Charente im Hausboot: das grüne Band 2


Hausboot-Halt Saint Simieux: Stadtansicht

So seht ihr Saint-Simeux vom Hausboot-Anleger

Ein letztes Ii-ah – dann hatten wir Saint-Simeux hinter uns gelassen. Niemand war an diesem Sonnabend Morgen auf dem Wasser. Wir hatten die Charente ganz für uns allein. „Es ist das schönste Flüsschen in meinem Königreich“, soll Heinrich IV. geschwärmt haben. 300 Jahre später hat sich der Charme des 381 km langen Flusses, der bei Chéronnac im Département Haute-Vienne entspringt, kaum verändert.

Hausboot-Törn auf der Charente: Dichtes Grün säumt den Fluss

Hausboot-Törn auf der Charente: Dichtes Grün säumt den Fluss

Kurs Châteauneuf: im grünen Dschungel

Wir tauchen mit unserem Hausboot ein in einen grünen Urwald, gesäumt von Pappeln, Eschen, Ulmen und Weißdorn und blühendem Iris. Mal leuchten Sandbänke im klaren Wasser auf, dann große Seegrasbetten. Als blaues Band, mitunter trübe von den Sedimenten, schlängelt sich die Charente durch den Baumvorhang, der die Landschaft verdeckt.

Was sich dahinter versteckt, lässt sich selbst vom Oberdeck nur ahnen, so dicht ist das Grün. Bis plötzlich kleine Brücken und Schleusen nach einer Biegung auftauchen – gerne auch beides, wie in Vibrac.

Die Brücke von Vibrac taucht plötzlich hinter einer Biegung auf

Die Brücke von Vibrac taucht plötzlich hinter einer Biegung auf.

Bereits seit 4500 Jahren wird die Charente von Booten befahren, verriet 1979 den erstaunten Archäologen der Fund eines Einbaumes, das Taucher bei einer Furt namens Gué de Beaulieu fanden. Es ist heute im Museum von Cognac als ältestes Zeugnis der Schifffahrt auf der Charente ausgestellt. Aus der Römerzeit wurden Amphoren im Flussbett gefunden. Im 9. Jahrhundert kamen die Normannen auf dem Fluss ins Land und plünderten die Dörfer.

Treideln? Das war Frauensache!

Bis heute ist die Schifffahrt auf kleine Boote beschränkt. Früher verkehrten hier die „garbares“, Holzboote in unterschiedlichster Form und Größe mit Treidelbaum in der Mitte. Getreidelt wurde nur im Umfeld der Dörfer und Städte. War es zunächst die Aufgabe der eigenen Mannschaft, übernahmen ab dem 18. Jahrhundert professionelle Treidler die Knochenarbeit.

An der Schleuse von Vibrac

An der Schleuse von Vibrac

Die meisten professionnellen Treidler waren Gruppen von Frauen, die ihre Arbeit so sehr aufdrängten, dass 1782 per Gesetz verfügt wurde: Schiffseigner dürfen zwischen Frauen und Ochsen wählen. Im 19. Jahrhundert wurden die Ochsen durch Pferde ersetzt, ab 1860 von Dampfschlepper.

Der Bau der Eisenbahn im frühen 19. Jahrhundert beendete die Blüte der Flussschifffahrt. 1926 wird der Fluss oberhalb von Angoulême, 1957 der gesamte Fluss für die Schifffahrt stillgelegt. 1970 wird er für die Freizeitschifffahrt freigegeben. Seitdem sind die Hausboote hier unterwegs – mit maximal acht Kilometer pro Stunde, um die Natur ringsum zu schützen.

Haltes Nautiques für Hausboot-Skipper

Die Flusshäfen haben sich auf die neuen Kunden perfekt eingestellt. Städte und Dörfer haben „haltes nautiques“ angelegt; Hausboot-Liegeplätze mit Strom und Wasser. Beides darf häufig unentgeltlich genutzt werden. Infotafeln und Tipps für Entdeckungen ergänzen das Angebot.

