Châtel: Schmugglerspuren im Schnee

Châtel: im Skigebiet. Foto: Hilke Maunder
Châtel: im Skigebiet. Foto: Hilke Maunder

Was für eine Kulisse zum Schmuggeln! Im Osten von Châtel im Herzen der französischen Alpen flankieren Chablais-Massiv mit der Tête du Géant (2.232 m) und die Crête de Linge (2.158 m), der Pas de Morgins (1.369 m) und der Morclan (1.970 m) das Vallée de l’Abondance.

Westlich des Tals wird mit dem 2.433 m hohen Mont de Grange mit der Dent d’Oche und den Cornettes Bise die höchste Erhebung von Châtel erreicht. Im Süden klettert Châtel zum Col du Bassachaux hinauf.

Châtel: Dents du Midi. Foto: Hilke Maunder
Dort seht ihr die Dents du Midi. Foto: Hilke Maunder

Und über allem thront eindrucksvoll die zwei Kilometer lange Bergkette der Dents du Midi mit ihren sieben fast gleich hohen Felsgipfeln.

Von West nach Ost heißen sie: Haute Cime (3.258 m), Doigt de Salanfe (3.210 m), Doigt de Champéry (3.200 m), Dent Jaune (3.186 m), Eperon (3.114 m), Cathédrale (3.160 m) und Cime de l’Est (3.178 m) – zumindest, wenn man wie ich mit Ski auf der Piste des Contrebandiers unterwegs ist, der Abfahrt der Schmuggler.

Châtel: Ist sie nicht herrlich, diese Bergkulisse? Foto: Hilke Maunder
Ist sie nicht herrlich, die Bergkulisse mit dem Kopf des Riesen, der Tête du Géant? Foto: Hilke Maunder

“Da Châtel nur zwei Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt liegt, blühte einst der Schmuggel”, erzählt mir mein Ski-Guide Patrice.

Schinken, Käse und Eier brachten die Franzosen, Kaffee, Pfeffer und Zucker sowie Kleidung und Schuhe schmuggelten die Schweizer während des Krieges ins Nachbarland.

Châtel: an der Grenze Frankreichs zur Schweiz. Foto: Hilke Maunder
An der Grenze Frankreichs zur Schweiz. Foto: Hilke Maunder

Und sicherlich waren auch Zigaretten und selbst gebrannte Schnäpse mit im Rucksack beim illegalen Handel am Massiv du Chablais. Illustrationen und Anekdoten zum Jahrhunderte langen Katz und Maus-Spiel der Zöllner (douaniers) und Schmuggler (contrebandiers) gibt es viele.

Erst in den 1950er-Jahren endete der kleine Grenzverkehr. In der ehemalige Zollstelle an der Route de Vonne 1277 von Châtel könnt ihr tiefer eintauchen in die spannende Geschichte!

Châtel: Tief verschneit - die Berghütten im Skigebiet. Foto: Hilke Maunder
Tief verschneit – die Berghütten im Skigebiet. Foto: Hilke Maunder

Zwei Tage lang bin ich mit Patrice unterwegs im Skigebiet von Châtel im Vallée de l’Abondance, der Heimat des gleichnamigen berühmten Bergkäses.

Und fast scheint es mir, dass ich in dieser kurzen Zeit sämtliche 66 Pisten mit einer Gesamtlänge von 130 Kilometern abfahren soll.

Zeit zum Fotografieren bleibt nur im Lift. 58 dieser remontées mécaniques erschließen das Terrain im Herzen der Portes du Soleil. Auf französischer Seite sind es meist moderne Sessellifte, auf Schweizer Seite oft alte Tellerlifte, die so ruckartig anziehen, dass es mich schmerzhaft fast aus den Skistiefeln haut.

Châtel: weite, einsame Pisten. Foto: Hilke Maunder
Weite, einsame Pisten findet ihr allerorten im Skigebiet. Foto: Hilke Maunder

Schwingen in zwei Ländern

Die Verbindung zur größten Skischaukel Frankreichs mit 650 Pistenkilometern schafft seit der Saison 2015/6 die Verbindungspiste La Forestière, die als einfache Autobahn durch tief verschneiten Tannenwald führt, hin nach Vonnes mit dem Portes du Soleil-Sessellift.

