Mein Frankreich: Dana Mentzel

Dana Mentzel. Foto: privat
Dana Mentzel. Foto: privat

“Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Diesmal verrät es Dana Mentzel.


Frankreich…  Mein ganzes Leben begleitet mich dieses wunderbare Land bereits, inklusive allen Höhen und Tiefen.

1985 am Pont du Gard. Foto: Dana Mentzel
1985 am Pont du Gard. Foto: Dana Mentzel

Meine lieben Großeltern entschieden sich in den späten 1970ern, ein Stück Land im Languedoc zu erwerben und hatten den Traum, sich da ein Haus zu bauen.

Der Bauer, welchem sie das Land abgekauft hatten, lachte sich ins Fäustchen. Les Suisses kaufen 8000 Quadratmeter steinigen Boden für überrissene 20 Francs pro Quadratmeter (!), wie kann man nur so naiv sein!

Das zweite Zuhause

Das Haus wurde mit viel Schweiß, Nerven und kleinem Budget gebaut und war für mich seit meiner Geburt mein zweites Zuhause. Jeden Urlaub habe ich dort mit meinen Großeltern, Eltern und später mit meinem Mann und unseren Freunden verbracht.

Als Juli-Kind jeden Geburtstag bei sengender Hitze gefeiert. Jeden Baum und jeden Stein auf dem Grundstück kannte ich. Noch heute habe ich den unvergleichlichen Duft von Hitze, dürrem Boden und wildem Thymian in der Nase.

Schon die Reise war immer ein Highlight, sei es mit den Großeltern im Auto oder noch spannender mit meinen Eltern, inklusive unserer Katze Charlotte im Gepäck, mit dem Zug von Basel nach Genève und von dort mit dem TGV bis Nîmes.

Foto: Dana Mentzel
Uzès. Foto: Dana Mentzel

In Nîmes mit Katze, Kind und Koffer ins Taxi (die haben sich manchmal schon etwas am Kopf gekratzt:  « Ils sont un peu bizarres les Suisses, avec l’enfant fatigué et le chat qui miaule…»)

Endlich in Sagriès angekommen, wurde Charlotte aus dem Körbchen befreit. Ein neues Sommerabenteuer konnte beginnen.

Schon als Kind liebte ich es, am Samstag auf den Markt in Uzès zu gehen und mein Geburtstagsgeld (sagenhafte 200 Francs, was kostet die Welt?!) für Lavendelsäckchen, Seife und Kitsch auf den Kopf zu hauen.

Mit reicher Beute und ausgetrockneten Kehlen ging es ins Le Bengali. Ein Glas sirop à menthe und dazu deux boules menthe & chocolat (ja, mein Geschmack war etwas minzlastig…). Das Leben war unbeschwert und leicht. Meinen Seelenort habe ich es genannt. 

Die Jahre zogen ins Land, und nichts bleibt für die Ewigkeit. So kam es, dass aus einer Verkettung unglücklicher Umstände das Haus verkauft werden musste. Ein letzter Urlaub im Sommer 2015 und das wars… einfach so.

Mein Herz brach beim Abschied in 1000 Stücke, und selbst beim Verfassen dieser Zeilen merke ich, wie der Kloß im Hals wächst und sich meine Augen mit Tränen füllen (Reiß’ dich zusammen Dana, du kannst nicht heulend im Büro sitzen…)

Unsere Katze Charlotte. Foto: Dana Mentzel
Unsere Katze Charlotte. Foto: Dana Mentzel

Ein Leben ohne Frankreich? Nein, nie und nimmer…

Es folgten Urlaube an unterschiedlichen Orten auch außerhalb Frankreichs, teilweise in gemieteten Unterkünften oder Hotels. Es waren immer nette Ferien, aber die Sehnsucht nach einem Zuhause wuchs von Jahr zu Jahr. So kam es, dass mein Mann und ich mit meinen Eltern beschlossen, ein neues Zuhause in Frankreich zu suchen.

Le Grau-du-Ro. Foto: Dana Mentzel
Le Grau-du-Ro. Foto: Dana Mentzel

2017 hat mein Liebster mir eine kleine Tour de France geschenkt mit Übernachtung in Le Grau-du-Roi, wo wir beide jedes Jahr ein paar Tage am Meer verbrachten UND einem Besuch auf meinem geliebten marché in Uzès (ich habe einfach den besten Mann)!

Wir verbanden diesen Trip gleich mit ein paar Hausbesichtigungen. Vom Start in der Auvergne ging es dann durch das Languedoc und die einstige Region Midi-Pyrénées, bis wir dann per Zufall im Périgord landeten. Wir übernachteten spontan in Thiviers, um von dort aus am nächsten Morgen ein Haus in Paysac zu besichtigen.

Brantome. Foto: Dana Mentzel
Brantôme. Foto: Dana Mentzel

Abends schlenderten wir durch Thiviers und waren überrascht, wie leer die Straßen trotz Sommersaison waren. Wir aßen in einem kleinen Bistro unser Abendessen, mitten auf der Straße auf klapprigen Stühlen an einem Plastiktisch, mit einer wunderbaren Karaffe unbekanntem Wein aus der Region (auf Nachfrage, was für Wein das sei: vin du pays ).

In diesem Moment passierte es: Wir waren verliebt! Lass uns in dieser Region nach einem Zuhause suchen, sagte ich zu meinem Mann, bevor er dasselbe zu mir sagen konnte.

Köstlich: Erdbeeren aus dem Périgord. Foto: Hilke Maunder
Köstlich: Erdbeeren aus dem Périgord. Foto: Hilke Maunder

Noch am selben Abend rief ich meine Eltern an und wir beschlossen, am nächsten Morgen zurück nach Basel zu fahren, die Eltern abzuholen und am folgenden Tag wieder nach Thiviers zu fahren!

