Das Château de Pierrefonds im Département Oise. Foto: Hilke Maunder
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Château de Pierrefonds: Mittelalter-Traum

Am Rande des Waldes von Compiègne erhebt sich stolz das Lieblingsschloss von Kaiserin Eugénie aus dem Grün: das Château de Pierrefonds. Erbaut im 14. Jahrhundert, abgerissen im 17. Jahrhundert, auferstanden unter Napoleon III., verewigte darin Viollet-le-Duc seine Vision des Mittelalters – und begeisterte damit Bayerns Märchenkönig Ludwig II.

Runde Türme und spitze Dächer, Zugbrücke und Wehrgang, Pechnasen und Chimären: Das Château de Pierrefonds scheint einem Mittelaltertraum entsprungen. 1397 hatte Herzog Louis von Orléans (13472-1407) in Pierrefonds eine befestigte Wohnstätte errichtet.

Louis war der Bruder Karls VI., der sich mit dem Herzog von Burgund um die königliche Macht stritt. Von Pierrefonds aus könnte Louis den Austausch zwischen Flandern und Burgund kontrollieren und unterstrich so seine Macht.

1617 wurde sein Burgschloss auf Befehl von König Ludwig XIII. geschleift. Die riesige Ruine geriet in Vergessenheit. Erst die Romantik entdeckte sie neu: als malerisches wie mystisches Ausflugsziel in der Natur.

Im Jahre 1810 kaufte Napoleon I. die Ruinen des Schlosses des Herzogs von Orléans für weniger als 3000 Francs– mit dem Ziel, die königlichen Domänen zu vergrößern. Pläne für eine Restaurierung des Schlosses hegte Napoleon Bonaparte nicht.

Ganz anders jedoch Napoleon III., der Neffe von Napoleon I. 1850 besucht er die Burgruine – und war begeistert.  Napoleon III. war ein Kind seiner Zeit. Geboren am 20. April 1808 in Paris als Charles-Louis-Napoléon Bonaparte, dritter Sohn von Louis Bonaparte, König von Holland, und Hortense de Beauharnais, wurde er in die Romantik hineingeboren und damit von einer Strömung beeinflusst, die sich von der rationalen Aufklärung abwandte und sich nach einer gefühlsbetonten und phantasievollen Welt sehnte.

Schloss mit Symbol-Charakter

Das Mittelalter mit seinen Rittern, Burgen und Heldentaten verkörperte diese Sehnsucht. Burgen galten damals als Symbole für Freiheit und Individualität. Sie standen im Gegensatz zu den engen Grenzen der modernen Gesellschaft und boten Raum für Abenteuer und Selbstverwirklichung. Mitten in der Natur gelegen, waren Burgen auch eine Projektionsfläche für eine Welt, die als rein und unschuldig galt. Das Château de Pierrefonds spiegelte den Zeitgeist der Romantik wider und war damals eine ungeheuer beliebte Ruine.

Die Revolution von 1848 markierte jedoch einen Wendepunkt in der Geschichte Frankreichs. Auf die Zweite Republik (1848-1852), eine kurze Zeit der Demokratie mit allgemeinem Männerwahlrecht und sozialen Reformen, folgte das Zweite Kaiserreich (1852-1870) unter Napoleon III.

Das verträumte Sehnen der Romantik wich Strömungen des Naturalismus und Nationalismus. Als Zeugen der Geschichte wurden Burgen neue starke Symbole für den Stolz einer Nation und Orte für Identifikation und Zusammengehörigkeit. Die Ruinen der Residenz von Louis d’Orléans aus dem 14. Jahrhundert entsprachen diesen Zielen perfekt.

Zwei der acht Türme. Foto: Hilke Maunder
Zwei der acht Türme: die Tour de la Reine (l.) und die Tour du Roi (r.). Foto: Hilke Maunder

Die Vision von Viollet-le-Duc

1857 beauftragte Napoleon III.  den französischen Architekten Eugène Emmanuel Viollet-le-Duc (1814-1879) mit der Restaurierung des Château de Pierrefonds. Der berühmte Denkmalpfleger jedoch wollte bei all seinen Restaurierungen die Gebäude nicht einfach in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen.

