Charente-Törn: Im Hausboot zum Cognac

Cognac: Stadtansicht mit Hennessy
Cognac: Stadtansicht mit Hennessy

Erst sehen wir die Trikolore am hohen Himmel im Wind flattern, dann am rechten Ufer die loungige Guinguette Les Voiles des Pontis. Dann, hinter der Brücke, kommen sie in den Blick: die herrschaftlichen Häuser, die die Cognac-Händler am Ufer der Charente errichtet haben.

Erst einmal langsam vorbei gleiten, gucken und fotografieren …. was für ein Sightseeing-Törn an Bord unseres Hausbootes! In der Nachmittagssonne leuchten die Fassaden wie flüssiges Gold. Irritiert jedoch bin ich von den vielen schwarzen Streifen.

Cognac: die Porte Saint-Jacques

Wie sie entstanden, erfahren ich an Bord unseres Hausbootes. „Das Brandweingewerbe hat die Stadt derart geprägt, dass die Häuser von dem durch den Alkoholdunst entstehenden Pilz, der liebevoll „part des anges“ (Anteil der Engel) genannt wird, eine schwärzliche Schicht erhalten haben.“ Danke, Bordbuch!

Gesalzene Steuer

Vor der Cognac-Herstellung, die in Cognac erst vor wenigen Jahrhunderten begann, war das Städtchen bereits ab dem 11. Jahrhundert ein wichtiger Salzhafen gewesen. Als Philipp IV. 1286 die  „gabelle“ als Salzsteuer einführte, entwickelte sich ein reger Salz-Schmuggel. Die Salzsteuer zwang jeden Franzosen, der älter als acht Jahre war, wöchentlich eine Minimalmenge an Salz zu einem festgesetzten Preis zu kaufen.

Cognac ist beliebt bei Hausbootfahrern – wir legen als „Päckchen“ an.

Die Produzenten hingegen durften ihr Salz nicht mehr direkt verkaufen, sondern mussten es an die „greniers à sel“, die Salzkammern, liefern, die es zu einem höheren Kurs in den Handel brachten. Erst 1790 wurde das Staatsmonopol auf Salz durch ein Dekret der Assemblée Constituante während der Französischen Revolution abgeschafft.

Cognac: Straßenszene der Innenstadt

Leichen im Fluss!

Um den Schmuggel zu unterbinden, wurde auch in Cognac im Jahr 1544 ein Salzspeicher gebaut, in dem das Salz zwischengelagert und hoch besteuert wurde. 1548 kam es zur Revolte. 4000 Aufständische erschlugen den königlichen Salzsteuer-Eintreiber und alle seine Mitarbeiter. Ihre Leichen wurden in den Fluss gerufen. „Ihr verdammten Salzsteuzereinnehmer, geht die Fische der Charente salzen“, soll das Volk gerufen haben.

Die Maison de la Lieutenance in der Grande Rue

Die Spuren des Salzes sind heute kaum noch sichtbar. Umso präsenter ist der Branntwein. Erfunden wurde er, um ein Transportproblem zu lösen. Denn der Wein, der rund um Cognac angebaut und seit dem 16. Jahrhundert nach Nordeuropa verschifft wurde, litt arg unter der langen Seereise. Nur schlecht konserviert, war der Wein aus Cognac nur genießbar, wenn er… destilliert wurde.

Cognac: Église Saint-Léger

Brandy für die Briten

Besonders die Holländer und Engländer importierten den Wein daher immer häufiger als Branntwein – zumal er wegen des geringeren Volumens billiger zu transportieren war. Dieser „brandy wine“ wurde im Zielland dann mit Wasser gemischt und genossen. Besonders die Briten liebten diesen Mix. Die Winzer in Cognac produzierten immer mehr, lagerten die Überproduktion in Fässern – und stellten fest, das das Getränk mit der Zeit immer besser wurde…

Bis heute sind Großbritannien, die USA und andere britisch geprägte Länder der Hauptabsatzmarkt der Cognac-Händler aus Cognac. In Frankreich wird nur ein Mini-Anteil von zwei Prozent der Gesamtmenge verkauft. Die Franzosen genießen lieber den Wein, wie er ist – statt zweifach destilliert.

Cognac: Letuffe – der Laden für Naschkatzen…

Die brandy-begeisterten Briten waren es auch, die vor 300 Jahren in Cognac die großen Cognac-Handelshäuser gründeten.  Ältestes Haus ist Martell (1719). James Hennessy gründete 1785 das Cognac-Haus, das heute zur LVMH-Gruppe gehört.

Im Cognac-Keller von Hennessy

Die große Show von Hennessy

Groß und stattlich säumt das Stammhaus über viele hundert Meter die jüngst komplett neu gestaltete Uferpromenade an der Charente. Dort – wie auch bei den anderen Großunternehmen Rémy Martin, Camus, Martell und Otard, könnt ihr in lebendigen, sehr gut konzipierten Ausstellungen mit anschließender Verkostung hinter die Kulissen der Cognac-Herstellung schauen.

