Die schönsten Friedhöfe von Frankreich
Friedhöfe faszinieren. Allerheiligen, Allerseelen, Armistice (Waffenstillstand von Compiègne, 11.11. 1918): Im November gedenkt nicht nur Frankreich seiner Toten. In diesem Monat den Friedhof zu besuchen, ist für viele Franzosen in diesem Monat eine Pflicht, die sie gerne erfülen.
Wir beten, halten dort Zwiesprache und erinnern uns. Wir geben unsere Erinnerung an Freunde und Familienmitglieder, die von uns gegangen sind, an unsere Kinder weiter.
Wir erzählen legendäre Geschichten von Cousins und Cousinen, lachen über Missgeschicke von Verstorbenen, über überraschende Momente. Spüren ihre Nähe, meditieren voller Mitgefühl. Dann bummeln wir einfach über Friedhöfe, betrachten die Gräber mit Neugierde, lesen und entspannen uns in der Ruhe. Der Besuch des Friedhofs: Auf diesen cimetières bereitet er echtes Vergnügen.
Die schönsten Friedhöfe von Frankreich
Die Katakomben von Paris
Paris ist wie ein löchriger Schweizer Käse. In seine sieben Hügel – buttes genannt – hat der Gips- und Kalkabbau Stollen und Schächte gegraben. 300 Kilometer lang ist das unterirdische Labyrinth unter der Stadt. Zwei Kilometer sind davon bilden einen Friedhof.
Warum? Im 18. Jahrhundert waren die Pariser Friedhöfe überfüllt. Sechs Millionen Leichen wurden daher unter die Erde verfrachtet. Mit dabei: Montesquieu, Danton und der Fabeldichter La Fontaine.
Nach dem Vorbild von Rom und Neapel stapeln sich die Schädel und Knochen in mannshohen Gängen. Schaurig-schönes Gruseln ist garantiert! Die besondere Atmosphäre der Katakomben begeisterte nicht nur Könige wie Karl X, Kaiser Franz I. und Napoleon III. Sondern auch szenige Grufties.
Nachdem sie dort in den 1970er-Jahren Orgien im Untergrund gefeiert hatten, wurden die Eingänge der Katakomben verschlossen. Seit 2010 sind die Galerien und Grabkammern für Besichtigungen geöffnet.
Der einzige Zugang zur Unterwelt befindet sich am Musée des Catacombes (1, Avenue du Colonel Henri Rol-Tanguy
Cimetière du Père Lachaise
Schönster und größter Friedhof von Paris ist der 44 Hektar große Cimetière du Père Lachaise. Mit ihrem Namen erinnert die Totenstadt an den Beichtvater Ludwigs XIV., François d’Aix, seigneur de La Chaise. Als Père Lachaise wurde er berühmt.
Mehr als eine Million Menschen haben dort seit 1804 ihre letzte Ruhe gefunden. Für Übersicht sorgt ein Lageplan, den ihr werktags bei den Bureaux de la Conversation erhalten könnt. Oder ladet ihn im Internet herunter!

Der Plan zeigt auch an, wo berühmte Prominente gebettet wurden. Besonders locken bis heute die Gräber von Oscar Wilde, Frédéric Chopin, Marcel Proust, Colette, Edith Piaf, Daudet, Rossini, Balzac, und Rockstars wie Jim Morrison von The Doors.
Zur besseren Orientierung ist das weitläufige Areal in 97 Sektionen eingeteilt. Schattige, grüne Alleen führen entlang dicht gedrängter Gräberreihen, Grabkapellen, Mausoleen und Skulpturen.
Auf zahlreichen Bänken könnt ihr im Schatten jahrhundertealter Bäume in euch gehen, dem Trubel der Großstadt entfliehen, lesen oder einfach vor euch hinträumen. Macht es wie die Pariser und seht die Friedhöfe als Gärten an, in denen ihr in Ruhe flanieren könnt.
Wer hier sein Haupt einmal betten möchte: Ein 1 x 2 m großes Dauergrab, eine concession à perpétuité, gibt es ab 10.911 Euro. Das Grabmonument dürft ihr frei gestalten.
Le Panthéon, Paris
Der Panthéon ist der Ruhmestempel Frankreichs. Hier ruhen die berühmtesten Persönlichkeiten des Landes.
Das Gros sind Männer, die in die heiligen Hallen einziehen durften. Erst unter der Regierung von Ex-Präsident François Hollande haben sich zu Marie Curie weitere Frauen gesellt. Mehr zum Panthéon erfahrt ihr hier.
Cimetière Terre-Cabade, Toulouse
Wenn die Toulouser früher von jemandem sagten, er sei »durch das Tor der 11« gegangen, verstand jeder, dass derjenige in Terre-Cabade beerdigt worden war. Der Volksmund spielte so auf die Obelisken des Friedhofs an, die mit ihren von goldenen Pyramiden gekrönten Kapitellen den Eingang zum Friedhof einrahmen. Im 19. Jahrhundert, als Jolimont noch ländlich war, konnte man die Stelen aus Toulouser Ziegelstein schon von Weitem sehen – als eine 11. Der Ausdruck ist verschwunden, doch die Obelisken und die mit Lotusblumen geschmückten Pavillons bilden bis heute das Haupttor zum größten Gräberfeld der Stadt.
