Der Nikolaus beim Weihnachtsmarkt von Châteauneuf-d'Entraunes. Foto: Christine Cazon
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Christine Cazon: Alle Jahre wieder

In der Vorweihnachtszeit, dachte ich, wäre es schön, einmal von deutschen Schriftstellern, die in Frankreich leben und mit mir bekannt oder befreundet sind, von jedem einmal eine Weihnachtsgeschichte aus seiner Sicht erzählen zu lassen.

Zwei Dutzend habe ich angeschrieben, fast zwei Dutzend schrieben zurück: tolle Idee, aber leider keine Zeit. Umso mehr freue ich mich, dass meine Freundin Christine Cazon, deren Krimis bestimmt einige von euch kennen, Zeit und Lust hatte, zur Feder zu greifen.

Voilà ihr Rückblick auf einen kleinen, besonderen Weihnachtsmarkt in den Bergen des Mercantour-Nationalparks in den Seealpen (Alpes-Maritimes).


Der Weihnachtsmarkt von Châteauneuf-d'Entraunes. Foto: Christine Cazon
Der Weihnachtsmarkt von Châteauneuf-d’Entraunes. Foto: Christine Cazon

Alle Jahre wieder …

findet um den Nikolaustag herum der kleine Weihnachtsmarkt in Châteauneuf-d’Entraunes statt. Saint-Nicolas ist der Schutzpatron des Dorfes. Da ich schon lange nicht mehr die Hauptbeauftragte des Weihnachtsmarktgeschehens bin, sehe ich die unkoordinierten Vorbereitungen und auch den Weihnachtsmarkt selbst deutlich gelassener.

Auch die Tatsache, dass der kleine Weihnachtsmarkt in diesem Jahr vermutlich ins Wasser, besser, in den Schnee fallen wird, was der Freundin, die die Hauptlast der Organisation trägt seit Tagen große Sorgen und zusätzlich schlaflose Nächte bereitet. Das sehen wir morgen, denke ich und tant pis, dann ist es eben so.

Bis heute hatten wir allerbestes Wetter, an der Küste waren es zum Teil noch 19 °C. Dieser Witz, dass man zum Heizen die Fenster aufmachen könne, weil es draußen wärmer sei als drinnen, passte hier ziemlich gut. Auch in den Bergen war es sonnig, aber man sah wie die Wolken, die den Schnee verhießen, langsam aufstiegen. Und kaum ist die Sonne weg, dann ist es ziemlich kalt.

Kuschelig warm

Aber in den Bergen heizt man die Häuser überwiegend mit Holz, da wird es gleich molligwarm in den eher kleinen Räumen, auch wenn man immer ein bisschen riecht wie frischgeräuchert. Diese kuschlig-überheizten Räume sind einfach wunderbar, wenn es draußen kalt ist. Dahingegen kommen einem die 20 °C, die wir mit unserer Heizung in Cannes schaffen, plötzlich ziemlich schlapp vor und nach einem Bergaufenthalt fröstele ich an der obwohl 15 Grad wärmeren Küste regelmäßig vor mich hin.

In den Bergen habe ich kein Problem, mir Skiunterwäsche oder einen zweiten oder dritten Pulli anzuziehen, wenn mir kalt ist. In Cannes ist dieser Reflex irgendwie unterentwickelt. Aber der wird sich jetzt wohl oder übel entwickeln, denn seit Tagen spricht man in den Medien von geplanten Stromausfällen. Das, was wir in Frankreich an Strom produzieren und irgendwo dazukaufen, wird wohl nicht reichen, wir müssen vermutlich mit ein paar „Blackout-Tagen“ im Januar rechnen. Besser sie sind geplant, als dass sie uns buchstäblich kalt erwischen.

Der angekündigte Blackout

Die Regierung sagt, dass nicht alle Departements von den „Blackout-Tagen“, die offiziell nicht so heißen, weil es ja „geplante befristete Ausfälle“ sein sollen, betroffen sein werden. Vermutlich trifft es aber den Süden, da man uns am ehesten ein paar Stunden vom Netz nehmen kann, ist ja so schön warm bei uns. „Haben wir eigentlich Kerzen im Haus?“, fragte mich heute Monsieur.

Nein, haben wir tatsächlich nicht mehr. Alle meine Ikea-Vorräte sind irgendwann in der südlichen Sommerhitze zusammengeschmolzen, die letzten Kerzenklumpen habe ich vor nicht allzu langer Zeit entsorgt. Wir schreiben schonmal eine Liste: Batterien, Kerzen. Wärmflasche ergänze ich. Ich besitze zwar eine Wärmflasche, und zwar an jedem meiner Aufenthaltsorte, ich bin bekennende Wärmflaschennutzerin, aber irgendwann sind sie alle leck, besser ich habe eine auf Vorrat.

