeln die heitere Grundstimmung des Künstlers nach den schweren Kriegsjahren wider. Die sonnigen Farben und das strahlende Licht von Antibel verliehen Picassos Werken damals eine ganz neue Dimension.

Eine andere, kraftvolle Maltechnik und das Interesse an mythologischen Themen ließen Meisterwerke wie Ulysée et les Sirènes (1947), Nu Couché au Lit Bleu (1946) und das berühmte Bild La Joie de Vivre (1946) entstehen. Mehr zu Picasso und Antibes erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Das Picasso-Museum von Antibes. Foto: Hilke Maunder
Das Picasso-Museum von Antibes. Foto: Hilke Maunder

Raymond Peynet

Der französische Zeichner und Karikaturist Raymond Peynet hat einen Großteil seines Lebens in Antibes verbracht. Am 16. November 1908 in Paris geboren, ließ er sich 1952 in der Stadt nieder und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr 1999. Inspiriert durch das Chanson von Georges Brassens Les amoureux des bancs publics (Die Verliebten auf den Parkbänken) hat er mehr als 6000 Zeichnungen von Liebespaaren geschaffen und so Antibes zu einem Symbol der Liebe gemacht.

Seine Zeichnungen von verliebten Paaren sind weltweit bekannt und seine Skulpturen in der Stadt verstreut –  von Les Amoureux am Hafen von Antibes bis zu dem Liebespaar vor dem Peynet-Museum an der Place Nationale.

Die freie Kommune

Weiter gen Süden erstreckt sich die commune libre du safranier. Wie in Montmartre gibt es in diesem kleinen Stadtviertel einen Verein, der dafür sorgt, dass lokale Traditionen wie das Weinlesefest im September gepflegt werden. Seine Bewohner treffen sich rund um Pesto-Suppen und Aioli. Lorbeeren, Agaven und Bougainvillea blühen in der hübschen Rue du Haut-Castelet, die zum Nikos-Kazantzákis-Platz führt.

Sein Name erinnert an den Autor von Zorba, dem Griechen. In Antibes schrieb Nikos Kazantzákis die meisten seiner Werke. Von dort sind es nur wenige Schritte zur Bastion Saint-André, die heute das städtische Archäologiemuseum birgt und das griechische und römische Erbe von Antibes vorstellt. Auch von hier eröffnen sich herrliche Ausblicke!

In den Hügeln von Antibes errichteten inmitten von Oliven zwei Meister der abstrakten Kunst in den 1960er-Jahren ihre Villa gebaut: der Deutsch-Franzose Hans Hartung und die Norwegerin Anna-Eva Bergman. Heute führt ihr Anwesen die Fondation Hartung Bergman, die von April bis Oktober Architektur und Atelier sowie die Arbeiten der beiden Künstler vorstellt.

Poeten und Mauergesichter

Victor Hugo im Jardin des Poètes. Foto: Hilke Maunder
Victor Hugo im Jardin des Poètes. Foto: Hilke Maunder

Antibes erstreckt sich an der Ostseite des Cap d’Antibes. Wer der Küste Richtung Kap folgt, kommt zum Jardin des Poètes, einem kleinen Garten mit Sukkulenten und Wolfsmilchgewächsen, in dem Denkmäler an Victor Hugo, Charles Baudelaire und Alphonse de Lamartine erinnern.

Gegenüber versteckt sich in der Wand der Stadtmauer eines der Mauergesichter“, die ihr in Antibes auch auf einigen Wohnhäusern entdecken könnt. Sie schuf der chinesische Künstler Ho Lui, , der in der Rue James Close sein Atelier und seit X Jahren in Antibes lebt und arbeitet.

Ein Mauergesicht von Ho Lui. Foto: Hilke Maunder
Ein Mauergesicht von Ho Lui. Foto: Hilke Maunder

Die Strände von Antibes

Zurück am Meer, säumen zahlreiche Strände die vielgestaltige Küste. Ob es nur zwölf sind oder 35, wie manche Online-Seiten behaupten, sei dahingestellt. Picasso schwamm während seiner Zeit in Antibes gerne an den Stränden Plage du Ponteil und Plage de la Salis mit seinem benachbarten Sportboothafen.

