Der Étang de Cousseau am frühen Abend. Foto: Hilke Maunder
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Étang de Cousseau: Naturjuwel im Dünenland

Der Étang de Cousseau hat an der französischen Silberküste bei Lacanau eine Urlandschaft mit Dünen und Wald, See und Sumpf bewahrt. Bereits seine Entstehung ist faszinierend.

Es geschah in den Jahren 500 bis 1000 n. Chr.: An der Küste des Départements Landes entstanden Dünen – und versperrten nun den Abfluss des Wassers aus jener Tiefebene, die sechs Monate im Jahr lang überschwemmt war. Ein Sumpfgebiet mit Seen zwischen Hourtin und dem Bassin d’Arcachon entstand.

Um den Sandflug an der Atlantikküste zu stoppen, ließ Napoléon III im 19. Jahrhundert im großen Stil Strandkiefern pflanzen. Sie stoppten nicht nur den Sandflug, sondern trugen auch zur Trockenlegung des Hinterlandes bei. Einzig der Étang de Cousseau ist bis heute noch völlig ursprünglich erhalten.

Der bemeinsame Fuß- und Radweg führt bis zur inneren Reservatsgrenze. Foto: Hilke Maunder
Der gemeinsame Fuß- und Radweg führt bis zur inneren Reservatsgrenze. Foto: Hilke Maunder

Zu Fuß zu den „barkanes“

Im Sommer zirpen die Zikaden in den Wäldern, und die Luft ist erfüllt vom würzigen Duft der Kiefern. Von den ältesten Dünen führt ein gemeinsamer Fuß- und Radweg hin zu den barkanes, jenen zweiten, niedrigeren Dünen, die sich wie Halbmonde an die ältesten Dünen schmiegen. Ihre Spitzen sind nach Osten ausgerichtet.

Rehe, Wildschweine und Füchse leben hier. Tagsüber sind sie kaum zu sehen. Doch Fährten, Aufgewühltes und andere Spuren verraten, wie aktiv sie nachts sind.

Der zweite Teil des gemeinsamen Fuß- und Radwegs. Foto: Hilke Maunder
Der zweite Teil des gemeinsamen Fuß- und Radwegs. Foto: Hilke Maunder

Der Chemin du Mont

Der autofreie Weg folgt dem alten Chemin du Mont von Moutchic nach Maubuisson. Mont, Berg, nannten die Gascognais ihre Altdünenmassive. Auf Ochsenkarren transportierten sie einst das Holz aus dem Wald, aber auch Harz und Holzkohle.

Dort, wo ein Zaun das innere Schutzgebiet markiert und sämtliche Räder abgestellt werden müssen, weichen die Kiefern uralten Bäumen mit dicken Stämmen und einem Dickicht im Unterholz. Grüneichen und Stieleichen, Stechpalmen und Birnbäume säumen den Weg.

Echte Wildnis

Aus Holz errichtet: die beiden Aussichtstürme im Naturschutzgebiet von Cousseau. Foto: Hilke Maunder
Aus Holz errichtet: die beiden Aussichtstürme im Naturschutzgebiet von Cousseau. Foto: Hilke Maunder

Lianen baumeln zwischen den Ästen. Brombeeren erobern stachelig den Boden. Welch kleiner, wilder Urwald! Dann tauchen wuchtige Beine im Grün auf, und Stufen führen hinauf zu den beiden Aussichtstürmen: der Tour de Galip und der Tour de Lesperon.

Rund 20 Meter hoch sind die Aussichtstürme. Foto: Hilke Maunder
Rund 20 Meter hoch sind die Aussichtstürme. Foto: Hilke Maunder

Aus rund 20 Metern Höhe zeigen sie die ganze Vielfalt des Étang de Cousseau, der seit 1976 unter Naturschutz steht. Auf seinen 830 Hektar birgt er die typischen Landschaftsformen der Landes de Gascogne: Kiefernwälder, alte Dünen, barins (gascognischer Name für eine feuchte Zone zwischen den Dünen, die für Altdünen typisch ist), Teiche und Sümpfe.

