Bettentest: die Bergerie Balbonne

Magdalena Mallaun, die charmante Gastgeberin der Bergerie Balbonne. Foto: Hilke Maunder
Magdalena Mallaun, die charmante Gastgeberin der Bergerie Balbonne. Foto: Hilke Maunder

Tagsüber ist es das Zwitschern der Vögel inmitten der intakten Natur, das den Aufenthalt in der Bergerie Balbonne so besonders macht. Buchfink, Girlitz und Heckenbraunelle begleiten den Tag. Manchmal sind im Sommer der Pirol und Magadalenas Liebling, der Wiedehopf, zu hören. Dann scheint es, als lausche der Kuckuck dem Gespräch und gebe mit einem Ruf seinen Kommentar ab.

Nachts ist es die Stille, die einen so tief und fest schlafen lässt, als sei man von guten Mächten himmlisch geborgen. Solch ein Glücksort ist nicht leicht zu finden. Er versteckt sich in der Garrigue bei Durban-Corbières, einem alten Dorf mit Katharer-Ruine hoch über der Berre.

Die Bergerie Balbonne. Foto: Hilke Maunder
Die Bergerie Balbonne. Foto: Hilke Maunder

Ganz in der Nähe des nördlichen Ortseingangs und genau gegenüber vom kleinen Picknickplatz führt von der D 611 eine kleine Landstraße steil hinauf zur einstigen Schäferei am Katharerweg. Ein kleines Holzschild verrät: Dies ist der richtige Weg!

Die alte Schäferei

2011 entdeckten Magdalena und Stefan Mallaun das alte Natursteinhaus bei ihrer Suche nach einer zweiten Heimat im Süden. Die einstige Schäferei hatten bereits Holländer und Engländer so weit saniert, dass sie ein passables Wohnhaus war, als das Paar aus Berlin sie nach vielen Jahren des Suchens endlich fand.

Beide spürten sofort: Das ist unser Haus. Endlich sind wir fündig geworden. Schnell wurden sie handelseinig, ließen Gutachten machen, unterzeichneten einen Vorvertrag, dann den Kaufvertrag und zogen ein. Gute 200 Jahre alt ist ihre Schäferei, mit wuchtigen Holzbalken und Natursteinwänden aus hellem Stein.

Der Blick auf die Bergerie Balbonne vom hauseigenen Parkplatz. Das Zimmer unter dem Dach ist das Gästezimmer. Foto: Hilke Maunder
Der Blick auf die Bergerie Balbonne vom hauseigenen Parkplatz. Das Zimmer unter dem Dach ist das Gästezimmer. Foto: Hilke Maunder

Nahezu Selbstversorger

Fünf Jahre lebten die Mallauns dort, verwandelten die Schäferei in ein Zuhause, das nahezu autark funktioniert. Das Wasser liefert die hauseigene Quelle, den Strom Photovoltaik-Paneele. Fehlt ausreichend Licht, springt ein Gas-Generator ein.

Seit 2022 ist die Schäferei Balbonne ans Glasfasernetz angeschlossen – und das Internet schneller als in der deutschen Hauptstadt.

Das Grundstück grenzt an die Mini-Schlucht des Balbonne-Baches, die hinter Magdalen beginnt. Foto: Hilke Maunder
Das Grundstück grenzt an die Mini-Schlucht des Balbonne-Baches, die hinter Magdalena beginnt. Foto: Hilke Maunder

Magdalenas chambre d’hôtes

2018 eröffnete sich für Stefan, der bislang selbstständig tätig gewesen war, die Möglichkeit zum beruflichen Aufstieg im Rahmen einer Festanstellung. Während ihr Mann nun pendelte, blieb Magdalena mit ihrer stillen Hauskatze Audette im Süden.

Das zeitweise Leben allein brachte die studierte Sängerin auf die Idee, ein Gästezimmer ( chambre d’hôtes ) zu betreiben. 2018 war Premiere.

Seitdem hat sie nicht nur französische und deutsche Gäste empfangen, die es schätzen, bei ihr in ihrer Muttersprache willkommen geheißen zu werden, sondern auch Gäste aus Übersee. Sie bleiben meist nicht nur eine Nacht, sondern mindestens ein Wochenende, meist sogar eine oder mehrere Wochen.

