Chambéry: das Geheimnis der Elefanten

Alle vier Elefanten spritzen Wasser in das Brunnenbecken - für Kinder im Sommer ein herrlich feuchter Spaß! Foto: Hilke Maunder
Alle vier Elefanten spritzen Wasser in das Brunnenbecken - für Kinder im Sommer ein herrlich feuchter Spaß! Foto: Hilke Maunder

Elefanten in Chambéry! Über sie staunte ich wohl am meisten, als ich die einstige Hauptstadt Savoyens besuchte. Die Fontaine des Éléphants in der Rue de Boigne wurde 1838 zu Ehren von Benoît de Borgne (auch: Leborgne) aufgestellt.

De Borgne, am 8. März 1751 in Chambéry geboren, war der Sohn eines Pelzhändlers aus der Picardie, der in der Rue Couverte (heute Rue Saint-Léger) ein Geschäft unter dem Namen La Ménagère betrieb. Seine Mutter, Hélène Gabet, gehörte zu einer der besten Familien in Chambéry.

Nach einer turbulenten Jugend, die ihm wegen nächtlicher Unruhen sogar Ärger mit der Garde einbrachte, trat Benoît de Borgne im Alter von 17 Jahren in ein irisches Regiment im Dienste Frankreichs ein. Er wechselte dann zum Regiment Clarke, wo er zum Hauptmann befördert wurde.

General Le Boigne bekrönt das Brunnen-Denkmal, Foto: Hilke Maunder
General Le Boigne bekrönt das Brunnen-Denkmal, Foto: Hilke Maunder

Unter neuem Namen

In diesen Regimentern lernte er Englisch. Mit diesem Rüstzeug ging der junge Mann 1778 nach Madras, gab dort Fechtunterricht, lernte Hindi und Persisch – und änderte 1783 seinen Namen in De Boigne, um die Schreibweise des Wortes an die Aussprache der Engländer anzupassen, die Schwierigkeiten hatten mit seinem Namen.

Als erfolgreicher Feldherr legte er eine glänzende Karriere hin und stieg im Dienst von Rajah Sindhia, dem Oberhaupt der Mahratten, zum Oberfehlshaber der Armee auf.

Seine Erfolge verdankte er seiner unerschütterlichen Ruhe, der Schnelligkeit seiner Manöver und der Disziplin, die er seinen Armeen auferlegte. Er wurde sowohl gefürchtet als auch geliebt, erwies sich als umsichtiger Verwalter der eroberten Provinzen.

Der untere Teil des Elefanten-Brunnens. Foto: Hilke Maunder
Der untere Teil des Elefanten-Brunnens. Foto: Hilke Maunder

Der General des Rajah

Der Rajah dankte es ihm, in dem er De Boigne einen Teil der erhobenen Steuern überließ. De Boigne häufte so ein beträchtliches Vermögen in Gold und Diamanten an – und heiratete nach landesüblicher Manier eine Inderin namens Nour, die Tochter eines Obersts der Großmogulgarde.

Als Rajah Sindhia 1794 verstarb, stand De Boigne an der Spitze einer Armee von 100.000 Mann, die nach europäischem Vorbild organisiert war und einen letzten indigenen Staat  in Hindustan schützte, der den Engländern Widerstand leistete.

Als der Neffe des verstorbenen Rajah den Thorn bestieg, kehrte De Boigne Indien den Rücken und kehrte zurück nach Frankreich, wo er sich zunächst in Paris, 1807 in Chambéry niederließ. Dort hatte er 18023 in Buisson-Rond vor den Toren der Stadt ein prächtiges Schloss erworben.

Das <em>Hôtel de Ville/em> von Chmabéry. Foto. Hilke Maunder
Das Hôtel de Ville von Chmabéry. Foto. Hilke Maunder

Der Mäzen von Chambéry

Zurück in Chambéry, engagierte sich der einstige Feldherr als Mäzen und unterstützte mit seinem Vermögen zahlreiche städtebauliche Projekte: den Ausbau der Place Saint-Léger, den Bau der Rue des Portiques, den Bau von Lycée und  Theater, der Kapuziner-Kapelle, des Faubourg de Montmélian und die Arbeiten am Hôtel de Ville.

Die Rue de Boigne. Foto: Hilke Maunder
Die Rue de Boigne. Foto: Hilke Maunder

Zu den Sozialprojekten, die sein Vermögen ermöglichte, gehörte der refuge Saint-Benoît für 40 alte Menschen sowie das hospice de mendicité für 100 Bettler. Ehrungen und Auszeichnungen folgten. Napoléon machte ihn 1804 zum Präsidenten des Generalrats des Départements Mont-Blanc. König Viktor Emanuel I. verlieh ihm am 7. Juni 1816 sogar den Titel eines Grafen und den Rang eines Generalleutnants. Am  21. Januar 1830 verstarb De Boigne, sehr geachtet und hochdekoriert, im Alter von 70 Jahren.