Stattdessen versuchte er, den Geist der mittelalterlichen Architektur zu erfassen und Gebäude so zu restaurieren, wie er glaubte, dass sie hätten sein können, wenn sie fertiggestellt worden wären. Viollet-le-Ducs Restaurierungsmethoden wurden und werden bis heute kontrovers diskutiert. Kritiker werfen ihm vor, dass er zu frei mit den historischen Gebäuden umgegangen sei und dass er mehr Wert auf Ästhetik als auf historische Genauigkeit gelegt habe.

Seine Fans hingegen betonen, dass er dazu beigetragen habe, viele wichtige Bauwerke vor dem Verfall zu retten und das Interesse an der mittelalterlichen Architektur wieder zu wecken. Berühmt wurden – neben dem Château de Pierrefonds – Viollet-le-Ducs Restaurierung der Cité von Carcassonne und der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Viollet-le-Duc restaurierte nicht nur, sondern ließ auch Neubauten im mittelalterlichen Stil errichten, darunter das Rathaus von Saint-Quentin im Département Aisne.

Der Eingang zum Château de Pierrefonds mit der Zugbrücke. Foto: Hilke Maunder
Der Eingang zum Château de Pierrefonds mit der Zugbrücke. Foto: Hilke Maunder

Kaiserliche Residenz

Die ersten Arbeiten konzentrierten sich auf die Sicherung der Bausubstanz. Dazu gehörten die Reinigung des Mauerwerks, die Reparatur von Rissen und die Erneuerung von schadhaften Teilen. Viele Teile der Burgmauern waren stark beschädigt oder zerstört. Viollet-le-Duc rekonstruierte sie originalgetreu, wobei er teilweise neue Materialien verwendete.

Einige Gebäudeteile, wie der Donjon und die Türme, waren im Laufe der Zeit vollständig verschwunden. Viollet-le-Duc ergänzte sie anhand von historischen Plänen und Zeichnungen. Napoleon III. gefiel, was Viollet-le-Duc schuf – und erweiterte 1861 den Auftrag. Das Château de Pierrefonds sollte eine kaiserliche Residenz werden. Viollet-le-Duc schuf ein wahres Museum des Mittelalters.

Der überdachte Wehrgang verläuft auf zwei Ebenen. Foto: Hilke Maunder
Der überdachte Wehrgang verläuft auf zwei Ebenen. Foto: Hilke Maunder

Museum des Mittelalters

Rund 900 Meter lang ist der Mauerring des Château de Pierrefonds, aus dem sich acht Türme erheben. Helden der Bibel und der Geschichte schmücken sie als Statuen: hier David, Judas, Makkabäus und Josua, dort Cäsar, Alexander der Große, Hektor, König Artus, Gottfried von Bouillon und Karl der Große.

Stolze 52 Meter hoch reckt sich der Donjon auf, auf noch 40 bzw. 30 Meter bringen es die Tour de la Reine und die Tour du Roi. Hinein geht es über die Tour de la Poterne. Der Torturm bildet den Hauptzugang zum Schloss und birgt eine funktionstüchtige Zugbrücke.

Der Schlosshof

Der Blick auf den Schlosshof. Foto: Hilke Maunder
Der Blick auf den Schlosshof. Foto: Hilke Maunder

Die Cour intérieure bildet den zentralen Schlosshof. Sie gewährt Zugang zu gleich vier Gebäuden: dem Donjon im Südwesten der Cour Intérieure, dem Grand Corps de Logis mit den Wohnräumen des Schlosses, der Aile des Cuisines mit den Küchen und den Wirtschaftsräumen des Schlosses, sowie zur Chapelle, der Schlosskapelle im Süden der Cour Intérieure.

Berühmte Skulptur: der Pelikan des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder
Berühmte Skulptur: der Pelikan des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder

Überreich sind die Bauten dekoriert. Neben den Heiligen der Schlosskapelle schmückt ein fantastisches Bestiarium, wie es das Mittelalter liebte, die Fassaden: Drache, Greif und Einhorn tummeln sich dort – und Krokokile als Regenrinne. Auf den Dachfenstern sind Katzen zu sehen, 32 an der Zahl.

Ein Krokodil als Regenrinne: Gleich mehrere dieser Echsen leiten im Schlosshof von Pierrefonds das Wasser hinab zum Abfluss.
Ein Krokodil als Regenrinne: Gleich mehrere dieser Echsen leiten im Schlosshof von Pierrefonds das Wasser hinab zum Abfluss.