Das Gästezimmer der Bergerie Balbonne

Das Gästezimmer der Bergerie Balbonne. Foto: Hilke Maunder
Das Gästezimmer der Bergerie Balbonne. Foto: Hilke Maunder

Sie alle logierten schon in Magdalenas Gästezimmer im ersten Stock. Es ist gen Westen ausgerichtet, mit zwei Nachttischen, Kommode und einem Kingsize-Bett (160 cm) eingerichtet.

Wer abends noch ein wenig lesen möchte, findet im Nachtisch Lesestoff. Foto: Hilke Maunder
Wer abends noch ein wenig lesen möchte, findet im Nachttisch Lesestoff. Foto: Hilke Maunder
Magdalena liebt Leuchten, scheint es - im ganzen Haus finden sich ausgefallene Lampen.
Magdalena liebt Leuchten, scheint es – im ganzen Haus finden sich ausgefallene Lampen. Foto: Hilke Maunder

Durch die mit Glasbausteinen verschlossenen Lüftungsnischen der einstigen Bergerie Balbonne fällt morgens sanft das Licht.  Zum Gästezimmer gehört ein kleines Bad mit Dusche und WC. Hinauf führt eine halboffene Treppe.

Die Treppe führt hinauf ins Gästezimmer. Foto: Hilke Maunder
Die Treppe führt hinauf ins Gästezimmer. Foto: Hilke Maunder

Im Salon des chambres d’hôtes flirten moderne Leuchten und zeitgenössische Kunst mit okzitanischem Erbe und Mobiliar, das Gemütlichkeit verströmt. Ein Klavier, ein Fernseher, eine Musikanlage. Ist sie allein, erklingt auch schon einmal statt Gilbert Bécaud amerikanische Country Music.

Bei kühlem Wetter wird drinnen, an schönen Tagen draußen auf der Terrasse gefrühstückt. Pardon, den Terrassen.

Die Terrassen der Bergerie Balbonne

Die windgeschützte kleine Terrasse der Bergerie Balbonne. Foto: Hilke Maunder
Die windgeschützte kleine Terrasse der Bergerie Balbonne. Foto: Hilke Maunder

Auch eine kleine, fliesengeschmückte Terrasse gehört zum Haus. Sie liegt so windgeschützt, dass selbst bei der Tramontane dort draußen geschlemmt werden kann.

Zahlreiche Kübel mit mediterranem Lavendel, Rosmarin, Minze und anderen Kräutern und Blütenpflanzen wie Oleander verwandeln die Terrasse in eine grüne Oase mit drei Sitzgelegenheiten.

Teepause auf der Terrasse. Magdalena mit einem Gast. Foto: Hilke Maunder
Teepause auf der Terrasse. Magdalena mit einem Gast. Foto: Hilke Maunder

Zum Tee gibt es einen Eckplatz in Teak, zum Lesen, Entspannen oder Apéro eine Polstergruppe in der Mitte der Terrasse, zum Speisen und Schlemmen einen Essplatz unter einem Sonnenschirm in Bayadère-Streifen.

Hausgemacht: der Käsekuchen aus Ziegenfrischkäse mit Pinienkernen. Foto: Hilke Maunder
Hausgemacht: der Käsekuchen aus Ziegenfrischkäse mit Pinienkernen. Foto: Hilke Maunder

Oberhalb vom Haus, mitten im Grün der Garrigue, versteckt sich der große Küchengarten der Bergerie Balbonne. Er beliefert die Küche mit Salat, Gemüse und Obst.

Was fehlt, kauft Magdalena bei örtlichen Produzenten, auf Märkten oder beim großen Biocoop-Markt in Sigean. Einiges kann sie sogar wild vor der Haustür pflücken. Im Mai blüht auf ihrer großen Wiese der Rosen-Lauch, ein pikanter wilder Knoblauch.

