ENTDECKT
Oise!
Im Norden Frankreichs, dort, wo die Metropolregion Paris langsam in die weite, sanfte Hügellandschaft der Picardie übergeht, liegt das Département Oise. Es ist ein Landstrich mit einer fast herrschaftlichen Aura, was kaum verwundert: Zur Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV. gehörte das Gebiet zu mehr als drei Vierteln zur Île-de-France – nur ein schmaler Streifen im Norden galt damals als picardisch. Heute ist das 5.860 Quadratkilometer große Département mit der Ordnungsnummer 60 Teil der Region Hauts-de-France und fungiert als grüner Gürtel vor den Toren der Hauptstadt. Eingebettet in große Wälder und weite Täler, grenzt es an die Départements Somme im Norden, Aisne im Osten, Seine-et-Marne im Süden, Val-d’Oise im Südwesten und Eure-et-Loir im Westen.
Beauvais: ein steinerner Traum vom Himmel
Die Hauptstadt des Départements ist Beauvais, das Architekturgeschichte schrieb. Die Kathedrale Saint-Pierre ist weltberühmt – nicht nur, weil sie unvollendet ist, sondern auch für ihren gotischen Chor – er ist der höchste der Welt. Wer unter dem gewaltigen Gewölbe steht, spürt den Drang der Baumeister des Mittelalters, dem Himmel so nah wie möglich zu kommen. Nebenan könnt ihr im Quadrilatère nicht nur aktuelle Kunst und römische Ruinen entdecken, sondern auch den besten Blick auf das gigantische Gotteshaus genießen.

Chantilly: crème de la crème!
Chantilly strahlt Eleganz aus. Die Stadt mit Bahnanschluss nach Paris ist Austragungsort der prestigeträchtigen Veranstaltung Chantilly Arts & Elegance Richard Mille. Sein prachtvolles Schloss umgeben makellos gepflegte Gärten. Das Café im Hameau des Schlossparks serviert zu frischen Erdbeeren die berühmte Spezialität der Stadt: Crème Chantilly, keine luftige, sondern cremig-kompakte Schlagsahne.
Senlis wirkt wie ein lebendiges Museum mit gepflasterten Straßen und gut erhaltenen mittelalterlichen Gebäuden und eine Zeitkapsel der französischen Vergangenheit. Die atemberaubende gotische Kathedrale und die galloromanischen Stadtmauern tragen zu ihrem Reiz bei.

Compiègne schrieb in einem Eisenbahnwaggon Weltgeschichte und beendete den Ersten Weltkrieg, in dem das Département besonders unter den Kampfhandlungen und dem deutschen Artilleriebeschuss gelitten hatte.
Crème Chantilly: Das weiße Gold der Oise
Berühmt ist das Département Oise für seine Crème Chantilly. Die Legende schreibt ihre Erfindung François Vatel zu, dem berühmten Haushofmeister des Prinzen von Condé, der sie im 17. Jahrhundert während eines prunkvollen Festbanketts zu Ehren Ludwigs XIV. serviert haben soll. Bis heute wird die echte Sahne vor Ort aus frischem Rahm, Puderzucker und echter Vanille aufgeschlagen – ein Genuss, der traditionell zu Windbeuteln oder fangfrischen Erdbeeren gereicht wird.

Bodenständiges aus Wald und Feld
Die Küche des Départements Oise verbindet kreativ die herzhafte Bodenständigkeit der Picardie mit dem Erbe der raffinierten Hofküche der Île-de-France. Rund um Chantilly und Senlis in der Oise werden Champignons in Kalksteinhöhlen gezüchtet. Sie wachsen dort in kühler, feuchter Dunkelheit und werden fester, aromatischer als normale Zuchtpilze, perfekt für Saucen oder die Ficelle Picarde, köstliche Crêpes mit Schinken und Pilzen. Im Herbst könnt ihr schmecken, was Wald und Flur für Genüsse bieten: Dann ist hier Hochsaison für Wild! Rebhühner, Hasen und Wildschweine aus der Forêt d’Halatte oder der Forêt de Compiègne d landen dann in Eintöpfen und Pasteten
Käse und süße Abschlüsse
Wer Käse mag, sollte einmal den Bray Picards oder den kräftigen Tomme au Foin aus dem Thérain-Tal probieren, einen Käse, der während der Reifung in Heu lagert und dadurch sein unverwechselbares, nussiges Aroma erhält. Begleitet werden diese Genüsse gerne von einem trockenen Apfelwein von der Cidrerie des Anges in Broquiers oder den Brasseries & Cidreries de Milly bei Beauvais, der hier eine ebenso lange Tradition hat wie in der Normandie.