Châtel: Gemütlich in Holz - das Skidorf Châtel. Foto. Hilke Maunder
Gemütlich in Holz – das Skidorf Châtel. Foto. Hilke Maunder

Ich brauchte ein wenig, um mich bei diesem Angebot zu orientieren. Zumal Châtel sich lang hinstreckt in drei Talrichtungen – nach Abondance, Morgins und Pré la Joux.

Im Ortszentrum mit seinen liebevoll restaurierten, stattlichen Chalets bin ich morgens kurz nach neun hinauf geschwebt nach Super-Châtel mit seinem Snowpark und Abfahrten nach Morgins, Chapelle d’Abondance und Torgon.

Châtel: Gemütlich in Holz - das Skidorf Châtel. Foto. Hilke Maunder
Das Ortszentrum von Châtel. Foto: Hilke Maunder

Das Schweizer Dorf Torgon liegt auf dem letzten Bergrücken vor dem Rhônetal. Doch ihr braucht nicht hinab zu fahren, um einen Blick auf das Tal und den Genfer See zu erhaschen. Direkt an der Piste von Châtel nach Torgon bietet ein Aussichtslokal diese Fernsicht.

Nach Linga-Pré-la-Joux-Plaine-Dranse schwebt seit der Saison 2015/16 der Gabelou-Sessellift. Unterhalb der dortigen Tête de Linga konzentrieren sich vorwiegend rote Abfahrten.

Gut erschlossen von 42 Sesselliften und Gondeln: Châtel. Foto: Hilke Maunder
Gut erschlossen von 42 Sesselliften und Gondeln: Châtel. Foto: Hilke Maunder

Sternstunden im Schnee

Doch Patrice schwingt mit mir hinab zu einem großen, weißen Zelt direkt neben der Talstation. Neiges Étoilées verraten große Banner.

Im Innern kämpfen gerade Bürgermeister der Region um die Ehre des besten Crêpes-Bäckers. Am nächsten Tag konkurrieren Nachwuchsköche um Punkte, Ansehen und Trophäen.

Châtel: Das Publikum schaut zu beim Kochwettbewerb "Neiges Étoilées". Foto: Hilke Maunder
Das Publikum schaut zu beim Kochwettbewerb Neiges Étoilées. Foto: Hilke Maunder

Schirmherr des Kochevents, das 2011 aus der Taufe gehoben wurde, ist der französische Sternekoch Marc Peyrat, der auch schon im Élysée für Staatschefs gekocht hat, seitdem in Annecy sein Schlemmertempel abgebrannt ist.

Châtel: Sternekoch Marc Veyrat. Foto: Hilke Maunder
Sternekoch Marc Veyrat. Foto: Hilke Maunder

Ihm assistieren Georges Paccard vom Sternelokal La Ciboulette in Annecy und die anderen Jurymitglieder.

Dazu gehören Jean Pierre Jacob vom Zweisternelokal Le Bateau Ivre, Moderator Alexis Olivier von Cuisinez-moi auf TV8 Mont-Blanc, TV-Köchin Carinne Teyssandier, Küchenchef Franck Miglierini vom Casino Évian und die junge Masterchef-Finalistin Nathalie Nguyen, die als kulinarische Beraterin ungeheuer erfolgreich ist.

Georges Paccard, Jurymitglied bei "Neiges Étoilées" in Châtel. Foto: Hilke Maunder
Auch Sternekoch Georges Paccard gehört zur Jury des Kochwettbewerbs. Foto: Hilke Maunder

Nach den Kochwettbewerben wurde im Festzelt mit Organisatoren und Helfern gefeiert. An Ständen entlang der Längsseiten gab es Champagner und Weine aus Savoyen, charcuterie, Käse und warme Gerichte aus der Region.

Und auf einigen runden Hochtischen im Saal köchelte sogar Fondue – zubereitet aus einem Käse, der im Tal seine Heimat hat: der Abondance. Mehr dazu in diesem Beitrag!