Der hauseigene Naturpfad

Magdalena mit Rosenlauch. Foto: Hilke Maunder
Magdalena mit Rosen-Lauch. Foto: Hilke Maunder

Magdalena ist ein wandelndes Natur-Lexikon. Jede Pflanze kennt sie mit Namen, zu jedem Strauch kann sie eine Geschichte erzählen. Zwei Hektar groß ist ihr Grundstück. Und viel ist noch wild und naturbelassen.

Dort, wo das Paar für ihre Gäste jüngst einen gesicherten Parkplatz angelegt hat, beginnt ein Spaziergang, der als 400 Meter lange Runde bereits einen Vorgeschmack gibt auf die grandiose Natur der Corbières. Weit schweift der Blick über das Tal der Berre zu den Spitzen der Hautes Corbières.

Magdalena hat auf ihrem Grundstück auch einen Montpellier-Ahorn entdeckt. Foto: Hilke Maunder
Magdalena hat auf ihrem Grundstück auch einen Montpellier-Ahorn entdeckt. Foto: Hilke Maunder

Gelb leuchtet der mehr als zwei Meter hohe Ginster und verströmt seinen betörenden Duft. Wilde Minze, viel würziger als Züchtungen, bedeckt den Boden.

Hier und da hat Magdalena Lichtungen ins Grün geschnitten: Rückzugsorte für eine Nacht im Freien, ein Picknick im Grünen oder andere Naturerlebnisse.

Die Küche der Bergerie Balbonne

Der Auftakt zu einer frischen table d'hôtes, Foto: Hilke Maunder
Der Auftakt zu einer frischen table d’hôtes. Foto: Hilke Maunder

Mit einer Handvoll frisch gepflückter Natur-Aromen kehrt Magdalena in die Küche zurück. Dort brät und bäckt, dünstet und kocht sie Speisen, die viel erzählen über ihr Selbstverständnis von Essen und Küche.

„In Zeiten von Fast Food und hektischer Nahrungsaufnahme, die nicht viel mit Genuss und gesunder Ernährungsweise zu tun haben, möchte ich mit meiner Küche dazu beitragen, dass meine Gäste auch an diesem Punkt zur Ruhe kommen können. Ob mit oder ohne Fleisch, vegan oder vegetarisch, spielt dabei eine untergeordnete Rolle, denn für mich kommt es auf die Frische und die Herkunft meiner Zutaten an.“

Kosten können dies ihre Gäste bei einer table d’hôte, die sie auf Wunsch anbietet.  Das Standardpaket bei ihr beinhaltet Übernachtungen mit Frühstück.

Ein typisches Frühstück der Bergerie Balbonne. Foto: Hilke Maunder
Ein typisches Frühstück im Salon der Bergerie Balbonne. Foto: Hilke Maunder

Doch wenn ein Gast einmal nicht auswärts in einem der Lokale ringsum speisen möchte, sondern unter dem Sternenhimmel der Terrasse, so ist er bei der table d’hôte herzlich willkommen.

Dann erfährt er im Gespräch mit der Gastgeberin vielleicht auch, welches Hobby Magdalena Mallaun auch mit Herzblut betreibt: die Seifenherstellung.

Apéro auf der Terrasse der Bergerie Balbonne. Foto: Hilke Maunder
Gemütlich: der Apéro auf der Terrasse der Bergerie Balbonne. Foto: Hilke Maunder

Die Bergerie Balbonne

Lage und Kontakt

La Bergerie Balbonne

Lieu-Dit Audiez, 11360 Durban-Corbières, GPS: 42.9993395, 2.8316993

Magdalena Schultz-Mallaun, Tel. +49 163 565 11 05, +33 6 43 92 16 72; Mail: magdalena@mallaun.de, Info: www.aude-web.com, Buchung: www.traum-ferienwohnungen.de/181977

ÖPNV

Bahnhof

Narbonne (32 km).

Bus

Linie Nr. 408 Narbonne – Tuchan
https://keolissuddefrance.com/fr/Ve-Fiches-horaires-des-lignes.html

Wandern

Direkt am Haus verläuft der Sentier Cathare (GR 367), die 250 Kilometer lange Weitwanderstrecke auf den Spuren der Katharer von Port-la-Nouvelle nach Foix, die auch mit dem Mountainbike oder Pferd erlebt werden kann.

