Die Gärten von Eyrignac: grüne Träume
Die Gärten von Eyrignac verbinden mit mehr als 300 handgeschnittene Pflanzenskulpturen aus Buchs, Eiben und Hainbuchen den klassischen jardin à la française mit poetischen Landschaftsräumen, Wasserflächen, Rosenmeeren und Gemüsegärten.
„Der Garten ist für mich mein Kind“ – wie mein Sohn, der mein Erbe weiterführen wird‘, sagt Patrick Sermadiras. Der 75-Jährige ist Hausherr der Jardins du Manoir d’Eyrignac in der Dordogne. Bis heute lebt Patrick in dem Herrenhaus, in dem er 1946 geboren wurde. In der kleinen Kapelle gegenüber wurde er getauft. Später ließ er dort auch seinen Sohn taufen. Seit fünf Jahrhunderten ist Eyrignac der Stammsitz der Familie. 22 Generationen haben inzwischen den Landsitz in Ehren gehalten, gestaltet und gepflegt.


Beherrschte Natur
Um das Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert erstreckt sich der französische Garten. In strenger Symmetrie spielt er mit Perspektiven. Zwischen dem akkurat geschnittenen Grün lässt er den sandigen Vorplatz des Herrenhauses golden hervorblitzen.

Hecken aus Hainbuchen, Buchsbaum und Koniferen säumen dort Wege und Beete. Dann fällt der Blick auf eine rote Bank. Rosen umranken einen roten Torbogen, der auf die Exotik Chinas verweist.
Andere Achsen öffnen den Blick auf sprudelnde Brunnen, Wasserspiele und 300 Pflanzenskulpturen, handgeschnitzt von den sechs Gärtnern von Eyrignac.

Jenseits der Buchsbaumarabesken und akkuraten Rasenmatten des französischen Gartens herrscht eine ganz andere, ländliche wie intime Stimmung. Ein Weinberg präsentiert alle Rebsorten, die in Frankreich angebaut werden.

Der Jardin Potager greift die Tradition des Küchengartens auf. Patricks Sohn Gilles entwarf 2001 den Jardin Blanc, den Garten der weißen Rosen.


Bukolisch und beschaulich
Der 2013 angelegte Jardin des Sources verweist auf den Namen der Anlage. Eyrignac verrät mit dem Präfix ey- wie mit dem Suffix –ac, dass es ein wasserreiches Gebiet ist. Beide bedeuten „Wasser“ in der langue d’oc.
Eyrignac ist der Ort, wo viel Wasser fließt. Sieben Quellen befinden sich dort. Der Garten der Quellen inszeniert die kostbare Ressource mit bukolischer Natürlichkeit und poetischen Ausblicken auf sanft gewellte, ländliche Landschaften.



Um die Artenvielfalt zu erhalten, setzte Patrick Insektenhotels ins Grün. Zu Beginn des Winters nisten sich seitdem die Insekten ein. Sie helfen den Gärtnern, indem sie Parasiten fressen und für die Bestäubung der Obstbäume im Verger de la Rotonde sorgen.
Jener vereint 50 typisch französische Sorten – vom saftigen Reine des Reinettes-Apfel über die zarte Comtesse de Paris-Birne bis hin zu roten Burlat-Kirsche und zur Elsässer Pflaume.

Les Jardins d’Eyrignac: meine Infos
Adresse & Zeiten
Les Jardins du Manoir d’Eyrignac, 24590 Salignac-Eyvigues, Tel. 05 53 28 99 71, www.eyrignac.com, tgl., April: 10 – 19, Mai – Sept. 9.30 – 19, Oktober 10 – 18 Uhr, Nov. – März 10.30 – 12.30, 14.30 – Sonnenuntergang
Schlemmen
Côté Jardins
Restaurant und Café mit Terrasse.
Picknickplätze
Am Eingang des Gartens.
Heiraten
Ein Cocktail oder Champagner im Rosengarten, das Dîner mit bis zu 200 Gästen in der Orangerie – und zwei kuschelige Gästehäuser im Herzen des Gartenreichs: Eyrignac ist eine beliebte Location für Hochzeitsfeiern!