Der Blick von der Plage du Ponteil zur Burg von Antibes. Foto: Hilke Maunder
Der Blick von der Ilette auf Antibes. Foto: Hilke Maunder
Der Port de la Salis. Foto: Hilke Maunder
Der Port de la Salis. Foto: Hilke Maunder

Mein Lieblingsstrand ist die zauberhafte Plage Keller mit ihrem beliebten wie guten Strandrestaurant eröffnet sich weite Blicke über das Mittelmeer hin nach Cagnes, zum markanten Marina-Bau von Loubet und weiter bis nach Nizza.

Und genau dort könnte man jetzt den Sentier Littoral verlassen, der das gesamte Cap d’Antibes umrundet, und hochlaufen zum 75 Meter hohen Plateau de la Garoupe.

Der Blick über das Meer hin nach Nizza von der Plage Keller bei der Plage de la Garoupe. Foto: Hilke Maunder
Der Blick über das Meer hin nach Nizza von der Plage Keller. Foto: Hilke Maunder
An der Crique de la Garoupe. Foto: Hilke Maunder
An der Crique de la Garoupe. Foto: Hilke Maunder

Das Plateau de la Garoupe

Dort erhebt sich der rot-weiß geringelten Phare de la Garoupe, der seit 1860 alle fünf Sekunden sein weißes Blitzlicht aus 30 Metern Höhe 58 Kilometer weit hinaus schickt. Der Leuchtturm wurde im Auftrag der französischen Marine gebaut, um die Schifffahrt vor der Küste von Antibes zu sichern und gehört zu den mächtigsten Leuchttürmen des Mittelmeers.

Von seiner Spitze könnt ihr während der Saison einen atemberaubenden Blick auf die Küste von Antibes, das Cap d’Antibes und die Îles de Lérins erleben. Gleich neben dem Leuchtturm findet ihr den Sanctuaire de la Garoupe mit Notre-Dame-de-Bon-Port au dem 16. Jahrhundert.

Notre-Dame de Bon-Port auf dem Plateau von Garoupe. Foto: Hilke Maunder
Notre-Dame de Bon-Port auf dem Plateau von Garoupe. Foto: Hilke Maunder

Ursprünglich gab es dort nur eine kleine Kapelle, die der Jungfrau Maria geweiht war. Die Kapelle wurde von Seeleuten errichtet, die auf der Suche nach Schutz vor Stürmen und Schiffbruch waren.

Im Laufe der Jahre wurde die Kapelle erweitert und umgebaut. Im 19. Jahrhundert stieg sie zu einem Wallfahrtsort auf, und bis heute findet im Sommer ein großes Fest der Gläubigen und Wallfahrer an der Kirche zu  Ehren der Jungfrau Maria  statt. Während der Messe segnet der Priester die See und das Land, ehe er mit den Gläubigen von der Kapelle hinabsteigt zur Kathedrale von Antibes zu Gebet und Gesang.

Das Cap d’Antibes

Die Infotafel zum Wanderweg, wie sie am Westende der Runde bei der Villa Eilenroc steht. Foto: Hilke Maunder
Die Infotafel zum Wanderweg, wie sie am Westende der Runde bei der Villa Eilenroc steht. Foto: Hilke Maunder
Der Blick vom Kap gen Nordwesten. Foto: Hilke Maunder
Der Blick vom Kap gen Nordwesten. Foto: Hilke Maunder
Die Küste des Cap d'Antibes bei der Plage Pointe Ouest. Foto: Hilke Maunder
Die Küste des Cap d’Antibes bei der Plage Pointe Ouest. Foto: Hilke Maunder

Vorbei an den Luxusvillen offenbart Cap d’Antibes seine wahre Identität: eine wilde Felsküste, von den Wellen geschlagen und mit scharfen Felsen bedeckt. Rund um die Villa Eilenroc, die auf einer Klippe thront, hat die Vegetation die Klippen erobert. Agaven und Schirmkiefern klammern sich in den Fels, künstliche Höhlen bescheren Romantik: Cap d’Antibes – eine schicke Synthese aus üppig wilder und domestizierter Natur.