Refugium für Flora und Fauna

Die Aussicht vom Turm auf die Sumpflandschaft. Foto: Hilke Maunder
Die Aussicht vom Turm auf die Sumpflandschaft. Foto: Hilke Maunder

Das Reservat verwaltet der SEPANSO Aquitaine, ein regionaler Verband von Natur- und Umweltschutzorganisationen. Rehe, Hirsche, Wildschweine, Dachse und Hasen lieben das Naturreservat. 39 Libellenarten schwirren umher.

Weiß wie die Wolken am Himmel ist das Unterfell des Schlangenadlers (Circaète Jean-le-Blanc / circaetus gallicus), und kaum sichtbar dunkel gepunktet. Auch diese Adlerart brütet wieder im Schutzgebiet. Sein Star jedoch ist der Europäische Fischotter. Hier hat er wieder Ruhe und Nahrung gefunden, die er für die Aufzucht seiner Jungen benötigt.

So ist der Rundwanderweg markiert. Foto: Hilke Maunder
So ist der Rundwanderweg markiert. Foto: Hilke Maunder

Der Marais de Talaris

Seit der Renaturierung des Marais de Talaris, bei der mehr als 200 Hektar Sumpfland mit Birken, Krötenbinse und Sonnentau wieder entstanden, überwintert der Aschenkranich am Étang de Cousseau. Waren es 1990 nur 50 Tiere,  2006 bereits 465 Vögel, sind es heute mehr als 2000 Kraniche.

Nachts schlafen die Vögel im Schutz des Sumpfs, tagsüber fliegen sie zu den Maisfeldern ringsum, ihrer Hauptfutterquelle. Ende Februar erheben die Zugvögel ihre 2,30 Meter großen Schwingen und machen sich auf den Weg in den Norden, wo sie den Sommer verbringen.

Der Étang de Cousseau. Foto: Hilke Maunder
Der Étang de Cousseau. Foto: Hilke Maunder

Die Kühe des Sumpfs

Auf den sumpfigen Weiden grasen die vaches marines landaises. Jahrhunderte lang lebten kleine, wilde Kühe frei an der Küste des Département Landes. Als lokale Rasse mit sehr altem Ursprung wandern sie je nach Jahreszeit frei zwischen den landeinwärts gelegenen Feuchtgebieten und der Dünenkette.

Im Jahr 1990 wurde die Rasse wieder in das Naturschutzgebiet eingeführt, wo sie seitdem gezielt gezüchtet wird. Um die Bioinvasion artfremder Flora zu bremsen, haben die Naturschützer die Kühe zu Verbündeten bei der Wiederherstellung des Sumpfes gemacht.

Schilf säumt den Étang de Cousseau. Foto: Hilke Maunder
Schilf säumt den Étang de Cousseau. Foto: Hilke Maunder

Tierische Naturschützer

Im Sommer wandern die Rinder durch das Moor und grasen die jungen Triebe von Birken, Pfeifengras und Knaulgras ab. Im Winter weiden sie in den barins.

Unterwegs am Étang de Couesseau: Beim Wandern und Schauen von den Aussichtstürmen lässt sich erahnen, wie es einst überall im Hinterland der gascognischen Küste ausgesehen hat.

Ein schöner Tag neigt sich dem Ende zu. Foto: Hilke Maunder
Ein schöner Tag am Étang de Cousseau neigt sich dem Ende zu. Foto: Hilke Maunder

Étang de Cousseau: meine Reise-Infos

Hinkommen

Von Lacanau aus die D6E1 in Richtung Carcans-Maubuisson nehmen; kostenfreier Parkplatz an der rechten Seite.

Wandern (Rad)

Geteilter Wander-/Radweg bis zum Zaun, der das innere Schutzgebiet umgibt.

Länge der Rundwanderung: 7,5 Kilometer; 2,5 Kilometer bis zum innersten Schutzgebiet

Zeit: 2,5 Stunden

Leichte Wanderung, ganzjährig möglich

Schlemmen und genießen

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