Napoleon hatte per Dekret vom 12. Juni 1804 Frankreichs Kommunen verpflichtet, Friedhöfe anzulegen. Zuvor hatten nur die Mächtigen das Recht auf Grabsteine. Der Rest der Bevölkerung wurde in Massengräbern verscharrt. Um die Cholera-Seuchen, die Toulouse plagten, künftig zu vermeiden, stellten sich die Stadträte einen Zentralfriedhof vor.
Mit seinem Bau beauftragten sie den jungen Chefarchitekten Urbain Vitry. Jener legte ihn auf dem Hang von Terre-Cabade als zehn Hektar großen Gartenfriedhof im englischen Stil an – mit prachtvollen neo-ägyptischen Portiken und schattigen Gassen in geometrischen Mustern.
1840 wurde der Gottesacker der Prominenten eröffnet – und seitdem mehrfach erweitert. Unter den 308.000 Menschen, die auf dem Terre-Cabade die letzte Ruhe fanden, sind besonders viele Berühmtheiten der französischen Armee und Prominente aus Politik und Kunst.
Jules Jacques Labatut, von dem der Louvre zwei Zeichnungen ausstellt, ruht hier ebenso wie der Privatbankier Théodore Ozenne, der Zeitungszar Armand Duportal und der Trapezkünstler Jules Léotard Auch Marcel Langer, der militärisch für ein freies Frankreich gekämpft hatte, fand hier seine letzte Ruhestädte. Der Widerstandskämpfer war am 23. Juli 1943 in den Mauern des Prison Saint-Michel guillotiniert worden. Ein Zaun trennt den Laienfriedhof vom Gottesacker der Geistlichen ab. Dort warten die Priester auf Erlösung.
Cimetière Marin, Sète
Dies stille Dach, auf dem sich Tauben finden,
scheint Grab und Pinie schwingend zu verbinden.
Das Meer, das Meer, ein immer neues Schenken!
O die Belohnung, nach dem langen Denken
ein langes Hinschaun auf der Götter Ruhn! …
So beginnt das 144 Zeilen lange Gedicht von Paul Valéry mit dem Titel Cimetière Marin, das der Dichter Rainer Maria Rilke ins Deutsche übertrug. Paul Valéry ruht dort neben anderen Persönlichkeiten. Ebenfalls dort begraben ist der Theatermacher Jean Vilar.
Der Cimetière Marin ist der Friedhof der Reichen. Er wurde bereits 1680 als Cimetière Saint-Charles angelegt als Grabstätte für all jene Arbeiter, die beim Bau der Saint-Louis-Mole tödlich verunglückt waren.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde er beständig vergrößert. In einem Teil findet ihr die Gräber von Protestanten, die im 18. und 19. Jahrhundert maßgeblich zum Aufschwung des Hafen beigetragen hatten.
Georges Brassens, dem Sète ein eigenes Museum gewidmet hat, findet ihr dort nicht. 1966 hatte er seinen Wunsch der letzten Ruhestätte verfasst – als Supplique pour être enterré à la plage de Sète.
Auf dem Strand begraben werden – dieser Wunsch wurde dem Sänger nicht erfüllt. Er landete auf dem Friedhof der Armen, dem Cimetière Le Py gegenüber vom Étang de Thau.
Campo Santo, Perpignan
Der Kreuzgang der Kathedrale Jean-Baptiste ist einer der ältesten mittelalterlichen Friedhöfe Frankreichs. Jeden Sommer wandelt er sich zur Bühne für das Festival Live au Campo.
Zucchero, Sting, Joan Baez und UB 40 waren dort schon zu hören! Mit seinen restaurierten gotischen Arkaden, den Grabnischen der reichen Familien von Perpignan bildet er einen schönen Ort der Ruhe mitten in der Stadt.
Cimetière du Grand Jas, Cannes
Was für eine Lage! Der Cimetière du Grand Jas klettert seit 1866 auf neun Hektar den Hang über einem Tal empor, das ihn vom grünes Ausflugsgebiet La Croix-des-Gardes trennt.
An klaren Tagen seht ihr vom Friedhof aus das Mittelmeer! Im Schatten der uralten Bäume und bunten Blumen ruht auch ein berühmter deutscher Dichter: Klaus Mann.
Ebenfalls dort bestattet wurden der britische Kanzler Lord Brougham, die Schauspielerin Martine Carol, der Operettensänger Georges Guétary und der Schriftsteller Prosper Mérimée. Ihr findet sie mit dem Führer vom Office de Tourisme.
