Charente im Hausboot: bei Mitterrand

Hausboot auf der Charente: die Schleuse von Jarnac
Die Schleuse von Jarnac

Hier also wurde er geboren: François Maurice Adrien Marie Mitterrand. Als fünftes von sieben Kindern eines Eisenbahn-Ingenieurs und späteren Essigfabrikanten erblickte er am 26. Oktober 1916 in Jarnac am Ufer der Charente das Licht der Welt. In der südwestfranzösischen Provinz wuchs er auf – und behielt diese Heimat auch später tief im Herzen. Sein Elternhaus in der Rue Abel Guy 22 erinnert als Museum an den ehemaligen französischen Präsidenten (1981 – 1995), der wenige Schritte weiter begraben liegt.

Die Brasserie Domino

Ob sich seit seiner Geburt viel verändert hat in dem alten Flussschifferort an der Charente? Ruhig und still ist er heute. Wie aus der Zeit gefallen wirken die Straßen mit ihren hellen Fassaden und den geschlossenen Fensterläden. Nur die Bistro-Bar „Domino“ hat heute geöffnet und lockt mit Dancing. Auf der Charente trainiert Frankreichs Kajak-Nachwuchs für Olympia. Einzig an der Schleuse herrscht Hochbetrieb. Liebespaare kuscheln auf Bänken, Schaulustige sehen beim Schleusen der Hausboote auf der Charente zu.

Ihren Liegeplatz finden die Freizeitskipper am langen Kai der Charente. Wer bei Le Boat festmacht, muss als Nicht-Kunde 20 Euro pro Nacht fürs Festmachen, Wasser bunkern und den Strom zahlen. Und das morgendliche laute Treiben bei der Ab- und Übergabe sowie Reinigen der Boote in Kauf nehmen. Kostenlos und ruhiger sind die Liegeplätze, die dichter an der Stadt liegen, nur wenige Schritte entfernt vom imposanten Stammhaus, pardon, Schloss, von Courvoisier.

Es gehört zu den wenigen Firmen, die von Paris den Sprung in die Provinz gemacht haben. Gegründet wurde es bereits 1809 in Bercy, dem Weinhandelszentrum von Paris – und damit von Frankreich. Firmengründer waren Emmanuel Courvoisier und Louis Gallois, der Bürgermeister der Kommune, die damals noch vor den Toren der Stadt lag. Ihr Wein- und Spirituosengeschäft erarbeitete sich einen so guten Ruf, das es 1811 von Napoleon persönlich mit einem Besuch der Lagerhäuser geehrt wurde.

Die Nachfolger der Gründer – Felix Courvoisier und Jules Gallois – sahen wenig Wachstumschancen im hart umkämpften Pariser Markt. Und kehrten zurück an die Quelle der zweimal gebrannten Branntweine, nach Jarnac in der Region Cognac. Von dort aus knüpften sie beste Kontakte nach England – und schafften es, den Cognac von Courvoisie den königlichen Tafeln von Dänemark, England und Schweden einzuführen. Das entging auch Napoleon III. nicht. Er machte Courvoisier 1869 zum „Fournisseur de la Cour Impériale“, zum offiziellen kaiserlichen Hoflieferanten.

1983 verlieh der ehemalige Pariser Bürgermeister und späterer Staatspräsident  Jacques Chirac dem Cognac-Produzenten die Auszeichnung „Prestige de la France“. Courvoisier ist das einzige Cognac-Unternehmen, dem die höchste Anerkennung für herausragende Qualität in Frankreich verliehen wurde. Erst danach verriet Jacques Chirac dem einstigen Courvoisier MD Jean Marc Olivier, dass er viel lieber Corona-Bier als Champagner oder Cognac tränke.

Jarnac, Stammsitz des Cognacherstellers Courvoisier

Am Ende des Port Gros-Jean lagert Louis Royer seinen Cognac in Eichenfässern. Seine Destillerie „Les Magnolias“ gründete Kellermeister und Namensgeber Louis Royer im Jahre 1853 in Jarnac. Berühmt wurde besonders der Louis Royer VSOP. Diese Komposition mehrerer älterer Jahrgänge muss mindestens vier Jahre in französischen Limousin- und Trancais-Eichenfässern reifen.

Am 30. Oktober 2015 konfiszierte der chinesische Zoll 50.000 dieser Cognacflaschen. Der Vorwurf: Preisdumping (30 Prozent unter offiziellen Verkaufspreis) und gefälschte Verträge. Courvoisier verwies auf den Importeur in Hongkong.

Cognac ist ein hartes Geschäft denke ich mir, und freue mich, mehr dazu in Cognaczu erfahren, wo die Keller von Hennessy, Martell, Rémy Martin, Camus und Otard auf uns warten – ganz in der Nähe der Anlegestellen am Kai und dem kleinen Sportboothafen an der Charente.

Jetzt gibt es erst einmal einen Apéro nach Art der Region: einen Pineau rouge, komponiert aus Cognac und rotem Traubensaft. Die Füße auf der Reling, das Glas in der Hand, lese ich noch ein wenig im Kapitänshandbuch. Und lerne dabei noch erstaunliche Dinge über Jarnac. Und auch dieses:

Jarnac hat nicht nur einen der mutigsten wie umstrittensten Präsidenten gestellt, sondern auch die Sprache geprägt. Im Volksmund wird ein hinterhältiger Streit gerne „un coup de Jarnac“ genannt. Der Ausdruck geht auf ein Duell zurück, bei dem Guy Chabot, ein Baron von Jarnac, seinen Gegner mit einem nach den Fechtregeln zulässigen, aber völlig überraschenden Degenstreich besiegte.

Die Charente bei Jarnac zur Nacht

Offenlegung

Für den Hausboot-Törn auf der Charente stellte mir Nicols Hausboote das Hausboot kostenfrei zur Verfügung. Dem Unternehmen und dem Team des Partner-Unternehmens Inter-Croisières in Sireuil sagte ich dafür „merci“ und ganz dicken Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Meinen ersten Tag an Bord der MS Malvy habe ich hier vorgestellt.Wie der Hausboot-Törn am zweiten Tag weiter ging, verrate ich euch hier. Sämtliche Bootstypen im Programm von Nicols findet ihr hier.

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Die Charente bei Jarnac
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2 Kommentare

  1. Bei meinem Rundgang durch Jarnac bin bei dem Geburtshaus von Mitterrand vorbeigekommen. Als einziger und letzter Besucher des Tages hatte ich das Haus und den Garten für mich ganz alleine. So konnte ich es gut und in Ruhe auf mich wirken lassen. Ein kurzes Video zeigte Mitterrands Lebenslauf und die verbliebene Verbundenheit zu seiner Heimatstadt. Mit der noch nachklingenden Stimme von Mitterrand im Ohr habe ich mir die Räumlichkeiten des großen Hauses angeschaut. Die Zeitreise durch das Haus bekamen damit einen sehr lebendigen Eindruck, als wenn er mich bei dem Rundgang begleitet hätte.
    Noch nie war ich einem ehemaligen Präsidenten so nah.

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