Die Schlusssteine der Säulenhalle, einem Gang in Freien, der am Wohnbereich entlang führt, zeigen Berufe und Szenen aus dem Roman de Renard, einer Sammlung von Tierfabeln aus dem Mittelalter. Sie erzählen, wie der Fuchs dem Raben den Käse stiehlt, der Wolf das Lamm frisst und eine Maus einen Löwen aus einem Netz befreit.

Die Schlosskapelle

Das Portal der Schlosskapelle. Foto: Hilke Maunder
Das Portal der Schlosskapelle. Foto: Hilke Maunder

Bei der Schlosskapelle verewigte sich Viollet-le-Duc und stellte sich auf der zentralen Säule des Portals dar – als Pilger im Gewand des­ Heiligen Jakobus dem Älteren. Ihn flankieren Ludwig von Orléans und seine Gattin Valentina Visconti.

Die Kapelle ließ Viollet-le-Duc von Grund auf neu errichten und versah sie mit einer Tribüne, auf dem der Chorraum überquert werden konnte.

Der Blick von der Passage der Schlosskapelle. Foto: Hilke Maunder
Der Blick von der Passage der Schlosskapelle. Foto: Hilke Maunder

Seine Schlosskapelle ist eine beeindruckende Replik der mittelalterlichen Flamboyant-Gotik mit spitzbogigen Gewölben und Fenstern, üppigem Skulpturenschmuck, Wimpergen, Ziergiebeln über Fenstern und Portalen und Fialen, die wie schlanke Türmchen emporragen, während zierliches Blattwerk als Krabbe auf den Kanten der Turmhelmen und Giebel emporkriecht und sich in den farbigen Glasfenstern das Licht geradezu mystisch bricht.

Der Aufgang zu den Wohnbereichen des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder
Der Aufgang zu den Wohnbereichen des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder

Der Donjon

Der Bergfried ist das letzte Refugium im Falle einer Besetzung. Fantastische Wesen und Tiere, die die kaiserliche Macht symbolisieren, schmücken die Täfelungen und Wandmalereien.

Haltet einmal Ausschau nach der Biene als Glücksbringer von Napoleon I., dem Adler als Symbol der Kaiser Napoleon I. und III., dem Nashorn von Napoleon III. auf einem der Kamine sowie dem Pfau, der Rose und der Distel als Symbole von Kaiserin Eugénie!

Im Arbeitszimmer des Donjon findet ihr die Biene als Symbol Napoleon I. Foto: Hilke Maunder
Unterhalb der mittelalterlichen Jagdszenen findet ihr die Biene als Symbol Napoleon I. Foto: Hilke Maunder

Viollet-le-Duc ehrt auf dem Château de Pierrefonds damit seine kaiserlichen Auftragsgeber so, wie es später Bodo Ebhardt Wilhelm II. auf dem Château du Haut-Koenigsbourg im Zimmer des Kaisers tun sollte.

Neben dem Wappentier der Valois befindet sich auf den Wänden von Pierrefonds Graffiti aus fünf Jahrhunderten. Foto: Hilke Maunder
Neben dem Wappentier der Valois befinden sich auf den Wänden von Pierrefonds Graffiti aus fünf Jahrhunderten. Foto: Hilke Maunder

Das Wildschwein war das Wappentier der Familie Valois, zu der Ludwig von Orléans gehörte – und ist auf dem Château von Pierrefonds ebenso omnipräsent wie die Initiation des Herzogs von Orleans, die unter anderem Türknaufe und Wandpanele schmücken.

Foto: Hilke Maunder
Auch hier tummelt sich das Wildschwein als Wappentier. Foto: Hilke Maunder

Im herrschaftlichen Schlafgemach erzählen Friese vom Leben der Ritter im 14. Jahrhundert ganz in der Ikonographie des Mittelalters.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Der Salle des Preuses

 Zu den wenigen Räumen, die vollständig eingerichtet und ausgestattet wurden, gehört die Salle des Preuses., der ehemals als Gerichtssaal diente. Viollet-le-Duc gestaltete ihn später in Anlehnung der Salle des Preux des Château de Coucy im Département Aisne als Heldensaal um.

Alles an ihm ist monumental: sein metallenes Gewölbe in Form des Rumpfes eines umgestürzten Bootes, seine Länge von 53 Metern, seine Höhe von 12 Metern und seine Breite von 10 Metern und sein Doppelkamin, den die preuses schmücken, neun Statuen von Kaiserin Eugénie und ihrer Hofdamen, dargestellt als Heldinnen der Antike, Königinnen oder Kriegerinnen.