Cimetière des Épouvantails, Pamiers
Bei der ehemaligen Abbaye de Cailloup bei Pamiers (Ariège) findet ihr an und vor der Klosterkirche ein wahres Unikum: den weltweit einzigen Friedhof von épouvantails, Vogelscheuchen! Fast zwei Dutzend von ihnen schmücken die Kirche und die Felder.
Cimetière Marin de Terre-de- Haut, Les Saintes

Auf den Îles des Saintes in der Karibik, die zum Archipel von Guadeloupe gehören, prägt die Seefahrt das Leben über den Tod hinaus. Die Friedhofskirche Saint-Nicolas de Petite-Anse trägt als Dach einen umgedrehten Bootsrumpf. Die Gräber des dazu gehörigen Friedhofs sind mit großen Schneckengehäusen des Tritonshorns geschmückt.
Cimetière de Morne-à-l’eau
Den optisch ungewöhnlichsten Friedhof von Frankreich findet ihr Tausende Kilometer vom Mutterland entfernt im Herzen der Karibik.
In Morne-à-l’eau auf der Antilleninsel Guadeloupe erhebt sich mitten im Zentrum, gleich neben einem verkehrsumbrausten Kreisel, die Totenstadt des Ortes.
Jeder Tote ruht dort in einem Häuschen, das je nach Wohlstand mal größer, mal kleiner ausfällt. Vor oder auf dem Häuschen brennen an den Totengedenktagen kleine Kerzen in roten Windlichtern.
Blumen und Fotos von den Verstorbenen schmücken die Grabstätten. Fast alle Mausoleen sind schwarz-weiß gekachelt. Ein Dorf der Toten im Herzen des Ortes. Irdisches Leben und Nachwelt verschmelzen.
Saint-Barth
Feinster Sand bedeckt den Boden des Friedhofs der Karibikinsel Saint-Barthélemy. Weiß sind die Gräber, bunt leuchten die Blüten. Ein Grab ist besonders üppig geschmückt. Dort hat der französische Rockbarde Johnny Hallyday seine letzte Ruhestätte gefunden.
Der Sänger, der im Dezember 2017 im Alter von 74 Jahren an Lungenkrebs gestorben war, besaß dort eine Villa und hatte seinen Wunsch geäußert, dort seine ewige Ruhe zu finden. Am 11. Dezember 2017 wurde er dort begraben. Und wenige Jahre später wieder ausgebettet, um wenige Meter entfernt seine jetzige Ruhestätte zu finden. Sie ist bis heute ein Pilgerziel seiner Fans.

Noch mehr Friedhöfe
Cimetière Marin de Saint-Tropez
Direkt am Mittelmeer hat der Partykönig und Schallplatten-Produzent Eddie Barclay seine letzte Ruhestätte gefunden. Roger Vadim ruht ebenfalls dort. Auch die Familie Bardot besitzt dort ein Familiengrab. Brigitte indes möchte dort auf keinen Fall beerdigt werden, hat die einstige Schauspielerin und engagierte Tierschützerin erklärt.
Cimetière Marin de Bonifacio
Der Friedhof der Seeleute mit seinen haushohen Grabstätten bietet von der Spitze der Halbinsel traumhafte Ausblicke.
Cimetière de Boissy-sans-Avoir
Im Süden Paris hat im Département Yvelines Romy Schneider (1938-1982) ihre letzte Ruhestätte gefunden. Den Grabstein ziert nicht der Künstler-, sondern ihr Alltagsname: Rosemarie Albach. Kurz vor ihrem Tod hatte sie noch ein Grundstück in Boissy-sans-Avoir erworben.
Neben ihr ruht die Leiche ihres Sohnes David Haubenstock (1966-1981), der unter tragischen Umständen starb und und zunächst in Saint-Germain-en-Laye gelegen hatte. Nur sein Geburtsdatum wird auf dem Grabstein erwähnt.
Cimetière de la Madeleine, Amiens
Der Friedhof de la Madeleine gehört zu den schönsten Landschaftsfriedhöfen Frankreichs. Seit 1796 konnte hier alles grünen und gedeihen. Altehrwürdige Bäume säumen die Allen und laden auf mehr als 18 Hektar zum Spaziergang und zur Erkundung ein.
Die Grabstätten angesehener Familien von Amiens zeugen vom Wohlstand der Stadt im 19. Jahrhundert. Tipp: Jeden ersten Sonntag im Montag könnt ihr von März bis September den Friedhof mit einem offiziellen Stadtführer entdecken.
Friedhofsklänge
• Barbara, Au cimetière, 1963
• Les Vamps, Visite au cimetière, 1991
• Marie-Paul Belle, Où est-ce qu’on les enterre?, 1999
• Michèle Bernard, Au cimetière de Levallois, 2002
• Felicity Lott, Le Cimetière (dans Cinq poèmes de Max Jacob, mis en musique par Francis Poulenc), 1931 (enregistrement de 1998)
• Georges Brassens, Pensées des morts, 1969
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