Hausboot-Törn Charente: die Gabares von Saint-Simon

Saint-Simon die garbare La Renaissance. Foto: Hilke Maunder
La Renaissance heißt dieser Nachbau einer traditionellen garbare, bei der ihr mit an Bord gehen könnt. Foto: Hilke Maunder

“Wenn wir unser Kulturerbe vergessen, verlieren wir unsere Identität”, sagt Jean-Jacques Delâge. Für Saint-Simon heißt das: la gabare.

Seit mehr als 30 Jahren engagiert sich der Bürgermeister des kleinen Flussschifferdorfes auf halbem Weg zwischen Cognac und Angoulême für die Boote, die Jahrhunderte lang die Schifffahrt auf der Charente prägten.

Saint-Simon: Bürgermeister JeanJacques Delâge im Heimatmuseum. Foto: Hilke Maunder
Saint-Simon: Bürgermeister JeanJacques Delâge im Heimatmuseum. Foto: Hilke Maunder

Im 17. Jahrhundert war das ganze linke Ufer mit Bau- und Reparaturwerkstätten für die Lastschiffe belegt. Alle Handwerksberufe des Schiffbaus waren im Ort vertreten, vom Schmied bis zum Zimmermann, vom Segelmacher bis zum Brettschneider. 15 bis 20 Mann waren beim Bau eines Bootes beschäftigt.

Die Schiffe, die sie auf den Kiel legten, waren einfach und zweckorientiert und perfekt abgestimmt auf die Charente. Der angehobene Bug erleichterte die Passage der Schiffsdurchlässe, der schlichte Mast in der Mitte das Treideln. Für die Mannschaft gab es am Heck eine einfache Holzkabine.

Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
Historische Aufnahme einer garbare

Schiff im Wandel: die Gabare de Saint-Simon

Die letzte gabare de Saint-Simon wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Sie war deutlich ausgeklügelter.

Sie besaß die ausladende Form eines Küstenschiffes. Dank ihrer zwei Segelmasten konnte sie auch im Mündungsbereich der Charente, der dem Einfluss der Tiden ausgesetzt war, navigieren.

Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
In der Maison des Gabarriers erzählen Modelle, Fotos und alte Bauteile der Schiffe die Geschichte der garbarre

Der geräumige Lagerraum nutzte die Größe der neuen Kammerschleusen voll aus. Mit der Bahn begann der Niedergang der Binnenschifffahrt.

1906 lief die letzte gabare de Saint-Simon vom Stapel. Eine ganze Industrie, die seit dem Mittelalter für Wohlstand gesorgt hatte, fand ein Ende. Der Ort verarmte, die Bevölkerung wanderte ab.

Rurale Renaissance dank Tourismus

Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
Die Maison des Garbarriers von Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder

“Heute leben nur noch 207 Menschen in Saint-Simon”, erzählt mir Bürgermeister Jean-Jacques Delâge und schließt die Tür zu einem Eckhaus auf. Maison des Gabarriers steht auf der Fassade.

Drinnen animieren Ton und Film eine Sammlung, die Monsieur le maire in den letzten 30 Jahren zusammengetragen hat: Baupläne, Modelle und Fotos von den Charente-Schiffen sind dort zu sehen, Werkzeug und Alltagsgeräte aus dem Leben der Flussschiffer.

Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
Die Häuser am Wasser haben meist eigene Anleger für ihre Boote. Foto: Hilke Maunder

“Wir haben inzwischen jährlich mehr als 13.000 Besucher”, sagt der Bürgermeister stolz, der dafür gesorgt hat, das die Spuren der Flussschifffahrt heute nicht nur im Museum, sondern ganz aktiv und anschaulich vor Ort erlebt werden kann.

