Die schönsten Parks in Toulouse

Der Blick auf Toulouse von der Île du Ramier, auf der bis 2025 der neue Central Park von Toulouse entsteht.
Der Blick auf Toulouse von der Île du Ramier, auf der bis 2025 der neue Central Park von Toulouse entsteht.

Schöne Parks in Toulouse? Daran denken die wenigsten, wenn sie  den Namen der südfranzösischen Metropole hören. Airbus und roter Backstein sind zumeist die Assoziationen. Doch es lohnt sich, auch einmal die Grünanlagen der ville rose Okzitaniens anzusehen. Denn die Parks in Toulouse bergen so manch eine Überraschung. Und sind herrliche Oasen zum Ausspannen nach dem Sightseeing.

Meine Lieblings-Parks in Toulouse

Le Jardin de l’Observatoire

Die einstige Sternwarte von Toulouse. Foto: Hilke Maunder
Die einstige Sternwarte von Toulouse. Foto: Hilke Maunder

240 Meter! Mit dieser Höhe über Normalnull ist die Colline de Joliment der höchste Hügel von Toulouse. Sie war daher der perfekte Standort für das erste Observatorium der Stadt. Bereits 1733 gründete die Académie des Sciences, Inscriptions et Belles Lettres de Toulouse die Sternwarte und finanzierte 1841 ihren heutigen Bau.

Der Parc de l’Observatoire wird auch Jardin de l’Observatoire genannt. Foto: Hilke Maunder
Der Parc de l’Observatoire wird auch Jardin de l’Observatoire genannt. Foto: Hilke Maunder

Das Ende der Sterngucker

1875 wurde sie mit einem der damals größten Fernrohre, einem 83-Zentimeter-Spiegelteleskop, ausgestattet. Die Industrialisierung und Urbanisierung von Toulouse indes verschlechterten die Sichtverhältnisse.

1908 wurden die astronomischen Beobachtungen auf den Pic du Midi du Bigorre verlagert, der Standort Toulouse 1970 aufgegeben.

Der Eingang zur einstigen Toulouser Sternwarte. Foto: Hilke Maunder
Der Eingang zur einstigen Toulouser Sternwarte. Foto: Hilke Maunder

Zurück blieb ein schmucker Bau in einem drei Hektar großen Park. Stadtplaner Urbain Vitry hatte ihn 1841 bis 1847 anlegen lassen – und ihn mit zwei Besonderheiten versehen.

Exakt durchgeplant

Das Planetarium befindet sich genau in der Mitte einer Allee, die darum herumführt. Dieser Ring misst exakt 400 Meter, die Länge einer Sportplatz-Laufbahn.

Das Teleskop der einstigen Toulouser Sternwarte. Foto: Hilke Maunder
Das Teleskop der einstigen Toulouser Sternwarte. Foto: Hilke Maunder

Ebenso exakt sind die anderen Wege im Park angelegt. Sie sind nach der Meridianachse und der Ost-West-Achse ausgerichtet. Auf den Rasenflächen stehen – genau in der Flucht – zwei Pfeiler.

Mit ihnen konnte das Teleskop justiert werden.1982 wurde der Sternwartenpark fürs Volk geöffnet. Heute nutzen ihn meist nur die Anwohner – und fühlen sich wie im eigenen Garten.

Mit solchen Säulen konnte das Teleskop justiert werden. Foto: Hilke Maunder
Mit solchen Säulen konnte das Teleskop justiert werden. Foto: Hilke Maunder

Treffpunkt der Nachbarn

Väter üben mit dem Nachwuchs das Radfahren, Schüler machen ihre Hausarbeiten. Man führt den Hund aus, klönt mit dem Nachbarn, beobachtet die Eichhörnchen und erlebt, wie der Park im Laufe der Jahreszeiten sein Kleid wechselt.

Schirmpinien und Hainbuchen erheben sich hoch über den Rasenflächen. Judasbäume leuchten lila. Agapanthus (Liebesblume) und Akanthus blühen am Wegesrand, Rosen und Hortensien säumen die sandigen Wege: romantisch!

