Wiedersehen mit Arras

Arras: Die Fassaden der Grande Place im flandrischen Barock, über denen sich der Belfried der Place des Héros erhebt.
Die Fassaden der Grande Place im flandrischen Barock, über denen sich der Belfried der Place des Héros erhebt.

Kennt ihr Arras? Das Städtchen gehört zu den schönsten Orten von Hauts-de-France. Und dass trotz seiner Geschichte….Während des Ersten Weltkriegs lag die Stadt dicht an der Front. Während des Zweiten Weltkriegs war sie von den deutschen Truppen besetzt. Und doch ist es Arras gelungen, nach allen Zerstörungen sein historisches Erbe nahezu originalgetreu wieder aufzubauen.

Arras & Exupéry

Während der deutschen Besetzung spielt auch ein Roman, der Schuld war am Schlenker auf dem Weg gen Süden: Flug nach Arras von Antoine de Saint-Exupéry.

Der Autor des Kleinen Prinzen* (Le Petit Prince) flog seit Herbst 1939 Aufklärungseinsätze bei der Staffel 2/33. Im Mai 1940 war er auch in Nordfrankreich aktiv, um eine Offensive der Engländer und Franzosen zu begleiten.

In seinem 1942 im U.S.-Exil entstandenen Roman erarbeitet er seine Impressionen aus dem Feldzug, komprimiert sie auf einen einzigen Einsatz  – und ruft die Politik auf den Plan.

Die Grande Place von Arras

Ein Werk, das aufrüttelt

Staatspräsident Charles de Gaulle lässt es im damals französischen Nordafrika verbieten, im deutsch besetzten Frankreich ist es für kurze Zeit erlaubt.

Ebenso unterschiedlich sind die Interpretationen des Werkes. Ruft es eindeutig zur Fortsetzung des Kampfes auf – oder ist die Erzählung ein Aufschrei der Resignation? Ein Protest gegen die Entfremdung des Menschen?

Der nur noch Werkzeug ist, gedrillt zum Gehorchen, nicht mehr selbstbestimmt und Herr seiner Taten?

Eine wiedergeborene Stadt

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende ist das Buch aktuell wie einst. Die Narben des Krieges indes sind längst verheilt. Heute präsentiert sich die nordfranzösische Stadt als historische Bilderbuch-Idylle. 155 Fassaden im flämischen Barock leuchten in der Sonne.

Besonders beeindruckend ist das Stadtensemble um die beiden riesigen Hauptplätze Grande PlacePlace des Héros. Zur Aussichtskanzel im 75 m hoher Belfried, der den 2011 neu gepflasterten Platz überragt, saust ein Lift empor.

 100. Jahrestag

2017 markierte für die Kanadier den 100. Jahrestag der Schlacht von Arras. Am Ostermontag, dem 9. April 1917, war ihnen der Durchbruch auf dem Vimy-Rücken gelungen. Um die Soldaten so nahe wie möglich an die deutschen Linien zu bringen, hatten neuseeländische Tunnelbauer die mittelalterlichen Kreidesteinbrüche von Arras in unterirdische Kasernen verwandelt – wie, verrät die Gedenkstätte im Wellington-Steinbruch.

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Im Blog

Die Boves von Arras hat meine Freundin und Kollegin Barbara Kettl-Römer hier vorgestellt.

Im Buch

Nachtflug*

Sollte ich abgeschossen werden, werde ich rein gar nichts bedauern. Vor dem künftigen Termitenhaufen graust mir. Und ich hasse die Robotertugend. Ich war dazu geschaffen, Gärtner zu sein.

So beendete der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry 1944 einen seiner letzten Briefe, bevor der Autor von Titeln wie „Le Petit Prince (Der kleine Prinz)“ und „Vol de Nuit (Nachtflug)“ auf seinem Aufklärungsflug über dem Mittelmeer verschwand.

Den legendären Roman „Nachtflug“ von Antoine de Saint-Exupéry und die Geschichte seines Lebens in Bildern vereint eine Biografie, die 2015 im Fischer-Verlag erschien. Hans Reisiger übersetzte dafür den Roman, der stark autobiografische Züge trägt.

Als Fabien seine kleine Maschine in das Gold des Abends lenkt, weiß er um das Risiko des Nachtfluges nach Buenos Aires. Sein Vorgesetzter drängt; der Flugplan muss unter allen Umständen eingehalten werden. Ein Unwetter tobt über Südamerika, als der Funkkontakt zu dem Postflieger endgültig abbricht…Wer mag, kann das Buch hier* bestellen.

Im März 2019 ist die berühmte Erzählung auch als Hörbuch erschienen.

Gert Westphal hat es eingesprochen. 2 Stunden und 34 Minuten lang ein echter Hörgenuss! Wer mag, kann die CD hier* bestellen.

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Unterirdische Galerie in den Boves. Foto: Barbara Kettl-Römer
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1 Kommentar

  1. Hallo,
    inzwischen ist im Karl Rauch Verlag „Operation Noyade“ v. H. Laage u. N. Rödel erschienen. Dort werden unbekannte Aspekte seiner Tätigkeit im 2. WK behandelt: Eine solide Quelle mit brauchbarem Stichwortverzeichnis war schon immer „Antoine de Saint-Exupéry“ von Curtis Cate.
    H.L.

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