Ein Wochenende in … Toulouse

Die Place du Capitole. Foto: Hilke Maunder
Die Place du Capitole. Foto: Hilke Maunder

Toulouse, la ville rose. Fast zärtlich wird der Name genannt, fast, als könne der Zauber verfliegen. Toulouse, die rötliche Stadt. Wenn das Licht des Tages über die Fassaden und Dächer der Großstadt im Bogen der Garonne gleitet, leuchtet der Backstein von Gold bis Tiefrot, brennt Tolosa in den Farben des Südwestens.

Toulouse: das Café des Artistes an der Place de la Daurade. Foto: Hilke Maunder
Das Café des Artistes an der Place de la Daurade. Foto: Hilke Maunder

Färberwaid (Pastell) machte Toulouse im Mittelalter reich. Heute ist Toulouse Hauptstadt der Großregion Occitanie, zweitgrößte Unistadt des Landes mit 122.000 Studierenden an 19 Unis, Rugby-Hochburg und Kapitale der Luftfahrt.

Wie anspruchsvoll und vielseitig auch die Kulturszene ist, beweist die Metropole Tag für Tag, Monat für Monat mit einem prall gefüllten, immer wieder spannenden und überraschenden Veranstaltungs- und Festivalkalender.

Toulouse: Feuerschlucker auf der Place du Capitole. Foto: Hilke Maunder
Nachts auf der Place du Capitole: ein Feuerschlucker. Foto: Hilke Maunder

FREITAG

Wer mit dem Flieger anreist: Der Flughafen Toulouse-Blagnac liegt rund acht Kilometer nordwestlich.

Mit der im April 2015 eröffneten Tramlinie oder der Navette Aéroport kommt ihr schnell ins Zentrum. Nachhaltig mobil seid ihr mit den Stadträdern, die an vielen Stationen angeboten werden.

Toulouse: perfekt für Entdeckungen: die Stadträder. Foto: Hilke Maunder
Perfekt für Entdeckungen: die Stadträder. Foto: Hilke Maunder

Place de la Capitole: die gute Stube der Stadt

Treffpunkt, Marktplatz und Zentrum der Macht ist die Place du Capitole mit dem Rathaus. In Toulouse heißt es Capitole und wurde im Jahr 1759 im Neoklassizismus fertiggestellt – als majestätischer Symbolbau für die Macht und den Wohlstand der Stadt.

Le Capitole

Namensgeber waren die acht Ratsherrn (capitouls), die seit dem 12. Jahrhundert die acht Stadtviertel regierten. Sie sind in den Säulen der Fassaden symbolisiert.

Die Place du Capitole mit dem Capitole (l.) und dem Hôtel de l'Opéra
Die Place du Capitole mit dem Capitole (l.) und dem Hôtel de l’Opéra. Foto: Hilke Maunder

Insider-Tipp

Besichtigt im ersten Stock des Rathauses die Salle des Illustres. Henri Martin, Jean-Paul Laurens, Paul Gervais und viele andere haben den glanzvollen Repräsentationssaal prunkvoll ausgeschmückt.

Toulouse: der Salle des Illustres im Capitol. Foto: Hilke Maunder
Die Salle des Illustres im Capitole. Foto: Hilke Maunder

Ebenfalls dort könnt ihr einen Blick auf den Ratssaal werfen, in dem heute die Stadtverordneten tagen.

Toulouse: Hier tagen die Stadtverordneten. Foto: Hilke Maunder
Hier tagen die Stadtverordneten. Foto: Hilke Maunder

Im rechten Flügel des 128 Meter langen klassizistischen Prunkbaus präsentiert das Théâtre du Capitole Kammermusik, Ballett und Opern. Das Rathaus von Toulouse ist neben dem Hôtel de Ville von Le Havre das einzige in Frankreich, das Macht und Musik vereint!

Toulouse: Place du Capitole. Foto: Hilke Maunder
Place du Capitole. Foto: Hilke Maunder

La Galerue: gemalte Geschichte

Die bewegte Geschichte von Toulouse erzählt die Galerue mit 29 Deckengemälden in den Arkaden der Place du Capitole.

Toulouse: gemalte Stadtgeschichte - die Galerue. Foto: Hilke Maunder
Gemalte Stadtgeschichte – die Galerue. Foto: Hilke Maunder

Sie berichten vom Wirken der Capitouls genannten Ratsherren und der trobadors; vom Katharerkreuzzug, von Luftfahrtpionieren, Musikersöhnen wie Carlos Gardel und Claude Nougaro und der Rugby-Leidenschaft.

Toulouse: Terrassenlokal an der Place du Capitole. Foto: Hilke Maunder
Le Floride – ein beliebtes Terrassenlokal an der Place du Capitole. Foto: Hilke Maunder

La croix occitane: das Tolosanerkreuz

Als das Areal vor dem Rathaus neu gepflastert wurde, beauftragte die Stadt den französischen Künstler Raymond Moretti, das fast 20 Tonnen schwere Kreuz Okzitaniens mit seinen zwölf Spitzen anzufertigen. Sie stellen Tierkreiszeichen dar.

Aber das ist nur ein Trick, um es „säkularer“ und in Übereinstimmung mit den Regeln der Republik zu machen. Tatsächlich repräsentierten diese Kugeln ursprünglich die 12 Apostel, sprich die 12 Jünger Jesu. Im Licht der Abendsonne erstrahlt das Bodenmotiv aus Bronze als leuchtender Stern.

Toulouse: Das Kreuz des Languedoc. Foto: Hilke Maunder
Das Kreuz des Languedoc. Foto: Hilke Maunder

Lust auf ein ungewöhnliches Eis? Dann schaut mal bei Philippe Faur an der Place du Capitole 12 vorbei! Denn dort stellt sich beim Eiskonditor die Frage: Sucrée oder salée, wie möchtet ihr euer Eis genießen?

Denn dort gibt es neben süßen auch salzige Eiskreationen: Stopfleber (foie gras), Roquefort, Trüffel, Sahne – 20 herb-süße Geschmacksexplosionen. Cool, meinte dazu auch Gault & Millau. Die exotischen Sorten gibt es leider nicht als Kugel auf die Hand im Straßenverkauf, sondern nur als Zutat der Gerichte auf der Speisekarte. Schade!

