Eine Postkarte aus dem Limousin

Das Limousin gehört zu den Ecken im Landesinnern, die ich noch nicht so gut kenne. Umso mehr freue ich mich daher über den Gastbeitrag von Johanna Huda, die mir einen Gastbeitrag zu dieser Region geschickt hat-. Merci, Johanna! Und viel Spaß beim Lesen 🙂 Wenn auch ihr Lust habt, euren Lieblingswinkel in Frankreich vorstellen, schreibt mir per Mail an info@maunder.de. Bin gespannt! Doch nun ist Johanna dran!


H ä t t e ….! Hätte sich meine englische Freundin nicht in den Kopf gesetzt, ein Haus im Limousin zu kaufen, wären wir wahrscheinlich nicht so schnell in die Mitte Frankreichs gereist. Vermutlich wären wir dort nicht länger als eine Nacht geblieben. Die Stadt Limoges war mir nur wegen des Porzellans überhaupt ein Begriff.

Ich weiß es noch wie heute. Am Kamin in St Leonards-on-Sea in England hockend, vertieften wir uns in die Regionalkarte rund um Limoges und entdeckten Saint-Léonard-de-Noblat. „Das ist ein gutes Omen“, orakelten wir damals. Der gleiche Name, nur mit anderem Zusatz.

Fast wie im Sauerland

Ein paar Monate später war der Umzug bewältigt, wir brachen von Gelsenkirchen auf zu neuen Ufern. Zunächst sah es für uns nicht danach aus, als ob wir im Département Haute-Vienne Ufer vorfinden würden. Unser erster Eindruck vom Limousin lässt sich in einem kurzen Satz zusammenfassen: französisches Sauerland, allenfalls Schwarzwald. Kurz vor unserem Ziel wurden wir aber von einem prachtvollen Regenbogen begrüßt. Wieder ein gutes Omen?

Das Waldversteck

Das Haus, das unsere Freundin von einem französischen Ehepaar gekauft hatte, lag so versteckt, dass wir dreimal daran vorbei fuhren. Erst, als wir mit der Neu-Französin telefoniert hatten und sie sich an die Straße stellte, fanden wir ihr sie ihn ihrem Waldversteck. I

Ich glaube, der erste Aufenthalt im Limousin war vor allem gekennzeichnet durch unzählige Fahrten zur Déchètterie (Mülldeponie). Wie man über Jahre so viel Gerümpel im Haus und um das Haus herum sammeln konnte, war uns nicht begreiflich.

Der Garten verwildert, der Wald zugewachsen, der Dachboden zugestellt. Auch bei unserem zweiten Aufenthalt begrüßten uns die Angestellten der Déchetterie schon freundlich. Mittlerweile erkennt man das Haus, den Garten und den Wald nicht wieder.

Zeitreise in Limoges

Beim nächsten Aufenthalt hatten wir bereits Muße, die Gegend zu erkunden. In der Großstadt Limoges fanden wir das mittelalterliche Quartier de la Boucherie besonders interessant. Wir fühlten uns wie auf einer Zeitreise, ungefähr zweihundert Jahre zurückversetzt.

In einem kleinen Museum in der Rue de la Boucherie wurde anschaulich erklärt, wie die Menschen früher lebten. Im obersten Stock waren Puppen mit Umhängen ausgestellt, die uns seltsam an Ku-Klux-Klan erinnerten. Wenn wir das richtig verstanden haben, dienen diese Umhänge jedoch einem Straßenumzug, der alle sieben Jahre veranstaltet wird.

Erinnerungen am Badesee

Unser „uferloser“ Aufenthalt endete, als wir den Lac de Sainte-Hélène à Bujaleuf entdeckten. Der Geruch des Seewassers bescherte mir ungetrübte Erinnerungen an meine Kindheit, wo Oma Köper mit einer Schar von Kindern an den Tillissen-See in Dorsten zog.

Auch hier tummelten sich kleinere Kinder, für die extra ein Teil des Sees abgezäunt war. Ein Campingplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe, der See ist umgeben von einem wunderschönen Park.

In einem schlichten Restaurant in Sichtweite eines Spielplatzes gibt es Pommes und Pizza. Natürlich ist das keine noble französische Küche, dafür kann man den Sonnenuntergang in herrlichster Ruhe genießen.

Kunst & Kräuter

Sehr beeindruckend: der Lac de Vassivière. Zum Schwimmen haben wir selbst dort nichts entdeckt, aber ein Ausflug zu Fuß oder per Rad auf die Île de Vassivièremit mit dem kleinen Schloss lohnt sich allemal.

Das Centre International d’Art et du Paysage, ein Museum, hat sich zeitgenössischer Kunst gewidmet. Ein Skulpturenpark und der Heilkräutergarten sind sehenswert. Kinder genießen besonders den Besuch des kleinen Bauernhofs mit seinem Streichelzoo.

Ganz in der Nähe stießen wir auf das hübsche Städtchen Eymoutiers, durch das die Vienne fliesst. Ein ausgedehnter Park an dem Fluss lädt zum Verweilen. Die Algen im Fluss der Vienne bilden ein hübsches Muster.

Handgemacht & authentisch

Ein Highlight stellt der Öko-Markt am Samstag dar, der ebenfalls im charmanten Städtchen Eymoutiers stattfindet. Nicht nur Pflanzen, Gemüse, Ziegenkäse und herrliches Vollkornbrot wird hier angeboten, auch ein Stand mit handgerührten Hautcremes bereichert das Angebot. Sogar die dafür verwendeten Kräuter und Öle stammen zum größten Teil aus ökologischem Anbau.

Es gibt für uns noch vieles, was wir bisher noch nicht gesehen haben. Selbstverständlich wird es uns allein schon der Freundschaft wegen noch des Öfteren hierher verschlagen. Zum Beispiel, um in Saint-Léonard Käse zu kaufen, auch wenn die Schlange der Käufer bis draußen reicht.

Keramik zum Kilopreis

Oder um im Sol’Ô Depot – ebenfalls in St. Léonard – nach keramischen Schnäppchen zu suchen. Dort wird Keramik zum Kilopreis verkauft. Wenn man Glück hat, entdeckt man hübsche französische Espresso-Tassen oder Fliesen oder Kleinigkeiten, die man eigentlich gar nicht braucht.

Mein Fazit: Im Limousin gibt es einiges zu entdecken, wenn auch kein Mittelmeer oder Atlantik lockt.

Mein Reiseführer-Tipp

Es gibt nur wenige Reiseführer, die sich dem Limousin oder der Auvergne im grünen Herzen Frankreichs widmet – und nur einen, der beide Départements vereint, obgleich die Auvergne heute mit Rhône-Alpes eine Großregion bildet, und das Limousin Nouvelle-Aquitaine zugeschlagen wurde.

Noch erfreulicher ist es, das mit Severine Sand und Martin Müller ein unglaublich kenntnisreiches Duo den 512 Seiten dicken Reiseführer verfasst hat, das zu gerne die eingetretenen Pfade verlässt und Neues entdeckt. Kurzum, wer individuell unterwegs ist und Entdeckungen liebt, ist mit diesem Band gut bedient. Wer mag, kann ihn hier direkt bestellen.

Severine Sand, Martin Müller, Limousin & Auvergne, Michael Müller Verlag, 2. Auflage 2018; ISBN 978-3-95654-539-9

 * Durch den Kauf über den Referral Link kannst Du diesen Blog unterstützen und den Blog werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Merci für's Teilen!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.