In diesem Dekor präsentierte Napoleon III. seine Sammlung an Rüstungen. Die Handfeuerwaffen aus der kaiserlichen Sammlung waren einst in einem Vorzimmer zu bewundern. 1870 zog die Sammlung um ins Armee-Museum des Invalidendomes von Paris.

Die Salle des Gardes

Im Saal der Wachen sind Fragmente von Statuen zu sehen, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden, die parallel zur Restaurierung stattfanden. Foto: Hilke Maunder
Die salles des gardes, der Saal der Wachen, im Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder

Unter der Salle des Preuses befindet sich der ehemalige Saal der Wachen. Auch Saal der Söldner genannt, sind Fragmente von Statuen zu sehen, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden, die parallel zur Restaurierung stattfanden.

Die Gruft

Der Bal des Géants im Keller des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder
Der Bal des Gisants im Keller des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder

Eine zweiläufige Treppe führt hinab in die Kellerräume, deren Mauern noch aus dem 14. Jahrhundert stammen. Ihre Gewölbe indes ließ Viollet-le-Duc im 19. Jahrhundert neu gestalten und zwei große Heizanlagen anlegen, mit denen die Wohnräume beheizt werden konnten.

Heute könnt ihr in den Kellerräumen im vielfarbigen Licht von Strahlern den Bal des Gisants bewundern. Er birgt all jene Abgüsse von Grabskulpturen, die König Louis Philippe geordert hatte, um Frankreichs größten Persönlichkeiten Ehre zu erweisen. Diese Sammlung war ursprünglich im Château de Versailles zu sehen und wird heute nun hier gezeigt.

Bal des Gisants. Foto: Hilke Maunder
Der Bal des Gisants. Foto: Hilke Maunder

Lob und Kritik der Zeitgenossen

Bereits vor der Restaurierung besuchte Victor Hugo das Château de Pierrefonds und ritzte hinter einer Tür seinen Namen in den Stein. Eine Glasplatte schützt heute das Graffito „Victor Hugo 1836″. Er war 1836 von der Ruine des Herzogs von Orléans so beeindruckt, dass er noch ein Gedicht über das Schloss schrieb und 1837 veröffentlichte.

Die Renovierungen und Umbauten durch Viollet-le-Duc begeisterten nicht alle Zeitgenossen. Marcel Proust betrachtete die Arbeiten wie bei Pierrefonds als déjections  (Kot), Anatole France bezeichnete das Schloss als énorme joujou , als riesiges Spielzeug.

Viollet-le-Duc hätte diesem Vorwurf sicher vehement widersprochen, widmete er sich dort sehr ernst der Architekturforschung, wie sein Wörterbuch der französischen Architektur vom 11. bis 16. Jahrhundert verrät.

Viollet-le-Duc verstand die mittelalterlichen Baumechanismen perfekt – und passte sie bei seinen Renovierungen dem Zeitgeist seiner Epoche und dem Wunsch seiner Auftragsgeber an. Das Château de Pierrefonds ist der Beweis dafür.

Der Kamin im Saal der Wachen des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder
Der Kamin im Saal der Wachen des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder

Vorbild für Neuschwanstein

Im Juni 1867 besuchte auch der bayerische König Ludwig II. das Château de Pierrefonds während einer Reise nach Frankreich. Die märchenhafte Architektur von Pierrefonds mit seinen Türmen, Zinnen und Erkern begeisterte den bayrischen Monarchen enorm und inspirierten ihn, ähnlich wie die Wartburg, bei der Planung von Schloss Neuschwanstein. Ludwig II. sah im Château de  Pierrefonds ein Ausdruck für die Macht und Größe des Königtums und wollte mit Neuschwanstein ein ähnliches Symbol für Bayern schaffen.

Vier Jahre später, am 4. September 1870, endete das Zweite Kaiserreich nach der Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg mit der Proklamation der Dritten Republik. Napoleon III. floh nach England. Die Renovierungsarbeiten kamen nahezu zum Erliegen.

Das Schloss hatte zwar seine endgültige Silhouette erhalten, die Innenausstattung indes war jedoch noch lange nicht abgeschlossen. 1878 zeigte ein 4.500 Kilogramm schweres Modell aus Stein, eigens von Lucjan Wyganowski für die Weltausstellung in Paris gefertigt, den erstaunten Besuchern den Umfang der Bauarbeiten am Schloss von Pierrefonds.