Toulouse: der Donjons des Capitols. Foto: Hilke Maunder
Der Donjon des Capitoles. Foto: Hilke Maunder

So schmeckt Toulouse

Für die richtige Einstimmung ins Wochenende lauft vorbei an den Geschäften der Fußgängerzone Rue Saint-Rome und Gassen der Altstadt hin zu Traditions-Weinbar Au Père Louis.
• 45, rue du Tourneurs

Dort nippen die Einheimischen zum Apéro den quinquina und futtern zu Weinen der Region Käse und Charcuterie von Schieferplatten (planches).

Toulouse: Patrick Mistou hat 1996 die Weinbar von 1889 erworben - und will ihren Geist auch im 21. Jahrhundert so authentisch wie einst bewahren. Foto: Hilke Maunder
Der Patron des Père Louis will die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts auch im 21. Jahrhundert so authentisch wie einst bewahren. Foto: Hilke Maunder

Sterne-Schlemmerei

Tief im Terroir ist auch die Küche von Michel Sarran verwurzelt. Doch der Sterne-Koch  und Masterchef-Juror liebt Experimente. Er serviert seine Foie-Gras-Suppe mit rohen Austern und inszeniert seine Trüffel-Fantasie als Frühstücks-Trio.

Wer bei ihm schlemmen möchte, muss rechtzeitig reservieren und die Buchung mit einem Vorabbetrag absichern, der mit dem Mahl dann verrechnet wird.

Eine Konsequenz auf die no-shows, die reservierten – und dann nicht kamen. Im Sommer serviert Michel seine wundervolle Küche auch im Innenhof seines Stadtpalais.
• 21, boulevard Armand Duportal, Tel. 05 61 12 32 32, www.michel-sarran.com

Haute-Cuisine von Michel Sarran. Foto: Restaurant Michel Sarran
Haute-Cuisine von Michel Sarran. Foto: Restaurant Michel Sarran

Köstlich ist auch die Küche von Christian Constant. Sein Restaurant ist bereits optisch ein Juwel: opulente Belle Époque mit Terrasse an der Place du Capitole. Sonntags speisen hier die etwas betuchteren Toulouser Familien mit der gesamten Sippe.

Toulouse: Schlemmen bei Christian Contant an der Place du Capitole. Foto: Hilke Maunder
Schlemmen bei Christian Constant an der Place du Capitole. Foto: Hilke Maunder

Was für ein Nachtspaziergang!

19 Gebäude, Straßen, Brücken und die Garonne werden für Toulouse by night stimmungsvoll mit Licht in Szene gesetzt – mal poppig bunt in Blau und Rot, dann wieder ganz warm in gelbem Licht.

Toulouse: Blick auf Port Viguerie mit dem Riesenrad - dort steht es im Sommer bei Toulouse Plages. Foto: Hilke Maunder
Blick auf den einstigen Garonnehafen Port Viguerie mit dem Riesenrad – dort steht es im Sommer bei Toulouse Plages. Foto: Hilke Maunder

Meine ganz persönlichen Highlights: das Bazacle-Wehr, die Brücke Pont Neuf, die Basilika Saint-Sernin und die Place du Capitole.

Toulouse. Sonnenuntergang an der Garonne. Am anderen Ufer seht ihr den Dôme de la Chapelle Saint-Joseph-de-la-Grave. Foto: Hike Maunder
Sonnenuntergang an der Garonne. Am anderen Ufer seht ihr den Dôme de la Chapelle Saint-Joseph-de-la-Grave. Foto: Hike Maunder

Sämtliche Stationen stellt ein kostenloses Faltblatt des Office du Tourisme vor. Wer nicht gut zu Fuß ist, kann die nächtlich illuminierte Stadt auch auf einer Busrundfahrt entdecken, die das Office de Tourisme anbietet.

Ein letzer Trunk: N°5 WINE BAR

Toulouse: No. 5 wine bar. Foto: Hilke Maunder
Der Sommelier der No. 5 Wine Bar. Foto: Hilke Maunder

Das internationale Weinmagazin The World of Fine Wine wählte sie seit 2017 alljährlich zur besten Weinbar der Welt: die N°5 Wine Bar von Thomas und Anne.

Die beiden sind leidenschaftliche Wein-Fans. Dank mehr als 20 Jahren Erfahrung sind Karte und Qualität top – und ihre kulinarischen Kreationen ein Traum! Unter den 3800 Juwelen der Weinkarte findet ihr auch einen alten Wein aus Madeira, abgefüllt im Jahr 1675!

Toulouse: Im Hôtel Grand Balcon schliefen die frühen Luftpostflieger - auch Antoine de Saint-Exupéry, der Autor der kleinen Prinzen. Foto: Hilke Maunder
Im Hôtel Grand Balcon schliefen die frühen Luftpostflieger. Dazu gehörte auch Antoine de Saint-Exupéry, der Autor der kleinen Prinzen. Foto: Hilke Maunder

Ab ins Bett!

Sympathischer Service, leckeres Frühstück, ruhige wie trendig gestylte Zimmer und zentrale Lage vereint das Ibis Styles Toulouse Capitole .
• 2, rue du Taur/20, Place du Capitole, Tel. 05 61 21 17 54, https://all.accor.com

Ende 2008 eröffnete nach Jahren des Dornröschenschlafs an der Place du Capitole das legendäre Hôtel du Grand Balcon*, in dem einst Flugpioniere wie Mermoz, Delaunaye und Saint-Exupéry logierten. Zimmer 32 von Saint-Exupéry ist original erhalten – ihr könnt es besichtigen!
• 8-10, rue Romiguières, Tel. 05 61 21 48 08, https://grandbalconhotel.com

Toulouse: Hotel Mercure. Foto: Hilke Maunder.
Pretty in Pink & Black: die Lobby des Hôtel Mercure. Foto: Hilke Mander

Nur wenige Schritte von der Place Wilson mit ihrem beleuchteten Springbrunnen und dem nostalgischen Karussell entfernt findet ihr das Mercure Toulouse Centre Wilson*. In der Lobby leuchtet Pink im Schwarz, die Zimmer zitierten mit Akzenten in Violett das Veilchen, die Traditionsblume von Toulouse.
• 7, Rue Labeda, Tel. 05 34 45 40 60

Toulouse: Hotel Mercure. Foto: Hilke Maunder.
Voller Flair der Stadt: die Zimmer im Hôtel Mercure. Foto: Hilke Maunder

Von den 19 Zimmern des Hôtel des Beaux-Arts liegt das schönste unter dem Dach – und bietet vom Balkon einen Paradeblick auf die Garonne.
• 1, place du Pont Neuf, Tel. 05 34 45 42 42, www.hoteldesbeauxarts.com

