Postkarte aus … Gréoux-les-Bains

Hoch über dem Kurstädtchen Gréoux-les-Bains thront die Burg der Tempelritter. Foto: Hilke Maunder
Hoch über dem Kurstädtchen Gréoux-les-Bains thront die Burg der Tempelritter. Foto: Hilke Maunder

Kennt ihr Gréoux? Aus den Lavendelfeldern, Mandel- und Olivenhainen, die seit Jahrhunderten auf Terrassen aus Trockenmauern wachsen, klebt die alte „bourg“ des Kurstädtchen an einem Bergkegel, das in fast 400 m Höhe die Ruine einer mittelalterlichen Tempelritterburg bekrönt. 2600 Einwohner, die sich Gryséliens nennen, leben hier von der Landwirtschaft und dem (Medizin-)-Tourismus.

Gréoux gehört zu den südlichsten Orten des Departéments Alpes de Haute-Provence, das südlich an gleich drei Départements stößt: Var, Vaucluse und Bouches-du-Rhône.

Sein Ortsname geht auf das keltische Wort „Gresulum“ zurück. „Gresum“ bedeutet „Schmerz“, „Lin“ Wasser. Und bereits seit jener Zeit, dem 1. Jahrhundert vor Christi, wird das örtliche Thermalwasser zur Linderung von Leiden genutzt.

Wie hart das Leben damals für die Dörfler war, verrät das Stadtwappen. Es zeigt zwei Tiere, die immer wieder die Existenzgrundlage der örtlichen Bauern bedrohten: der Wolf, der die Schafe der Viehzüchter riss. Und das Eichhörnchen, das einst an den Mandelbäumen großen Schaden anrichtete.

Selbst die Briefkästen künden in Gréoux von der Heimatliebe zur Provence. Foto: Hilke Maunder

Gréoux: der Stadtspaziergang

Von März bis Dezember sind die Thermen von Gréoux geöffnet. Dann sind Gassen und Plätze, Bars und Cafés von früh bis spät sehr belebt. Doch auch im Winter, wenn viele Läden verrammelt sind und sich die Einheimischen noch ganz unter sich sind, lohnt sich ein Besuch des Städtchens.

Was sich zu entdecken lohnt, verrät mein Stadtbummel. Wie lange ihr dafür braucht? Das liegt ganz an euch – aber mindestens eine Stunde. Unterwegs begegnen euch in der Altstadt, an den Thermen und am Verdon immer wieder historische Schwarzweißaufnahmen, die euch verraten, wie es im 19. Jahrhundert in Gréoux aussah. Eine schöne Zeitreise!

Zeitreise ins 19. Jahrhundert: die nostalgischen Fotos verraten, wie einst in Gréoux das Leben verlief. Foto: Hilke Maunder

Notre-Dames des Ormeaux

erhielt ihren Namen von ihrem Kirchplatz, der einst mit Ulmen (frz. ormes) bepflanzt war. Romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert, später mehrfach umgebaut, Kirchturm erst 1831, errichtet aus den Steinen der Stadtmauer, die die Altstadt im 16. Jahrhundert umkreiste. Turmspitze bekrönt von einem offenen Glockenstuhl– so kann der Mistral ungehindert hindurch pusten. Typische Bauart für die Provence

Dreiklang der Farben auf der Fassade und der typische Glockenturm: Provence-Flair in der Altstadt von Gréoux. Foto: Hilke Maunder

Straße der Stadtmauern

Zwei Stadtmauern umgaben einst Gréoux. Die äußere Mauer wurde im 16. Jahrhundert errichtet. Sie diente nicht nur der Verteidigung der Altstadt, sondern hielt auch Krankheiten wie die Beulenpest (1720) draußen vor. Später geschleift, folgt heute die Rue des Remparts dem Verlauf der einstigen Mauer.

Rue du Rampe Cuou

„Hals und Beinbruch“ nannten die Provenzalen dieses kleine Gässchen, an dem ihr beim Schlendern entlang der einstigen Stadtmauer vorbei kommt. Ihre Stufen aus den großen, polierten Kieseln des Verdon sind bis heute so glatt, dass ihr bei Regen schnell dort ausrutschen könnt.

