So viel Frankreich steckt in … Dresden

Blick auf Dresden mit den Brühlschen Terrassen. Foto: DML/Jan-Gutzeit
Blick auf Dresden mit den Brühlschen Terrassen. Foto: DML/Jan-Gutzeit

,,L’état c’est moi!“, das sagte sich vor 350 Jahren auch ein Herrscher an der Elbe: August der Starke (1670–1733). Der Kurfürst von Sachsen baute nach dem Vorbild Frankreichs ein merkantilistisches Wirtschaftssystem auf. Er gründete Manufakturen für Textilien, Gläser, Spiegel, Waffen, und später auch Porzellan, ließ alle Amtsregalien, Einkünfte und Nutzungen nach einheitlichem Schema erfassen und machte das Bürgertum zum Träger der wirtschaftlichen wie gewerblichen Entwicklung.

Doch anders als in Frankreich, wo Colbert als Finanzminister des Sonnenkönigs alles überwache, hatte August als absoluter Herrscher Erzeugnisse, Absätze, Gewinne und Verluste persönlich im Blick.

Der Sonnenkönig von Sachsen

Seinen Reichtum zeigte er in Prunkbauten, für die August der  Starke französische Architekten und Künstler engagierte. Louis de Silvestre wurde Hofmaler. Als obersten Baumeister holte der Monarch Zacharias Longuelune an die Elbe. Schloss und Hofkirche, Elbtor und Zeughaus, Palais und Brunnen entwarf und errichtete der Pariser, der 1748 in Dresden verstarb, im klassisch französischen Barock. Den Ausbau der Stadtbefestigungen und Kasernen übernahm ebenfalls ein Franzose: Jean de Bodt.

Der Dresdner Zwinger. Foto: Christoph-Münch_DML-BY-NC

Für die Hochzeitsfeierlichkeiten des Kronprinzen (1719) verpflichtete August der Starke den französischen Innenarchitekten Raymond Leplat mit der Neugestaltung der Audienzgemächer des Schlosses. Wie sie vor den Kriegszerstörungen von  1945 aussahen, verraten heute nicht nur zeitgenös­si­sche Zeichnungen und Stichen, sondern auch eine Farbfoto-Serie, den die Nazis kurz vor Ende des 2. Weltkrieges noch zu den Deckengemälden von Louis de Silvestre in Auftrag gegeben hatten.

Frankreichs 100 Millionen-Deal

Auch heute sind es immer öfter wieder Franzosen, die in der sächsischen Landeshauptstadt bauen. So will mit dem ERAFP der größte öffentliche Pensionsfonds Frankreichs  in der Elbmetropole ein neues Quartier  mit 211 Mietwohnungen und 137 möblierten Apartments, Büros, Läden und Bürofläche, Fitness- und Therapiezentrum, Kita und Gastronomie bauen lassen. 100 Millionen Euro werden in das Güntzareal der Johannstadt am Ufer der Elbe investiert. Mit im Boot ist der französische AXA-Konzern, dessen Immobilienentwickler die Transaktion mit der ZBI Zentral Boden Immobilien aus Erlangen eingetütet haben. Ende 2020 soll das neue Wohnviertel fertig sein.

Der Zwingerhof mit Semperbau, Gemäldegalerie, Französischem Pavillon und Deutschem Pavillon. Foto: DML/BY-Frank-Exß

Kulturpreis für lebendige Patenschaft

Bau und Architektur sind damals wie heute eine der wichtigsten Standbeine, die Dresden mit Frankreich verbindet. Und dies besonders mit Straßburg, mit dem Dresden die lebendigste seiner zwölf Partnerschaften unterhält. Das sagt nicht die Stadt, sondern würdigte bereits 2003 die Europäische Kulturstiftung mit dem Kulturpreis der Europäischen Regionen. Seit dem Wintersemester 2008/2009 können beispielsweise Architekturstudenten der TU Dresden mit der ENSAS Strasbourg einen gemeinsamen Studiengang belegen und ein Deutsch-Französisches Doppeldiplom erhalten.

Bereits drei Mal organisierte Dresden einen Austausch, von dem bereits die allerjüngsten Bürger der Partnerstädte profitierten. Zwei Erzieher aus Dresden und Straßburg tauschten für ein Jahr ihren Arbeitsplatz und brachten Kindern von drei bis zehn Jahren die Sprache und Kultur ihres Heimatlandes näher. Organisiert und pädagogisch begleitet wurde das Projekt vom Deutsch-Französischen Jugendwerk.

Regelmäßig finden neben Schüler- und Jugendaustauschen auch Künstlerbegegnungen statt. So wechseln Künstler der Partner für jeweils zwei Monate Atelier und Umfeld. Zur Fête de la Musique am 21. Juni reist eine Dresdner Band ins Elsass –  und eine Straßburger Band sorgt in Dresden für Stimmung.

Haute Cuisine & Bistronomie

„Ich habe die französische Kochkunst in Dakar gelernt, in Paris angewandt und in Dresden verfeinert“, sagt Mo, der mit vollem Namen Mohamed el Imam Aidara heißt. Der Küchenchef aus dem Senegal ist der Patron von La Fourchette im beschaulichen Stadtteil Striesen, wo junge französisch-karibische Feinschmeckerküche auf der Karte steht. Wie sie gelingt, verrät Mo jeden ersten Montag des Monats bei einem Kochkurs im eigenen Zuhause oder im stylischen Restaurant mit sonnengelben Wänden. Jeden Sonntag könnt ihr bei ihm typisch französisch brunchen.