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Nur wenige Schritte entfernt findet ihr das ruhig gelegene Luxushotel La Tour des Consuls. Hinter seiner neoklassizistischen Fassade aus rosafarbenem Backstein, die mit dem Familienwappen emailliert ist, birgt das Hotel 32 Zimmer, darunter 6 Suiten, die  hohe Decken, Stuck, Parkettböden mit zeitgenössischem Design verbinden.
• 46, Rue des Couteliers, 31000 Toulouse, Tel. 05 67 16 19 99, www.cite-hotels.com

SONNABEND

Markttreiben zum Frühstück

Toulouse: Marché Victor Hugo. Foto: Hilke Maunder
Marché Victor Hugo. Foto: Hilke Maunder
Toulouse: Gut sortiert: ein Weinhändler der Marché Victor Hugo. Foto: Hilke Maunder
Gut sortiert: ein Weinhändler des Marché Victor Hugo. Foto: Hilke Maunder

Der Bauch von Toulouse ist der Marché Victor Hugo. Von außen ist die alte Markthalle 1959 als klobiger Klotz mit Parkdeck wieder auferstanden.

Doch drinnen erwarten euch unzählige Stände mit den Delikatessen des Südens: schwarze Trüffel aus dem Quercy, Foie Gras aus dem Gers, weiße Bohnen aus dem Lauragais für das traditionsreiche Cassoulet, Wurstwaren und köstliche Käse von Betty und Xavier. Was für ein Schlaraffenland des Südwestens!

Toulouse: Die Käseauswahl in der Markthalle Victor Hugo. Foto: Hilke Maunder
Käse-Träume… Foto: Hilke Maunder

Sein Sohn, Käsemeister François Bourgon, ein Meilleur Ouvrier de la France, hat sein Ladengeschäft direkt am Markt (6, place Victor Hugo).

Wer später aufgestanden ist, kann mittags im ersten Stock in bodenständigen Lokalen die Küche der Region entdecken. 2017 wurde die Markthalle restauriert.

Toulouse: Pastel trifft Backstein auf den Fassaden der Rue du Taur. Foto: Hilke Maunder
Pastel trifft Backstein auf den Fassaden der Rue du Taur. Foto: Hilke Maunder

Auf zum Stadtbummel

Toulouse ist eine Hochburg des Rugby. Sonnabends spielen die Rot-Schwarzen im Stade Ernest Wallon. Kappen, Shirts, Sweater und Becher des berühmten Rugbyclubs erhaltet ihr im Stadtshop des Stade Toulousain.

Toulouse: Saint-Sernin gehört als Station der französischen Jakobswege zum Welterbe. Foto: Hilke Maunder
Saint-Sernin gehört als Station der französischen Jakobswege zum Welterbe. Foto: Hilke Maunder
Toulouse. Der Chor von Saint-Sernin. Foto: Hilke Maunder
Der Chor von Saint-Sernin. Foto: Hilke Maunder

Wallfahrtskirche der Jakobspilger

Vorbei am Modetempel von Primark erreicht ihr über die Rue Bellegarde die romanische Basilika Saint-Sernin. An den Stufen der Basilika Saint-Sernin endet die Grande Randonnée 46, die in Tours beim heiligen Martin ihren Anfang hat.

Rund um das UNESCO-Weltkulturerbe mit achteckigem Glockenturm finden Sonntagvormittags ein Kram- und Trödelmarkt statt. Schön: Auch dieser Platz wurde verkehrsberuhigt!

Am Garonne-Kai verkauft ein mobiles Fahrradcafé frisch gebrühten Kaffee. Foto: Hilke Maunder
Am Garonne-Kai verkauft ein mobiles Fahrradcafé frisch gebrühten Kaffee. Foto: Hilke Maunder

Bücher & Bier

Über die Rue Albert Lautmann und Rue Valade geht es zur idyllischen Place Saint-Pierre. Mit ihren Caféterrassen und Bars ist sie tagsüber wie abends ein beliebter Treffpunkt.

Sieben Händler, jeder mit eigenem Profil, verwandeln seit Oktober 2017 jeden Freitag die Place Saint-Pierre in einen kleinen, feinen Büchermarkt unter freiem Himmel. Ebenfalls mit dabei ist ein Plattenladen mit CDs, DVDs und Vinylplatten.

Beten und schlemmen

1602 errichteten Kartäusermönche nahe der Place Saint-Pierre ein Kloster. Von ihm sind heute nur ein paar Mauerreste und die Église Saint-Pierre erhalten, die seit 2007 Pfarrkirche der nahen Universität ist. Im Innern trennt ein monumentaler Altar die Bereiche von Volk und Geistlichkeit.
• 21, Rue Valade, täglich 9–21 Uhr

Cassoulet_credits_CRT Midi Pyrénées-Dominique Viet
Cassoulet im typischen Topf. Foto: CRT Midi Pyrénées, Dominique Viet

Wenige Schritte weiter serviert Jean-Marc in seiner Cave au Cassoulet, einem rustikal-gemütlichen Gewölbekeller aus rotem Backstein, das berühmte Bohnengericht von Okzitanien. Wer es nachkochen will, findet hier das Rezept.
• 54, rue Peyrolières, Tel. 05 61 13 60 30

Das Quartier de la Daurade

Direkt am Ufer der Garonne entlang oder auf dem Hochuferweg Quai Lucien Lombard bis zur Daurade mit der gleichnamigen Basilika kommt ihr zum einstigen Daurade-Hafen, der heute mit Spielplatz, Café und Guinguette eine beliebte Oase in der Stadt ist.

Toulouse: eine beliebte Oase im Grünen: die Place de la Daurade mit ihrem kleinen Park am Ufer der Garonne. Foto: Hilke Maunder
Der einstige Dauradehafen ist heute eine grüne Oase am Ufer der Garonne. Foto: Hilke Maunder

Der Daurade-Hafen war einst ein Umschlagplatz für jene Waren, die auf dem Canal du Midi weiterverschifft wurden. All die Menschen, die bei dieser Arbeit in den Fluten der Garonne ertranken, wurden in einer Nische des Port de Daurade aufgebahrt.

Savoir-vivre bei der Leichenhalle

Dort konnten die Angehörigen die Leichen, die aus der Garonne geborgen worden waren, identifizieren. Ganz in der Nähe dieser morgue befindet sich bis heute eine kleine Quelle. Mit ihrem Wasser wurden die Leichen regelmäßig besprengt. Dies sollte eine rasche Verwesung verhindern.