Foto: Christine Cazon

Kommt Schnee?

Zurück zum Weihnachtsmarkt. Morgen soll es schneien. Definitiv. Alle Wetterdienste, die wir seit Tagen stündlich befragen, sind sich einig, es fängt schon in der Nacht an und wird drei Tage lang nicht aufhören. Im Nachbardepartement wurde der samstägliche Wochenmarkt vorsorglich abgesagt. Wir aber sind gewillt, den Weihnachtsmarkt zu machen.

Schnee ist doch eine nette Zugabe zum weihnachtlichen Ambiente, vorausgesetzt es ist nicht zu viel, aber wir verrücken doch vorsichtshalber und zum x-ten Mal die Zelte auf dem Platz, um für Besucher und für die erwarteten neun oder vielleicht auch nur sechs Aussteller (manche der Aussteller haben bereits abgesagt, andere wollen es morgen früh entscheiden), die Musiker, den DJ und den mittäglichen Suppenausschank eine zusammenhängende vom Schnee geschützte Fläche zu schaffen.

Es wird wieder und wieder gemessen, überlegt und gerechnet. Vergeblich, der Dorfplatz ist rund, hat einen schönen, aber leider für diese Zwecke störenden Brunnen im Zentrum und ist auch sonst nicht überall gleich breit, die 3×3-Meter Zelte stehen ein bisschen x-beinig herum und schubsen sich gegenseitig, hier stört zusätzlich ein Vordach, dort ein Balkon, da eine Treppenstufe, letzten Endes stellen wir die Zelte wieder so, wie sie vorher standen.

Glühwein im Gewölbe

Wir schaffen aber mehr Ausstellungsfläche in einem ebenerdigen Gewölbekeller, in dem traditionell Glühwein, alkoholfreier Apfelpunsch und heiße Schokolade ausgeschenkt und Waffeln gebacken werden. Die Hauptorganisatorin plagt die Frage, ob überhaupt jemand kommen wird, der Glühwein trinken und Waffeln essen möchte. Zwei Familien des Dorfes, die üblicherweise zum Weihnachtsmarkt mit (erwachsenen) Kindern und, viel wichtiger, mehreren Enkelkindern anreisen, werden nicht kommen, wegen Covid oder anderer Krankheiten. Da fehlen mit einem Schlag knapp zwanzig Personen.

Auch zum Weihnachtsessen haben sich dieses Jahr nur wenige Personen angemeldet, viele fürchten das enge Aufeinanderhocken in einem geschlossenen Raum; ich erinnere mich an Weihnachtsessen mit knapp hundert Menschen, wo wir so eng saßen, dass die Bedienung kaum noch durchkam, und es so laut war, dass man brüllen musste, allein um mit den Sitznachbarn zu kommunizieren. Dieses Mal werden wir erstmals nur 32 Personen im Festsaal sein. Vier Mal wurden wir im Vorfeld gefragt, ob wir kämen. Zunächst fragt uns die Freundin und Weihnachtsmarktbeauftragte. „Klar“, nicke ich. „Wir sind zwei, wie jedes Jahr.“

Kurze Zeit später fragt die Bürgermeisterin: „Kommt ihr eigentlich zum Essen?“ „Aber sicher“, bestätigte ich. „Zwei Personen.“ Eine Woche später erhalte ich eine Nachricht, dass, wer zum Essen kommen möchte, bitte das Gemeindesratsmitglied N. anrufen möge, und zwar bis zum nahen Tag X. „Muss ich jetzt nochmal sagen, dass ich komme?“, frage ich die Weihnachtsmarktfreundin. „Ja“, seufzt sie, „du musst N. anrufen.“

Ich rufe N. an, erreiche nur den Anrufbeantworter, hinterlasse die Nachricht, dass wir mit zwei Personen am Essen teilnehmen wollen. Am Vorabend des Tages X ruft die Bürgermeisterin bei uns zu Hause an. Ob wir bestätigen können, dass wir zum Essen kommen. „Habe ich auf einen falschen Anrufbeantworter gesprochen?“, sorge ich mich. „Nein, nein, es ist nur, um sicher zu gehen.“ Aha.