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Im Buch
Stéphane Marie, Die schönsten Gärten Frankreichs*

Stéphane Marie, seit 1998 Moderator der TV-Sendung „Silence, ça pousse“ auf France 5, hat mit Ma France des Jardins* einen großformatigen Führer zu 27 außergewöhnlichen Gärten und Parks in Frankreich verfasst. Im Mai 2025 bei Flammarion veröffentlicht, ist sein bildreiches coffee table book nun in der deutschen Übersetzung von Carmen Hindemith und Rosa Kratz im Gerstenberg-Verlag erschienen.
Auf 264 Seiten bietet das Werk eine persönliche Auswahl von Maries Lieblingsgärten im Land, reich bebildert und ergänzt mit den wichtigsten Besucher-Informationen.
Stéphane Marie, 1960 in der Normandie geboren, hat in Saint-Pierre-d’Arthéglise gemeinsam mit seinem britischen Mann eine Scheune ins gemeinsame Heim verwandelt und bei der Anlage des Gartens seine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt. Diese Begeisterung für gestaltetes Grün prägt jeden Beitrag im Buch. Neben detaillierten Beschreibungen zur Geschichte, Anlage und Flora der Gärten gehören auch persönliche Einblicke dazu. Die Vielfalt der vorgestellten Gärten reicht von bekannten Klassikern bis hin zu weniger bekannten Juwelen wie dem Jardin Plume im normannischen Auzouville-sur-Ry oder dem Jardin des Martels in Giroussens (Tarn).
Die Zusammenstellung folgt dabei bewusst einem subjektiven Blick. Der Schwerpunkt liegt deutlich im Norden und Westen Frankreichs: Sechs Gärten der Normandie sind darin vertreten, ebenfalls sechs befinden sich in den Pays de la Loire. Hinzu kommen jeweils drei Gärten in der Bretagne und in den Hauts-de-France. Andere Regionen treten dagegen nur punktuell in Erscheinung, etwa Okzitanien und Provence-Alpes-Côte d’Azur mit jeweils einem Garten, Nouvelle-Aquitaine mit zwei., darunter auch die hier vorgestellte Jardins d’Eyrignac.
Regionen wie Auvergne-Rhône-Alpes bleiben ganz außen vor. Eine Übersichtskarte hätte hier zusätzlich Orientierung geboten und den geografischen Rahmen der Auswahl anschaulich ergänzt. Auch die Bildqualität ist nicht durchgängig auf gleichem Niveau; einzelne Aufnahmen bleiben hinter dem ansonsten hohen visuellen Anspruch zurück und schmälern stellenweise den Eindruck.
Ungeachtet dieser Details überzeugt das Buch als inspirierende Einladung, Frankreichs Gartenlandschaften neu zu entdecken. Stéphane Marie gelingt es, seine Leidenschaft für Gärten an die Leser weiterzugeben und einen sehr persönlichen Zugang zur Vielfalt französischer Gartenkunst zu eröffnen – ein Band, der Lust auf Reisen, Staunen und eigenes Gestalten macht. Weg mag, kann den Gartenführer hier* online bestellen.
Marcus X. Schmid, Südwestfrankreich*
Der freie Reisejournalist Marcus X. Schmid hat für alle, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, den besten Reisebegleiter verfasst: sachlich, mit viel Hintergrund, Insiderwissen und Tipps, und dennoch sehr unterhaltsam und humorvoll.
Ich kann ihn aus ganzem Herzen empfehlen, denn auch in diesem Band zu Südwestfrankreich sind tolle Tipps enthalten. Auch kritische Anmerkungen fehlen nicht. Kurzum: ein Reiseführer, der grundehrlich das Reisegebiet vorstellt – ohne versteckte Promotions.
Der gebürtige Schweizer, Jahrgang 1950, lebt heute als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz. Wer mag, kann ihn hier* direkt beim Verlag bestellen.
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