Das einstige Leichenschauhaus von Toulouse birgt heute die Guinguette Pêcheurs de sable. Auf ihrer Getränkeliste versteckt sich zwischen Kaffee, Tee, Bier und den Tropfen der Region die ungewöhnliche Spezialität der Buvette: Wein mit Basilikum!

Die schwarze Jungfrau

Die schwarze Jungfrau trägt ausschließlich Haute-Couture-Roben berühmter französischer Designer. Foto: Hilke Maunder
Die schwarze Jungfrau trägt ausschließlich Haute-Couture-Roben berühmter französischer Designer. Foto: Hilke Maunder

Gegen Osten begrenzt den einstigen Daurade-Hafen die Basilika Notre-Dame de la Daurade. Ihre Wurzeln reichen bis in die Antike. Im 4. Jahrhundert war dort ein zehneckiger Zentralbau errichtet worden – vielleicht ein Tempel. Die heutige Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert. Drinnen birgt sie die berühmte schwarze Jungfrau, die besonders von Schwangeren verehrt wird.

Ihre prachtvollen Roben entwarfen weltberühmte französische Designer wie Christian Lacroix, Franck Sorbier, Jean-Michel Broc und Françoise Navarre, Designerin aus Toulouse.

Türme des Stolzes

Toulouse: Prachtvolles Pastell-Palais: das Hôtel de Bernuy. Foto: Hilke Maunder
Prachtvolles Pastell-Palais: das Hôtel de Bernuy. Foto: Hilke Maunder

Man sieht sie nicht sofort, wenn man durch Toulouse bummelt. Doch wer nach oben schaut, zählt fast 100 von ihnen. Gut versteckt, größtenteils privat, sind sie meist nicht öffentlich zugänglich: die tours d’orgueil (Türme des Stolzes). Nur, wer als capitouls im Rat der Stadt saß, durfte sie errichten und so Reichtum, Macht und Einfluss zeigen.

Stolze 26 Meter ragt der hohe Turm der Kaufmannsresidenz Hôtel de Bernuy (1, rue Gambetta) aus dem Dächergewirr. Das prachtvolle Anwesen, 1530 – 1550 für Jean Bernuy erbaut, gehört heute zum Jungengymnasium Lycée Pierre-de-Fermat.

Das prachtvolle Renaissance-Palais zählt zu den eindrucksvollsten Zeugen jener Zeit, die die Basis für den Reichtum und Unabhängigkeitswillen der Stadt legte.

Pastell: Gelbe Blüten verwandeln sich in das Blau des Südens. Foto: Graine de Pastel.
Pastell: Gelbe Blüten verwandeln sich in das Blau des Südens. Foto: Graine de Pastel.

Pastell: Aus Gelb wird Blau

Das Geheimnis liegt im unscheinbaren Pastell oder Färberwaid. Er lieferte ab 1463 den Tuchmachern Europas die damals meist verwendete Farbe: Blau.

Die Händler, Pastellprinzen genannt, verewigten ihren schnellen Reichtum in Steinen, die himmelwärts wiesen. Ihre Türme aus Backstein kannten nur eine Botschaft – je höher, desto reicher. Biegt danach in die Rue Joseph Lakanal ein.

Toulouse: Terre de Pastel - eine beliebte Adresse für Pastel-Produkte. Foto: Hilke Maunder
Spezialist für Produkte aus Pastel: Terre de Pastel. Foto: Hilke Maunder

Juwel der Gotik

Dort rettete Prosper Mérimee den in den Religionskriegen stark beschädigten Couvent des Jacobins (1230) vor dem Verfall. Dieses Meisterwerk der Gotik nimmt mich jedes Mal gefangen.Und dies nicht durch das Palmengewölbe in 28 Metern  Höhe.

Konntet ihr es früher in einem riesigen Spiegel betrachten, hat – so der Konvent – die Installation von Sarkis die „Heiligkeit“ des Ortes zurück geholt, der sich für die Geistlichen der Gemeinde zu sehr zu einem kulturell animierten Bauerbe gewandelt hatte.

Toulouse: das Palmengewölbe der Jakobinerkirche. Foto: Hilke Maunder
Das Palmengewölbe der Jakobinerkirche. Foto: Hilke Maunder

Der Spiegel verschwand, Neonleuchten in Regenbogenfarben. Sie zitieren modern das farbige Lichterspiel der Glasfenster, sagt Sarkis Zabunyan. Der französisch-türkische Konzeptkünstler, in Frankreich nur „Sarkis“ genannt, war 1977 und 1982 auf der documenta in Kassel sowie 2007 mit „Ikonen“ im Berliner Bode-Museum zu sehen gewesen.

Heilige Knochen in Rosa

Das  19,50 Meter hohe Mausoleum von Thomas von Aquin stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Der goldene Reliquienschrein ist indes viel jünger. Er wurde erst für den 600. Todestag 1974 gefertigt, unter der Altarplatte aufgestellt und der Heilige aus Saint-Sernin zurückgeholt. Dort war er während der Französischen Revolution versteckt worden.

Die Knochen des Heiligen sind … rosa! Die Mönche hatten seine Überreste in ein Bad aus kochendem Rotwein getaucht, um das Fleisch von den Knochen zu trennen.

Toulouse: Das Grab von Thomas von Aquin im Jakobinerkonvent. Foto: Hilke Maunder
Das Grab von Thomas von Aquin im Jakobinerkonvent. Foto: Hilke Maunder

Sondern auch durch den idyllischem Kreuzgang – besonders in der Sommerhitze eine herrlich grüne wie kühle Oase!

Toulouse, Couvent des Jacobins: Der Kreuzgang. Foto: Hilke Maunder
Der Kreuzgang. Foto: Hilke Maunder

Auf und an der Garonne

Die Rue Sainte-Ursule bringt euch zum zweiten berühmten Palais der Pastellhändler: dem Hôtel d’Assézat. Im prächtigen Renaissancepalast mit wunderschönem Innenhof zeigt die Fondation Georges Bemberg heute Meisterwerk von Canaletto bis Bonnard.

Toulouse: Pont Neuf. Foto: Hilke Maunder
Die Pont Neuf ist die älteste Brücke von Toulouse. Foto: Hilke Maunder

Die Einkaufsstraße Rue de Metz bringt euch zum Pont-Neuf. Die „neue Brücke“ über die Garonne ist die älteste Flussquerung der Stadt.