Tristesse beim Tischtuch

Zweiunddreißig also. Damit hat erstmals auch das Aufstellen der Tische keine Probleme bereitet: Vier runde Tische stehen ein bisschen verloren im Raum und wurden in weihnachtliches Grau gedeckt. Die Bürgermeisterin hat das häufig uneinheitlich Bunte (das Wort „Karneval“ war zu hören gewesen) und außerdem die ollen zusammengeklebten Papiertischdecken satt, wollte es gerne schick haben, und sie hat, ganz nachhaltig, graue Stofftischdecken erstanden. Darüber ist die hauptamtliche Weihnachtsmarktorganisatorin deutlich gekränkt, Stofftischdecken schön und gut, aber diese Beerdigungsfarbe! Es ist doch Weihnachten!

Ich bin damit dieses Jahr ebenfalls raus, denn selbst, wenn ich diese kitschigbunte Deko, die mir zur Verfügung gestellt wurde, in der Regel auch nicht mag, aus der ich aber, wie ich finde, doch immer etwas Nettes und Festliches hingezaubert habe, ist es nicht länger mein Job, es wurde jemand anders beauftragt, Saal und Tische zu dekorieren, ich stehe ein bisschen unnütz im Saal herum, bis ich begreife, dass man meine Hilfe hier definitiv nicht will, und vermutlich finde ich die Tische nur deshalb nicht richtig edel und silbrig, sondern trist und grau. Aber auch da sage ich mir seufzend: Tant pis.

Vor zwei Wochen gab es bereits ein „Helferwochenende“; drei Männer haben mehrere Weihnachtsbäume geschlagen, sie würden jedes Jahr kleiner, wurde kritisch angemerkt, als sie die Bäume vom Pick-up werfen. Vor fünfzehn Jahren hatten wir einen Baum auf dem Dorfplatz, den wir allen Ernstes unter Zuhilfenahme eines Baggers (in Ermangelung eines Krans) aufstellen mussten.

Unser Weihnachtsbaum

Er stünde dem Weihnachtsbaum in Straßburg in nichts nach, befand der Bürgermeister damals stolz. Aber die dynamischen Männer von damals sind nun alle um die siebzig, das macht sich auch beim Schlagen der Bäume bemerkbar. Die Bäume, nicht hoch, aber immerhin schön gleichmäßig gewachsen, wurden an den klassischen Orten (Ortseingang, Dorfplatz, Kirche, Ortsausgang) aufgestellt und von uns Frauen, unterstützt von den zwei jüngsten Kindern der Schäferfamilie, geschmückt, weshalb die unteren Äste dieses Jahr besonders viele Kugeln aufweisen.

In all den Jahren wurde es nicht geschafft, eine einheitliche und geschmackvolle Lichtgestaltung für den Platz zu schaffen, niemand will dafür wirklich Geld investieren. Wir haben da doch noch Ketten vom letzten Jahr, heißt es, ja, aber leider funktionierten sie schon im letzten Jahr nicht mehr, das haben wir nur zwischenzeitlich vergessen, aber was solls, nehmen wir wieder die grüne und die blaue Lichtschnur, die einmal quer und einmal längs über den Platz gespannt werden, reicht doch. Auch die Solarlichterketten vom vergangenen Jahr, mit denen wir die Bäume bereits umwickelt haben, haben überraschend ihren Geist aufgegeben. Dann leuchten die Weihnachtsbäume eben nicht. Tant pis.

Leise rieselt der Schnee

Am Weihnachtsmarktmorgen schneit es wie erwartet, zwar nur leicht, es ist allerdings kalt genug, dass der Schnee liegen bleibt. Um halb Neun treffen wir uns, noch etwas müde aber auch aufgeregt, auf dem Platz, um alle süßen und salzigen Dinge, die wir gebacken haben, an unserem Stand zu dekorieren, die Glühweinhersteller und die Waffelbäckerinnen installieren sich.

Wir hängen selbstgebastelte Türkränze auf, und geben den Holzutensilien, die ein älterer Dorfbewohner hergestellt hat, viel Raum. Eine Ausstellerin, die Mutter des neuen Aubergiste, kam schon am Vortag und breitet nun ihre Patchwork- und Häkelarbeiten aus.

Sie ist zum ersten Mal dabei und sehr enthusiastisch. Erstmals haben wir auch Landschaftsaquarelle, die Freunde einer Dorfbewohnerin gemalt haben, im Angebot, die im Glühweinkeller und in der Auberge ausgestellt werden. Nach und nach sind alle anwesenden Dorfbewohner auf dem Platz. Wir plaudern, erzählen uns, was es Neues gibt, schauen die bunten Patchworkarbeiten durch, betrachten die Aquarelle und harren der Menschen, die da kommen wollen. Es wird zehn Uhr, es wird halb elf. Kein Aussteller kommt.