Die Gartenseite der Villa Eilenroc. Foto: Hilke Maunder
Die Gartenseite der Villa Eilenroc. Foto: Hilke Maunder

Das Hotel Cap-Eden Roc

Das 1870 eröffnete Hôtel Cap-Eden Roc ist das Luxushotel des Cap d’Antibes – und wahrhaft filmreif. Berühmt wurde es als Drehort von  Tender Is The Night (Zärtlich ist die Nacht, 1962), nach F. Scott Fitzgeralds autobiografischem Roman. Er schildert den unbekümmerten Hedonismus der 1920er und 1930er-Jahre an der Riviera, als das berühmt-berüchtigte Paar Scott und Zelda Fitzgerald seine Spielchen in genau diesem Hotelpalast trieb. 2013 drehte Woody Allen für Magic in the Moonlight im Cap Eden-Roc.

Der Sentier Littoral bringt euch auch zur Baie des Millionaires, der Bucht der Millionäre. Abgeschieden hinter hohen Mauern, versteckt im Grün der Palmen, Buchsbäume und Zedern, ist das Kap hier übersät mit opulenten Residenzen, deren Privatsphäre wache Kameraaugen sichern: ein seltsames Gefühl beim Wandern!

Die Baie des Milliardaires. Foto: Hilke Maunder
Die Baie des Milliardaires. Foto: Hilke Maunder

Ums Kap auf dem Sentier Littoral

Der Sentier Littoral folgt den alten Wegen der Zöllner, die auf den Pfaden die Küste patrouillierten. Im Volksmund wird ihr sentier des douaniers gerne auch sentier de tire-poil genannt wird, ein Weg, der an den Haaren zieht. Spätestens an der Spitze der Halbinsel wird klar, warum. Hier geht immer der Wind – mal als sanfte Brise, mal als stürmische Böe.

Von der Villa Eilenroc bis zur Plage Keller führt der gelb markierte Weg einmal rund herum um das malerische zerzauste Felskap mit seinen Klippen von Hellweiß bis Tiefbraun.

Der sentier littoral beim Hôtel Cap Eden-Roc. Foto: Hilke Maunder
Der sentier littoral beim Hôtel Cap Eden-Roc. Foto: Hilke Maunder
Anfang März blüht der Ginster am Küstenweg. Foto: Hilke Maunder
Anfang März blüht der Ginster am Küstenweg. Foto: Hilke Maunder

Er verläuft auf Sand und Schotter, immer nah an den Klippen, hin zu kleinen Stränden, versteckten Buchten und einer zerfurchten Felsküste, an der sich Treppenwege im steten Auf- und Ab an den Fels klammern: eine Wanderstrecke, nicht barrierefrei und überhaupt nicht kinderwagengerecht. Und doch sieht man immer wieder Besucher, die mit Karre und Kind die Strecke in Angriff nehmen.

Der Weg ums Kap ist nicht barrierefrei - an einem Abschnitt geht es nur treppauf, treppab die Küste entlang. Foto: Hilke Maunder
Der Weg ums Kap ist nicht barrierefrei – an einem Abschnitt geht es nur treppauf, treppab die Küste entlang. Foto: Hilke Maunder
Herrliche Weitblicke eröffnen die Aussichtspunkte am Wanderweg rund ums Cap d'Antibes. Foto: Hilke Maunder
Herrliche Weitblicke eröffnen die Aussichtspunkte am Wanderweg rund ums Cap d’Antibes. Foto: Hilke Maunder

Schatten gibt es unterwegs kaum, umso mehr aber traumhafte Ausblicke. Und so kann der Wanderweg, der eigentlich in weniger als zwei Stunden zu bewältigen wäre, sich mit Badepause und Picknick als Halb- oder Ganztagesausflug gestalten.

Wer in Antibes startet, kommt schließlich zum Port de l’Olivette, einem winzigen Hafen mit Metallgerüst, auf das im Sommer als Laufstrecke für die Bootseigner einige Holzplanken gelegt werden. Schirmkiefern und Feigenbäume rahmen die Bucht ein. Keine einzige Jacht ist zu sehen.