Nur 25 Plätze gibt es im behaglichen Gewölbekeller des Petit Frank, nur wenige auch im Garten. Das kleine französische Restaurant in Dresden-Pieschen ist für viele Dresdner und Gäste die schönste Adresse für ein Candlelightdinner. Betrieben wird es von Frank Ollhoff, der nach seinem Zivildienst in Straßburg die Meisterschule als Koch absolviert hatte und, zurück in Dresden, im September 2003 sein eigenes kleines Frankreich in Dresden eröffnet hat. Heute unterstützt ihn André Fröbel am Herd.

Das Restaurant Caroussel in Dresden. Foto: DML/Archiv

Ein Michelinstern schwebt über dem eleganten Restaurant Caroussel, das im edlen Bülow-Palais  – als feines Privathotel Mitglied von Relais & Châteaux –  Haute Cuisine auf Meißner Porzellan serviert. Auch Marcel Kube hat sich ganz und gar der französischen Küche verschrieben und kreiert im Atelier Sanssouci, dem ehemaligen Fest- und Gartensaal der Villa Sorgenfrei, feine Gaumenfreuden  wie Herzbries vom Kalb oder Stubenküken mit Steckrüben.

Günstig, gut und typische französisch sind die süßen und salzigen Pfannkuchen, die die kleine Crêperie La Galette in der Neustadt bäckt und befüllt – die glutenfreie „Galette complet“ mit Kochschinken der alteingesessenen Fleischerei During, gehobeltem Gouda, Spiegelei, Tomaten und Schnittlauch. Wer nicht groß essen, aber dennoch französische Lebensart genießen möchte, pilgert in Dresden zum Frankreichladen „Savoir Vivre oder zur WeinKulturBar in der Wittenberger Straße, mit der sich der Sommelier Silvio Nitzsche einen Lebenstraum erfüllt.

Atelier Sanssouci: die Terrasse. Foto: DML-BY NC/Anke-Wollten-Thom

Frankreich & Dresden: was für Verbindungen

Deutsch-französische Gesellschaft Dresden

Die erste Deutsch-Französische Gesellschaft in den neuen Bundesländern ist aus dem Freundeskreis Französische Sprache und Kultur, der den bereits 1988 Dettlef Zimmermann gegründet hatte. Heute zählt die DFG Dresden e.V. zwanzig Mitgliedern. Sie treffen sich jeden dritten Donnerstag des Monats um 18.30 Uhr im Irodion Pallas, Bienert Strasse 55 / Ecke Münchner Strasse, in Dresden-Plauen.
• www.dfg-dresden.de

Institut français Dresden

Das Institut français vermittelt nicht nur Französischkenntnisse und testet sie, sondern bringt auch französische Gegenwartskunst in all ihren Bereichen dem Dresdner Publikum näher: Musik, Theater, zeitgenössischer Tanz, Kino, Bildende Kunst, Literatur oder Fotografie. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden und anderen lokalen Institutionen lädt das IF Dresden regelmäßig GeisteswissenschaflerInnen in, die die französische Sichtweise zu aktuellen Themen darlegen. Seine Mediathek bietet seit 1991 eine reiche Auswahl an Belletristik, Comics, DVD-Neuerscheinungen und neueste Musiktrends.
• https://dresden.institutfrancais.de

La Boule Rouge – Dresden 

Mehr als 80 Mitglieder zählt La Boule Rouge Dresden e.V., wo seit 2006 nicht nur dem Freizeitspiel Boule gefrönt wird, sondern auch dem Wettkampfsport Pétanque.
http://labr-dresden.de

Lehrstuhl Frankreichstudien & Frankophonie – TU Dresden 

Die Frankophonie umfasst die Welt. Daher gründete das Institut der Romanistik an der TU Dresden im Juli 1994 CIFRAQS, das sich auf frankophoner Nordamerika-, Kanada- und Québec-Studien in Forschung und Lehre konzentriert.‘
• www.frankophonie.de

Savoir Vivre Dresden

Croissant und Café au lait, Camembert und Chablis: Der Frankreichladen „Savoir Vivre“ bringt französische Lebensart nach Pieschen. Und nicht nur getafelt und getrunken, sondern auch getanzt wird dort!
• www.frankreichladen.de

Vincent Borrits – Théodore Gouvy Gesellschaft

Die deutsch-französische Théodore- Gouvy-Gesellschaft pflegt und verbreitet das musikalische Erbe von Théodore Gouvy im Rahmen des deutsch französischen Kulturaustausches. Sie ehrt insbesondere Théodore Gouvys Wirken in Sachsen und Deutschland und pflegt seine musikgeschichtliche Würdigung. Sie organisiert instrumentale und vokale kammermusikalische Aktivitäten, die deutsch-französische Aspekte berühren oder von ihnen getragen werden.


Wie viel Frankreich steckt in Deutschland? Das verrät euch meine neue Blogparade, die in Kooperation mit der Vereinigung der Deutsch-Französischen Gesellschaften für Europa (VDFG) das Jahr der Frankophonie 2018 begleitet. Alle bisherigen Beiträge findet ihr hier.

Ihr wollt, dass ich auch eure Stadt und ihre Verbindungen mit Frankreich vorstelle? Dann schreibt mit eine Mail! Ich freue mich auf ganz viele Tipps und Infos. Und sage: MERCI!

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