Wir haben keine Kerzen, keine Seifen, keine Wollsocken, keine Deko, keine Töpferwaren. Keinen Honig, kein Olivenöl. Von der Grundschule kommt niemand, um Selbstgebasteltes von den Kindern zu verkaufen. Der Käsebauer kommt nicht. Die sechs Musiker, die später in der Auberge essen sollen, kommen nicht. Der für nachmittags vorgesehene Weihnachtsmusik-DJ kommt nicht.

Keiner kommt von außen

Einzig zwei junge Gendarmen sind da, um zu schauen, dass alles friedlich und korrekt abläuft, wir keine Cannabisplätzchen verkaufen oder illegale Flüchtlinge hinter dem Weihnachtsbaum verstecken. Sie sind höflich und befragen mich, wer ich bin und was ich tue. Das ist ein bisschen befremdlich, aber dann sind sie auch schon wieder weg.

Und das wars. Nichts und niemand kommt an diesem Tag von außerhalb in unser Dorf. Weder die nah wohnenden Aussteller, die den Schnee doch gewohnt sind, noch die ebenso schneeerfahrenen Bergbewohner der Nachbardörfer. Alle haben sie Angst vor dem dramatischen Schneechaos, das angekündigt worden war, aber ausbleibt. Es schneit nasse fisselige Flocken, die zwar liegenbleiben, aber mehr als ein dünner Schneeteppich wird es nicht.

So bleiben wir wenige Dorfbewohner unter uns, drängen uns unter den Zelten zusammen, und nutzen die Zeit, um ausführlicher miteinander ins Gespräch zu kommen, wir trinken heiße Schokolade, Apfelpunsch und später Glühwein, wir essen die Waffeln, die Crespes (frittierten Brotteig) und da keine anderen Marktstände da sind, sieht man das, was wir eigentlich immer anbieten, mit neuen Augen.

Das Dorf ist solidarisch

Man kauft solidarisch alles Selbstgebackene und manchen adventlichen Türkranz. Viele der Holzutensilien, die wir schon seit Jahren im Sortiment „mitschleppen“, gehen dieses Jahr weg wie warme Semmeln (auch ich erwerbe eine Dose und einen originellem Salz-und-Pfeffer-Behälter). Es liegt sicherlich auch daran, dass wir dem Hersteller der Dosen und Kästchen, der geschnitzten Löffel und der schönen Wellhölzer, der noch immer so traurig und sichtbar älter geworden ist, nachdem er im letzten Jahr um diese Zeit in kurzem Abstand Frau und Schwiegermutter verloren hat, eine Freude machen wollen.

Uns selbst ist es auch eine Freude, nun eines seiner handwerklich eher groben, aber unverwüstlichen Holzutensilien zu besitzen. Auch die bunten Patchworkarbeiten finden reißenden Absatz und selbst drei Aquarelle werden verkauft.

Der als Saint-Nicolas verkleidete Schäfer, der mit seinem Esel durch den nieseligen Schneeregen angestapft kommt, eigentlich DER Publikumsmagnet für Eltern und kleine Kinder, findet auf dem Platz nur uns Erwachsene vor.

Nikolaus ist großzügig

Glücklicherweise bringt er seine eigenen drei Kinder mit, die entzückt darüber sind, dass so viele Lebkuchen, Papilloten (in buntes Papier eingepackte Schokoladenbonbons) und Mandarinen für sie übrigbleiben, obwohl der Nikolaus Lebkuchen und Mandarinen großzügig an uns Erwachsene verteilt. Die kleine Tochter des Schäfers hat den Mund voller Schokolade und nimmt es daher hin, dass wir wieder alle „Oh, der Nikolaus ist da!“ rufen.

Letztes Jahr war sie fassungslos über unsere Dummheit: „Das ist mein PAPA!“ erklärte sie uns eindringlich immer wieder. „Der hat sich nur als Nikolaus verkleidet!“

Immerhin gibt es zwei fast-Teenager, die im Dorf zu Besuch sind, und die jetzt ein bisschen geniert herumstehen, die dann aber doch nicht zu groß sind, um einmal mit dem Nikolaus auf dem Esel sitzend ums Dorf zu reiten.

Mittags servieren wir Organisatorinnen, wie jedes Jahr, gratis heiße Kürbissuppe, mehr als zehn Liter haben wir gekocht, obwohl alle Nachschlag nehmen, bleiben mehr als fünf Liter übrig (und werden später an die Helfer und Helferinnen verteilt).

Belote!

