Charente im Hausboot: die Gabares von Saint-Simon

Saint-Simon: Flussschiffer-Rund
Der Rundweg auf den Spuren der Flussschiffer beginnt direkt am Anleger der Hausboote.
Bürgermeister Jean-Jacques Delâge engagiert sich seit mehr als 30 Jahren für das Kulturerbe aus der Flussschifferzeit

„Wenn wir unser Kulturerbe vergessen, verlieren wir unsere Identität“, sagt Jean-Jacques Delâge. Für Saint-Simon heißt das: la gabare. Seit mehr als 30 Jahren engagiert sich der Bürgermeister des kleinen Flussschifferdorfes auf halbem Weg zwischen Cognac und Angoulême für die Boote, die Jahrhunderte lang die Schifffahrt auf der Charente prägten.

Im 17. Jahrhundert war das ganze linke Ufer mit Bau- und Reparaturwerkstätten für die Lastschiffe belegt. Alle Handwerksberufe des Schiffbaus waren im Ort vertreten, vom Schmied bis zum Zmmermann, vom Segelmacher bis zum Brettschneider. 15 bis 20 Mann waren beim Bau eines Bootes beschäftigt.

Maison des Gabarriers: Bereits im Mittelalter wurden in Saint-Simon Lastkähne gebaut.

Die Schiffe, die sie auf den Kiel legten, waren einfach und zweckorientiert – und perfekt abgestimmt auf die Charente. Der angehobene Bug erleichterte die Passage der Schiffsdurchlässe, der schlichte Mast in der Mitte das Treideln. Für die Mannschafts gab es am Heck eine einfache Holzkabine.

Schiff im Wandel: die Gabare de Saint-Simon

Die letzte „gabare de Saint-Simon“ wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Sie war deutlich ausgeklügelter. Sie besaß die ausladende Form eines Küstenschiffes, zwei Segelmasten – und konnte auch im Mündungsbereich der Charente, der dem Einfluss der Tiden ausgesetzt war, navigieren.

Der geräumige Lagerraum nutzte die Größe der neuen Kammerschleusen voll aus. Mit der Bahn begann der Niedergang der Binnenschifffahrt. 1906 lief die letzte „gabare de Saint-Simon“ vom Stapel. Eine ganze Industrie, die seit dem Mittelalter für Wohlstand gesorgt hatte, fand ein Ende. Der Ort verarmte, die Bevölkerung wanderte ab.

Bürgermeister Jean-Jacques Delâge fand auch diese Darstellung eines Handwerkers bei seiner Spurensuche.

Rurale Renaissance dank Tourismus

„Heute leben nur noch 207 Menschen in Saint-Simon“, erzählt mir Bürgermeister Jean-Jacques Delâge und schließt die Tür zu einem Eckhaus auf. Maison des Gabarriers steht auf der Fassade. Drinnen animieren Ton und Film eine Sammlung, die Monsieur le maire in den letzten 30 Jahren zusammengetragen hat: Baupläne, Modelle und Fotos von den Charente-Schiffen sind dort zu sehen, Werkzeug und Alltagsgeräte aus dem Leben der Flussschiffer.

Die Maison des Gabarriers

„Wir haben inzwischen jährlich mehr als 13.000 Besucher“, sagt der Bürgermeister stolz, der dafür gesorgt hat, das die Spuren der Flussschifffahrt heute nicht nur im Museum, sondern ganz aktiv und anschaulich vor Ort erlebt werden kann.

Spurensuche an Land…

Direkt am Kai der Hausboot-Kapitäne, die heute in Saint-Simon immer häufiger anlegen, führt ein markierter Stadtrundgang durch die Gassen, in denen ihr zwar nicht mehr das Hämmern in den Werkstätten jener Zeit hören könnt, aber noch zahlreiche Giebelinschriften und Handwerksschilder darauf verweisen.

Der Rundweg auf den Spuren der Flussschiffer beginnt direkt am Anleger der Hausboote.

…und auf dem Wasser

Von April bis Oktober könnt ihr sogar an Bord der Gabare „La Renaissance“ eine kommentierte Flussfahrt machen. Der Denkmalschutzverein, den Jean-Jacques Delâge gegründet hat, baute einen Lastkahn aus dem 18. Jahrhundert originalgetreu nach und schippert damit nachmittags auf der Charente – ein wunderschöner Törn, entspannend und unterhaltsam zugleich!

Zeitreise: ein Törn an Bord der nachgebauten Gabare „La Renaissance“

Und danach könntet ihr im Café-Restaurant La P’tite Garbare draußen im Freien an einem neu angelegten Platz neben der Kirche noch einen Apéro oder leckere, bodenständige Küche aus Frankreich genießen. Bei unserem Besuch gab es Schinken als Vorspeise, Magret de Canard und ein hausgemachtes Dessert für 15 Euro pro Person. Und davor noch einen letzten Pineau auf der Heckterrasse unseres Hausbootes…

Noch mehr Impressionen aus Saint-Simon

Offenlegung

Für den Hausboot-Törn auf der Charente stellte mir Nicols Hausboote das Hausboot kostenfrei zur Verfügung. Dem Unternehmen und dem Team des Partner-Unternehmens Inter-Croisières in Sireuil sagte ich dafür „merci“ und ganz dicken Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Meinen ersten Tag an Bord der MS Malvy habe ich hier vorgestellt.Wie der Hausboot-Törn am zweiten Tag weiter ging, verrate ich euch hier. Neugierig auf Tag drei bei Mitterrand? Dann klickt hier. Mehr zu Cognac, wo wir gesalzene Leichen entdeckten, gibt es hier.

Sämtliche Bootstypen im Programm von Nicols findet ihr hier.

2 Kommentare

  1. Ich bin selber einmal auf dem Canal du Nivernais in Burgund unterwegs gewesen. Einen entspannteren Urlaub als mit dem Hausboot gibt es kaum. Nachdem ich den Artikeln aufmerksam gefolgt bin, bekomme ich nun richtig Lust, die Charente auszuprobieren!

    • Liebe Antje, ja, auf der Charente ist es wirklich sehr entspannend! Vor allem, da es viel weniger Schleusen gibt als – zum Beispiel – auf dem Canal du Midi. Besonders nach Bourg-Charente kannst Du lange Zeit ohne Schleusen ganz entspannt über das Wasser gleiten. Wenn es spiegelglatt ist, schwebst Du fast… sehr meditativ! Bises! Hilke

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