Umso malerischer dümpeln hier im Sommer die pointus, die bunten Holzboote der Fischer von der Côte d’Azur. Weit schweift der Blick über die türkisblauen Fluten hin zur den Lérins-Inseln, nach Cannes und bis zum Esterel-Gebirge am Horizont.

Der Blick vom Port de l'Olivette gen Westen. Foto: Hilke Maunder
Der Blick vom Port de l’Olivette gen Westen. Foto: Hilke Maunder

Im Gänsemarsch geht es entlang der Küste und ihrer viel befahrenen Zufahrt zum Kap nach Juan-les-Pins. Dass hier ein Trottoir fehlt, zeigt, wie sehr früher der Autoverkehr die Infrastrukturplanung prägte. Doch Antibes denkt um. Und plant zumindest bei L’Olivette, einen Teil der Straße in einen Fuß- und Radweg zu verwandeln. Die vielen morgendlichen Jogger und Spaziergänger wird es freuen.

Die Küste bei Juan-les-Pins. Foto: Hilke Maunder
Die Küste bei Juan-les-Pins. Foto: Hilke Maunder

Das Erbe der Römer

Unterwegs tauchen Ruinen und Fundamente im Wasser auf. Es sind die letzten Reste einer antike villa maritima, einer römischen Luxusvilla am Meer. Sie wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. erbaut und bestand damals aus einem Wohnhaus, Thermen, einem Garten und einem Bootsanleger.

Ungefähr auf gleicher Höhe ließ der Industrielle Robert Meyer zwischen  1937 und 1939 die Villa La Calade errichten. Mit dem Entwurf beauftragte einen Stararchitekten seiner Zeit aus Cannes: César Cavallin. Von ihm stammen auch das Hôtel Belles Rives in Juan-les-Pins (1929) sowie in Antibes das Palais Beau-Rivage (1935) und die Villa La Brigantine (1937).

In Juan-les-Pins hat das Meer so manche Bauten erobert. Auch dieser Turm ist heute eine malerische Ruine. Foto: Hilke Maunder
In Juan-les-Pins hat das Meer so manche Bauten erobert. Auch dieser Turm ist heute eine malerische Ruine. Foto: Hilke Maunder

Die Villa La Calade

Wie viele seiner Zeitgenossen zitierte er in seinen Art déco-Bauten gerne Elemente jener Luxusliner, die damals die Stars der Meere waren. Begeistert integrierte Cavallin Elemente der Schifffahrt in seine Bauten, wie es schon Robert Mallet-Stevens für die Villa Noailles auf Hyères 1924-1930 gemacht hatte oder Georges-Henri Pingusson bei seinem Hôtel Latitude 43 für Saint-Tropez im Jahr 1932.

Auch die Villa Calade steckt daher voller Analogien zur Marine: mit Bullaugen, Reeling und Details an der Fassade, wie der Zugangsleiter zum Belvedere. Tiefrosa erhebt sich die Villa hinter einem Spalier aus Palmen an der Küste. Im ersten Stock eröffnet eine halbrunde Terrasse den ersten  Blick auf den Golf. Ein Treppenhaus aus Glasbausteinen führt zur Dachterrasse: Dort muss die Aussicht einfach atemberaubend sein! Die Villa ist im Privatbesitz und lässt sich nicht besichtigen.

Die Villa Les Chênes Vertes oberhalb des Port de l'Olivette. Foto: Hilke Maunder
Die Villa Les Chênes Vertes oberhalb des Port de l’Olivette. Foto: Hilke Maunder

Tipp

Wetter- und lichttechnisch gesehen, ist es am besten, morgens von Juan-les-Pins nach Antibes auf dem Küstenweg zu wandern. Mittags kommen Quellbewölkung und Wind auf, zuerst an der Westseite.

