Charente im Hausboot: Bourg-Charente
Von Cognac nach Bourg-Charente: unser fünfter Tag beim Hausboot-Törn auf der Charente. Bourg-Charente ist heute nicht nur Etappenort für Hausboote, sondern auch ein ruhiger Ausgangspunkt für Radtouren durch die Cognac-Landschaft. Wer Zeit mitbringt, entdeckt am Ufer, in den Weinlagen und in den kleinen Gassen ein authentisches Stück Charente abseits der großen Namen.
„Wie malerisch!“ hatten wir beim Vorbeigleiten im Hausboot gedacht, als wir flussabwärts reisten. Jetzt, bei der Rückfahrt, machten wir hier Halt: in Bourg-Charente, einem kleinen Flussschifferort zwischen Cognac und Jarnac mit Café-Kiosk, Puppensammlung und La Ribaudière, dem Feinschmeckerrestaurant der Familie Verrat am linken Flussufer. Der Ort ist kein großes Ziel, sondern ein angenehmer Zwischenstopp — genau richtig für alle, die die Charente langsam und mit Muße entdecken wollen.
Der Duft der Orange
Am rechten Flussufer ragt hinter hohen Kastanien steigt das markante Pyramidendach eines Anwesens auf, das seit Jahrzehnten mit dem Namen Grand Marnier verbunden ist. 1921 kaufte die Familie Marnier-Lapostolle dieses château, um hier ihre Cognac-Keller einzurichten. Was sie dort heute herstellt, verrät ein tiefer Atemzug: Orangenduft liegt in der Luft!
Bekannteste Sorte ist der Grand Marnier Cordon Rouge. In der Flasche mit dem roten Band paart sich der Cognac mit Bitterorangen. In der Flasche mit dem roten Band paart sich Cognac mit Bitterorangen; im Cordon Jaune kommen zusätzlich Süßorangen zum Einsatz. Unten am Fluss, wo ein schmuckes Wärterhäuschen den Zugang zum Firmengelände bewacht, ist das große, schmiedeeiserne Tor verschlossen.
Auch weiter den Hang hinauf, wo die moderne Kellerei sichmit mehreren Gebäuden und technischen Anlagen. erstreckt, ist alles verschlossen. Betriebsbesichtigungen sind bei Grand Marnier nicht möglich.
Die Crus von Bourg-Charente
Hoch über Bourg-Charente öffnet sich die Landschaft zu den Weinlagen der Petite Champagne und der Fins Bois — zwei Crus, die für Cognac-Kenner vertraute Namen sind. Die Petite Champagne gilt als eine der wichtigen Cognac-Lagen mit sehr feinen, eleganten Destillaten, während die Fins Bois etwas breiter und fruchtiger ausfallen.
Bis an den Horizont ist der rote, lehmige Boden mit Ugni Blanc bestellt. Diese Rebsorte bildet die Grundlage vieler Cognacs in der Region. Die wenigen roten Sorten, die hier wachsen, spielen eher eine Nebenrolle und werden vor allem für Pineau und kleinere Verschnitte genutzt. Nur auf kleinen Parzellen gedeihen Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon.
Die Straße der Blumen
Auf dem Rückweg zum Hausboot entdecke ich auf einer Feldsteinmauer das verwitterte Schild Village fleuri 2009. Neugierig biegen wir in die Rue des Fleurs ein — und der Name der „Blumenstraße“ ist tatsächlich sehr treffend. Die kleine Straße ist eine Einladung zum langsamen Gehen, zum Schauen und zum Riechen.

Schwertlilien mit gelben, blauen oder mehrfarbigen Blüten leuchten vor den Feldsteinmauern, Rosen in knalligem Rot und Gelb ranken an den Hauswänden. Blauregen umrahmt Fenster und Türen, Stiefmütterchen, Phlox, Mohn und Margeriten füllen Beete und Rabatten. Bourg-Charente zeigt sich hier von seiner poetischsten Seite: bunt, duftend und sehr malerisch.
Einige Häuser wirken verwaist, sich selbst überlassen. Dort erobert die Natur noch mehr Terrain zurück; Efeu klettert über Wände und Bögen, Gräser wachsen in Fugen, und selbst kleine Bruchstellen erzählen vom Alter des Ortes.
Genau diese Mischung verleiht Bourg-Charente seinen Zauber. Es ist kein herausgeputztes Postkartenidyll, sondern ein lebendiger Ort mit stillen Ecken, verwunschenen Winkeln und vielen Zwischenstimmungen.
Eine kleine Pause
Viel später als geplant sind wir zurück in Bourg-Charente. Wer hier eine Pause einlegen möchte, hat mehrere Möglichkeiten, je nach Lust, Zeit und Budget. Direkt am Wasser bieten sich einfache Plätze für ein Picknick an, daneben lockt die Terrasse der Maison du Passeur für eine Erfrischung oder einen kleinen Imbiss.
Wer es feiner mag, kann im Terrassenrestaurant La Ribaudière einkehren. Das Haus ist weithin bekannt und steht für eine gehobene Küche mit regionalem Bezug, die gut zum eleganten, ruhigen Charakter des Ortes passt. Nach drei nach drei Jahrzehnten als Chef im Haus hat Thierry Verrat seinen Sohn Julien mit an den Herd geholt. Das Vater-Sohn-Duo überzeugt!


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