Tipp

Zahlreiche betagte Exoten birgt auch der nahe Parc Félix Labit. 200 Jahre alt ist die Zeder, 100 Jahre alt die üppig blühende Akazie, kaum weniger jung sind die Palmen, Hackbeer- und Judasbäume.

Le Jardin Japonais

Der japanische Garten von Toulouse. Foto: Hilke Maunder
Der japanische Garten von Toulouse. Foto: Hilke Maunder

Hohe Bäume, Erdwälle und Büsche schirmen den Park im Park ab. Der Japanische Garten von Compans-Caffarelli ist ein stiller Ort der Einkehr. Einzig ein Saumpfad führt hinein in die 7.000 Quadratmeter große Oase. Ihr Name erinnert an den ehemaligen Toulouser Bürgermeister Pierre Baudis.

Der Jardin Japonais entstand bereits 1981 nach dem Vorbild eines Gartens von Kyoto. Seine Anlage gehört zum Typ der Tsyukiyama, Gärten mit künstlichen Hügeln, Wasserfall und See, Inseln und Teehaus, durch die Wege mit Stufen aus grobem Granit führen.

Der Blick über den See des japanischen Gartens hin zur roten Brücke. Foto: Hilke Maunder
Der Blick über den See des japanischen Gartens hin zur roten Brücke. Foto: Hilke Maunder

Die Ordnung der Natur

Auch die Anordnung der Pflanzen imitiert die Ordnungsprinzipien der Natur. Immergrün trifft auf Blütenwunder, Blasenesche auf lilablaue Paulownie. Schnurrbäume und Aralien setzen cremeweiße Farbtupfer, chinesische Winterblüten gelbe Akzente. Beim Zierobst prahlt die Kirsche mit ihren fünf Sorten Kiku, Shidare, Sabura, Amanogawa und Kanzan.

Im Lauf der Jahreszeiten wechselt der Garten sein Kleid. 1993 gab es dafür die nationale Auszeichnung Grand Prix du Concours des villes fleuries. Später folgte die Anerkennung als „bemerkenswerter Garten Frankreichs“.

Das allein ist paradiesisch. Und spiegelt sich in der zentralen, 700 Quadratmeter großen Wasserfläche des Gartens wider. Auf zwei kleinen Inseln stellen Felsen die Elemente der Ewigkeit dar: Schildkröte und Kranich. Die größte Insel zitiert das legendäre Eiland Horair, für die Japaner Symbol des Paradieses.

Die rote Brücke

Die rote Brücke des japanischen Gartens von Toulouse. Foto: Hilke Maunder
Die rote Brücke des japanischen Gartens von Toulouse. Foto: Hilke Maunder

Eine rote Brücke führt hinüber. Auf der Insel erhebt sich ein Teehaus. Sein Vorbild war die Kaiservilla Katsura palis südlich von Kyoto – ein Ort für die Bewunderung des Mondes, der sich nach Einbruch der Dunkelheit im See spiegelt.

Unter seinen roten Zederndachschindeln werden Teezeremonien abgehalten. Und wie es sich für Japan gehört, fehlt auch ein Karesansui nicht, ein Steingarten mit Granit und weißem Kies aus dem Sidobre. Nur der Gärtner darf dort Muster harken.

Der Steingarten des japanischen Garten im Park Compans-Cararelli von Toulouse. Foto: Hilke Maunder
Der Steingarten des japanischen Gartens im Parc Compans-Cararelli von Toulouse. Foto: Hilke Maunder

Tipp

Kaum ein Tangosänger und -komponist begeisterte im frühen 20. Jahrhundert die Menschen so wie Charles Romuald Gardès. Im Jardin Compans-Caffarelli ist dem gebürtigen Toulouser (1890 – 1935) ein Denkmal gewidmet.

Le Jardin Monplaisir

Markt, Konzert, Kunst und Kurs: Es wird viel geboten im <em>Jardin Monplaisir>/em>. Foto: Hilke
Markt, Konzert, Kunst und Kurs: Es wird viel geboten im Jardin Monplaisir. Foto: Hilke Maunder

Zwischen den Docks der Cales du Radoub und dem Sportboothafen Saint-Sauveur hat Bernard Sellam eine kleine ländliche Oase ans Ufer des Canal du Midi gesetzt, grün, kreativ und überraschend – für mich einer der schönsten Mini-Parks in Toulouse! Als Kameramann für großes Kino hat Monsieur Sellam die Welt bereist. Bei Konzerten lässt der Frontmann der Blues-Band Awek seine Gibsons vibrieren.