Juan-les-Pins

Der Port Gallice von Juan-les-Pins. Foto: Hilke Maunder
Der Port Gallice von Juan-les-Pins. Foto: Hilke Maunder

Erst an den Häfen Port du Crouton und Port Gallice gibt es wieder Fußgängerwege. Sie führen hin zu einem Ort, der geradezu mystisch ist und bis heute die amerikanische Ära von Juan-les-Pins während der Roaring Twenties widerspiegelt. Zwar hatte der Herzog von Albany, Sohn der britischen Königin Viktorias um 1880 den Ferienort gegründet, doch bis in die  1920er Jahre war er eher unbedeutend geblieben.

Doch 1925 verliebte sich der amerikanische Milliardär Frank Jay Gould in das Seebad. Gemeinsam mit dem Franzosen Edouard Baudoin, einem der Entwickler von Deauville, kaufte er das alte Kasino am Meer und verwandelte es zu einem glanzvollen Treffpunkt, wo die High Society und  intellektuelle Elite die Nacht feierte, der Alkohol floss und die Kugel rollte.

Der Belles Rives-Strand. Foto: Hilke Maunder
Der Belles Rives-Strand. Foto: Hilke Maunder

Im Mai 1927 eröffnete Frank-Jay Gould mit Le Provençal das erste Grand-Hotel am Cap d’Antibes. Zuvor war man an der Côte d’Azur vor allem noch nach Cannes und Nizza gereist – und dies im Winter.  Gould indes setzte auf die Sommersaison. Und hatte damit einen riesigen Erfolg. Zumal sich die Damen am Strand von Juan erstmals  in Badeanzügen sonnten.

Juan-les-Pins stieg zu dem Badeort der amerikanischen Kultur-Elite auf. In Hotels wie Le Provençal und Belles Rives, das 1929 folgte, trafen Zelda und F. Scott Fitzgerald auf Rudolf Valentino, Mistinguett und Hemingway, Charlie Chaplin und John Dos Passos. Auch Marlène Dietrich wurde dort gesehen.

Das Hôtel Belles Rives. Foto: Hilke Maunder
Das Hôtel Belles Rives. Foto: Hilke Maunder

Die Hotels Le Provençal und Belles Rives liegen in der Nähe des Pinienwaldes von Gould, wo im Sommer seit 1960 in jedem Juli das berühmte Jazzfestival von Juan-les-Pins stattfindet. Das Nachtleben von Juan-les-Pins pulsiert das ganze Jahr und zieht vor allem junge Leute an. Berühmt für seine abendliche Unterhaltung ist Le Crystal, wo die Cocktails auf Tabletts voller kunterbunt funkelnder LED-Leuchten serviert werden, die Kellner mit ihren Shows die Gäste animieren und ein DJ auflegt.

Doch bevor abends abgehottet wird, zieht es alle zum Apéro an die Bars und Bistro der palmengesäumten Promenade am Mittelmeer: Jeden Abend inszeniert der Sonnenuntergang ein neues faszinierendes Naturschauspiel, und im Licht der letzten Sonne verschmelzen die Häuser von Cannes‘ Stadtviertel Mouré Rouge zu einer imaginären Burg am Horizont.

Abendstille am Mittelmeer in Juan-les-Pins. Foto: Hilke Maunder
Abendstille am Mittelmeer in Juan-les-Pins. Foto: Hilke Maunder
Abendstimmung in Juan-les-Pins an der Pier der Strandpromenade. Foto: Hilke Maunder
Abendstimmung in Juan-les-Pins an der Pier der Strandpromenade. Foto: Hilke Maunder
Traumhafte Naturschauspiele: die Sonnenuntergänge von Juan-les-Pins. Foto: Hilke Maunder
Traumhafte Naturschauspiele: die Sonnenuntergänge von Juan-les-Pins. Foto: Hilke Maunder

Antibes: meine Reise-Infos

Hinkommen

Bahn

Gare d’Antibes und Gare de Juan-les-Pins an der TER-Strecke Cannes / Grasse – Ventimiglia (mit Fahrradmitnahme)

Flughafen

Aéroport Nice Côte d’Azur (15 km),  Flughafentransfers per Shuttle oder Bus.