L’Esquichecoude

Lauft daher mit etwas Vorsicht das Gässchen hinauf, biegt links in die Rue de la Plateforme ein, nach wenigen Schritten dann rechts in die Rue du Fontainier. Unter den Einheimischen heißt der Weg nur „Esquichecoude“. Denn das Gässchen ist so schmal, das ihr euch, wenn ihr nicht aufpasst, die Ellenbogen stoßen werdet.

Tour du Vieil Horloge

Nächstes Ziel ist ein Turm der inneren Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert, das am dem 17. Jahrhundert die  städtische Uhr trug. Die innere Stadtmauer schützte einst das Schloss und seine Nebengebäude.

Andrône des Hospitaliers

„Andrône“, mitunter auch „endrone“ genannt, nennen die Provenzalen kleine, überdachte Durchgänge zwischen zwei Häusern. Eine weitere sehenswerte Passage findet ihr am Rathausplatz.

Aussichtspunkt (Point de vue)

Folgt jetzt gen Westen (linkerhand) dem Chemin des Hospitaliers bis zu einem Aussichtspunkt über Gréoux und das Tal des Verdon. Der Fluss entspringt auf rund 3000 m Höhe im Massiv Trois Evêches auf dem Foux d’Allos. Auf seinem Weg nach Carache, wo er in die Durance mündet, durchquert der Verdon fünf Stauwerke, die aus seinen Fluten umweltfreundliche Hydroenenergie erzeugen.

Blick vom Point de Vue gen Westen über Gréoux auf das Tal des Verdon. Foto: Hilke Maunder

Calade

Der Chemin des Hospitalier ist eine „calade“, eine kleine befestigte Straße. In Gréoux wurde sie angelegt, um Kutschen die Ausfahrt zur Burg zu erleichtern.

Château de Gréoux

Die Tempelritter legten im 12. Jahrhundert die Grundsteine zu dieser Burg, in der eine Kirche integriert war – ihre Gewölbebögen und Fensterelemente sind noch an der Fassade zur Stadt zu erkennen. Von März bis Dezember ist der wehrhafte Bau heute Kulisse für viele Kulturveranstaltungen. Im Sommer könnt ihr im Innenhof Konzert, Tanz und Theater erleben, später im Jahr die Soirées du Château.

Das Kurgebiet

Bummelt auf dem Rückweg von der Burg zurück zur Rue Grande, der Hauptstraße der Altstadt von Gréoux, und folgt weiter gen Osten der Rue des Marronniers bis zum Kreisverkehr. Jenseits davon säumen Villen der Jahrhundertwende, die heute als Hotel oder Pension dienen, die Avenue de Thermes.

Der einstige Garten der Villa Olivia ist heute Teil des weitläufigen Kurparks. Neben dem Kasino findet ihr doch auch eine gut sortierte Médiatheque mit Büchern und AV-Medien findet.

Die Thermen von Gréoux-les-Bains. Foto: Hilke Maunder

Die Therme

Bereits die Kelten badeten im ersten Jahrhundert vor Christus im 42 Grad warmen Wasser, das reich an Magnesium und Spurenelementen ist. Heute werden hier von Mitte März bis Mitte Dezember vor allem Rheumaleiden und Atemwegserkrankungen kuriert.

Seit einigen Jahren haben sich auch Wohlfühl- und Entspannungs-Angebote zu den klassischen Heilprogrammen gesellt. Verwaltet werden die Spa- und Kuranlagen seit 1962 von La Chaîne Thermale du Soleil. Spa, Hammam, Sauna, Schlammbad, Hydrojets, Packungen, Massagen und mehr: Gréoux ist nicht nur Frankreichs drittgrößter Kurort, sondern längst auch ein Wellness-Ziel.

Die Therme von Gréoux ist von März bis Dezember geöffnet. Die Schließzeit im Winter wird für Renovierungen genutzt. Foto: Hilke Maunder

Gréoux-les-Bains: meine Reisetipps

Schlafen

Odalys La Licorne

Odayls steht für Ferienwohnungen. In Gréoux ist es mit zwei Apartment-Anlagen vertreten: La Provence. Und La Licorne, schöner, neuer, zentraler – und als eine der wenigen Unterkünfte ganzjährig geöffnet!
• Chemin des Riayes, 04800 Gréoux-les-Bains, Tel. 04 92 72 39 50, www.residence-la-licorne.com

Die Eingänge der Ferienwohnungen von La Licorne. Foto: Hilke Maunder

Schlemmen

Im Sommer ist das Angebot gut; unter den ganzjährig geöffneten Lokalen sind dies die besten Adressen.