Toulouse: Wasserski auf der Garonne. Foto: Hilke Maunder
Wasserski auf der Garonne: An der Spitze der Île du Ramier startet der Club de Ski zu diesen sportlichen Touren. Foto: Hilke Maunder

Seit einigen Jahren ist die Brücke verkehrsberuhigt. Ihr dürft mit eurem Fahrzeug nur stadtauswärts fahren!

Am ersten stadtseitigen Brückenbogen seht ihr bei einem Hochwasser-Durchlass im Pfeiler flussabwärts sitzend L’enfant au bonnet d’âne.

Toulouse: L'Enfant au bonnet d'âne an der Pont Neuf. Foto: Hilke Maunder
Toulouse: L’Enfant au bonnet d’âne an der Pont-Neuf. Foto: Hilke Maunder

Der Toulouser Künstler James Colomina setzte im Sommer 2017 dieses knallrote Kind mit der Eselsmütze dorthin – als Symbol all derjenigen, die geächtet und beiseite geschoben werden.

Toulouse: L'Homme à la tête de pomme auf der Ramblas von Toulouse bei der Métro Jean-Jaurès. Foto: Hilke Maunder
L’Homme à la tête de pomme auf der Ramblas von Toulouse bei der Métro Jean-Jaurès. Foto: Hilke Maunder

Colombina hat noch weitere karmesinrote Skulpturen im Stadtbild hinterlassen. Bei der Métrostation Jean Jaurès seht ihr einen Mann mit Apfelkopf. Hoch über den Schienen der SNCF sitz ein Kind auf der Dachkante und blickt auf die Gleise.

Auf dem Dach von Les Hauts de Belmont von Jolimont erhebt sich seit 2020 der Reisende. Mehr zum Künstler, der auch in Paris rote Figuren hinterlassen hat, erfahrt ihr hier.

Am Garonne-Kai von Toulouse sind Ausflugs- und Restaurantschiffe vertäut. Foto: Hilke Maunder
Am Garonne-Kai von Toulouse sind Ausflugs- und Restaurantschiffe vertäut. Foto: Hilke Maunder

Am Quai de la Daurade starten die Ausflugsschiffe der Bateaux Toulousains zu 70-minütigen Törns auf der Garonne und dem Kanal … Sightseeing ganz entspannt.

Oder leiht euch bei VélôToulouse ein Stadtrad. 228 Kilometer markierte Radwege warten auf euch!

So klingt und swingt Toulouse

Im Sommer swingt und klingt Toulouse drinnen wie draußen. Foto: Hilke Maunder
Im Sommer swingt und klingt Toulouse drinnen wie draußen. Foto: Hilke Maunder

Toulouse besitzt eine enorm spannende Musikszene mit Live-Musik unter freiem Himmel, experimentierfreudigen Bar-Cafés und dem Restaurant RestoJazz. Dort könnt ihr in der Nähe des Bahnhofs die Küche des Südwestens genießen – mit New Orleans-Jazz vom Feinsten zum Dessert.
• 8, rue Amélie, Tel. 05 61 57 96 95

Wenige Schritte weiter Richtung Place Wilson findet ihr Connexion Live, Bar, Galerie und Bühne für Konzerte, Videoprojektionen und andere Events. Im Salon gibt es Cocktails, aus dem Fass süffiges Bier, an der Bar kleine Tapas. Am Wochenende ist der Kulturtreff im Stil eines New Yorker Lofts brechend voll.
• 8, Rue Gabriel Péri, Tel. 09 77 08 59 64

Toulouse: das Casino Barrière. Foto: Hilke Maunder
Das Casino Barrière. Foto: Hilke Maunder

Große Konzerte

Auf der großen Flussinsel Île d’Empalot findet ihr das Casino Théâtre Barrière de Toulouse mit 20 Spieltischen, 600 einarmige Banditen, Theatersaal, drei Bars und drei Restaurants.

Wie in Las Vegas gehören regelmäßig Live-Konzerte und glamouröse Bühnenshows zum Programm. Von mehreren Orten des Stadtzentrums fährt ein Shuttlebus kostenlos zum Kasino!

Größte Konzerthalle der Stadt ist Le Zénith de Toulouse, die 2014 auf 12.000 Plätze erweitert wurde und mit einem Konzert von Stromae eingeweiht wurde.

Toulouse: La Cartoucherie. Foto: Hilke Maunder
La Cartoucherie. Foto: Hilke Maunder

In nächster Nachbarschaft entsteht bis 2025 mit La Cartoucherie das größte innerstädtische Ökoviertel Europas.

Dort hat an der Avenue de Grande-Bretagne 230 mit Le Carthel ein sehr charmantes Lokal eröffnet, das im Sommer im weinberankten Innenhof an wenigen Tischen mediterrane Küche serviert, die mit Asien flirtet. An kalten Tagen könnt ihr im trendig-gemütlichen Innern tafeln.
• 230, Avenue de Grande Bretagne, Tel. 05 62 12 90 97, https://restaurant-carthel.com

Toulouse: Le Carthel. Foto: Hilke Maunder
Le Carthel – kühle Cocktails und kreative Küche. Foto: Hilke Maunder

SONNTAG

Brunch…

Nach einer langen Nacht beginnt der Sonntag mit einem ausgiebigen Brunch. Zu meinen Lieblingsadressen gehört Les Fils à Maman (20, place Victor Hugo, Tel. 05 61 21 93 29) und Le Péry mit seiner beheizten Terrasse.
• 22, rue Gabriel Péri, Tel. 05 61 62 13 62

Das Bapz serviert sonntags einen britischen Sunday Brunch – mit scones, cheese cake, muffins, marmalade, toast und scrambled eggs.
• 13, rue de la Bourse, Tel. 05 61 23 06 63

Le Bibent. Foto: Hilke Maunder
Le Bibent. Foto: Annette Fresen

Wer edel brunchen möchte, reserviert seinen Tisch im Le Bibent. 1843 eröffnete Jean-Catherine Bibent dieses nostalgisch-noble Café direkt an der Place du Capitole. Heute führt es Christian Constant.

… oder Marktfrühstück?

Toulouse, Marché Saint-Aubin. Foto: Hilke Maunder
Auch selbstgemachter Schmuck wird auf dem Markt von Saint-Aubin verkauft. Foto: Hilke Maunder

Oder beginnt den Sonntag mit dem Besuch einer der vielen (Freiluft-) Märkte. Mein Lieblingsmarkt ist der Marché Saint-Aubin. Dort findet ihr vorwiegend kleine, lokale Produzenten und Händler.