Bei Hennessy seid ihr für 18 Euro bei einer 90-Minuten-Tour dabei, die mit einer Schifffahrt beginnt: die „chais“, die alten Weinlager, liegen am rechten Ufer der Charente. Trotz der Wärme draußen sind die Keller kühl… und dunkel. Im ersten Keller erzählt eine Multimediaschau mit kurzen, knackigen Texten und Bildern schlagwortartig die Geschichte des Unternehmens.

Ebenso kreativ werden die Crus von Cognac – Bons Bois, Fins Bois, Borderies, Petite Champagne und Grand Champagne–  sowie der Prozession der zweifachen Destillation vorgestellt. Lichtstrahlen verraten, wo die aromatischen Dämpfe entlang wandern und sich abkühlen. „Schnuppert mal, das ist das erste Destillat: ein Lebenswasser, klar und aromatisch“, sagt Alexandre, unser Guide, und führt uns in den zweiten Keller.

Im Cognac-Keller von Hennessy

Blumensträuße auf alten Fässern

In engen Reihen sind dort die Cognac-Fässer gestapelt. Einige sind in Schönschrift beschriftet; ein kleiner Strauß liegt obendrauf. „Das ist Brauch bei uns. Das Fass birgt den Cognac, den unser Nachwuchs am Ende der Ausbildung destilliert hat.“ Letzte Station beim Rundgang ist ein Tisch mit vielen Flaschen vor Fässern, die eher Tanks gleichen.

Hier erklärt Alexandre die Assemblage. Ob sie gelungen ist, testen die Leiter der einzelnen Produktionsschritte bei Hennessy – vom Weinbauern bis zum Kellermeister – tagtäglich, immer um Punkt elf im ersten Stock des schlossartigen Haupthauses. Erst, wenn sie einstimmig die Assemblage für gut befinden, läuft die Produktion für das Produkt an.

So sieht bei Hennessy euer Probiertablett aus.

Gucken, schnuppern, staunen

Letzte Station der Führung ist die Verkostung von vier Cognacs. Die Farbe betrachten, schnuppern, nippen und kosten: zwei Mal warm, zwei Mal on the rocks. Mal jung, mal alt, Mal honig-, mal bernsteinfarben. Interessant und spannend, aber absolut nicht mein Fall. Auch, wenn ich die Aromen in der Nase sehr verführerisch finde, kann ich sie im Mund nicht spüren. Der ganze Gaumen scheint zu brennen… obgleich es nur ein winziger Probierschluck war. Erst, als ich das „Feuerwasser“ verdünne, erschmecke ich Vanille, Holztöne und andere Aromen. Ich bleibe dennoch bei Wein…

So genießen wir abends an Deck unserer Malvy den Aperitif doch lieber einen roten Tropfen auf der kleinen Sitzbank, die sich vorne samt Tischchen am Bug versteckt. Von Land kaum zu sehen, ist es ein echtes Kuschelplätzchen – mit Paradeblick auf die tolle Lampenskulptur, die die Promenade zum Sportschifferhafen begrenzt.

Cognac: Blick auf die Uferpromenade am Abend

Offenlegung

Für den Hausboot-Törn auf der Charente stellte mir Nicols Hausboote das Hausboot kostenfrei zur Verfügung. Dem Unternehmen und dem Team des Partner-Unternehmens Inter-Croisières in Sireuil sagte ich dafür „merci“ und ganz dicken Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Meinen ersten Tag an Bord der MS Malvy habe ich hier vorgestellt.Wie der Hausboot-Törn am zweiten Tag weiter ging, verrate ich euch hier. Neugierig auf Tag drei bei Mitterrand? Dann klickt hier. Sämtliche Bootstypen im Programm von Nicols findet ihr hier.

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Abends im Hausboot
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2 Kommentare

  1. Hallo Hilke, ich habe noch einen Tipp, wenn Du mal nicht auf dem Hausboot schläfst! Im letzen Jahr (2018) eröffnete in Cognac das erste Fünfsternehotel. Entstanden ist es in den ehemaligen „chais“ von Monnet, Didier Poignat hatHerrenhaus, Reifekeller und Weinlager saniert, einen ultramodernen Vorbau dazu gesetzt und ein Luxushotel geschaffen, das echt einzigartig ist. Sieh es Dir einmal an! Viele Grüße von einer Reiseleiterin, die schon sehr lange in Frankreich unterwegs ist.

    • Hallo Anette, das ist ja ein toller Tipp. Ich bin gleich mal auf die Webseite gegangen. Und mich gefreut, dass der Koch, den ich in Cannes im Grand Hôtel kennengelernt hatte, jetzt dort am Herd steht. 2008 gab es da für Sébastien Broda einen Michelinstern. Bin gespannt, wie er jetzt die KÜche des Südwestens in Cognac interpretiert! Merci nochmals! Hilke

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