Die <em>guinguette</em> im <em>Jardin Monplaisir</em>. Foto: Hilke Maunder
Die guinguette im Jardin Monplaisir. Foto: Hilke Maunder

Mit neuen Ideen engagiert er sich für seine Heimatstadt. Er hat den Lastkahn Samsara in eine schwimmende Eventlocation verwandelt. Und, nur einen Steinwurf entfernt, seinen Privatgarten für alle geöffnet. Le Jardin Monplaisir, 2.800 Quadratmeter groß, ist ein Naturgarten, eine Freiluftbar – und ein offener Raum für jede kulturelle, künstlerische oder sonstige Initiative.

Klönschnack an der Café-Bar. Foto: Hilke Maunder
Klönschnack an der Café-Bar. Foto: Hilke Maunder

Unter Gleichgesinnten

Jeden Samstagmorgen kommen die Käsemacher und Geflügelzüchter, Schlachter, Bäcker und Biomanufakturen, um von 9 bis 13 Uhr ihre Produkte beim Bauernmarkt zu verkaufen.

Dann kochen Laure und Thomas auch ein veritables Mittagsmenü. Die restliche Zeit gibt es an der guinguette nur warme und kalte Getränke sowie hausgemachte Kuchen am Nachmittag und kleine Gerichte.

Klönschnack an der Café-Bar. Foto: Hilke Maunder
Selbst gemacht aus Palettenholz: die Liegestühle. Foto: Hilke Maunder

Bunt gestreifte Liegestühle, die im Gras des mobilen Schuppens stehen, laden ein, die Augen zu schließen und der Natur zuzuhören, dem Gezwitscher der Vögel, dem Rauschen der Bäume.

Den Duft von Blüten einatmen, in Wolken Phantasietiere sehen. Oder in der Leseecke Grafik und Gemälde entdecken, die auch bei Freiluft-Ausstellungen am Gartenzaun präsentiert werden.

Der Eingang zum gemeinschaftlichen Gemüsegarten. Foto: Hilke Maunder
Der Eingang zum gemeinschaftlichen Gemüsegarten. Foto: Hilke Maunder

Bühne frei!

Bei gutem Wetter kommen Musiker, Sänger und Straßenkünstler. La Fanfare Diatonique begeistert regelmäßig mit Akkordeonmusik. Andere Künstler und Bands treten hier zum ersten Mal vor Publikum auf. Am Eingang hat Brice seine Fahrradwerkstatt eingerichtet.

Das Ende des grünen Rechtecks ist für den Gemeinschaftsgarten reserviert: Tomaten, Kürbisse und Sonnenblumen wachsen dort zwischen hohen Disteln und Traumfängern im Grün. Jeder darf gärtnern. Es genügt, das Gartentor aufzustoßen.

Schmuck im Gemüsegarten: ein Traumfänger. Foto: Hilke Maunder
Schmuck im Gemüsegarten: ein Traumfänger. Foto: Hilke Maunder

Tipp

Zypressen und Palmen, Wein, Akanthus und Olivenbäume: Der Jardin des Antiques des Toulouser Archäologiemuseums lädt als Garten der Antike zur beschaulichen Kaffeepause ein.

Le Jardin Royal

Der „Königliche Garten“ ist der älteste Park von Toulouse. Bereits 1754 wurde er angelegt – als Teil eines umfassenden Stadterneuerungsprogramms von Louis de Mondran (1699-1792).

Dem Toulouser Stadtplaner waren die baufälligen Hütten und Slums ein Dorn im Auge und einer reichen, repräsentativen Metropole des Midi unwürdig. Abriss und Neubebauung mit einem Netz miteinander verbundener Esplanaden, Parks und Plätzen war seine Vision.