So gestärkt, stellt euch nun die Frage…

Kunst & Kultur …

Die ehemaligen Schlachthöfe zeigen heute als Les Abbatoirs zeitgenössische Kunst.
• 76, Allées Charles-de-Fitte, www.lesabattoirs.org

Neben großen Museen fördern und zeigen Dutzende kleiner Galerien und Kunstzentren das lokale Kunstschaffen. Zu diesen kleinen Katalysatoren mit großer Durchschlagskraft gehört das BBB Centre d’Art. Das BBB zeigt es in einer ehemaligen Fabrik für industrielle elektrische Spulen im Süden von Borderouge in vier Einzel- oder Gruppenausstellungen.

Das Programm der Ausstellungen ist so breit gefächert wie die Kreativität der Künstler. Fotografie, Malerei, Skulptur, aber auch Video- und Audioinstallation  oder Performances, die kreative Techniken verbinden und aufleben lassen, gehören ebenso dazu wie Veranstaltungen, die die Begegnung und den Austausch mit dem Künstler ermöglichen.
• 96, rue Michel Angel, Tel. 05 61 13 37 14, www.lebbb.org

Toulouse: Die Fotogalerie im Wasserturm ist die älteste Frankreichs. Foto: Hilke Maunder
Die Fotogalerie im Wasserturm ist die älteste Frankreichs. Foto: Hilke Maunder

Jean Dieuzaide verwandelte den 1823 erbauten Wasserturm Château d’Eau (Cours Dillon/Pont Neuf) in eine hervorragende Foto-Galerie. Sie ist die älteste Frankreichs!

In einem Kloster von 1795 präsentiert das Musée des Augustins seine außergewöhnliche Skulpturen- und Gemälde-Sammlung – 4.000 Werke, darunter Arbeiten von Rubens, Delacroix und Corot.
• 21, rue de Metz

Der Kunstsammler Paul Dupuy begeisterte sich vor allem für Zeichnungen. Sein Musée Paul Dupuy im alten Stadtpalais Hôtel Besson besitzt u. a. Arbeiten von Ingres und Toulouse-Lautrec.
• 13, rue de la Pleau

Der Balkon der Rue Tripière in der Altstadt erinnert an den Gründer der Compagnonnage. Foto: Hilke Maunder
Der Balkon der Rue Tripière in der Altstadt erinnert an den Gründer der Compagnonnage. Foto: Hilke Maunder

In die Zeit, in der Toulouse noch Tolosa hieß, entführt das Musée des Antiques Saint-Raymond (place St-Sernin) mit römischen Skulpturen und mittelalterlichen Objekten. Tiefer in die Stadtgeschichte einsteigen könnt ihr im Musée du Vieux Toulouse.
• 7, rue du May

… oder Technik?

Der Traum vom Fliegen hat schon früh die Stadt geprägt. 1890 erhob sich Clément Ader mit seiner „Éole“ in Toulouse in die Luft.

Heute bildet die Clément-Ader-Halle auf dem Airbus-Gelände den größten Montagekomplex Europas – 277 Tennisplätze hätten in der Fabrikhalle Platz. Wie die Superflieger gebaut werden, zeigt Airbus hautnah bei Führungen.

Aéroscopia: Die berühmte Concorde ist im Museum ebenso ausgestellt wie der Militärtransporter von Airbus Defence and Space A 400 M. Foto: Hilke MaunderH
Aéroscopia: Die berühmte Concorde ist im Museum ebenso ausgestellt wie der Militärtransporter von Airbus Defence and Space A 400 M. Foto: Hilke Maunder

Sämtliche Touren starten am Aéroscopia-Museum. Dort könnt ihr seit 2015 fliegende Legenden wie Caravelle, Concorde, Super Guppy und Airbus A300B und 30 weitere historischen Maschinen bewundern.
• Allée André Turcat, Blagnac, Tel. 05 34 39 42 00

Die Allee der Unendlichkeit in der Cité de L'Espace. Foto: Hilke Maunder
Die Allee der Unendlichkeit in der Cité de L’Espace. Foto: Hilke Maunder

Die 55 Meter hohe Kopie der Trägerrakete Ariane V ist das Wahrzeichen des multimedialen Erlebnismuseums Cité de ‘Espace, das in fremde Galaxien entführt.
• Parc de la Plaine, Avenue Jean Gonord

Toulouse: Die Fotogalerie im Wasserturm ist die älteste Frankreichs. Foto: Hilke Maunder
Die Replik der Ariane 5 im Weltraumpark. Foto: Hilke Maunder

170 interaktive Exponate, Planetarium, Wetterstation, IMAX-Kino und einer Welthalbkugel mit 3 D-Animation lassen die Faszination des Weltalls spürbar werden. Dort könnt ihr auch schwerelos wie Astronauten über den Mond laufen!

Blick auf Toulouse vom Wasserwerk Bazacle. Foto: Hilke Maunder
Blick auf Toulouse vom Wasserwerk Bazacle. Foto: Hilke Maunder

Toulouse: meine Reisetipps

Lieblingsort

Les Halles de la Cartoucherie

Eine ehemalige Munitionsfabrik aus der Vorkriegszeit ist  der Hotspot von Toulouse. Auf einer Fläche von 13.500 Quadratmetern im Herzen des größten Ökoviertels der Metropole dreht sich dort alles um Gastronomie, Sport, Wellness und Kultur. In den Halles de la Cartoucherie findet ihr zudem Coworking-Plätze und Seminar-Räume.
• 10, place des chartes des libertés communales, 31300 Toulouse, https://halles-cartoucherie.fr

Schlemmen

Les P’tits Fayots

Klassische kulinarische Grenzen sprengen, Aromen kontrastieren und die Sinne überraschen: Das gelingtChefkoch Aziz Mokhtari  mit seiner unprätentiösen Bistronomie auf hohem Niveau gekocht. Unbedingt reservieren: kleines Lokal mit neun Holztischen im hellen modernen Speisesaal in Grau, Orange und Holz mit enigen Alkoven-Sitzplätzen und weiteren drei Tischen im Keller.
• 8, rue de l’Esquile, 31000 Toulouse, Tel. 05 61 23 20 71, www.lesptitsfayots.com

Brasserie Le Bibent

Eine Institution an der Place du Capitole: die stilvolle Brasserie von Christian Constant.
• 5, place du Capitole, www.maisonconstant.com/bibent