Les Pausades nennt sich eine 4,1 Kilometer lange, rund zweistündige Wanderrunde, die an der mairie beginnt. Sie führt vorbei an einer jungen Olivenbaumplantage und der Schlucht von La Pinède vorbei zum Moulin en Crabié führt, einer einstigen Wassermühle und weiter bergauf hin zu einem Aussichtsbalkon mit Blick auf das Dorf und seine Burgruine.
www.tourisme-corbieres-minervois.com/balades-et-randonnees/les-pausades

Schlemmen

Chez Prano

Die Bar-Brasserie ist der Dorftreff von Durban-Corbières – mit Terrasse an der D 611.
• 39, Avenue de Narbonne, 11360 Durban-Corbières, Tel. 04 68 33 49 68, www.facebook.com

Le 28 Pardi!

Mitten in der Pandemie eröffneten Sandra und Michel Viana da Silva ihr Restaurant. Das Ambiente mit hellem Holz wirkt nordisch, doch die Küche ist tief verwurzelt im Terroir. Küchenchef Michel bezieht seine Zutaten von lokalen Erzeugern und Bio-Produzenten und verwöhnt mit einer raffinierten Küche im Einklang der Jahreszeiten seine Gäste – im Sommer auch draußen auf der Terrasse.
• 28, Quai de la Berre, 11360 Cascastel-des-Corbières, Tel. 04 68 44 24 23, www.le28pardi.com

Der Urlaubsort

Sentier Cathare: Durban-Corbières: die Ruine der Katharerburg. Foto: Hilke Maunder
Die Ruine der Katharerburg von Durban-Corbières. Foto: Hilke Maunder

Durban-Corbières liegt rund 30 Kilometer südlich von Narbonne im Département Aude von Okzitanien. Weinberge mit Grenache, Carignan und Syrah, Olivenhaine, Pinienwälder und Garrigue bedeckten die hügelige Landschaft ringsum.

Durban ist ein typisch südfranzösisches Straßendorf mit rund 900 Einwohnern, die in traditionellen Häusern aus Naturstein und Dächern aus Tonziegeln leben, über denen sich die Ruine des Château de Durban erheben.

Was könnt ihr unternehmen?

Badeklippe am MIttelmeer: Cap Leucate. Foto: Hilke Maunder
Badeklippe am MIttelmeer: Cap Leucate. Foto: Hilke Maunder

Wandern, Radfahren, Natur erleben, entspannen und noch echtes, authentisches Südfrankreich erleben, sind die Angeboten, die in Durban-Corbières locken.

Wer mobil ist, findet im Umkreis von 50 Kilometern eine Vielzahl von Ausflugszielen. Dazu gehören die Strände der Mittelmeerküste ebenso wie die Burgen der Katharer, die der Sentier Cathare verbindet.

Sentier Cathare: Tuchan: Château d'Aguilar. Foto: Hilke Maunder
Vom Château d’Aguilar eröffnen sich 360°-Rundblicke. Foto: Hilke Maunder

Vor der Haustür liegt das Weinbaugebiet Fitou mit Kellern, die es zu entdecken lohnt. Lagrasse gehört heute zu den schönsten Dörfern Frankreichs und ist ebenfalls nur einen Katzensprung entfernt.

Die römische Brücke von Lagrasse. Foto: Hilke Maunder
Die römische Brücke von Lagrasse. Foto: Hilke Maunder

Offenlegung

Die Übernachtung samt table d’hôte bezahlte ich aus eigener Tasche.

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Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt an den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen.

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6 Kommentare

  1. Ich freue mich, heute meine Schulfreundin entdeckt zu haben. Sie strahlt so glücklich. Toll,was man erfährt. Vielleicht sollten wir uns auch mal auf die Reise machen.Liebe Grüße aus Hohenstein von Sybille

    • Liebe Sybille, das kann ich nur zurückgeben: ich freue mich, dass wir wieder Kontakt haben und solltest ihr eines Tages Lust verspüren, dieses schöne Fleckchen, die Corbières in Südfrankreich, kennenlernen zu wollen, zögert nicht, euch bei mir einzuquartieren. Liebe Grüße auf diesem Wege. Magdalena

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