La Brasserie du Casino

In Spielbanken lässt es sich meist köstlich speisen. Das gilt auch für Gréoux, wo unter trendigen Kupferleuchten frische Saisonküche serviert wird – französische Klassiker wie verfeinerte lokale Gerichte.
• Avenue des Thermes, Tel. 04 92 78 00 00, www.greoux-les-bains.com/restauration/brasserie-du-casino

La Brasserie du Soleil

Die Brasserie am zentralen Kreisel ist ein Institution in Gréoux. Aus der Küche kommen üppige Portionen. Tief in der Provence verwurzelt sind die herzhaften Tagesgerichte wie Pieds et Paquets, das Stiergulasch Gardiane oder der Schweinebraten. Die großen Pizzen kommen aus dem Holzbackofen.
• Rond-Point du Grysells, Tel. 04 92 78 01 53, www.facebook.com

Restaurant Le Jardin des Lilas

• 7, rue des Lilas, Tel. 04 02 78 11 45, mobil 06 79 65 76 51, www.facebook.com/lejardindeslilasgreoux

Frisch, lecker und gesund: die Bavette mit Provence-Gemüse im Jardin des Lilas von Gréoux. Foto: Hilke Maunder

Aktiv oder Zen?

Espace Beauté

Sonnenbank, Schönheitspflege und Massagen: Marie und Chloe bieten in ihrem Kosmetiksalon das ganze Jahr hindurch ein Rundumprogramm zum Wohlfühlen. Sie verwenden dabei ausschließlich Beauty-Produkte von Maris Cohr, Paris.
• 6, chemin neuf, Tel. 04 92 77 75 65, mobil 06 86 49 09 00

Stadtführungen

Von März bis Dezember könnt ihr Mittwochs auf geführten Stadtspaziergängen 90 Minuten lang den alten Kern des Dorfes und die Tempelritterburg entdecken. Treffpunkt ist am Office de Tourisme.

Verdon-Tour

Zwei Stunden lang erklärt euch die unglaublich kundige Wanderführerin Isabelle Murach die Flora und Fauna am Ufer des Verdon. Buchung über das Office de Tourisme.

Stadtführerin Isabelle Murach kann euch viel über den Verdon erzählen. Foto: Hilke Maunder

Einkaufen

Maison Durandeu

Nougat, Calissons und Paté de Fruit, Gewürzbrot und Panettone:  seit 1857 die Zutaten für ein köstliches „goûter“, eine Gaumenfreude zum Kaffee.
• 46, Rue Grande, Tel. 04 92 78 09 09,  www.maisondurandeu.fr

Wochenmarkt

Donnerstag ist Markttag in Gréoux. Zugelassen sind nur lokale Erzeuger.

Informieren

Durance Luberon Verdon Tourisme, www.greoux-les-bains.comwww.durance-luberon-verdon.com

Weiterlesen

DuMont Bildatlas „Provence“

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Provence

In meinem DuMont-Bildatlas „Provence“ stelle ich in sechs Kapiteln zwischen Arles und Sisteron die vielen Facetten der Provence vor. Ihr erfahrt etwas vom jungen Flair zu Füßen des Malerberges Montagne Sainte-Victoire, vom Weltstadttrubel an der Malerküste, dem weißen Gold aus der Pfanne oder einer Bergwelt voller Falten.

Specials und Themenseiten verraten euch, welche großen Probleme der Lavendel hat, wo ihr Slow Food genießen  – oder ganz aktiv das Sonnenreich im Süden erleben könnt: beim Mountainbiken, Malen, Paddeln, Wandern oder Wildbaden. Hinzu kommen Serviceseiten mit allen Infos, persönlichen Tipps und großer Reisekarte.

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Hilke Maunder: Provence – das Licht des Südens. Ostfildern: DuMont Reiseverlag 2018. ISBN 978-3770193943.

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In der Altstadt von Gréoux. Foto: Hilke Maunder