La Gourmandine

Bistro urbain nennt sich dieses angesagte Lokal mit Holztischen und seegrünen samtbezogenen Stühlen gegenüber der Markthalle des Marché Victor Hugo.
• 17, place Victor Hugo, 31000 Toulouse, Tel. 05 61 22 78 84, https://la-gourmandine.fr

Le Capoul

Große Brasserie im Pariser Stil. Hier treffen sich Toulouser und Touristen, um auf der Terrasse beim Wein, Bier oder Apérol Spritz dem bunten Treiben, den Runden des Nostalgiekarussells und dem Plätschern des Brunnen zuzusehen.
•13, place du Président Wilson, www.capoul.com

Toulouse: Ma biche sur le toît. Foto: Hilke Maunder
Aussichtsreicher Sonnenplatz in Toulouse: Ma biche sur le toît. Foto: Hilke Maunder

Ma Biche sur le Toit

Von der Roof-top-Bar der Galeries Lafayette habt ihr eine einzigartige Aussicht auf die rosafarbene Stadt. Zum Panoramablick hat sich 2018 eine Gourmet-Adresse gesellt. Der Sternekoch Michel Sarran überrascht euch hier mit einem ungewöhnlichen kulinarischen Angebot – täglich!
• 4-8 Rue du Lieutenant Colonel Pelissier, Tel. 05 31 615 619, www.mabichesurletoit.com

Py-R

Pierre Lambinon hat bei Alain Ducasse in London und Monaco gearbeitet, eher in seiner Heimatstadt als junges Talent berühmt worde. Nourrir l’avenir, die Zukunft nähren, ist seine Mission – und wird ihr nicht nur im weißem Ziegelgewölbe seines restaurant gastronimique gerechts, sondern auch mit seiner Brasserie Nino, die als eine der wenigen Lokale auch sonntags geöffnet hat, und seiner Sommerküche auf der Domaine Py-r, einer grünen Oase rund 20 Minuten außerhalb von Toulouse in Montastruc-la-Conseillère, wo Pierre jeden Juni ab Juni im Schatten 100-jähriger Eichen zum Schlemmen lädt.
• 19, descente de la Halle aux Poissons, 31000 Toulouse, Tel. 05 61 25 51 52, www.py-r.com

Le Rond de Serviette

Groß und fett ruht sie auf dem Holzbrett: hausgemachte Gänseleber aus dem Gers. Ein ganzer Lappen, „entier“ und ungeteilt, befreit von Sehnen und Nerven, ganz und gar „frais“, frisch und nahezu roh. Typische Wurstwaren des Südwestens begleiten sie: Hartwurst aus Toulouse, pikante Chorizo und andere lokale charcuterie. „ À volont é“, betont der Patron, „All you can eat – genießen Sie von der Stopfleber, so viel Sie mögen!“

Toulouse: Foie Gras und Charcuterie satt - zum Entrée in diesem Restaurant in Saint-Cyprien. Foto: Hilke Maunder
Foie gras gehört zur Küche des Südens einfach dazu! Foto: Hilke Maunder

Kühl berührt sie den Gaumen, schmilzt bereits beim leichten Zungendruck und entfaltet pur ihre Aromen. Doch sie ist nur das Entrée des Menüs. Die Schiefertafel preist noch andere Gerichte.

Doch das Gros der Gäste pilgert fürs Menü hierher. Sie wollen ausgiebig und reichlich eine ehrliche Küche des Südwestens genießen. Ohne raffiniertes Chichi, sondern opulent, schlicht und authentisch. Volkstümlich wie das Viertel ringsum.

Im Sommer stehen die Tische auf dem Trottoir der kleinen Place Saint-Olivier, auf der ein Brunnen plätschert. Wird es kühler, genießt man drinnen im Gewölbekeller die Hausmannskost mit Foie Gras. À volonté .
• 4, Place Olivier,  Tel. 05 61 42 64 14, www.leronddeserviette-rivegauche.fr

Gute Cafés

Allegory Coffee Bar

Von der Berliner Rösterei Five Elephant kommt hier die braune Bohne. Schwarz als Expresso, Double Expresso, 
Long Black, Batch (Filter) und V60, weiß als Short mac  Cappuccino, Latte undFlat white.
• 9, Rue Peyras, 31000 Toulouse, Tel. 05 62 89 90 89, www.allegorycoffeebar.com

Schlafen

Grand Hôtel de l’Opera*

Direkt an der Place du Capitole könnt ihr in feudal in einem Grand Hôtel logieren, dessen Opulenz kaum ahnen lässt, das es im 17. Jahrhundert als Kloster errichtet worden war. Später diente der imposante Bau als Ballettschule für das benachbarte Opernhaus.
• 1, place du Capitole, 31000 Toulouse, Tel. 05 61 21 82 66, www.grand-hotel-opera.com

Mercure Wilson*

Außen typisch Toulouser Backstein, innen stylisches Design mit Schwarz, Lila und Pink – in der Lobby wie in den 95 Zimmern, zwei mit Behindertenstandard. Die Auswahl am Frühstücksbüffet ist opulent, der ruhige Innenhof im Sommer der beste Ort, um es ausgiebig zu genießen.
• 7, Rue Labeda, 31000 Toulouse, Tel. 05 34 45 40 60www.mercure.com

Weitere Unterkünfte*

Booking.com

Toulouse: Hausboot am Canal de Brienne. Foto: Hilke Maunder
Hausboot am Canal de Brienne. Foto: Hilke Maunder

Noch mehr Toulouse

Die Terrassencafés rund um Toulouse habe ich hier vorgestellt.

Schöne Ausflugsziele sind der Canal du Midi, die Katharerhochburg Albi und die Schlemmerregion Gers.

Insider-Tipp: Die Toulouser Mit-FLUG-Zentrale

Wingly ist die neue Plattform für Flug-Sharing, die in ganz Frankreich und insbesondere von Toulouse aus, Flüge anbietet. Das Konzept: Die Flugkosten werden zwischen dem Piloten (lizenziert) und den Passagieren aufgeteilt. Vom Flugplatz Toulouse-Lasbordes aus kostet ein Flug im Umkreis von 50 km um Toulouse 45 Euro pro Person. Auf Wunsch überfliegt der Pilot die Pyrenäen, das Millau-Viadukt, die Katharerburgen oder die Küste – mit mehr als 70 Flugrouten besteht die Qual der Wahl!
www.wingly.io

Street Art unter der Brücke - entdeckt auf der Île du Ramier. Foto: Hilke Maunder
Street Art unter der Brücke – entdeckt auf der Île du Ramier. Foto: Hilke Maunder
Am Ende der Rue des Couteliers seht ihr die Église de la Dalbade. Foto: Hilke Maunder
Am Ende der Rue des Couteliers seht ihr die Église de la Dalbade. Foto: Hilke Maunder

Gefällt Dir der Beitrag? Dann sag merci mit einem virtuellen Trinkgeld.
Denn nervige Banner oder sonstige Werbung sind für mich tabu.
Ich setze auf Follower Power. So, wie Wikipedia das freie Wissen finanziert.