So auch in Châteauneuf-sur-Charente, wo der Liegeplatz besonders romantisch und gut ausgestattet ist: auf der Île de la Fuie, wo es neben Strom und Wasser (200 l/15 Minuten) auch Picknicktische und eine Rasenfläche zum Spielen und Sonnen gibt.

Châteauneuf: stattliches Stadthaus direkt am Fluss

Direkt an der Charente steht dieses stattliche Wohnhaus.

Bis zum Bau der neuen Burg – dem château neuf – hieß der Ort noch Berdeville. Von der Burg sind heute nur noch Ruinen erhalten. Die Église Saint-Pierre von Guillaume Taillefer aus dem 12. Jahrhundert lohnt indes einen Besuch – sie gilt als schönstes Beispiel der romanischen Kunst der Region.

Jenseits der Brücke rechts am Ufer entlang kommt ihr zu einem außergewöhnlichen Garten. Nourriture à partager haben Isabelle und Christophe als großes Schild an den Zaun gehängt. Daneben: ein Straßenbeet voller Gemüse und Kräuter, dazu ein Verschlag mit Dingen, die hineingestellt oder entnommen werden können. „Gratiferia“ nennt sich das Konzept, das aus Argentinien kommend Frankreich erobert hat. Auch große Städte machen mit – in Poitou-Charentes u.a. La Rochelle und Angoulême.

Der Hausboot-Treff von Châteauneuf

Weiter den Uferweg Richtung Schleuse kommt ihr zu La Tonnellerie. Die einstige Küferei, die früher im hinteren Bereich auch als E-Werk fungierte, ist heute ein Restaurant mit Terrasse am Fluss und einer Handvoll Gästezimmer.

Betrieben wird es von Nina und Geoff Hookins, die seit 15 Jahren in Frankreich leben – und seit acht Jahren in Châteauneuf britische Küche mit französischem Flair servieren. Tochter Charlotte kümmert sich vor allem um die Getränke – und hat aus Pineau rouge und Champagner den Hauscocktail komponiert.

Und genauso diesen Apéro bestellen wir uns jetzt. Wir setzen uns nach einem aufregenden Tag im Hausboot  an den Kai – und sind nun einmal Zuschauer beim Schleusen am Wehr. Santé!

Offenlegung

Für den Hausboot-Törn auf der Charente stellte mir Nicols Hausboote das Hausboot kostenlos zur Verfügung. Dem Unternehmen und dem Team des Partner-Unternehmens Inter-Croisières in Sireuil sagte ich dafür „merci“ und ganz dicken Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Meinen ersten Tag an Bord der MS Malvy habe ich hier vorgestellt. Am dritten Tag erreichten wir Jarnac, die Heimat von Mitterand – klickt mal hier. Danach ging es flussabwärts bis nach Cognac. Sämtliche Bootstypen im Programm von Nicols findet ihr hier.

Hier kommen ein paar Impressionen

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2 Gedanken zu “Charente im Hausboot: das grüne Band

  • Claudia Albrecht

    Endlich sehe ich mal wieder grün! Meiner Großstadtseele tut das üppige Grün und die Ruhe sehr gut. Das langsame Gleiten über den Fluss und das Gluckern des Motors wirken wie eine komplette Entschleunigung – herrlich! Auf der Fahrt durch das dichte Grün haben wir auch stets nette Begleitung gehabt. Mal sind es Greifvögel, die über uns kreisen, dann Schwäne, die uns ein Stück begleiten, und aus den Bäumen heraus kommt herrliches Vogelgezwitscher. Das sind die ganz besonderen Momente an Bord eines Hausbootes. Bis die nächste Schleuse ruft und Aktion erfordert. Dieser Wechsel zwischen der
    Ent- und Anspannung passen gut zusammen. Wenn der Tag dann noch mit dem leckeren Apéro verabschiedet wird und wir an Bord den Sonnenuntergang genießen, ist das kleine Glück perfekt.