Von da an begann die Suche nach dem neuen Zuhause. Unzählige Objekte wurden besichtigt. Viele hatten Charme, einige waren kurios und wiederum andere waren außen Hui und innen Pfui. Keines fühlte sich nach einem Zuhause an, nirgends hatte es click gemacht…

Auf dem Weg zum vorletzten Haus verschwand die erste Euphorie und etwas Unsicherheit machte sich breit. Werden wir unser Zuhause finden? Angekommen irgendwo im Nirgendwo stand es da, 200 Jahre alt aus Stein mit einem wunderbaren saftig grünen Grundstück, innen gepflegt und renoviert von einem britischen Ehepaar, welches 15 Jahre dort gelebt hatte.

Nach langem Suchen fanden wir es: unser neues Heim im Périgord. Foto: Dana Mentzel
Nach langem Suchen fanden wir es: unser neues Heim im Périgord. Foto: Dana Mentzel

Endlich konnten wir es fühlen, das könnte es sein! Natürlich haben wir das letzte Objekt auf unserer Liste dennoch besichtigt (man weiß ja nie…) und auch das war ein sehr spannendes Haus, in welches aber noch eine Menge investiert hätte werden müssen. Außerdem erzählte uns der Makler, dass dort ein Familiendrama stattgefunden habe, ohne ins Detail zu gehen.

Die wunderbaren, aber gruseligen hohen Eichenbalken unter dem Dach haben meine Fantasie etwas zu sehr angeregt, vielleicht sollte ich nicht so viele Krimis lesen…. Das Killer-Kriterium was aber schlussendlich die route nationale, die gleich neben dem Haus verlief.

Angekommen. Unser neues Zuhause. Foto: Dana Mentzel
Angekommen. Unser neues Zuhause. Foto: Dana Mentzel

Also zurück ins Nirgendwo und erneut die 200 Jahre alte Schönheit besichtigen: JA, du bist es! Das ist unser neues Zuhause!  Nun kauft man sich nicht alle Tage ein Haus in Frankreich, und zum Glück hat uns niemand erzählt, wie nervenaufreibend das sein kann.

Selbst mit Sprachkenntnissen empfanden wir es als äußerst mühsam. Mir sind bestimmt ein paar Dutzend graue Haare gewachsen. Endlich, nach monatelangem Hin und Her, hat auf den letzten Drücker alles funktioniert, und wir konnten unsere Schlüssel abholen. 

Der Markt von Piegut-Pluviers. Foto: Dana Mentzel
Der Markt von Piégut-Pluviers. Foto: Dana Mentzel

Die Freude war riesig, endlich wieder ein Zuhause in Frankreich, einen Lieblingsbäcker suchen, das Grundstück entdecken, den besten supermarché finden, neue Freunde kennenlernen, die brocantes plündern.

Und das allerwichtigste: WO IST BITTE DER SCHÖNSTE MARCHÉ? Für alle Neugierigen, die Region bietet viele tolle marchés. Meine Favoriten sind Brantôme und Piégut-Pluviers.

Jetzt sind wir angekommen, und ein neuer Abschnitt beginnt. Vive la France!

Willkommen zuhause! Foto: Dana Mentzel
Willkommen zuhause! Foto: Dana Mentzel

Der Beitrag von Dana Mentzel ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ich freue mich, wenn dieser Aufruf viele von euch zum Mitmachen inspiriert.

Ob kurz oder lang, Prosa oder Lyrik: Schickt mir den Text per Mail – und die Fotos bitte immer in Originalgröße (!!). Sind es viele, sendet sie bitte per WeTransfer.com. Oder hängt sie einzeln an die Mails. Merci ! Die Beiträge werden in loser Folge veröffentlicht.

 

Merci fürs Teilen!

6 Kommentare

  1. Hallo Dana
    super und eindrucksvolle Geschichte. Auch wir haben den Traum eines Häuschens im Languedoc und lieben Frankreich über alles. Wir konnten nur noch nicht das „Risiko“ des Hauskaufs überwinden.
    Liebe Grüße Tobias

    • Hallo Tobias – Danke für deine netten Zeilen. Es lohnt sich das Risiko einzugehen, es gibt nichts schöneres als von Zuhause aus, Nachhause zu reisen 😉 Ich wünsche euch viele sonnige Zeiten in eurem Frankreich! 🌻

  2. Liebe Dana
    Wir haben ja auch ein Ferienhaus im wunderschönen Périgord und deshalb kann ich Deine Begeisterung sehr gut nachempfinden und verstehen. Und übrigens: Auch wir nehmen immer unsere Katze mit, wenn wir dort hinfahren. Und immerhin sind es doch 8,5 h Reisezeit, die unser Kasimir ohne ein Miau hinter sich bringt…. Viel Spass in Eurem neuen zweiten Zuhause und vielleicht au revoir im schönen Périgord

    • Liebe Kerstin – Ich bin nach deinem netten Kommentar zu meinem Bericht, gleich auf die Suche nach deinem Bericht und habe Ihn mit Wonne gelesen!! Schön wenn man auf gleichgesinnte trifft. Und ab dem kleinen Kasimir hab ich mich am meisten gefreut 🙂 Ich hoffe Ihr verbringt einen wunderbaren Sommer im Périgord für uns geht’s in 20 Tagen los, Hurra! E liebe Gruess us Basel 😉

    • Lieber Andreas – Ich freue mich, dass dir meine Geschichte gefällt, Danke! Ich hoffe doch sehr, du kommst diesen Sommer auch in den Genuss von “deinem Frankreich” ☀🍉😊

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.