Im <em>Jardin Royal</em>. Foto: Hilke Maunder
Im Herzen des Jardin Royal erhebt sich ein Entenhaus im kleinen See. Foto: Hilke Maunder

Ein zentraler Bestandteil des Plans war der Bau breiter, von Bäumen gesäumter Alleen, die strahlenförmig von einem ovalen Zentrum ausgehen sollten – dem Grand Rond, einem Park inmitten eines Verkehrskreisels. Eine der Alleen führte auch zum heutigen Jardin Royal.

Kleinod der City

Nur 1,7 Hektar groß ist der Jardin Royal mit seinen Rasenflächen, verschlungenen Wegen und der Passerelle hinüber zum Grand Rond.  In seiner Mitte spiegelt ein kleiner See mit Entenhaus uralte Baumexoten:  Libanon-Zeder, Himalaya-Zeder, Virginia-Tulpenbaum, Osage-Orange und Amerikanische Kopalme. Einige sind mehr als  200 Jahre alt.

Eine Statue erinnert an den Kleinen Prinzen und seinen Autor, den Piloten Antoine de Saint-Exupéry, Pilot und Autor des Kleinen Prinzen. Foto. Hilke Maunder
Eine Statue erinnert an den Kleinen Prinzen und seinen Autor, Antoine de Saint-Exupéry. Foto. Hilke Maunder

Statuen und Skulpturen erheben sich im Grün. Mein Lieblingsdenkmal ist die Statue des Kleinen Prinzen zum Gedenken an Antoine de Saint-Exupéry. Eine zweite Statue ehrt den Komponisten Déodat de Séverac. Auguste Guénot (1882-1966) schuf dieses Denkmal.

Aristide Maillol meißelte La Gloire de l’Aviation zu Ehren der französischen Luftfahrtpioniere in Marmor. Von 1948 bis 1993 stand die Skulptur im Park – und wurde mehrfach Opfer von Vandalismus. Um Maillols Werk zu retten, musste es schließlich weichen.

Die Stahlskulptur von Theodoulos Gregoriou ehrt die Piloten der Aéropostale. Foto: Hilke Maunder

An seiner Stelle erinnert seit 2001 eine abstrakte Stahlskulptur von Theodoulos Gregoriou an Jean Mermoz und die Piloten der Aéropostale. Seit 2013 ist der Jardin Royal vom französischen Kulturministerium als jardin remarquable (bemerkenswerter Garten) ausgezeichnet.

Le Jardin Raymond VI

Aus Ziegeln, nicht aus Feldsteinen wurden 16 Jahrhunderte lang in Toulouse die Stadtmauern gebaut. Das schönste Teilstück ist auf der rive gauche im Jardin Raymond VI von Saint-Cyprien erhalten.

Bereits 30 nach Christus umgaben die Römer ihre Siedlung mit einer monumentalen Mauer aus Backstein. Sie diente damals weniger militärischen Zielen als der Zierde. Die Stadtmauer sollte ein Symbol für den Ruhm Roms und seines Kaisers Augustus sein und verband Forum, Tempel und Theater.

Die Reste der Stadtmauer sind der Hingucker im Jardin Raymond VI von Saint-Cyprien. Foto: Hilke Maunder
Die Reste der Stadtmauer sind der Hingucker im Jardin Raymond VI von Saint-Cyprien. Foto: Hilke Maunder

Bis ins frühe Mittelalter hatte die antike Mauer Bestand. 1209 sorgte erst Simon de Montfort, 1229 dann der Vertrag von Meaux dafür, dass sie fast völlig zerstört wurde. Sie war überflüssig geworden. Denn mit dem Ende der Albigenserkriege konnte der König von Frankreich Okzitanien in sein Reich integrieren.

Während des Hundertjährigen Krieges erhielt Toulouse eine neue Stadtmauer. Erstmals wurden auch die beiden wichtigsten Vororte der Stadt, Saint-Sernin auf dem rechten Flussufer und Saint-Cyprien auf der rive gauche, in den mittelalterlichen Mauerring der remparts integriert.

