Ein 2 CV mit einem französischen Kennzeichen im FNI-Format. Foto: Hilke Maunder

Milde bei geringen Temposünden

Temposünden werden in Frankreich hart bestraft. Doch bei Bagatelldelikten lässt das Land Milde walten.

Wer seit dem 1. Januar 2024 in Frankreich etwas zu schnell fährt, wird für seine Temposünden nicht mehr so hart bestraft wie zuvor. Die französische Regierung hat am 6. Dezember 2023 beschlossen, die harten Strafen bei geringfügigen Temposünden zum Jahreswechsel zu mildern. Wer die erlaubte Geschwindigkeit um weniger als fünf Kilometer pro Stunde überschreitet und von einer Radarfalle erwischt wird, muss dann keinen Punktabzug mehr fürchten. Das sieht ein im Amtsblatt nachzulesender Erlass vor.

Frankreichs Punkte-Konto

Anders als in Deutschland, wo es bei Verkehrsdelikten Strafpunkte in Flensburg gibt, starten französische Autofahrer mit einem Guthaben von maximal zwölf Punkten ihre Laufbahn hinter dem Steuer. Fahranfänger erhalten in den ersten drei Jahren sechs Plus-Punkte.

Wer als deutscher Autofahrer in Frankreich mit Hauptwohnsitz lebt, erhält ebenfalls solch ein Punkte-Konto – und bei Vergehen wie beim zu dichten Auffahren, beim Vorfahrtnehmen oder bei Temposünden, die entsprechenden Abzüge. Ist das Punktekonto leer, ist der Führerschein futsch … und zwar so lange, bis nach einer gewissen Zeit ohne Verstöße das Punktekonto wieder aufgefüllt ist.

Seit 1. 1. 2024 gilt für kleine Temposünden:

Bußgeld bleibt; Punktabzug erst ab +5 km/h zu schnell.

Die Tempolimits in Frankreich

Standard im Land sind diese Tempolimits, sofern nicht anders geregelt. Für Anhänger, Wohnmobile und Lastfahrzeuge gelten teilweise andere Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Innerorts

50 km/h, in vielen Städten, vor Altersheimen, Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen immer häufiger 30 km/h.

Außerorts

  • 80 km/h auf Landstraßen ohne Mitteltrennung
  • 90 km/h auf Landstraßen mit Mitteltrennung
  • 110 km/h auf zweispurigen Schnellstraßen
  • 130 km/h auf Autobahnen

50 Départements mit Ausnahmen

90 statt 80 km/h auf der Landstraße gilt nur in ausgewählten Départements.  Insgesamt haben laut der Ligue des conducteurs rund 50 Départements im Hexagon wieder 90 km/h eingeführt, aber nur in sieben von ihnen umfasst dies alle Landstraßen – und zwar in Ardèche, Puy-de-Dôme, Cantal, Creuse, Corrèze, Aveyron und Allier.

In den restlichen 37 Départements gilt das Limit von 90 km/h nur für bestimmte Achsen oder Abschnitte. Im Département Yonne gilt auf 1.091 km Landstraße wieder 90 km/h.

Mehr zum Erlass im Original auf Légifrance.

Noch mehr Ausnahmen

Fahranfänger

In den ersten drei Jahren nach der bestandenen Führerscheinprüfung gilt: maximal 100 km/h auf Schnellstraßen und 110 km/h auf Autobahnen.

Regen und schlechte Sicht

Bei Regen reduziert sich die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen auf 110 km/h.  Sinkt die Sichtweite bei Nebel, Schneetreiben oder heftigen Schauer auf unter 50 Meter, gilt 50 km/h auf alle Straßen.

Bußgeld-Rabatt

Wer sofort zahlt, erhält einen Rabatt auf das Bußgeld. Wer länger als zwei Wochen wartet, zahlt deutlich mehr. Anders als in Deutschland ist es in Frankreich vollkommen egal, wer gefahren ist. Es gilt die Halterhaftung.

Ihr seid etwas zu flott unterwegs gewesen, habt aber noch keine Post aus Frankreich erhalten? Dann kann der Brief noch kommen. Bei geringen Verkehrsverstößen haben die Behörden ein Jahr lang Zeit, das Bußgeld zu verhängen. Erst nach drei Jahren ist der Bescheid bei Temposünden unwirksam – so lang kann er vorher vollstreckt werden.

Wie wird geblitzt?

In Frankreich begegnen euch bei der Geschwindigkeitsüberwachung verschiedene Generationen von Hightech-Geräten. Die Zeiten, in denen nur große graue Kästen am Straßenrand standen, sind längst vorbei. Das Land setzt auf eine dichte, hochmoderne Infrastruktur:

  • Radar tourelle (Turm-Radar): Diese schmalen, hohen Säulen auf Masten sind die „Alleskönner“ unter den Blitzern. Sie überwachen nicht nur das Tempo auf mehreren Spuren gleichzeitig, sondern erkennen 2026 auch zuverlässig Verstöße wie Handy am Steuer, nicht angelegte Sicherheitsgurte oder das illegale Überfahren von Linien.
  • Radar tronçon (Strecken-Radar): Hier wird nicht an einem Punkt geblitzt, sondern eure Durchschnittsgeschwindigkeit über einen längeren Abschnitt (meist mehrere Kilometer) gemessen. Kameras registrieren das Kennzeichen bei der Ein- und Ausfahrt des Abschnitts. Wer zwischendurch zu schnell fährt und erst kurz vor der Ausfahrt abbremst, wird dennoch zur Kasse gebeten.
  • Radar chantier (Baustellen-Radar): Diese mobilen, gepanzerten Anhänger werden flexibel an Gefahrenstellen oder Baustellen platziert. Sie arbeiten vollautomatisch und blitzen oft in beide Fahrtrichtungen gleichzeitig.
  • Radars mobiles-mobiles: Besonders tückisch sind zivile Polizeifahrzeuge, die während der Fahrt aus dem fließenden Verkehr heraus messen. Diese sind für Autofahrer so gut wie nicht zu identifizieren.
  • Radar méduse (Lärm-Blitzer): Ergänzend zu den Tempomessern kommen in Städten und auf beliebten Motorradstrecken verstärkt Lärm-Blitzer zum Einsatz, die bei Grenzwertüberschreitungen durch zu laute Auspuffanlagen automatisch Bußgeldbescheide auslösen.

Wichtiger Hinweis: Die Nutzung von Radarwarnern oder entsprechenden Funktionen in Apps ist in Frankreich bereits seit 2011 streng verboten und kann mit empfindlichen Bußgeldern sowie der Beschlagnahmung des Geräts geahndet werden.