Nachmittags gibt es in der Auberge den traditionellen Belote-Wettbewerb (ein Kartenspiel, eine Art Schafkopf) und man ruft Monsieur aus der Sieste dringend dazu, damit es wenigstens vier Mannschaften werden (in der Regel sind es acht). Bei vier Mannschaften gewinnen dann alle, sogar die „Verlierer“ kommen dieses Mal mit einem Gewinn nach Hause. Hurra!

Wir falten derweil draußen die unbenutzten Zelte zusammen und drängeln uns anschließend im Glühweinkeller zusammen. Selbst ein paar Jäger, die den Weihnachtsmarkt sonst eher verschmähen, sind jetzt da und berichten stolz und erschöpft von ihrem anstrengenden Jagd-Tag, und wir hören zu. Man kann die Jagd mögen oder nicht, im ländlichen Frankreich gehört sie dazu.

Wird der neue Pfarrer für die Nikolaus-Andacht kommen? Ist die Frage, die sich alle stellen. Der neue Pfarrer ist jung, hat keine Angst vor dem bisschen Schnee und selbstverständlich ist er da! Allerdings gab es im Vorfeld viele Diskussionen, denn er möchte, dass es in der Kirche (wieder) „klassisch-christlich“ zugeht, und war nicht bereit, uns, wie in all den vergangenen pfarrerlosen Jahren, profane (wenn auch „bedeutungsvolle“) Lieder singen zu lassen.

Auch die Bänke wurden nicht mehr zu einer Art Kreis gestellt, keine Rede davon, dass er sich „zwischen“ uns stellt für seine Andacht, wie es etwa der Diakon gemacht hatte. Es wird dann auch ein bisschen weniger enthusiastisch gesungen, die „schwungvollen“ Kirchenlieder, die er ausgewählt hatte und begeistert schmettert, kennt kaum einer von uns.

Champagner in der Kirche

Erstaunlicherweise stimmt er aber nach der Andacht dem Champagner-Apero zu, den die Bürgermeisterin „traditionell“ in der Kirche ausschenkt (und für Nicht-Alkoholkonsumenten wie mich, gab es die Reste des alkoholfreien Apfelpunschs), und Alkohol-gestärkt und oder Punsch-gewärmt schlittern wir durch den Schnee dorfabwärts zum Festsaal.

Dort hat, nein, nicht der neue Aubergiste, sondern der (bewährte) Metzger und Traiteur des Nachbardorfes, uns ein festliches Menü auf die Tische gezaubert. Die Sitzordnung, die es dieses Jahr gibt, ist gelungen, an allen Tischen wird bis spät erzählt und gelacht.

Fazit: ein gelungener Weihnachtsmarkt, obwohl oder vielleicht, gerade weil niemand von außen da war. Es war schön, die Solidarität und den Zusammenhalt aller zu spüren. Und, na klar, nächstes Jahr machen wir wieder einen!

Foto: Christine Cazon

Der Beitrag von Christine Cazon ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ihr wollt mitmachen? Dann denkt bitte daran: 

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Christine Cazon im Blog

Christine war schon mehrfach meine Gast-Autorin. Schaut mal hier:

4 Kommentare

  1. Ach wie schön geschrieben, richtig herzerwärmend ! Vielen Dank.
    Ich hatte bisher noch nichts von Christine Cazon gelesen, werde mir jetzt aber unbedingt eines ihrer Bücher besorgen (für den Anfang erst mal eines).

  2. Vielen Dank für die schönen Beiträge! Wie wohl Léon Duval die Feiertage verbringen wird?
    Grüsse aus dem verregneten Zürich
    François

  3. Hallo liebe Christine,

    Herzlichen Dank für diesen Artikel! Ich musste ein paar Mal laut vor mich her schmunzeln, denn nur zu erkennbar sind bestimmte Dinge für mich und du schreibst einfach wunderbar! Vielen herzlichen Dank, ich hab diesen Ausflug auf den solidarischen Mini-Weihnachtsmarkt in den Seealpen sehr genoßen:-)

    Viele liebe Grüße aus dem Périgord et bonnes fêtes !

    Karin (großer Fan deiner Bücher:-)

  4. Ich habe mich riesig über diesen Artikel gefreut, danke euch beiden. Die Krimis verschlinge ich immer gleich, wenn sie bei uns in der Bibliothek auftauchen. Gerade fällt bei uns in Esslingen auch unten im Tal ordentlich Schnee, und heute haben wir nicht kranken Kolleginnen und Kollegen erst gemeinsam Maultaschen gegessen und einen schönen Glühwein getrunken. Bin in Stimmung! Sybille

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