Die Reste der Stadtmauer

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erhielt diese Mauer zum Schutz vor Ferdinand II. von Aragon im Westen zehn Türme. Vier davon prägen bis heute ein 300 Meter langes Stück Stadtmauer zwischen der Garonne und den Allées Charles de Fitte: die Tour du Matériel, die Tour de la Menuiserie, die Tour de l’Isle und die Tour Taillefer.

35 Meter hoch überragte sie als Ausguck und Einsatzort der Artillerie die Garonne. Später wandelte sie sich zum Turm der Pestopfer, da das Spital von La Grave die Kranken dort isolierte.

Agoraphobia, eine Freilichtskulptur von Franz West aus dem Jahr 2005. Foto: Hilke Maunder
Agoraphobia, eine Freilichtskulptur von Franz West aus dem Jahr 2005. Foto: Hilke Maunder

Bis ins späte 18. Jahrhundert umschloss die Mauer die alte Stadt. Im 19. Jahrhundert entledigte sich Toulouse seiner Mauern und verwandelte sie in Alleen und Boulevards. Erst 1998 entdeckte man beim Abriss der Nebengebäude des Schlachthofes ein 300 Meter langes Stück Mauerwerk.

Der einstige Wassergraben ist heute in den Uferpark Raymond VI integriert und verleiht ihm Charakter – als Kulisse beim Sonnenbaden oder beim Schlemmen in den Restaurants.

Tipp

Der Jardin Raymond VI grenzt an Les Abattoirs. In den einstigen Schlachthöfen der Stadt wird heute aktuelle Kunst gezeigt. Der Park dient dabei auch als Ausstellungsfläche.

Les Jardins du Muséum

Der Eingang zu den <em>Jardins du Muséum</em>. Foto: Hilke Maunder
Der Eingang zu den Jardins du Muséum. Foto: Hilke Maunder

Naschen verboten! Auch wenn die Früchte der Passionsblume auf dem Bohlenweg prall und reif in luftiger Höhe am Zaun hängen, die Weintrauben fast die Lippen berühren, Äpfel und Birnen verführerisch duften: In den Jardins du Muséum des Toulouser Naturkundemuseums ist nur Schnuppern, Fühlen und Staunen gestattet.

Diese Passage eröffnet weite Bllicke auf die Jardins du Muséum - und ist mit Passionsfrucht behangen. Foto: Hilke Maunder
Diese Passage eröffnet weite Bllicke auf die Jardins du Muséum – und ist mit Passionsfrucht behangen. Foto: Hilke Maunder

In den Beeten der Potagers du Monde, der Küchengärten der Welt, wachsen Hexenklauen und Schlangenkürbisse. 700 Arten von Nutzpflanzen aus Asien, Afrika, Amerika und Europa werden in diesem faszinierenden Lehrgarten von einem Noria-Schöpfrad bewässert.

Hafer und Hirse, Reis und Mais gedeihen auf kleinen Getreidefeldern. Mannshoch ragt der Elefantenkopf-Amaranth auf und reckt seinen „Rüssel“ aus prallen roten Samen in den Himmel.

Ein Noura-Schöpfrad. Foto: Hilke Maunder
Ein Noria-Schöpfrad. Foto: Hilke Maunder

Vier Themengärten

Vier Themengärten ergänzen die vegetarische Welt. Der Garten der Aromastoffe weckt mit Minze, Salbei, Thymian und vielen Gewürzen die Sinne.

Der Garten der Süßigkeiten präsentiert all jene Früchte, die zu Sirup, Konfitüre und Konfekt verarbeitet werden. Aus welchen Pflanzen Alkohol hergestellt werden kann, verrät Bacchus’ Garten.

Auch Kiwis aus Neuseeland wachsen in den <em>Jardins du Muséum</em>. Foto: Hilke Maunder
Auch Kiwis aus Neuseeland wachsen in den Jardins du Muséum. Foto: Hilke Maunder

Nicht nur Weinstöcke von alten und neuen Sorten sind dort zu finden. Rund um einen Wasserfall erstreckt sich der tropische Garten mit blühendem Jasmin in vielen Farben sowie Bananen, Kakao, Kaffee und Tee.