Châtel: Abondance im Reifekeller. Foto: Hilke Maunder
Abondance im Reifekeller. Foto: Hilke Maunder

Prost mit einer Galopine!

Abends bemerkte ich, dass fast alle Köche in meinem Hotel schliefen – im grundsoliden Gasthof Belalp mit 25 Zimmern, von denen die ersten renoviert sind. Der Mitgliedsbetrieb von Tables & Auberges de France, der mit drei Sternen klassifiziert ist, bietet vom Speisesaal eine traumhafte Aussicht auf das Tal.

Sie wird nur von der Kochkunst des Patrons überboten: Jacky Trincaz. Doch jetzt steht Jacky mit an der hölzernen Bar und trinkt aus einem kleinen Weinglas eine galopine – ein frisch gezapftes Minibier.

Vom 1957 eröffneten Gasthof, der derzeit in Etappen modernisiert und ausgebaut wird, lauft ihr in rund fünf Minuten zum Bade- und Wellnesszentrum Centre Forme d’Ô mit seinem 33 Grad warmen Außenpool.

Oder hinab ins Dorfzentrum mit seinen alten Chalets und der überraschend großen Pfarrkirche. Schaut euch auch einmal den Baldachin auf dem Kirchvorplatz an!

Die Heilige, die dort auf den Friedhof blickt, trägt an ihren Füßen Ski. Und nur wenige Schritte entfernt, schwingt sich wieder die Stehgondel nach Super-Châtel hinauf.

Châtel: Beste Käse- und Wurstwaren der Region gibt es bei François. Foto: Hilke Maunder
Châtel: Beste Käse- und Wurstwaren der Region gibt es bei François an der Hauptstraße durchs Skidorf. Foto: Hilke Maunder

Meine Reisetipps

Erleben und entdecken

Bodyboarding im Schnee

Im Teilbereich Linga könnt ihr mit einer gelb-grauen Luftmatratze über den Schnee hinab sausen.

Eisangeln

• im Lac de Vonne

Centre Forme d’Ô

Bade- und Wellnesskomplex mit 33° C warmem Außenpool, drei Saunen und zwei Hamams (40/53 Grad).
• 188, chemin de l’Etringa, 74390 Châtel, Tel. 04 50 72 04 31, https://chatel-formedo.com

Schlemmen

Le Vieux Four

Der alte Ofen der einstigen Bäckerei des Großvaters Lacroix gab dem Restaurant von Marie-Laure und Pierre Hautin seinen Namen. Küchenchef ist ihr Sohn Damien, dessen Frau auch im Restaurant mithilft. Lacroix war einst der erste Bäcker im Ort. Die Gläser sind Unikate der Cristallerie von Yvoire am Genfer See.
• 55, Route du Boudé, 74390 Châtel, Tel. 04 50 73 30 56, www.facebook.com

Châtel: La Ferme de la Piste - eine der urigsten Berghütten im Skigebiet! Foto: Hilke Maunder
La Ferme de la Piste – eine der urigsten Berghütten im Skigebiet! Foto: Hilke Maunder

La ferme des pistes “Chez Constant”

Wuchtige Holztische, eine Sammelsurium an alpiner Deko an Decken und Wänden, und ein Wirt, der noch selbst Genepi brennt: Die Berghütte von Constant Dunand mit Paradeblick auf Châtel ist zur Mittagszeit ein beliebter Treffpunkt. Die Hausmannskost ist gut und reichlich.
• Le Linga, 74390 Châtel, Tel. 04 50 81 35 81

Châtel: Urig - die Berghütte Ferme des Pistes. Foto: Hilke Maunder
Urig: das Innere der Ferme des Pistes. Foto: Hilke Maunder

Ferme d’Abondance

Das Abondance-Tal ist die Heimat des gleichnamigen Hartkäses Abondance AOP. Mehrere Milchbauern öffnen ihre Türen für Besucher und verkaufen den nussigen Bergkäse ab Hof. Mein Hofbesuch samt Berthoud-Rezept: https://meinfrankreich.com/abondance

Châtel: Brettljause mit Abondance und deftiger Wurst. Foto: Hilke Maunder
Brettljause mit Abondance und deftiger Wurst. Foto: Hilke Maunder

Events

Neiges Étoilées

Das internationale Gastronomiefestival wird seit 2010 alljährlich Mitte Januar in Châtel gefeiert – mit Kochwettbewerben örtlicher Bürgermeister und junger Küchenchefs der Region, Kochworkshops und -vorführungen für Besucher sowie einem Frühstück in luftiger Höhe, Galadinner und einer Preisverleihung.