Spurensuche an Land

Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
Der Anleger für die Hausboote. Foto: Hilke Maunder
Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
Der markierte Stadtspaziergang beginnt direkt am Hausboot-Anleger. Foto: Hilke Maunder

Direkt am Kai der Hausboot-Kapitäne, die heute in Saint-Simon immer häufiger anlegen, führt ein markierter Stadtrundgang durch die Gassen.

Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
Die Rue du Grand Port. Foto: Hilke Maunder

Dort könnt ihr zwar nicht mehr das Hämmern in den Werkstätten jener Zeit hören, aber noch zahlreiche Giebelinschriften und Handwerksschilder verweisen noch auf den Hafen, die Werften und die damalige Blüte der Binnenschifffahrt.

Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
Stattliche Häuser zeugen vom damaligen Wohlstand, der mit der Binnenschiffahrt Einzug hielt. Foto: Hilke Maunder

…und auf dem Wasser

Von April bis Oktober könnt ihr an Bord der Gabare “La Renaissance” eine kommentierte Flussfahrt machen.

Der Denkmalschutzverein, den Jean-Jacques Delâge gegründet hat, baute einen Lastkahn aus dem 18. Jahrhundert originalgetreu nach und schippert damit nachmittags auf der Charente – ein wunderschöner Törn, entspannend und unterhaltsam zugleich!

Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
La P’tite Garbarre. Foto: Hilke Maunder

Und danach könntet ihr im Café-Restaurant La P’tite Garbarre draußen im Freien an einem neu angelegten Platz neben der Kirche noch einen Apéro oder leckere, bodenständige Küche aus Frankreich genießen.

Bei unserem Besuch gab es Schinken als Vorspeise, Magret de Canard und ein hausgemachtes Dessert als menu du jour. Und davor zum apéro noch einen letzten Pineau auf der Heckterrasse unseres Hausbootes.

Apero: Auch wunderschön auf dem Hausboot. Foto: Hilke Maunder
Apéro à la Hausboot. Foto: Hilke Maunder

Offenlegung

Für den Hausboot-Törn auf der Charente stellte mir Nicols Hausboote das Hausboot kostenfrei zur Verfügung. Dem Unternehmen und dem Team des Partner-Unternehmens Inter-Croisières in Sireuil sagte ich dafür merci und herzlichen Dank.

Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt. Sämtliche Bootstypen im Programm von Nicols findet ihr hier.

Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
Der Weg zurück zum Hafen. Foto: Hilke Maunder

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Im Blog

Meinen ersten Tag an Bord der MS Malvy habe ich hier vorgestellt. Wie der Hausboot-Törn am zweiten Tag weiter ging, verrate ich euch hier.

Neugierig auf Tag drei bei Mitterrand? Dann klickt hier. Mehr zu Cognac, wo wir gesalzene Leichen entdeckten, gibt es hier.

Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder

Im Buch

Das ganze Land

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Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
So blickt ihr auf Saint-Simon vom Ufer der Charente aus. Foto: Hilke Maunder
Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
Die Gärten von Saint-Simon sind meist von hohen Mauern umgeben. Foto: Hilke Maunder
Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
Foto Hilke Maunder
Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
Die Liegeplätze für Hausboote in Saint-Simon. Foto: Hilke Maunder
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2 Kommentare

  1. Ich bin selber einmal auf dem Canal du Nivernais in Burgund unterwegs gewesen. Einen entspannteren Urlaub als mit dem Hausboot gibt es kaum. Nachdem ich den Artikeln aufmerksam gefolgt bin, bekomme ich nun richtig Lust, die Charente auszuprobieren!

    • Liebe Antje, ja, auf der Charente ist es wirklich sehr entspannend! Vor allem, da es viel weniger Schleusen gibt als – zum Beispiel – auf dem Canal du Midi. Besonders nach Bourg-Charente kannst Du lange Zeit ohne Schleusen ganz entspannt über das Wasser gleiten. Wenn es spiegelglatt ist, schwebst Du fast… sehr meditativ! Bises! Hilke

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