Wie wichtig Tiere für die Nutzgärten sind, zeigen das Insektenhotel und der Bienenstock, der hinter seiner dicken Glasplatte hautnah Einblicke in das Leben der Bienen gewährt.

Die Äpfel sind reif in den <em>Jardins du Muséum</em>. Foot. Hilke Maunder
Die Äpfel sind reif in den Jardins du Muséum. Foot. Hilke Maunder

Direkt am Eingangsgebäude führt der „vergessene Pfad“ zum Jardin Naturel. Der Naturgarten hat die Lebensräume der Maourine rund um einen drei Hektar großen See völlig naturbelassen bewahrt.

Graureiher, Zwergdommel und Eisvogel leben dort. Ein Aussichtspunkt erlaubt, über den Röhricht zu blicken und auch jene gefiederten Gäste zu entdecken, die in der Umgebung von La Roselière heimisch sind.

Im Herbst reifen im Garten Kürbisse in vielen Farben und Formen. Foto: Hilke Maunder
Im Herbst reifen in dem globalen Küchengarten Kürbisse in vielen Farben und Formen. Foto: Hilke Maunder

Le Parc de la Maourine

Statuen und nostalgische grüne Davioud-Holzbänke, Baumveteranen und blühende Exoten schmücken französische Parks. Die Spielplätze sind eingezäunt, die Rasenflächen werden für Ballspiele, Picknicks oder Lesestunden genutzt. All dies ist im Parc de la Maourine anders.

So natürlich wie möglich ist das Motto im <em>Parc de la Maourine</em>. Foto: Hilke Maunder
Einfach natürlich ist das Motto im Parc de la Maourine. Foto: Hilke Maunder

„Einfach natürlich“ war die Maxime bei der Anlage der größten Grünfläche von Toulouse. 2025 wird sie die Spitzenstellung an den neuen Central Park der Île du Ramier abgeben müssen.

Der größte Stadtpark von Toulouse

Doch so lange machen seine 14 Hektar den Parc de la Maourine zum Primus unter den Toulouser Parks. Seinen Namen erhielt er vom Flüsschen La Maourine, das den Park bewässert und strukturiert. Im Norden bilden seine Fluten einen Teich, auf dem im Sommer Tausende Seerosen blühen.

Im Sommer blühen Seerosen auf dem Teich des <em>Parc de la Maourine</em>. Foto: Hilke Maunder
Im Sommer blühen Seerosen auf dem Teich des Parc de la Maourine. Foto: Hilke Maunder

Themengärten und Biotope umgeben den Wasserlauf. Das Flussufer mit Kieselstrand säumen Weiden, Erlen, Mammutblätter und Taglilien. Im „blühenden Moor“ wachsen Iris und Seggen. Erdbeerbäume, Lorbeer, Rosmarin und Zistrosen schmücken den Garrigue- Garten mit seinen Kalksteinfelsen.

Das Arboretum stellt Eichenarten aus Europa, Asien und Amerika vor. Für exotisches Flair sorgen Ahorn- und Nussbäume aus Amerika, Akazien und Eukalyptusbäume aus Australien sowie Wüstenpflanzen aus Mittelamerika.

Auch Pflanzen aus Australien und Südamerika wachsen im <em>Parc de la Maourine</em>. Foto: Hilke Maunder
Auch Pflanzen aus Australien und Südamerika wachsen im Parc de la Maourine. Foto: Hilke Maunder

Enorm vielfältig!

Der Jubea-Garten birgt eine 150 Jahre alte Palme aus Chile, die vom Aussterben bedroht ist. Der jardin d’ombre vereint Pflanzen, die an schattigen Standorten zu finden sind. La lande zeigt die typischen Vertreter der Heide wie Wacholder, Erika und Besenheide.

Die enorme Biodiversität lockt viele Tiere an. 103 Vogelarten registrierten Forscher – doppelt so viele wie sonst in der Stadt. Die Libellen, die zwischen den Pflanzen umherschwirren, sind eindeutige Indikatoren für die gute Luft im Park. Nachts quaken die Frösche. Dann ist auch eine endemische Kröte auf Jagd, die die Besucher von ungeliebten Plagegeistern befreit: Die Kreuzkröte frisst Mücken!