Schlemmen und genießen

L’Absinthe

Kultige Bar im Kellergewölbe – natürlich mit Absinth auf der Karte!
• 25, Cour Masséna, 06600 Antibes, Tel. 04 93 34 93 00,

Le Bistrot

• 27, avenue Amiral Courbet, 06160 Antibes, Tel. 04 93 74 51 28

Le Figuier de Saint-Esprit

Namensgeber dieses kleinen Restaurant an der Stadtmauer beim Musée Picasso war der dortige Feigenbaum. Am Herd steht ein Monsieur mit auffälligem Schnurrbart und schier überbordender kulinarischer Fantasie: Sternekoch Christian Morisset.
• 14, rue St-Esprit, 06160 Antibes, Tel. 04 93 34 50 12, www.restaurant-figuier-saint-esprit.fr

Le Vieil Antibes

Charmante Traditionsbar mit einigen kleinen Tischen an der Ecke zur Place Nationale.
• 1, rue Thuret, 06600 Antibes, Tel. 04 93 34 56 84

In Antibes gibt es mehrere Töpferfeien und Keramikkünstler. Foto: Hilke Maunder
In Antibes gibt es mehrere Töpferfeien und Keramikkünstler. Foto: Hilke Maunder

Shopping

Le Marché Provençal

Der bekannteste Wochenmarkt von Antibes: Obst, Gemüse und Blumen und schöne Mitbringsel zu Touristenpreisen.
• Cours Masséna, Juni–Aug. tägl., Sept.–Mai Di–So

Flohmärkte

Donnerstags und samstags auf der Place Jacques Audiberti, samstags auch auf der Place Nationale.

Kleidermärkte

Dienstags und samstags auf der Place Barnaud, donnerstags auf  dem Parkplatz vor der Post.

Aktiv

Der sentier littoral beim Fort Carré. Foto: Hilke Maunder
Der sentier littoral beim Fort Carré. Foto: Hilke Maunder

Sentier Littoral

www.antibesjuanlespins.com

Wellness

Thalazur Antibes bietet Thalassotherapie und hat Schwimmbecken, eine Sporthalle, einen Hamam, Sauna, Whirlpool und Kinderbetreuung.
• 770, chemin des Moyennes Bréguières, 06600 Antibes, Tel. 04 92 91 82 02.www.thalazur.fr

Themenpark

Marineland Antibes

Seit 1970 präsentiert der Themenpark Marineland die faszinierende Welt der Meerestiere. Zum Programm gehören Delfin- und Seelöwenshows, Pinguinfütterungen, ein Streichelzoo sowie ein Aquarium mit Rochentunnel und Haifischbecken.
• 306, avenue Mozart, 06600 Antibes, Tel. 04 93 33 49 49, www.marineland.fr

Delfinshow im Marineland. Foto: Hilke Maunder
Delfinshow im Marineland. Foto: Hilke Maunder

Schlafen

Hôtel du Cap Eden Roc

Brad Pitt, Sharon Stone, Hugh Grant, Jennifer Lopez: Das todschicke und sündhaft teure Hotel am Cap Antibes ist der Inbegriff von Luxus, seine Stammgäste sind Weltstars, Millionäre und Präsidenten. Normalsterbliche können die Bar besuchen.
• Bd. J. F. Kennedy, 0493 61 39 01, www.hotel-du-cap-eden-roc.com

La Jabotte*

Klein, charmant und ruhig: Das Boutiquehotel nahe der Plage de la Salis ist ein Kleinod der Küste. Der Service ist hervorragend, und die zehn Zimmer sind farbenfroh und exquisit dekoriert. Sie liegen um einen Innenhof, einige haben eine eigene kleine Terrasse.
13, av. Max Maurey, Tel. 04 93 61 45 89, www.jabotte.com

Le Relais du Postillon*

Diese komfortable alte Herberge im Herzen von Antibes bietet 16 Zimmer in Laufweite zum Musée Picasso. In der Nähe gibt es einen öffentlichen Parkplatz.
• 8, rue Championnet, Tel. 04 93 34 20 77, www.relaisdupostillon.com

Noch mehr Betten*

 

Am sentier littoral des Cap d'Antibes. Foto: Hilke Maunder
Am sentier littoral des Cap d’Antibes. Foto: Hilke Maunder

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