Rock the Pistes

Bester Rock aus Frankreich und der Welt auf Bühnen im Schnee. Die Gratiskonzerte Mitte März beginnen um 13.30 Uhr; www.rockthepistes.com

OXFAM Winter Trail

Seit 2015 unterstützt Châtel die britische Wohlfahrtsorganisation OXFAM im März mit einer Fundraising-Aktion. Viermannteams müssen dabei auf Schneeschuhen in weniger als 30 Stunden 60 Kilometer zurücklegen. Im ersten Jahr machten 320 Gruppen mit.

Schlafen

Châtel: Gasthof Belalp. Foto: Hilke Maunder
Holzschönheit: der Gasthof Belalp. Foto: Hilke Maunder

Hôtel Belalp*

Gediegenes Dreisternehaus mit grundsoliden Zimmern im Savoyarder Stil, guter Küche mit Blick auf die Schneeberge und Spa. Francoise und Jacques (“Jacky”) haben das Geschäft inzwischen auf ihren Sohn Matthieu übertragen.

Er hat mit der behutsamen Renovierung des Hauses begonnen, das seine Großeltern 1957 in Châtel eröffnet hatten. Der Speiseraum thront hoch über dem Tal der Dranse mit Panoramablick auf die Berge ringsum.
• 382, Route de Vonnes, 74390 Châtel, Tel. 04 50 73 24 39, www.hotelbelalp.com

Châtel: die Bar des Hôtel Belalp - auch dort blickt ihr auf die Berge. Foto: Hilke Maunder
Die Bar des Hôtel Belalp – auch dort blickt ihr auf die Berge. Foto: Hilke Maunder

Hôtel Le Schuss

Direkt an der Piste findet ihr 16 grundsolide, rustikal-gemütliche Zimmer mit viel Holz und Savoyarder Textilien.
• Le Linga, 353 Route de Pré la Joux, 74390 Châtel, Tel. 04 50 73 24 53, www.hotel-leschuss.fr

Châtel: Le Schuss - was für ein passender Name für ein Skihotel! Foto. Hilke Maunder
Le Schuss – was für ein passender Name für ein Skihotel! Foto. Hilke Maunder

Châtel 1861

Das Hostel bietet preiswerte Betten ab 15 Euro.
• 1423, Route de Pré la joux, 74390 Châtel, Tel. 04 50 81 05 03, www.1861chatelhostel.com

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Châtel: Morgenstunde in den Bergen. Foto: Hilke Maunder
Morgens in Châtel – der Blick aus dem Hotelfenster. Foto: Hilke Maunder

Châtel in Zahlen

Der Ort

1.282 Einwohner
22.000 Gästebetten
25 Hotels (1 x Viersterne-, 9 x Dreisterne-, 11 x Zweisternehotels, 4 Einsternehäuser)
1 Wintercamping
1 Jugendherberge
60 Restaurants

Das Skigebiet

1.100 – 2.200 m
56 Lifte
69 Pisten (vorwiegend rot + blau)
130 Abfahrtskilometer
1 Snowpark
1 Boardercross run

Châtel: Präparierte Piste oder jungfräulicher Tiefschnee - ihr habt die Wahl! Foto: Hilke Maunder
Präparierte Piste oder jungfräulicher Tiefschnee – ihr habt die Wahl! Foto: Hilke Maunder

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Morgens im Skigebiet von Châtel. Foto: Hilke Maunder.
Lichterspiele im Schnee. Foto: Hilke Maunder
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