Le Pech David: der Aussichtshügel

Der Blick vom Pech David auf das Tal der Garonne mit den Außenbezirken von Toulouse. Foto: Hilke Maunder
Der Blick vom Pech David auf das Tal der Garonne mit den Außenbezirken von Toulouse. Foto: Hilke Maunder

„Pech“ ist okzitanisch und heißt „Gipfel“. Das lässt Großes erahnen. Und täuscht doch. Mit 130 Metern über dem Meeresspiegel ist der Pech David ein Zwerg unter den Hügeln der Stadt. Spitze jedoch ist er beim Feel-Good-Faktor.

Kein Höhenzug beschert solche Glücksgefühle, ist eine so vielseitige grüne Schönheit. Und bietet so herrliche Ausblicke auf Toulouse, das Tal der Garonne und die 100 Kilometer entfernten Pyrenäen am Horizont.

Spielwiese für Aktive

280 Hektar groß ist das grüne Paradies des Pech David im Süden der Stadt. Fußball- und Rugbyfelder, Reiterhöfe und Schießstände bedecken seine Flanken. Auf seinem Holzspielplatz toben Kinder. Im Boulodrome streiten Männern jeden Alters mit Kugeln um den besten Platz am Schweinchen.

Der Sendemast auf dem Pech David. Foto: Hilke Maunder
Der Sendemast auf dem Pech David. Foto: Hilke Maunder

Wer nicht joggt, wandert durch lichten Laubwald und weite Wiesen hin zum höchsten Punkt des Hügels, den ein Sendemast bekrönt. Seine Fassaden hat Street-Art erobert. Drinnen teilen sich Towercast und TDF 1 die Anlagen.

Familien picknicken dort im Gras. Grillen ist verboten. Andere Ausflügler haben sich an die Steilkante gehockt und blicken hinab auf die Garonne, die im Grün aufblitzt. Oder in den Himmel, an dem regelmäßig die Flugzeuge entlangziehen, die in Toulouse-Blagnac landen.

Frankreichs längste urbane Seilbahn

Seit 2022 macht die längste städtische Seilbahn Frankreichs auf dem Gipfel Halt. Die Gondelbahn TPH 3S vom französischen Hersteller Poma verbindet drei universitäre Einrichtungen und verkürzt bei einer luftigen Reise die bisherige Fahrzeit vom Oncopôle über das Universitätskrankenhaus Rangueil zur Paul-Sabatier-Universität von 30 auf 10 Minuten.

Begeistert schweben auch Wanderer und Ausflügler in der Gondel über die Garonne hinauf zum Pech David. In Zukunft soll das gondelartige Stadtverkehrssystem über die ersten drei Kilometer hinaus noch weiter auf die Stadtteile Montaudran und Basso Cambo ausgedehnt werden.

Zig Wanderwege enden oder beginnen am Pech David. Foto: Hilke Maunder
Zig Wanderwege enden oder beginnen am Pech David. Foto: Hilke Maunder

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Ein Wochenende in … Toulouse

Im Buch

111 Orte Toulouse111 Orte: Toulouse

In der Reihe “111 Orte” des emons-Verlags habe ich so viele Kilometer durch Toulouse zu Fuß zurückgelegt, dass meine Lieblingsschuhe danach reif für die Tonne waren. Bei meinen Recherchen entdeckte ich viele Stätten, die unerwartet, überraschend, unbeachtet  – und einfach einzigartig sind.

Mein Stadtführer stellt sie vor. Er ist nicht nur auf Deutsch erhältlich, sondern auch in einer Ausgabe auf Französisch. Auf seinen 240 Seiten findet ihr 111 Orte und Adressen, die selbst eingefleischte Toulouse-Kenner vermutlich noch nicht kennen. Stadtperlen, zu denen keine Hinweisschilder führen. Kleinode, die noch ein kleines Geheimnis bergen.

Kapitale Bilderwelten im Rathaus, Gespensterhäuser, Schlösser des Grauens und lauschige Stätten mit Savoir-vivre und südlicher Lebenslust. Wer mag, kann die deutsche Fassung hier* bestellen, die französische Fassung hier*.

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