Unterstütze den Blog! Per Banküberweisung. Oder via PayPal.

Weiterlesen

Im Blog

Die schönsten Parks von Toulouse

Die schönsten Märkte von Toulouse

Toulouse en terrasse: die schönsten Lokale

Im Buch

Der andere Stadtführer

In der Reihe “111 Orte” des emons-Verlags habe ich so viele Kilometer durch Toulouse zu Fuß zurück gelegt, das meine Lieblingsschuhe danach reif für die Tonne waren. Bei meinen Recherchen entdeckte ich viele Stätten, die Öffnungszeiten ausgeliefert sind – und einfach einzigartig sind.

Mein Stadtführer stellt sie vor. Er ist nicht nur auf Deutsch erhältlich, sondern auch in einer Ausgabe auf Französisch.

Auf seinen 240 Seiten findet ihr 111 Orte und Adressen, die selbst eingefleischte Toulouse-Kennen vermutlich noch nicht kennen. Stadtperlen, zu denen keine Hinweisschilder führen. Kleinode, die noch ein kleines Geheimnis bergen.

Kapitale Bilderwelten im Rathaus, Gespensterhäuser, Schlösser des Grauens und lauschige Stätten mit Savoir-vivre und südlicher Lebenslust. Wer mag, kann die deutsche Fassung hier* bestellen, die französische Fassung hier*.

Okzitanien abseits GeheimtippsHilke Maunder, Okzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre  Kultur, Sprache und Küche pflegt. Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte.

Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!  Hier* gibt es euren Begleiter.

Annette Meiser, Midi-Pyrénées*

Anette Meiser, Midi-PyreneesAnnette Meiser, die u.a. die ers­te müll­frei­e Schu­le Deutsch­lands mitbegründete, hat in Midi-Pyrénées ihre Wahlheimat. Dort lebt und arbeitet sie seit vielen Jahren und bietet erdgeschichtliche und kulturhistorische Wanderreisen an.

Ihre Expertise hat sie auf 432 Seiten zwischen die Buchdeckel eines Reiseführers gepackt. Ihr erstes Buch stellt eine Ecke Frankreichs ausführlich vor, die in klassischen Südfrankreich-Führern stets zu kurz kommt.

Für mich ist es der beste Reiseführer auf Deutsch für alle, die individuell unterwegs sind – sehr gut gefallen mir die eingestreuten, oftmals überraschenden oder kaum bekannte Infos. Wie zum einzigen Dorf Frankreichs, das sich in zwei Départements befindet: Saint-Santin liegt genau auf der Grenze von Aveyron und Cantal. Wer mag, kann den Band hier* direkt online bestellen.

 * Durch den Kauf über den Partner-Link, den ein Sternchen markiert, kannst Du diesen Blog unterstützen und den Blog werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci !

Toulouse: Auf vielen Plätzen sprudeln Brunnen. Und haben Cafés und Bars ihre Tische nach draußen gestellt... Foto: Hilke Maunder
Auf vielen Plätzen wie hier auf der Place de la Trinité sprudeln Brunnen. Und haben Cafés und Bars ihre Tische nach draußen gestellt. Foto: Hilke Maunder
Merci fürs Teilen!

13 Kommentare

  1. Danke für diesen wunderbaren Bericht. Ich habe von Oktober 1980 bis März 1981 in dieser schönen Stadt gearbeitet.Ich denke gerne an die schöne Zeit zurück. Die Markthalle war immer mein Favorit. Da gab es ein kleines Café „les jardins de Li“ in dem ich häufig gewesen bin.

  2. Wunderbar, zusätzlich inspiriert von Deinem Artikel besuchte ich gerade bei meinem Aufenthalt einige Ausflugstipps. Zu schade: ich habe nicht alle geschafft. Sehr schön: ich sollte bald einfach nochmal nach la ville rose…

  3. Lange Zeit meine zweite Heimat. Es war eine Freude deinen Artikel zu lesen und in Erinnerungen zu schwelgen. Auch vieles Neues hast du für mich vorgestellt. Ich denke, es wird mal Zeit wieder eine Reise dahin zu machen. Danke

    • Oh, das freut mich, Martina! Meine auch 🙂 .Und ja, Toulouse befindet sich gerade einem tiefgreifenden Strukturwandel. Spannend! Ich habe dort erstmals in einem Apartment-Hotel gewohnt. Und bin überrascht, wie unbeschwert einfach dort ein Aufenthalt ist. Die Tram hielt vor der Tür. Kann ich Dir empfehlen – wie auch die Stadträder. Alles Gute und viele Grüße! Hilke

  4. Hallo, bin nächstes Wochenende für einen Tag in Toulouse zur Vorbereitung meiner Pilgerfahrt im Juni. Suche einen deutschsprachigen Stadtführer vor Ort. Kann man mir vielleicht weiterhelfen, da der Artikel so schön geschrieben ist.
    Liebe Grüße

  5. Merci für die vielen unterschiedlichen und interessanten Tipps. Das Hôtel du Taur kann ich ebenfalls empfehlen. Die Lage ist wirklich optimal zur Altstadt. Klasse, dass Du die Weinbar Père Louis erwähnst. Dort bin ich auch schon eingekehrt. Die Atmosphäre ist sehr ungezwungen, und man kommt schnell mit den anderen Gästen ins Gespräch. Ich bin bereits einige Male in der Stadt gewesen, aber Du hast wieder viele neue Anregungen aufgeführt, so dass es bald wieder heißen wird – Reiseziel Toulouse. Ich freue mich schon auf die nächsten spannenden Reisetipps, Claudine

  6. Seufz… Danke für diesen genussvollen gedanklichen Kurztripp. Am liebsten würde ich gleich los um einen Flug zu buchen und mit Deinen Tipps ausgestattet losziehen, sie Punkt für Punkt nachgehen… Herzliche Grüsse, Elke

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.