Das Steinmodell des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder
Das Steinmodell des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder

Nach dem Tod von Viollet-le-Duc setzte sein Schwiegersohn Maurice Ouradou ab 1879 die Arbeiten fort. 1885, sechs Jahre späten, kamen sie jedoch endgültig zum Erliegen. Vier Jahrzehnte später spielte das Château de Pierrefonds im Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle.

Nur 15 Kilometer war damals die Front entfernt – und das Dorf Pierrefonds ein wichtiger strategischer Ort, dessen Priorat, Thermen, Dorfschule und Bahnhof einen Zustrom von Verwundeten erlebten, während 1500 Soldaten im Schloss campierten und in der Salle des Preuses zahlreiche totos veranstalteten, Läuserennen.

Im Zweiten Weltkrieg besetzte die deutsche Wehrmarsch im Juni 1940 das Château de Pierrefonds, nutzte es zunächst als Lazarett für verwundete Soldaten, später als Lager für geraubte Kunstgüter. Vier Jahre später wurde das Schloss im Juni 1944 durch alliierte Bombenangriffe beschädigt und nach Kriegsende geplündert.

Die geraubten Kunstgüter wurden zum Teil wiedergefunden, aber ein Teil ist bis heute verschollen. In den 1960er Jahren begannen umfangreiche Restaurierungsarbeiten am Schloss. Heute ist das Château de Pierrefonds restauriert, ein touristisches Highlight des Centre des monuments nationaux im Département Oise – und eine beliebte Location für für Filmaufnahmen.

Drehort für Filmklassiker

Zahlreiche berühmte Kinoklassiker nutzten das Château de Pierrefonds als Kulisse. Eine kleine Auswahl:

  • 1952: „Fanfan la Tulipe „von Christian-Jaque mit Gérard Philipe und Gina Lollobrigida
  • 1958: „Les Misérables“ von Jean-Paul Le Chanois mit Jean Gabin und Bernard Blier
  • 1961: „Capitain Fracasse“ von Pierre Gaspard-Huit mit Jean Marais und Yul Brynner
  • 1964: „Angélique“ von Bernard Borderie mit Michèle Mercier und Robert Hossein
  • 1966: „Mönch und Nonne“ von Tony Richardson mit Vanessa Redgrave und Franco Nero
  • 1966: „Der Glöckner von Notre-Dame“ von Jean Delannoy Anthony Quinn und Gina Lollobrigida
  • 1998: „Der Mann mit der eisernen Maske“ von Randall Wallace mit Leonardo DiCaprio, Jeremy Irons und John Malkovich
  • 2001: „Pakt der Wölfe“ von Christophe Gans mit Samuel Le Bihan und Vincent Cassel
Die Schlosskapelle des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder
Die Schlosskapelle des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder

Château de Pierrefonds: meine Reisetipps

Hinkommen

Adresse

• Rue Viollet-le-Duc 60350 Pierrefonds Frankreich, 03 44 42 72 72

Bahn

Zug bis Crépy-en-Valois, von dort Bus 657 in Richtung Compiègne. Oder: Zug nach Compiègne, von dort Bus 658 in Richtung Crépy-en-Valois.

Schlemmen und genießen

Restaurant Castle

Aymeric und Marie-Laure Fezelot haben das Traditionsrestaurant im Herzen von Pierrefonds übernommen und die Küche neu belebt. Freut euch auf kreative Bistronomie, die Klassiker gerne völlig neu inszeniert – wie beispielsweise beim Tiramisù aus Foie Gras und Feigen.
• 1, rue du Bourg, 60350 Pierrefonds, Tel. 03 44 76 77 80, https://restaurant-pierrefonds-lecastle.fr

Nicht verpassen

Les Secrets de Pierrefonds

Im Mai 1996 traf Michael Jackson, der damals auf der Suche nach einem Schloss zum Kauf in Frankreich war, zu einem privaten Besuch in Pierrefonds ein, von dem bei aller Diskretion doch einige Fans erfahren hatten – und die Zugbrücke damals belagerten. Davon erzählt das Privatmuseum von Guillaume Fournier, der mehr als 400 Exponate zum Dorf, seiner Steingutfabrik, seines Kurbades und zum Schloss zusammengetragen hat.
• 6, rue Napoléon, 60350 Pierrefonds, Tel. mobil 06 72 56 93 24, www.lessecretsdepierrefonds.fr

In der Krypta des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder
In der Krypta des Château de Pierrefonds. Foto: Hilke Maunder

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