Die <em>Fontaine des Éléphants</em>. Foto: Hilke Maunder
Die Fontaine des Éléphants. Foto: Hilke Maunder

Tierische Säule

Acht Jahre später vollendete die Stadt Chambéry den fast 18 Meter hohen Brunnen zu Ehren ihres Wohltäters.  Umrahmt von vier Elefanten, deren Rüssel das Becken speisen, erhebt sich eine monumentale Säule, die seine kriegerischen Taten in Bronze preist.

Die Säule bekrönt De Boigne als Feldherr in Uniform. Auf der dem Schloss zugewandten Seite des Brunnens erinnert eine Inschrift an den Mäzen.

Das Schloss der Herzöge von Savoyen. Foto: Hilke Maunder
Das Schloss der Herzöge von Savoyen. Foto: Hilke Maunder

Der Elefantenbrunnen ist das berühmteste Wahrzeichen von Chambéry, das Schloss der Herzöge von Savoyen heute Sitz der Präfektur. Nur Teile des Château des Ducs de Savoie lassen sich daher besichtigen.

Aristokratisch, und fast ein wenig wie Innsbruck, wirkt Chambéry. Seine alpine Architektur mischt sich mit italienischem Flair und sorgt für eine einzigartige Atmosphäre in der alten Stadt.

Die Place Saint-Léger. Foto: Hilke Maunder
Die Place Saint-Léger. Foto: Hilke Maunder

Der verschwundene Fluss

Dort, wo einst das Flüsschen Albanne die Stadt durchfloss, erstreckt sich heute die Place Saint-Léger als 300 Meter lange Bummelmeile vorbei an Häusern mit bunten Fassaden und vielen Terrassencafés. 15 Gassen münden – genau im rechten Winkel – auf den Platz.

Die digitalen Stadtwegweiser von Chambéry. Foto: Hilke Maunder
Die digitalen Stadtwegweiser von Chambéry. Foto: Hilke Maunder

Als einzige große Querachse durchbricht die Rue de Boigne die Flanierstraße.  Ihr Namensgeber hatte sie einst finanziert – als edle Adresse für die Wohn- und Geschäftshäuser von begüterten Familien. Unter ihren Arkaden ist bis heute die gehobene Lebensart daheim.

Historisierende Brunnen schmücken die Place Saint-Léger. Foto: Hilke Maunder
Historisierende Brunnen schmücken die Place Saint-Léger. Foto: Hilke Maunder

Chambéry: meine Reisetipps

Schlemmen und genießen

Gâteau de Savoie

Dieser luftig-leichte Topfkuchen, der an Biskuit erinnert, hat der Konditor Pierre de Yenne 1358 in Chambéry anlässlich eines diplomatischen Treffens zwischen Graf Amédée VI. von Savoyen und Karl IV. von Luxemburg erfunden. Hinein kommen  viele Eier, Mehl, Zucker und Kartoffelstärke sowie abgeriebene Schalen von Zitronen, die dem Kuchen Frische verleihen.

Pain au chocolat - ganz wortwörtlich. Foto: Hilke Maunder
Pain au chocolat – ganz wortwörtlich. Foto: Hilke Maunder

La Talemerlerie

Mehr als 40 Brotsorten verkauft gegenüber vom Rathaus diese Bäckerei. Mit im Angebot: ein überraschend anderes pain au chocolat. Lasst es euch schmecken!
• 16, Rue du Sénat de Savoie, 73000 Chambéry, Tel. 04 79 65 29 81, www.latalemelerie.com

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In der Nähe

In Les Chamettes lebte einst Jean-Jacques Rousseau mit seiner Mätresse Madame de Warens. Heute erinnert dort ein kleines Museum an den der Dichter und Philosophen.
•890, Chemin des Charmettes, 73000 Chambéry, Tel. 04 79 33 39 44, www.chambery.fr

Der Blick auf den Burgturm des Château des Ducs de Savoie. Foto: Hilke Maunder
Der Blick auf den Burgturm des Château des Ducs de Savoie. Foto: Hilke Maunder

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Die Brüder Maistres blicken vom Schloss zur Stadt. Ihre Statue schuf der Bildhauer Ernest Dubois 1899 im Auftrag der Académie de Savoie die Statue der Brüder de Maistre. Joseph de Maistre (1753-1821) war ein überzeugter Monarchist. Als die französischen Revolutionstruppen im September 1792 eintrafen, emigrierte er nach Lausanne und machte sich einen Namen mit seinen “Considérations sur la France” (1797). Sein jüngerer Bruder Xavier de Maistre (1763-1852) ist berühmt für die Kurzgeschichte  “Voyage autour de ma chambre“. Er schrieb sie  1787 während seiner 42-tägigen Haft in Turin.

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Die Kathedrale von Chambéry. Foto: Hilke Maunder
Die Kathedrale von Chambéry. Foto: Hilke Maunder
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